Ария (ARIJA / ARIA) - Die "russischen Iron Maiden"

Dieses Thema im Forum "IRON FISTS - Heavy Metal & Doom Metal" wurde erstellt von Acrylator, 4. März 2015.

  1. Acrylator

    Acrylator Till Deaf Do Us Part

    So, wurde ja in meinem KAT-Thread http://forum.deaf-forever.de/index.php?threads/kat-pl-satanischer-heavy-speed-thrash-metal-seit-den-80ern.1073/ damals auch schon von Ravenpride gewünscht, und da ich mir die ganzen Scheiben in letzter Zeit wegen der neuesten Vinyl-Wiederveröffentlichungen (2013/2014) öfter wieder reingezogen habe, hier mal mein Senf zu den "russischen Iron Maiden".


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    "Мания Величия"/"Mania Welichija" ("Megalomania") (1985)
    Das Debütalbum der erst im selben Jahr gegründeten Aria offenbart noch nicht ganz die spätere Klasse der Band (vor allem der Phase von 1987 bis 1991), ist aber schon ein sehr gutes erstes Album und muss damals in Russland wohl ein Unikum gewesen sein (Kruiz und Korrozia Metalla kamen ja erst zwei Jahre später mit nem Album um die Ecke und ansonsten gab's in Russland wohl Mitte der 80er kaum Bands, die sich dem Metal verschrieben hatten).
    Die zweistimmigen Gitarrenmelodien erinnern manchmal an Iron Maiden (allerdings längst nicht so sehr wie zwischen 1987 und 1995), nur das Schlagzeugspiel ist hier noch sehr simpel gehalten. Der dritte Song erinnert mit Bass und Schlagzeugrhythmus am Anfang hingegen an "Heaven And Hell" von Black Sabbath, entwickelt sich dann aber mit filigranen Gitarrenmelodien in eine ganz andere Richtung. Im kurzen Titelsong versucht man mit nur von E-Gitarre untermalten Chorgesängen etwas ganz eigenes, durchaus gelungen, wenn auch eher als atmosphärisches Zwischenspiel zu sehen. Mit dem hymnischen und sehr guten Gesang von Kipelov (dessen Stimme mich kurioserweise immer etwas an eine Mischung aus Klaus Meine und Gianna Nannini erinnert hat) konnte die Band weitere Akzente setzen. Das letzte Stück langweilt dann leider etwas, aber ein insgesamt wirklich guter Auftakt, wenn auch sehr dünn produziert (Sound ist aber durchaus noch in Ordnung).


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    "С Кем Ты?"/"S Kem Ty?" ("With Whom Are You?") (1986)
    Auf dem Zweitling der Band gibt es für mich leider mehr Stücke die ähnlich einfallslos und bieder wie das letzte Stück vom Debüt sind (Opener sowie der dritte und vielleicht noch der letzte Song), die Maiden-Melodien sind hier auch rarer gesät, dafür gibt man sich insgesamt etwas langsamer, stampfender, riffbetonter (wenn auch nicht wirklich härter), irgendwo zwischen Judas Priest, Saxon, Accept und etwas Iron Maiden (sowie auch ein wenig Eigenständigkeit, vor allem im guten Titelsong), jedoch oft noch weit entfernt von der Klasse dieser Bands. Die Produktion klingt für 1986 außerdem ziemlich glatt und künstlich (ähnlich der "Turbo" von Priest - gut, die Gitarren sägen hier mehr), vor allem das Schlagzeug - könnte auch ein Drumcomputer sein, den man hier hört und überhaupt ist das Schlagzeugspiel abermals recht simpel und einfallslos. Das alles zusammen macht "S Kem Ty?" für mich insgesamt etwas schwächer als das Debüt. Allerdings bietet es auch einige Highlights - neben dem abwechslungsreichen Titelsong z.B. noch das zweite Stück, auch wenn das Anfangsriff hier stark nach Saxons "Princess Of The Night" klingt. Das Stück ist aber toll arrangiert und mit schönen Gitarrenmelodien und Rhythmuswechseln versehen. Eine gelungene Halbballade gibt's mit "Bes Tebja" ebenfalls.
    Nach der Veröffentlichung verließen die meisten Leute die Band (wenn ich mich recht entsinne, gründeten zwei davon die eher im Thrash angesiedelte Band MASTER) und ließen nur Kipelov und Gitarrist Vladimir Cholstinin zurück, die recht bald daraufhin die Band neu formierten.
    (Allein wegen des tollen Covers musste ich mir die Scheibe aber schon holen und schlecht ist das Gebotene ja nun auch nicht, zumindest für die Highlights lohnt sich das Album schon).


