Allgemeiner Bücher-Thread

Hab in diesem Jahr so viel gelesen wie lange nicht. Band 2 von Jay Kristoffs Vampirsaga und Band 1 von „Red Rising“ von Pierce Brown hab ich beendet.

Heute spontan „The Will Of The Many“ von James Islington mitgenommen. Kennt das jemand?
 
Wer etwas Zeit in seinem Leben übrig hat und diese gerne mit Tiefe füllt, dem seien diese Schwergewichte der Theologie ans Herz gelegt.

Die (alten) Kirchenväter bleiben erstmal außen vor und die Mystiker, wobei ich behaupten möchte, dass alle der genannten Theologen Mystiker waren, auch wenn sie sich selbst explizit nie so bezeichneten. Aber wie im Falle des schweizer Theologen

Hans Urs von Baltharsars auch eng mit ihnen in Verbindung stand (Adrienne von Speyr).
Philosophie und Theologie sind bei ihm eng verzahnt und in eine so kunstvolle Sprache gegossen, dass sie der von Rilke und Hesse sehr nahe kommt. Überhaupt spielt Literatur eine große Rolle. Goethe, Lessing, Nitzsche (sind eigene Bände gewidmet), Rilke, Hölderlin überhaupt die Romantik (Früh/Spät) hatte einen großen Einfluss nicht nur auf die Sprache, auch auf das Denken.
Wo anfangen? "Apokalypse der deutschen Seele"(Frühwerk, aber was für Eines) dann das Hauptwerk: Herrlichkeit, Theodramatik, Theologik

Auf evangelischer Seite, der ebenfalls aus der Schweiz stammende Kollege

Karl Barth. Baltharsar und er schätzten sich trotz unterschiedlicher Ansätze sehr. Auch bei Barth spielt Politik eine große Rolle, er rief immer wieder zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus und Massenvernichtungswaffen auf, setzte sich für die Ökumene ein, heute würde man sagen er war stabil.
Sein Hauptwerk, "Kirchliche Dogmatik" ist es auch, aneinandergereiht, ein großer, protestantischer Altar, der den Protestantismus von da an mitprägte. Oben auf aber auch ein kleines, aber nicht weniger wirkungsvolles Büchlein: Der Römerbrief (beide Fassungen)

Da mir die Zeit wegrennt und damit auch die Straßenbahn, später etwas mehr u.a. mit Küng/Stein/Guardini
 
Zuletzt bearbeitet:
Na gut die Straßenbahn, lässt mir noch Raum für Rahner.
Noch ein Karl. Karl Rahner. Jesuit. Auch sein Werk äußerst umfangreich und einflussreich auf die Theologie des 20 Jahrhunderts. Sein Beitrag im zweiten vatikanischen Konzil war wesentlich und sein Buch:
"Grundkurs des Glaubens", Grundstock eines jeden Theologiestudenten.
Sein schönster und weitsichtigster Satz:
"Der Fromme von morgen, wird ein Mystiker sein, einer, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein."
 
Wer etwas Zeit in seinem Leben übrig hat und diese gerne mit Tiefe füllt, dem seien diese Schwergewichte der Theologie ans Herz gelegt.

Die (alten) Kirchenväter bleiben erstmal außen vor und die Mystiker, wobei ich behaupten möchte, dass alle der genannten Theologen Mystiker waren, auch wenn sie sich selbst explizit nie so bezeichneten. Aber wie im Falle des schweizer Theologen

Hans Urs von Baltharsars auch eng mit ihnen in Verbindung stand (Adrienne von Speyr).
Philosophie und Theologie sind bei ihm eng verzahnt und in eine so kunstvolle Sprache gegossen, dass sie der von Rilke und Hesse sehr nahe kommt. Überhaupt spielt Literatur eine große Rolle. Goethe, Lessing, Nitzsche (sind eigene Bände gewidmet), Rilke, Hölderlin überhaupt die Romantik (Früh/Spät) hatte einen großen Einfluss nicht nur auf die Sprache, auch auf das Denken.
Wo anfangen? "Apokalypse der deutschen Seele"(Frühwerk, aber was für Eines) dann das Hauptwerk: Herrlichkeit, Theodramatik, Theologik

