Bruce Dickinson

51Kc8jpiiqL._SX332_BO1,204,203,200_.jpg


Habe nun die Autobiografie vom Chef durch. Meine Erwartungshaltung wurde, um es gleich vorweg zu nehmen, leider nicht erfüllt.

Wenn jemand aus dem Rock-/Metalbereich was zu erzählen hat, dann wohl Bruce Bruce. Ich ziehe meinen Hut vor diesem Multitalent, der im künstlerischen Bereich wirklich eine einmalige Persönlichkeit ist. Sänger, Komponist, Filmemacher, Autor, Radiomoderator, Pilot, Fechter - seine Bandbreite ist beeindruckend. Ich zähle nicht viele Menschen, die ich nicht persönlich kenne, zu Vorbildern. Dickinson mit seiner Disziplin und einem ungeheuren Arbeitseifer gehört definitiv dazu.

Als ich den Umfang des Buches mit etwas mehr als 380 Seiten (inkl. einigen Fotos und Anhängen) sah, war ich schon ein wenig skeptisch. Und dieses war angebracht. Er schreibt zwar über jede Phase seines Lebens, aber leider bleibt er häufig zu sehr an der Oberfläche. Mehr als einmal, wenn es um Dinge ging, die ich wirklich essentiell sah und mich dementsprechend interessiert hätten, wurde es arg komprimiert und somit substanzlos.

Erste Erfahrungen im professionellen Musikbusiness mit Samson, sowohl im Studio als auch live? Klaro, zwischen Tür und Angel schnell erledigt.
Ausstieg bei Maiden? Ja, war halt so. Krach Bums.
In der Solokarriere erster Kontakt nach langer Zeit mit Adrian Smith? Jau, mal eben angerufen und Platte gemacht. Schönen Tag noch.

Ebenso die Episoden ab Mitte der 90er Jahre bis ca. 2000, wo Bruce recht viele (ich nenne es mal) "Auftragsarbeiten", u.a. für Tributezeugs, Ayreon, Halford etc. erledigt hat, bekommen nur einen geringen Stellenwert.

Dafür, und das ging mir beim Lesen echt auf die Klöten, (zu) viele Seiten über die Fliegerei. Ist ja auch in Ordnung, handelt es sich schließlich um seine große Obsession, die soll ja auch einen gewissen Stellenwert bekommen. Aber im Verhältnis zu anderen Passagen wirkt der Umfang über dieses stets wiederkehrende Thema fast grotesk und auf mich als Nichtflieger schnell langweilig.

Beeindruckend fand ich zwei Begebenheiten. Das war zum einen der Bericht über die Umstände eines Konzertes in Sarajewo während des jugoslawischen Bürgerkrieges und zum anderen seine Erzählung über die Bewältigung seiner Krebserkrankung. Aber auch bei Letzteren macht Dickinson den Fehler, zu sehr an der Oberfläche zu bleiben, fast schon hastig wirkt das Verfasste.

Komplett außen vor bleibt sein Privatleben mit Partnerinnen und Kindern. Er wird dafür seine Gründe gehabt haben. Ich finde dieses in einer Autobiografie nahezu unverzeihlich, und dabei geht es mir nicht um Sensationsgier o.ä. Dass man all dieses besser machen kann, zeigte vor nicht langer Zeit sein Namensvetter Springsteen, dessen Werk im direkten Vergleich homogener, im Detail schlüssiger und deswegen auch überzeugender wirkt.

Fazit: Maiden- und Dickinsonfans haben das Dingen eh schon, alle anderen sollten sich den Kauf gut überlegen. Lohnt sich meiner Ansicht nach nur bedingt.

P.S. Aber wenigstens weiß ich nun, dass ich mit Dickinson eine Gemeinsamkeit habe.
Wir haben beide als Kinder in Suppen reingepillert, die für unsere Lehrer bestimmt waren. Aber im Gegensatz zu ihm wurde ich nicht erwischt. Der Anfänger. ;)
 
Zuletzt bearbeitet:
Heute gibt es ja für alles auch Ghostwriter oder wenigstens Hilfen und letzten Endes entscheidet auch ein Verlag. Wer weiß, vielleicht wollte man absichtlich nicht zu tiefgehend, ausführlich und damit seitenanhäufend sein, um sich dem allgemeinen Trend zur Oberflächlichkeit anzupassen.