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    "Герой Асфальта"/"Geroj Asfalta" ("Hero Of The Speedway") (1987)
    Das Album stellt eine deutliche Steigerung zum Vorgänger dar, wenn auch nun oft überdeutlich an Maiden angelehnt, aber durch einige der mal hymnischen, mal melancholischen Gesangsmelodien doch irgendwie auch noch recht eigenständig. Der Anfang vom ersten Song direkt nach dem Intro ist außerdem schon in so hoher Geschwindigkeit gespielt, dass ich jedes Mal kurz denke, ich hab die Platte aus Versehen auf 45 RPM laufen (zumal die Töne auch recht hoch klingen)... :D Die Stücke sind nun auch rhythmisch deutlich komplexer aufgebaut, womit sich der Weggang des alten Schlagzeugers für mich als absoluter Glücksfall entpuppt.
    Die Produktion ist auch erheblich besser als bei den Vorgängern (natürlicher als bei "S Kem Ty?", aber druckvoller als beim Debüt), wie eigentlich auch jeder einzelne Song, von denen das dramatische "Ulica Ros" oder das abschließende achteinhalb-Minuten-Epos neben dem rasanten Opener noch hervorzuheben sind. Abwechslungsreichtum und tolle Melodien gibt's hier wirklich zentnerweise. So einige Gitarrenpassagen versprühen außerdem wirklich eine unglaubliche Magie, die nur wenige Bands zu kreieren imstande sind!
     
    Zuletzt bearbeitet: 8. August 2018
  2. Acrylator

    Acrylator Till Deaf Do Us Part

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    ARIJA - "Игра С Огнем"/"Igra S Ognem" ("Playing With Fire") (1989)
    Das 89er Album wäre für mich von allen nach Maiden klingenden Alben anderer Bands wohl das beste oder zumindest eines der besten und schon ziemlich nah an der Perfektion - wenn nicht das nur ganz nette und recht seichte Stück am Schluss der Scheibe wäre, das im Grunde nur so vor sich hinplätschert.
    Der enorm abwechslungsreiche und wieder recht schnelle Opener kann es aber locker mit dem vom Vorgänger aufnehmen und auch sonst gibt's hier (wie gesagt, vom letzten Song abgesehen) nur erstklassige Stücke. Der neunminütige Titelsong ragt noch mal ein wenig heraus, auch wenn der erste ruhige Zwischenteil doch recht dreist beim Intro von MAIDENs "To Tame A Land" geklaut ist (immerhin in der zweiten Hälfte leicht variiert). das zweistimmige Gitarrenlead kurz vorm zweiten ruhigeren Teil erinnert mich sogar etwas an gute alte HELSTAR! Insgesamt ist es jedenfalls Wahnsinn, was in diesem Stück alles passiert, auch düstere sowie ziemlich harte Momente gibt es, sodass eigentich so ziemlich die gesamte Bandbreite des bisherigen Stils der Band sich in diesem einen Song zeigt.
    Was auf dem Album außerdem positiv auffällt, ist, dass sowohl manche härtere Gitarrenparts, als auch die Produktion eher an Alben wie "Piece Of Mind" und auch "Killers" als an die damals aktuelle Scheibe der britischen Kollegen erinnern (nur deutlich mehr Hall hat der Sound hier). Arija gehen hier genauso abwechslungsreich, aber eben auch mal ne Ecke wilder und rauher als Maiden zu der Zeit zu Werke.