Auf evangelischer Seite, der ebenfalls aus der Schweiz stammende Kollege

Karl Barth. Baltharsar und er schätzten sich trotz unterschiedlicher Ansätze sehr. Auch bei Barth spielt Politik eine große Rolle, er rief immer wieder zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus und Massenvernichtungswaffen auf, setzte sich für die Ökumene ein, heute würde man sagen er war stabil.
Sein Hauptwerk, "Kirchliche Dogmatik" ist es auch, aneinandergereiht, ein großer, protestantischer Altar, der den Protestantismus von da an mitprägte. Oben auf aber auch ein kleines, aber nicht weniger wirkungsvolles Büchlein: Der Römerbrief (beide Fassungen)

Da mir die Zeit wegrennt und damit auch die Straßenbahn, später etwas mehr u.a. mit Küng/Stein/Guardini
Danke für den theologischen Impuls. Ich werde gespannt deine Empfehlungen verfolgen. Barths Römerbriefkommentar dürfte einer der herausfordernsten, unzugänglichsten theologischen Texte des 20. Jahrhunderts sein. Wenn ich einen Text von ihm zum Einstieg empfehlen müsste, würde mir sein kleines Büchlein "Einführung in die evangelische Theologie" in den Sinn kommen. Wahrscheinlich dürfte es für die meisten einfacher sein, sich zunächst über die Sekundärliteratur zu nähern. Bei Büchern über ihn finde ich die Biographie von Christiane Tietz "Karl Barth. Ein Leben im Widerspruch" sehr gut. Michael Weinrich "Karl Barth" ist ebenfalls aktuell und gut.
 
Ich möchte hier mal "The Otherland" von Tad Williams reinschmeissen. Ein wirklich tolles SciFi Buch, welches seiner Zeit damals vollkommen voraus war. In Hinblick auf alles was heute gerade läuft mit AI, Virtual Reality etc. äusserst spannend zu lesen. Vier Teile mit je 1000 Seiten.

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Zuletzt bearbeitet:
Ich möchte hier mal "The Otherland" von Tad Williams reinschmeissen. Ein wirklich tolles SciFi Buch, welches seiner Zeit damals vollkommen voraus war. In Hinblick auf alles was heute gerade läuft mit AI, Virtual Reality etc. äusserst spannend zu lesen. Vier Teile mit je 1000 Seiten.

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Hab ich gelesen. Fand aber nur Band 1 einigermaßen lesbar. Ab Band 2 wurde es dann sehr unübersichtlich mit Handlungssträngen etc. Bin aber auch generell nicht der Typ für Bücher diesen Umfangs.
 
Hab ich gelesen. Fand aber nur Band 1 einigermaßen lesbar. Ab Band 2 wurde es dann sehr unübersichtlich mit Handlungssträngen etc. Bin aber auch generell nicht der Typ für Bücher diesen Umfangs.
So kann das gehen. Bei mir war es aber eher umgekehrt: Am Anfang war sehr lange Verwirrung bis es kurz vor Ende "klick" gemacht hat.

Einige Leute sind ja auch mit Büchern einen Umfangs vom Herrn der Ringe überfordert. Ich hingegen liebe solche langen epischen Bücher, wenn denn die Handlung einem kleinen Roten Faden folgt. So etwas wie die "Licht Trilogie" habe ich dann nach dem Anfang des zweiten Bandes weggelegt, da sich mir hier der Inhalt des ganzen nicht erschlossen hat.
 
Robert O. Paxton - The Anatomy of Fascism (2004)
(Ich hab das englische Original gelesen. Leider ist die deutsche Übersetzung vergriffen und antiquarisch nur für Mondpreise zu bekommen.)