Für mich ist das aber eine gute "Kauf-Warnung", denn ich denke, wenn schon - denn schon.



Ich war bis heute nicht auf die Idee gekommen in Suppen zu pinkeln, aber zu meiner BW-Zeit habe ich den Offiziere gerne mal ins Essen gerotzt.
 
Gerade bei Dickinson, der immerhin schon mindestens zwei Romane und ein Drehbuch verfasst hat, hätte ich nicht auf den Einsatz eines Ghostwriters getippt. Nun, nach Lektüre des Buches, würde ich diesbezüglich nicht mehr meine Hand ins Feuer legen.
Wenn ich das richtig verstanden habe, hat Bruce eigentlich noch viel mehr geschrieben, aber der Verlag wollte die Sache vom Umfang her begrenzen und auch auf bestimmte Themen (wie die Fliegerei) fokussieren: das Buch hat nicht umsonst den Untertitel 'may contain flying heavy metal'. Oder mit anderen Worten: Fortsetzung folgt (möglicherweise)... :)

Ich bin noch bei weitem nicht durch, aber lesen tut es sich immerhin gut.
 
Oder mit anderen Worten: Fortsetzung folgt (möglicherweise)..
Wie kann man sich den Titel eines möglichen zweiten Teiles vorstellen? "Mädels, Ableger, Alimente - Jetzt wird´s ernst"..... o_O

Ich kann mir auch vorstellen, dass der Verlag hinter dem geringen Umfang steckt. Was die Sache nicht besser macht, trotz seiner Erläuterung im Nachwort.
 
Gab's nicht irgendwo eine Aussage von Bruce Dickinson (Interview oder Vorwort oder so), dass er Mädels, Alimente usw. absichtlich ausgelassen hat, weil er das allzu Private raushalten will.

Wieso man dann eine Autobiographie schreibt, steht mal auf einem anderen Blatt. ;)
 
Gab's nicht irgendwo eine Aussage von Bruce Dickinson (Interview oder Vorwort oder so), dass er Mädels, Alimente usw. absichtlich ausgelassen hat, weil er das allzu Private raushalten will.

Wieso man dann eine Autobiographie schreibt, steht mal auf einem anderen Blatt. ;)
Er nimmt im Nachwort direkt dazu Stellung:
"I made a personal executive decision when I started to write. No births, marriages or divorces, of me or anybody else. There is enough here to be getting on with. Any more would be overkill...."

Dafür weiss ich nun, warum der Flugplatz in Santa Monica so knorke ist.
 
Er nimmt im Nachwort direkt dazu Stellung:
"I made a personal executive decision when I started to write. No births, marriages or divorces, of me or anybody else. There is enough here to be getting on with. Any more would be overkill...."

Dafür weiss ich nun, warum der Flugplatz in Santa Monica so knorke ist.
Hab ich wohl das Nachwort zuerst gelesen.

Notiz: Ich Schlingel. :acute:
 
Mich persönlich interessiert der Flughafen in Santa Monica mehr als familiärer Klatsch und Tratsch.
Da ich vor 10 Jahren bereits eine englischsprachige Biografie über ihn gelesen habe, freue ich mich darüber, dass er jetzt verstärkt über die Luftfahrt spricht.
IMG_20171222_162209.jpg
 
51Kc8jpiiqL._SX332_BO1,204,203,200_.jpg


Habe nun die Autobiografie vom Chef durch. Meine Erwartungshaltung wurde, um es gleich vorweg zu nehmen, leider nicht erfüllt.

Wenn jemand aus dem Rock-/Metalbereich was zu erzählen hat, dann wohl Bruce Bruce. Ich ziehe meinen Hut vor diesem Multitalent, der im künstlerischen Bereich wirklich eine einmalige Persönlichkeit ist. Sänger, Komponist, Filmemacher, Autor, Radiomoderator, Pilot, Fechter - seine Bandbreite ist beeindruckend. Ich zähle nicht viele Menschen, die ich nicht persönlich kenne, zu Vorbildern. Dickinson mit seiner Disziplin und einem ungeheuren Arbeitseifer gehört definitiv dazu.