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    "Кровь За Кровь"/"Krow Sa Krow" ("Blood For Blood") (1991)
    Zwei Jahre später kam von der Band eine weitere großartige Scheibe. Abermals paaren sich hoher, technischer Anspruch an den Instrumenten mit eingängigen, mitreißenden Melodien und geradezu beängstigendem kompositorischem Talent! Bei Stücken wie z.B. dem flotten Opener, "Antikrist" (mit breaklastigem, sehr eigenständigen Beginn und einem von einem Schrei eingeleiteten, sehr maiden-lastigen aber grandiosen Finale) und dem vierten Stück (mit Clairvoyant-Gedächtnis-Rhythmus), sowie dem Titelsong (mit tollem, erst ruhigen, dann sich steigernden Mittelteil) bekomme ich Gänsehaut und komme zu dem Schluss, dass Maiden seit den 90ern definitiv keine besseren Songs mehr gemacht haben, auch nicht mit ihren Highlights aus der Zeit. Einzig das Cover ist diesmal wirklich eine ganz bittere Enttäuschung - sieht es auf CD-Größe noch einigermaßén akzeptabel aus, offenbart sich beim LP-Cover ein billig hingepfuschtes Werk mit lächerlich/niedlich dreinschauendem Dämon/Monster im Himmel. Dabei ist das Motiv an sich eigentlich ganz gut, Derek Riggs hätte damals sicher ein tolles Cover draus gemacht (man wird aber dadurch entschädigt, dass dieses Album immerhin musikalisch besser ist als das auch nicht schlechte, wenn auch bis dahin schwächste Album der eisernen Jungfrauen, "No Prayer For The Dying").


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    "Ночь Короче Дня"/"Notch Korotche Dina" ("The Night Is Shorter Than The Day") (1995)
    Dies ist wohl das Album mit dem deutlichsten Maiden-Einschlag - wobei “Einschlag” hier eigentlich arg untertrieben ist, man kann hier wirklich fast jeden Gitarrenpart einem bestimmten Song von Maiden zuordnen. Der Opener erinnert am Anfang z.B. stark an “Infinite Dreams”, die ersten drei Töne vom achten Stück sind 1zu1 von “Seventh Son Of A Seventh Son” (Titelsong) geklaut, danach kommt eine leicht an “The Evil That Men Do” angelehnte Melodie und überhaupt klingt das ganze Album sehr stark nach dem 88er Werk von IRON MAIDEN, auch soundtechnisch ist alles wieder viel glatter (noch deutlich glatter als z.B. auf "SIT" oder "7th Son" von Maiden). Nur ein Part bei einem Stück ist klar bei “The Aparition” geklaut und noch bei einem anderen kommt ein weiterer Teil vom “Fear Of The Dark” Album zum Zuge (der ruhige Teil von "Fear Is The Key", wenn mich meine Erinnerung nicht trügt).
    Zudem ist hier das Songwriting insgesamt nicht mehr so mitreißend und von überraschenden Wendungen durchzogen wie auf den Vorgängern (der Schlagzeugsound klingt auf der Scheibe außerdem recht blechern und billig), einzig im abschließenden, überlangen Titelsong ziehen die Russen noch mal alle Register.
    Insgesamt für mich aber bis dahin eindeutig das schwächste (bzw. das bis dahin einzig schwächere) Album seit "S Kem Ty?", was aber eben hauptsächlich am dünnen Sound und dem hier nun wirklich schon dreisten Ideenklau bei Maiden liegt, die Songs an sich sind schon gut.
    Für Maiden-Fans, die unbedingt eine Ersatzdroge brauchen und sich nicht an gut gemachten Plagiaten stören, daher sicher dennoch empfehlenswert, da handwerklich einfach makellos (bis auf die Produktion).
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. April 2019
    Dominik2, Andy81, Angelraper und 7 anderen gefällt das.
  3. Acrylator