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Paxton genießt weit über Fachkreise hinaus Bekanntheit. Er ist einer der wichtigsten Historiker und Experten zum Thema Faschismus. Sein Buch The Anatomy of Fascism ist ein moderner Klassiker der Faschismusforschung. In den letzten Jahren ist er vielen bekannt geworden, da er als wesentlicher Kronzeuge gilt bei der Qualifizierung von Trump und seiner MAGA-Bewegung als faschistisch. (Hier sein Artikel zu diesem Thema: Paxton über Trump als Faschisten)

Paxton beginnt nicht mit einer begrifflichen Festlegung, was Faschismus ist. Stattdessen zeichnet er das Wirken des historischen Faschismus nach, um insbesondere aus dessen Praxis ein begriffliches Verständnis abzuleiten. Dabei konzentriert er sich immer wieder darauf, durch das Hervorheben der Unterschiede bspw. zwischem italienischen und deutschen Faschismus die Gemeinsamkeiten umso deutlicher zu konturieren. Weite Teile seiner Darstellung sind Deutschland/Hitler und Italien/Mussolini gewidmet. Paxton beschreibt, wie sie an die Macht gekommen sind und wie sich ihre Bewegungen und Parteien verhalten haben. Das kontrastiert er mit faschistischen Bewegungen anderer Länder, die es letztlich nicht geschafft haben, die Macht zu übernehmen. Auf diese Weise entwickelt er ein facettenreiches Bild von Ähnlichkeiten und Unterschieden faschistischer Bewegungen und Herrschaft.

Er beschreibt die Entwicklung faschistischer Bewegungen in fünf Kapiteln:

1. Ihre Gründung
2. Das Wurzeln schlagen
3. Machtübernahme
4. Machtausübung
5. Radikalisierung und Auflösung

Die Gründung faschistischer Bewegungen ist ein weit verbreitetes Phänomen. In nahezu allen europäischen Ländern (und möglicherweise auch darüber hinaus) haben sich nach dem 1. Weltkrieg faschistische Gruppierungen gebildet. Für Paxton ist eine zentrale Frage, warum es den meisten davon nicht gelungen ist, nachhaltig Wurzeln zu schlagen und schließlich die Macht zu übernehmen. Er beschreibt die besonderen nationalen Konstellationen, die den Faschismus als Ideologie (bspw. nationale Erneuerung) und als gesellschaftspolitischen Akteur und Koalitionspartner (bspw. Allianz gegen links) attraktiv machen - oder eben auch nicht. In allen Phasen kann der Faschismus sich nur festsetzen und schließlich durchsetzen, weil er von nicht-faschistischen Gruppierungen (Parteien, Vereinigungen, Polizei, Militär ...) toleriert oder sogar unterstützt wird. Die Rolle der anderen gesellschaftlichen Akteure ist der entscheidende Unterschied dafür, warum dem historischen Faschismus in Italien und Deutschland die Machtübernahme gelungen ist, während er sich bspw. in Frankreich und England nicht durchsetzen konnte.

Am Ende seines historischen Durchgangs präsentiert Paxton dann schließlich seine Begriffsbestimmung des Faschismus:

Faschismus kann definiert werden als eine Form politischen Verhaltens, das gekennzeichnet ist durch eine obsessive Beschäftigung mit Niedergang, Demütigung oder Opferrolle einer Gemeinschaft und durch kompensatorische Kulte der Einheit, Stärke und Reinheit, wobei eine massenbasierte Partei von entschlossenen nationalistischen Aktivisten in unbequemer, aber effektiver Zusammenarbeit mit den traditionellen Eliten demokratische Freiheiten aufgibt und mittels einer als erlösend verklärten Gewalt und ohne ethische oder gesetzliche Beschränkungen Ziele der inneren Säuberung und der äußeren Expansion verfolgt. (zitiert nach Wikipedia)

Fascism may be defined as a form of political behavior marked by obsessive preoccupation with community decline, humiliation, or victimhood and by compensatory cults of unity, energy, and purity, in which a mass-based party of committed nationalist militants, working in uneasy but effective collaboration with traditional elites, abandons democratic liberties and pursues with redemptive violence and without ethical or legal restraints goals of internal cleansing and external expansion. (S. 218)

Das Buch hat seinen Klassikerstatus völlig zu Recht. Leseempfehlung für alle, die den historischen Faschismus besser verstehen wollen, und darüber hinaus auch für diejenigen, die sich für die aktuelle Diskussion zum Erstarken rechter Kräfte und das Wiederaufleben des Faschismus interessieren.