Als ich den Umfang des Buches mit etwas mehr als 380 Seiten (inkl. einigen Fotos und Anhängen) sah, war ich schon ein wenig skeptisch. Und dieses war angebracht. Er schreibt zwar über jede Phase seines Lebens, aber leider bleibt er häufig zu sehr an der Oberfläche. Mehr als einmal, wenn es um Dinge ging, die ich wirklich essentiell sah und mich dementsprechend interessiert hätten, wurde es arg komprimiert und somit substanzlos.

Erste Erfahrungen im professionellen Musikbusiness mit Samson, sowohl im Studio als auch live? Klaro, zwischen Tür und Angel schnell erledigt.
Ausstieg bei Maiden? Ja, war halt so. Krach Bums.
In der Solokarriere erster Kontakt nach langer Zeit mit Adrian Smith? Jau, mal eben angerufen und Platte gemacht. Schönen Tag noch.

Ebenso die Episoden ab Mitte der 90er Jahre bis ca. 2000, wo Bruce recht viele (ich nenne es mal) "Auftragsarbeiten", u.a. für Tributezeugs, Ayreon, Halford etc. erledigt hat, bekommen nur einen geringen Stellenwert.

Dafür, und das ging mir beim Lesen echt auf die Klöten, (zu) viele Seiten über die Fliegerei. Ist ja auch in Ordnung, handelt es sich schließlich um seine große Obsession, die soll ja auch einen gewissen Stellenwert bekommen. Aber im Verhältnis zu anderen Passagen wirkt der Umfang über dieses stets wiederkehrende Thema fast grotesk und auf mich als Nichtflieger schnell langweilig.

Beeindruckend fand ich zwei Begebenheiten. Das war zum einen der Bericht über die Umstände eines Konzertes in Sarajewo während des jugoslawischen Bürgerkrieges und zum anderen seine Erzählung über die Bewältigung seiner Krebserkrankung. Aber auch bei Letzteren macht Dickinson den Fehler, zu sehr an der Oberfläche zu bleiben, fast schon hastig wirkt das Verfasste.

Komplett außen vor bleibt sein Privatleben mit Partnerinnen und Kindern. Er wird dafür seine Gründe gehabt haben. Ich finde dieses in einer Autobiografie nahezu unverzeihlich, und dabei geht es mir nicht um Sensationsgier o.ä. Dass man all dieses besser machen kann, zeigte vor nicht langer Zeit sein Namensvetter Springsteen, dessen Werk im direkten Vergleich homogener, im Detail schlüssiger und deswegen auch überzeugender wirkt.

Fazit: Maiden- und Dickinsonfans haben das Dingen eh schon, alle anderen sollten sich den Kauf gut überlegen. Lohnt sich meiner Ansicht nach nur bedingt.

P.S. Aber wenigstens weiß ich nun, dass ich mit Dickinson eine Gemeinsamkeit habe.
Wir haben beide als Kinder in Suppen reingepillert, die für unsere Lehrer bestimmt waren. Aber im Gegensatz zu ihm wurde ich nicht erwischt. Der Anfänger. ;)
Vielleicht geht er ja in der deutschen Ausgabe etwas mehr ins Detail. o_O
 
Ich bin grade am Lesen. Ich finde es witzig, dezent geschrieben (ab und zu ein bisschen zu redundant) und interessant - eben auch Sachen wie Fechten oder Fliegen, die mich für sich allein wenig bis gar nichts interessieren. Er schreibt mit Leidenschaft, und man spürt es.
Es ist auch nicht ein Buch über Iron Maiden - obwohl ich auch gerne mehr Details über dies und das gelesen hätte, über ihre Beziehung miteinander, über die Anfangstage mit Samson in der NWOBHM, über die anderen Bands, mit denen sie im Kontakt kamen... das Buch geht nicht um Heavy Metal, sondern um sein Leben, aus seiner Perspektive - die Musik ist offensichtlich nur ein Teil davon.
 
Zurück
Oben Unten