    Acrylator Till Deaf Do Us Part

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    "Генератор Зла"/"Generator Sla" ("Generator Of Evil") (1998)
    Was hier im Verhältnis zum Vorgänger sofort auffällt, ist der deutlich direktere, natürlichere Sound (mehr "No Prayer For The Dying" als "7th Son"). Alles klingt direkter, rauher, wuchtiger, aber auch transparenter und ist mit deutlich weniger Hall versehen. Außerdem versuchte die Band hier spürbar, sich von den Vorbildern zu lösen und agiert deutlich eigenständiger als auf dem 95er Album, auch wenn Maiden natürlich nach wie vor in einigen Gitarrenmelodien durchklingen.
    Der Opener fängt noch recht gewöhnlich an, bietet aber dann in knapp viereinhalb Minuten eine fast schon beängstigende Zahl an Rhythmuswechseln und bringt das Kunststück fertig, dabei noch eingängig und mitreißend zu klingen (eine Eigenschaft, für die ich viele der Maiden Songs der 80er immer geliebt habe, hier allerdings fast noch etwas unvorhersehbarer, zumindest etwas weniger eingängig dargeboten), super Auftakt!
    Der zweite Song bleibt durchgehend in stampfendem Tempo, bietet aber dennoch einiges an Abwechslung und wunderschönen Melodien. Das dritte Stück ist dann eine richtige Hymne, mit tollem, dramatischem Gesang (wie man ihn von der Band kennt), der auch keinerlei Erinnerungen an Iron Maiden aufkommen lässt (auch wenn der Anfang musikalisch durchaus wieder kurz danach klingt). Der Mittelteil wirkt für die Band auch fast schon experimentell. Danach wird's noch untypischer, sehr cooler, teils relaxter Rocksong mit einigen Wandlungen!
    Es geht sehr gut und meist eigenständig weiter, ein weiteres Highlight wäre noch das wieder ziemlich Maiden-lastige sechste Stück (so gute Songs haben Maiden nur in dem Jahr längst nicht mehr hinbekommen, vor allem, wenn es um kürzere, schnelle Songs geht).
    Die Ballade "Sakat" und der letzte Song fallen leider etwas ab, ich würde hier aber trotzdem eindeutig vom besten der "späteren" Alben der Band sprechen, es reiht sich durchaus knapp hinter den Klassikern von 1987 bis 1991 ein! Hätte man hier als Abschluss den Titelsong vom Vorgängeralbum platziert, hätte man jenes wohl getrost komplett ignorieren, und dafür dieses zu einem der allerbesten Alben der Band zählen müssen (letzteres muss man aber eigentlich auch so).


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    "Химера "/"Chimera" (2001)
    Nicht mehr so stark wie der Vorgänger, jedoch dank eines wieder recht rauhen, harten Sounds und teilweise düsterer Stimmung erheblich besser als das 95er Album. Vor allem ist auch "Chimera" deutlich eigenständiger, ähnlich wie schon auf dem Vorgänger hat die Band hier nach der fast 1-zu-1-Maiden-Kopie "Notch Korotche Dnia" wieder versucht, eigene Akzente zu setzen.
    Am besten gelungen ist dies vielleicht im ruhig beginnenden, dann härter werdenden "Shtil" und auch dem abwechslungsreichen letzten Stück (das auch als längstes Epos des Albums mit immerhin unter 7 Minuten Länge auskommt). Der einzige Kritikpunkt, den ich hier hätte, wäre der, dass schnellere Ausbrüche komplett fehlen. Fast alles ist im mal stampfenden, mal gehobenen Midtempo angesiedelt und wirkt dadurch, wenn man die Alben Ende der 80er / Anfang der 90er (oder auch den Vorgänger) vor Augen hat, durchgehend fast wie mit angezogener Handbremse gespielt.
    Trotzdem eine gute Scheibe, die erneut beweist, dass die Band auch eine gute Figur macht, wenn sie sich nicht mehr zu sehr an den britischen Vorbildern orientiert (auch wenn natürlich trotzdem immer wieder mal Erinnerungen an Maiden wach werden).
    Danach verließ Originalsänger Kipelov leider die Band und macht seitdem unter eigenem Namen weiter (mit dem Projekt hab ich mich bisher allerdings noch nicht befasst).


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    "Крещение Огнем"/"Kreschenie Ognem" ("Christening By Fire") (2003)
    Hier wurde die spröde Rohheit im Sound wieder etwas zurückgefahren, aber der ist immer noch meilenweit von dem polierten Sound der 95er Scheibe entfernt. Jedoch kehrte man wieder zu einem deutlicher an Maiden angelehnten Stil ("Fear Of The Dark"-Phase) zurück. Der neue Sänger macht seine Sache im Grunde technisch sehr gut, singt auch ähnlich wie sein Vorgänger, klingt mir persönlich jedoch etwas zu aufgesetzt theatralisch. Außerdem nerven mich die "Ohoho-Chöre" in einigen Stücken. Das achteinhalb-minütige "Padau" ist dann ein erster Höhepunkt auf dem Album, kann wieder mit einem guten Aufbau glänzen, jedoch bleibt auch hier (wie schon beim Vorgängeralbum) für mich manchmal der Eindruck, alles sei mit angezogener Handbremse gespielt worden. Beim siebten Song hat das Hauptriff zwar nichts mit Maiden zu tun, ist aber dennoch eines von der Sorte "1000-Mal gehört". Wobei der ruhige zwischenpart vor dem Refrain auch wieder Eigenständigkeit offenbart (und im Mittelteil gibt's eine fast an "Walls Of Jericho"-Helloween erinnerndes Gitarrenmelodie). Ein weiteres Highlight bildet dann der hymnische Abschlusstrack mit tollen Gitarrenmelodien.
    Insgesamt für mich aber dennoch neben "Notsch Korotsche Dnia" das schwächste Album seit "S Kem Ty?" (was aber überwiegend am inflationären Gebrauch kitschiger "Ohohos" liegt und noch längst nicht heißt, dass es ein wirklich schwaches Album ist).
     