P.S. Für die Diskussion, ob Trump und seine Bewegung als faschistisch einzuordnen sind oder (noch) nicht, empfehle ich folgenden Artikel, den ich auch schon einmal im Politikthread erwähnt habe. Darin wird auch Paxtons Faschismusbegriff und seine inzwischen erfolgte Kennzeichnung von Trump als faschistisch diskutiert: Lloyd Cox & Brendon O’Connor: Trumpism, fascism and neoliberalism
 
Danke für den theologischen Impuls. Ich werde gespannt deine Empfehlungen verfolgen. Barths Römerbriefkommentar dürfte einer der herausfordernsten, unzugänglichsten theologischen Texte des 20. Jahrhunderts sein. Wenn ich einen Text von ihm zum Einstieg empfehlen müsste, würde mir sein kleines Büchlein "Einführung in die evangelische Theologie" in den Sinn kommen. Wahrscheinlich dürfte es für die meisten einfacher sein, sich zunächst über die Sekundärliteratur zu nähern. Bei Büchern über ihn finde ich die Biographie von Christiane Tietz "Karl Barth. Ein Leben im Widerspruch" sehr gut. Michael Weinrich "Karl Barth" ist ebenfalls aktuell und gut.
Danke auch dir für deine Ergänzungen, auch bezüglich Barth und der wirklich wunderbaren Biographie von Christiane Tietz. Michael Weinrichs Karl Barth kenne ich noch nicht, ist aber notiert. Danke dir!
Hans Urs von Baltharsar schrieb auch ein wundervolles Buch über Barth aus katholischer und ziemlich persönlicher Warte: Karl Barth: Darstellung und Deutung seiner Theologie.
 
Ich möchte hier mal "The Otherland" von Tad Williams reinschmeissen. Ein wirklich tolles SciFi Buch, welches seiner Zeit damals vollkommen voraus war. In Hinblick auf alles was heute gerade läuft mit AI, Virtual Reality etc. äusserst spannend zu lesen. Vier Teile mit je 1000 Seiten.

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Das habe ich auch sehr gern gelesen und fand es wirklich sehr innovativ, vielseitig und spannend... Jetzt mit Kindern wäre es mir aber tatsächlich zu langatmig, da könnte ich die ganzen Handlungsstränge nicht genug genießen. aber so schreibt Tad Williams nun mal. Wer sich darauf einlassen kann, der bekommt da eine tolle Zeit mit den Büchern.
Gibt es auch als Hörspiel! Auch empfehlenswert.
 
Romano Guardini, der Vorgänger Rahners an der LMU München für Religionsphilosophie ist der große Melancholiker unter den genannten Theologen, der auch wegen "Schwermut" seine Lehrtätigkeiten aufgab. Das Thema Melancholie findet auch immer wieder Einzug in sein Werk, empfehlenswert sein kleines Büchlein "Über den Sinn der Schwermut". Seine BildSprache ist von Hesse beeinflusst, überhaupt spielt Literatur ebenso wie bei von Baltharsar eine große Rolle in der Glaubens- und Weltdeutung:

Hölderlin (Weltbild und Frömmigkeit)
Dostojewski (Der Mensch und der Glaube)
Rilke (Zu RMRs Deutung des Daseins)
Dante (Dante-Studien)
Sein Hauptwerk u.a.: Vom Geist der Liturgie

die für mich ansprechensten Bücher sind tatsächlich sehr persönliche:

Spiegel und Gleichnis
eine Art Reisetagebuch mit philosophischen, ganz alltäglichen Gedanken in einer wundervollen, bildhaften Sprache
und das für mich beste Jesus Buch:

"Der Herr",
nie wurde er menschlicher, nahbarer dargestellt, mehr Meditation als theologische Annäherung.
 