    Zuletzt bearbeitet: 19. April 2019
  4. Acrylator

    Acrylator Till Deaf Do Us Part

    Die folgenden Alben besitze ich nicht, das erste davon hatte ich mal als MP3-Album, die anderen beiden hab ich mir je ein- bis zweimal auf Youtube angehört. Hier also meine "ersten" (und vielleicht auch letzten) Eindrücke dazu:

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    "Армагеддон"/"Armageddon" (2006)
    Das Album zeigt wieder einige leichte Neuerungen im Stil/Sound. Der Opener basiert im Strophenteil auf simplen "Power Metal" Riffs mit einfallsloser, schneller Double-Bass unterlegt, wie es Jörg Michael so gerne macht (erinnert mich aber hier eher an neuere Manowar). Allerdings ist man auch hier um Abwechslung bemüht, im ersten Refrain kommt ein fast nach Pantera klingendes Riff, bei der späteren Wiederhlung des Refrains aber ein ganz anderes, ansonsten kommen auch wieder Maiden-artige Doppel-Leads zum Zuge und gegen Ende wird's dann noch mal recht dramatisch, eigentlich auch ziemlich cool, wenn nicht wieder die "Ohoho-Chöre" dazu wären.
    Die folgenden Stücke sind ähnlich abwechslungsreich, wobei "Viking" und "Chuzoy"dann sehr simple Stampfer sind, ersteres mit stumpfem Riffing, wie es in den 90ern angesagt war, letzteres etwas melodischer aber ähnlich einfallslos. Die obligatorische Ballade gibt's natürlich auch, die zwar nicht schlecht ist, für mich aber kaum spannender als die beiden vorangegangenen Songs. Das letzte Stück erinnert dann rhythmisch und vom Riff während der Strophen her wieder etwas an neuere Manowar, allerdings mit anderen Gitarrenmelodien. Ich finde auf jeden Fall, dass die letzten vier Songs hier allesamt recht einfalls- und belanglos rüberkommen. Insgesamt muss man aber sagen, dass die Band im Grunde auf ziemlich hohem Niveau weitermacht (vor allem in der ersten Albumhälfte), mich jedoch aufgrund des neuen Sängers und eines abermals glatteren Sounds, wie vor allem der verringerten rhythmischen Komplexität nicht mehr wirklich packen kann und sich zum Vorgängeralbum auch noch mal einen kleinen Tick verschlechtert hat (was aber nur an den letzten vier Stücken liegt).


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    "Феникс"/"Feniks" ("Phoenix") (2010)
    Gefällt mir da wohl insgesamt wieder einen Tick besser, auch wenn im Grunde die Linie des Vorgängers beibehalten wurde, aber über Albumlänge wieder mit etwas abwechslungsreicherem/kreativeren Schlagzeugspiel (das mir trotzdem hier und da noch zu viele Standards bietet). Das elektronische Intro überrascht zwar kurz, aber der erste Song danach ist definitiv um ein Vielfaches besser als z.B. der biedere, lahme Opener vom letzen MAIDEN Album.
    Auch Insgesamt muss ich sagen, dass die Band es hier zumindest auf Albumlänge gesehen besser als ihr britisches Vorbild im Jahre 2010 versteht, Songs zu schreiben die gut unterhalten und nie langweilig sind (die Highlights der letzten MAIDEN-Alben gefallen mir allerdings trotzdem noch etwas besser als die der Russen, bei denen sich dafür alles ziemlich auf einem Niveau bewegt). Der Knackpunkt ist hier für mich wohl in erster Linie der Sänger.