Das habe ich auch sehr gern gelesen und fand es wirklich sehr innovativ, vielseitig und spannend... Jetzt mit Kindern wäre es mir aber tatsächlich zu langatmig, da könnte ich die ganzen Handlungsstränge nicht genug genießen. aber so schreibt Tad Williams nun mal. Wer sich darauf einlassen kann, der bekommt da eine tolle Zeit mit den Büchern.
Gibt es auch als Hörspiel! Auch empfehlenswert.
Die Kinder sind kein Grund die Bücher nicht zu lesen. Ich lese nur im öV und am Abend vorm Schlafen. Passt also. Ich war nie der Typ, der sich zu Hause zum lesen hinsetzt.
 
Die einzige Frau unter den genannten Theologen, die eigentlich mehr Philosophin war, aber auch die einzige Heilige.
Edith Stein. Im jüdischen Glauben aufgewachsen, später zum Katholizismus übergetreten, in einen kontemplativen Orden (Unbeschuhte Karmelitinnen) eingetreten und 1945 im KZ Auschwitz Birkenau ermordet.
Sie war Assistentin von Edmund Husserl, der ein wesentlicher Einfluss ihres eigenen Werkes wurde, ein anderer wichtiger Theologe und Philosoph, Erich Przywara, wurde von ihr beeinflusst.
Edith Steins Gedanken sind von einer unglaublichen Schärfe und Tiefe und gleichzeitig einer Komplexität, dass es einem ganz schwindelig werden kann und doch war auch sie jemand, die mit sich rang, zweifelte, Wege suchte, um den Kern des Sein zu ergründen, so auch ihr Hauptwerk:

Endliches und ewiges Sein

Zum Problem der Einfühlung

aber auch,
die Kreuzeswissenschaft,
die sich mit dem Werk von ihrem Ordensbruder, dem Mystiker Johannes vom Kreuz, auseinandersetzt.

Überhaupt empfiehlt es sich, sich mit dem Leben von ihr auseinanderzusetzen, welches Aufgrund der politischen Entwicklungen, nicht zeitgemäßer sein könnte.
 
Wie Edith Stein, wurde auch Dietrich Bonhoeffer in einem KZ (Flossenbürg) ermordet. Er war lutheranischer Theologe und Mitglied der Bekennenden Kirche, was in dem Fall wichtig ist, da es innerhalb der evangelischen Kirche eine Oppositionsbewegung zur Zeit des Nationalsozialismus gab, weil sich diese zur sehr von dem zerstörerischen System vereinnahmen ließ. In seiner Theologie steht Jesus Christus in der Mitte, in einem schon fast mystischem Ansatz, ebenso beruft er sich auf Barth, auf eine gelebte Kirche und keine zwei Reichen-Lehre, also Kirche da, leben hier, sondern beides ist Eins und Jetzt. Seine Theologie ist auf den Menschen bezogen, ganz konkret. Ein wirkliches Hauptwerk ist hier schwerlich auszumachen, hier geht es um das Gelebte. Er ist kein Mann, der Theorie, sondern sein Leben ist gelebte Theologie, die ihm letztlich das Leben kostete, weil sie im Widerspruch zu einem entmenschlichendem System stand. Der Glaube führt genau in die andere Richtung, zu dem wahren Menschen, der sich in Menschlichkeit und Nächstenliebe auszeichnet.
Empfehlenswert auf jeden Fall die Sammlung seiner Briefe aus der Haft:

Widerstand und Ergebung
und das Buch
Nachfolge
welches aus dem Widerstand heraus verfasst wurde, sehr eindringlich, sehr direkt und in einen Kommentar zur Bergpredigt mündet, wo sich die Unbedingtheit der Nachfolge noch einmal Neutestamentarisch spiegelt. Nicht alles muss man so abnicken, aber dennoch reizt es darüber nachzudenken.
 
Ich widerspreche mir selbst gerne, so soll Edith Stein nicht die einzige erwähnte Religionsphilosophin sein. Sie ist ein passendes Bindeglied zwischen Bonhoeffer, Stein und Von Balthasar. Madeleine Delbrêl. Ähnlich wie Edith Stein fand sie nach einer schwierigen Zeit erstmal zum Atheismus. Nach einer prägenden Begegnung mit einem angehenden Ordensmann und einer kurzzeitigen Erwägung selbst in den Karmel einzutreten, begann sie aus familiären Gründen erstmal eine Ausbildung zur Sozialarbeiterin. Wo sie auch dem Kommunismus begegnete und mit ihm sympatisierte, weil er sich für die Armen und die Arbeiter einsetzte. Je mehr sie sich aber mit dem Kommunismus beschäftigte desto mehr empfand sie ihn auch widersprüchlich zum Christentum, gerade in den Schriften von Lenin. Sie distanzierte sich vom Kommunismus und wollte nun im christlichen Sinne auf den Straßen Hilfe leisten. Das ist jetzt nur ein grober Auszug aus ihrem Leben, auch hier, wie bei Bonhoeffer, geht es um gelebte Theologie. Menschlichkeit in einer unmenschlichen Zeit. Von Baltharsar nahm sich ihrer Schriften an und veröffentlichte sie in seinem Johannes Verlag:

Empfehlenswert:
Auftrag des Christen in der Welt ohne Gott
Wir Nachbarn der Kommunisten
 
Wer Barth sagt muss auch Tillich sagen.
Paul Tillich evangelischer Theologe, war Mitglied der Religiösen Sozialisten und veröffentlichte Schriften gegen den Nationalsozialismus und emigrierte Aufgrund eines verhängten Lehrverbotes in die USA. Seine Theologie steht stets in einer Wechselwirkung, entweder zu stark existenziellen Fragen oder auch zu politisch, gesellschaftlichen. Sie ist also sehr nah am Menschen, das brachte ihn damals eine große Aufmerksamkeit und diese Modernität seiner Theologie hält bis heute an. Sein Werk ist umfangreich, unglaublich komplex, weil es viele Felder der Theologie aber auch Philosophie integriert, er es aber trotzdem so formuliert, dass es auch einen interessierten "Laien" mitreissen kann.

Hauptwerk:
Die systematische Theologie

mich berührten aber die etwas schmaleren,
nicht weniger gehaltvollen Schriften:

Der Mut zum Sein
Auf der Grenze
 
Und nun der Letzte im Bunde, bei Haushaltsauflösungen oder Flohmärkten findet sich immer mal wieder ein Buch von ihm. Nicht Anselm Grün, Hans Küng. Seine Bücher waren unglaublich auflagenstark und erfolgreich, der Disput zwischen ihm und Ratzinger inzwischen legendär, er rüttelte an allem was der Institution Kirche heilig war und ist, öffnete sich für andere Sichtweisen/Kulturen/Religionen, (Stiftung Weltethos). Ihm wurde die Lehrbefugnis entzogen, er ließ andere Heilswege neben dem Christentum gelten, stellte die päpstliche Unfehlbarkeit in Frage ebenso die Wesensgleichheit von Jesus Christus mit dem Gottvater, das war bis dato ungeheuerlich, und stellte die Kirche, vorallem die Katholische, auf den Kopf. Das kam an und sprach wohl vielen aus der Seele.

Seine bekanntesten Werke:
Unfehlbar?
Existiert Gott?
Christ sein.

Ich fand seine Bücher über die Weltreligionen am Inspirierendsten.
Der Islam
Das Judentum
Das Christentum

Noch ein paar Gedanken zum Schluss:
Natürlich fehlen noch ein paar Namen, Bultmann, Scheffczyk und ja irgendwo auch Ratzinger, aber auch Teilhard de Chardin, die Kirchenväter sowieso und noch viel wichtiger: die Mystiker.
Es ist also nur ein kleiner Einbklick, für alle die etwas Zeit übrig haben und vielleicht ein wenig in die Tiefe tauchen möchten. Allen genannten gemeinsam ist, dass sie in schwierigen Zeiten, ihren Glauben lebten, allen Anfechtungen zum Trotz, seien es Innere oder Äußere und Werke schufen, die Hoffnung und Mahnung zugleich sind.
 
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