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    "Через Все Времена"/"Cheres Wse Wremena" ("Through All Times") (2014)
    Vielleicht einen Tick härter/riffbetonter geht die Band hier zu Werke, ansonsten ist im Grunde alles beim Alten. Manche der Riffs sind zwar vielleicht etwas einfallslos (wie bereits auf "Armageddon"), aber das gleicht die Band meist durch interessant und abwechslungsreich aufgebaute Songs aus.
    Was mir hier jetzt übrigens in der Übersicht mit allen Covern auffällt - wie kann es eigentlich sein, dass ARIA in den letzten Jahren (eigentlich schon seit 1995) durchgehend deutlich bessere Coverartworks haben als MAIDEN?


    Insgesamt kann ich der Band jedenfalls eine recht beachtliche Diskografie attestieren. Nicht viele Bands schaffen es, 30 Jahre lang ihren Stil zu verfolgen und dabei auch (leichte) Modifikationen und neue Einflüsse zuzulassen und eigentlich immer Überdurchschnittliches (in relativ regelmäßigen Abständen) abzuliefern. Mich können die Scheiben seit dem Ausstieg von Kipelov zwar insgesamt nicht mehr so packen, aber mies geht definitiv anders. Mein Bedarf an leicht modernisiertem traditionellen Heavy Metal geht inzwischen aber auch gegen Null, so dass ich Leuten, die im Gegensatz zu mir auch von klassischem Heavy Metal neueren Aufnahmedatums nicht genug bekommen können, die Band auch heute noch ans Herz legen kann.

    Wer an der Band gefallen findet, kann ja auch mal in meinem TURBO-Thread stöbern: http://forum.deaf-forever.de/index.php?threads/turbo-die-polnischen-iron-maiden-und-mehr.1070/

    Ach ja, einige der im letzten und vorletzten Jahr auf Vinyl wiederveröffentlichten Alben von Arija bekommt man übrigens gerade noch zu einigermaßen erschwinglichen Preisen im Amazon Marketplace (einige scheinen aber selbst in Russland schon ausverkauft zu sein, wo ich meine bestellt hatte), z.B.:
    http://www.amazon.de/gp/offer-listing/B00EZE0O80/ref=dp_olp_new?ie=UTF8&condition=new
    http://www.amazon.de/gp/offer-listing/B00E9RD1YW/ref=dp_olp_new?ie=UTF8&condition=new
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. März 2015
    Andy81, Blooddawn1942, zopilote und 5 anderen gefällt das.
  5. Acrylator

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  6. Acrylator

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  7. Acrylator

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  8. Acrylator

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  9. SouthernSteel

    SouthernSteel Till Deaf Do Us Part

    Vielen vielen Dank, hatte die Band schon immer auf dem Schirm, aber nie eine Note von ihnen gehört. Jetzt hast du mich aber angefixt...
     
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  10. Hugin

    Hugin Till Deaf Do Us Part

    Sehr toll geschrieben und sehr schön, dass du mich drauf aufmerksam gemacht hast, dass letztes Jahr ein neues Album erschienen ist. Das war mir bisher entgangen. Wird demnächst geordert. Man will ja komplett bleiben.

    Und wie andernorts schon gesagt: In der Wahl besserer Artworks reflektiert sich lediglich die in den letzten 10-15 Jahren auch höhere musikalische Klasse von Aria gegenüber Maiden.
    ;)
     
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  11. Acrylator

    Acrylator Till Deaf Do Us Part

    Danke!
    Joa, wenn man auf den neuen Sänger klarkommt, kann man das wohl so stehenlassen und noch mindestens zwei Jahre draufpacken.
    ("Brave New World" und "A Matter Of Life And Death" finde ich allerdings besser als die ungefähr zur gleichen Zeit veröffentlichten Alben von Aria.)
    Wobei ich ja finde, dass es bei Maiden in den letzten Jahren innerhalb eines Albums qualitativ einfach extrem auseinandergeht, da gefallen mir oft die (rar gesäten) besten Stücke besser als die der neueren Aria Alben (was aber häufig auch am Sänger liegt), während die schwächsten Songs die von Aria bei weitem unterbieten und insgesamt einfach recht viele (zu lange und) langweilge Passagen vorkommen. Die Alben der Russen sind einfach meist durchgehend auf ziemlich hohem Niveau und spannend (von den letzten vier Stücken der "Armageddon" vielleicht mal abgesehen).
    Am krassesten finde ich den Unterschied wohl 1998 - da gebe ich dem Album von Aria in jeder Hinsicht ganz eindeutig den Vorzug vor "Virtual XI". 2010 sieht's wohl ähnlich aus und bereits "Krov Sa Krov" finde ich besser als die wirklich noch guten "No Prayer" und "Fear Of The Dark".
    Und ob Maiden das letzte Album der Russen überbieten können, wage ich auch kaum zu hoffen.

    Allerdings gefallen mir in dem Bereich im direkten Vergleich die letzten drei Alben der polnischen TURBO noch besser (auch wenn das letzte etwas schwächer war) als die letzten vier oder fünf von Aria. Vielleicht, weil die musikalisch mindestens genauso hochwertig und spannend sind, aber auf mich gesanglich nicht so aufgesetzt musicalmäßig wirken (wenn auch manchmal ähnlich theatralisch).
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. März 2015
  12. Acrylator

    Acrylator Till Deaf Do Us Part

    Hab gerade die neue Doppel-LP von der "Generator Sla" bek0mmmen, und merke mal wieder, was für ein geiles Album das ist! Wirklich das beste der letzten 20 Jahre von der Band (und für mich auch besser als alle Alben von Maiden aus der Zeit)!

    Ich frage mich, warum @Ravenpride sich hier noch nicht blicken lassen hat, obwohl er damals schon fast um diesen Thread gebeten hat...:D
    Oder liest du nur mit und schreibst nichts?
     
  13. Ravenpride

    Ravenpride Till Deaf Do Us Part

    @Acrylator Ich hab den Thread gerade erst gesehen! :hmmja: Beginne am Nachmittag mit dem lesen! ;)
     
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  14. Church

    Church Deaf Dealer

    Mahlzeit!

    ARIJA sind auch für mich eine der liebsten Kapellen auf diesem Erdenrund, und ich kann jedem nur raten, sich die Band live anzusehen, falls sie in Eurer Nähe spielen.
    2004 zum Beispiel hat die Band anläßlich des xx-ten Bestehens (ich weiß es nicht mehr genau, auf jeden Fall ein unrunder Jahrestag) des legendären Berliner "Knaack"-Klubs im selbigen gepielt; hab nur durch Zufall damals noch eine Karte bekommen können. Es war ein denkwürdiger Abend. Kennt irgendwer der hier Anwesenden den Knaack-Klub in Berlin, zumindest den alten? Wo es noch über den Hinterhof reinging? Normalerweise ist man von der Hauptstraße (Greifswalder Str. im Prenz'lberg) durch den ersten Hinterhof zum Eingang gekommen und mußte durch einen zweiten Durchgang mit dem kleinen Kassenhäuschen zum eigentlichen Eingang im zweiten Hinterhof. Als ARIJA an dem besagten Abend im Februar 2004 in Berlin spielten, war der Durchgang zum zweiten Hinterhof verschlossen; eine Menge - zumeist russische Fans (nahezu alles Spätaussiedler aus der ehemaligen UdSSR) - hatte sich bereits davor versammelt und wir paar Deutsche mittendrin. Die Menge skandierte euphorisch "ARIJA!"-Rufe und wenig später öffnete sich das Tor zur Kasse, was mit einem lauten Gejubel begrüßt wurde. Nach der Kartenkontrolle wurde an dem Abend jeder Gast mit einem Stamperl voll Wodka begrüßt, und nach zwei Vorbands, die mich nicht sonderlich interessierten, kamen dann ARIJA auf die Bühne. Was für ein Empfang durch das Publikum und erst recht was für ein Konzert!!! Die Band spielte nahezu anderthalb Stunden, und die Fans sangen (!!!) - ich schreibe wirklich: sie sangen - jeden Text frenetisch mit. Das Publikum, an dem Abend bestimmt zu gut 80 % nur "Russen" und davon wiederum mehr als die Hälfte wirklich hübsch anzusehende Frauen, tanzte - vor allem die Mädels - auf nahezu jedem Tisch und Barhocker, den es im Knaack gab. Einziges Manko an dem Abend war das magere Merchandise-Angebot mit allerdings ganz schön angezogenen Preisen: CD's waren entweder Mangelware oder schon restlos ausverkauft, Platten (Vinyl) gab es gar nicht, und die T-Shirts kosteten damals stolze 20 Euro das Stück. Sowas ist man bei einem Klub-Konzert eigentlich eher gar nicht gewohnt, aber an dem Abend dachte ich mir: 'Wer weiß, ob Du die jemals wieder siehst - vielleicht nie wieder, und dann beißt Du Dir vermutlich in Deinen Hintern, daß Du Dir damals kein Shirt mitgenommen hast...' Also hab ich mir ein "Krestschenije Ognjem"-Shirt gegönnt, und ich muß sagen, ich bin von der Qualität des Teils immer noch begeistert!
    Das zweite Mal habe ich ARIJA dann im Rahmen der "Tage der Deutsch-Russischen Freundschaft" im Sommer 2008 auf der Trabrennbahn in Berlin-Karlshorst gesehen, und da haben sie für lau gespielt. Wir - meine Lebensgefährtin und ich - hatten von einem Bekannten eine E-Mail mit der Nachricht zu dem besagten kostenlosen Open Air-Auftritt bekommen und sind spontan nach Berlin zu dem Konzert gefahren. Auch hier das für mich ähnliche Bild: weit über 80 % des Publikums aus der ehemaligen Sowjetunion und davon auch wieder rum mehr als die Hälfte Mädels, die wirklich jeden Song mitsangen! Auch an dem Abend nehzu 90 Minuten Spielzeit mit allen bekannten Songs der Band. Es war fantastisch!!! Nur Merchandise hatte ich dort nirgends entdecken können, es war wie verhext! Man hat aber auch niemanden mit neu aussehenden Shirts der Band herumlaufen sehen, von ein paar vereinzelten alten Motiven mal abgesehen. Das fand ich schade, denn da hätte ich mir zu gerne ein weiteres ARIJA-Shirt zugelegt.
    Wie geschrieben: wenn Ihr die Chance bekommt die Band live zu sehen, nutzt sie! Ihr werdet es nicht bereuen!!!


    Grüße,
    Church
     
  15. Ravenpride

    Ravenpride Till Deaf Do Us Part

    So, alles durch gelesen! :) Sehr schön geschrieben @Acrylator . :top: Jetzt wart ich noch auf nen OSSIAN Thread. :D
    Bis jetzt hab ich von ARIA leider nur 2 CDs, die "Blood For Blood" und die "Playing With Fire". Welche sollte ich als nächstes suchen? Ich denke Vorgänger und Nachfolger wäre Sinnvoll, oder?
     
  16. Acrylator

    Acrylator Till Deaf Do Us Part

    Danke! Zwei der allerbesten hast du immerhin schon mal, ich würde den ebenso genialen Vorgänger und das 1998er Album empfehlen, da ich letzteres insgesamt ne Ecke besser als den 95er Output finde. Aber der muss dann über kurz oder lang vielleicht auch noch her, wie auch das Debüt und "Chimera"...:D
    Hm, ich überlege gerade, ob ich nun, da ich die Doppel-LP habe, meine "Generator Sla" CD verkaufe, ist ja eigentlich überflüssig, die doppelt zu haben...

    Ach ja, mit Ossian kann ich leider nicht dienen, die kenne ich nur auszugsweise.
     
  17. Rotfuchs

    Rotfuchs Till Deaf Do Us Part

    Gerade dabei der "Игра с огнём" eine Chance zu geben. Bis jetzt ziemlich guter Stoff, muss mich mal weiter reinhören...
    Kennt hierzulande anscheinend mal wieder nur der harte Kern.
     
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  18. Dunkeltroll

    Dunkeltroll Till Deaf Do Us Part

    Zuletzt bearbeitet: 23. Dezember 2015
  19. Hugin

    Hugin Till Deaf Do Us Part

    Bei ARIA bin ich zwar komplett, was die Studioalben angeht, aber es könnte gut sein, dass ich da mal bei den MASTER/MACTEP-Alben ein wenig wildere, daher auch meinerseits danke für den Link.
     
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  20. Hugin

    Hugin Till Deaf Do Us Part

    Gesagt, getan. Mir selbst ein Weihnachtsgeschenk bereitet und die MACTEP-Diskographie geordert. Acht Euro pro CD inkl. Porto ist nun mal echt ein fairer Preis.
     
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