Gaimchú
Till Deaf Do Us Part
Nachdem ich sie mir heute morgen auf dem Weg zur Arbeit gründlich gegeben habe, kann ich ziemlich nachfühlen,Geben wir uns dem Klang der Knochen hin...heute werde ich das "Jeg begraver" Album der Band Knokkelklang besprechen.
Cover:
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Tracklist:
01. Jeg begraver
02. Urstanken
03. Åndedragenes hvin
Links:
Bandcamp: https://knokkelklang.bandcamp.com/album/jeg-begraver
Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=McrfLbc4MG0&list=RDMcrfLbc4MG0&start_radio=1
Metal Archives: https://www.metal-archives.com/bands/Knokkelklang/123313
Das "Jeg begraver" Album der Norweger von Knokkelklang ist für mich einfach vertontes Unwohlsein. Das Album ist auf so eine niederschmetternde, hoffnungslose und lebensfeindliche Art und Weise Düster das ich mich für das Album wirklich in der richtigen Stimmung befinden muss um es genießen zu können.
Das fängt schon bei dem unheilvollen Intro des Titelsongs an: klingt es hier doch danach als würde man Knochen aufeinanderschlagen um somit einen ziemlich makabren Einstieg in das Album zu gewährleisten.
Nach diesem kurzen Intro geht der Song direkt klassisch nach norwegischen Schwarzmetall klingend los und erzeugt eine so kaputte und einfach nur niederdrückende Atmosphäre, dass mir bereits nach den ersten paar Sekunden die ein, oder andere Gänsehaut über den Rücken wandert. Dazu dann auch noch dieser heisere, geradezu unter Qualen herausgekrächzte Gesang: Man hat hier wirklich das Gefühl als würde die Musik nur unter Qualen entstehen/gespielt werden, die in jede einzelne Note hineinfließen. Und wenn der Song dann schließlich bei 03:10 Minuten in das langsame Tempo wechselt nimmt dieses unheilvolle, diese packende Dunkelheit einfach nur noch zu und droht mich komplett zu verschlingen.
Man fühlt sich wie in einem Labyrinth unter Tage, die Gänge sind eng, die Luft ist stickig und garstiger Staub setzt sich in der Lunge fest. Die einzige Lichtquelle ist eine kleine Grubenlampe, die gerade auch nur so viel Helligkeit spendet, dass die nächsten paar Meter im dämmrigen Licht zu erkennen sind.
Der Puls rast, die Angst setzt sich fest und frisst mit unnachgiebiger Härte tiefer in die Seele hinein, trotzdem wird Schritt für Schritt nach vorne gegangen, sich immer noch vorgaukelnd das es genau dort in Richtung Ausgang geht.
Die Grubenlampe beginnt zu flackern, sodass unheimliche Schatten um die engen Wände des Schachts tanzen - in manch panischer Sekunde wirkt es gar so als würden sie mit ihren langen, dünnen und knorrig anmutenden Fingern direkt nach der Seele des unglücklich Wandernden greifen.
Der Panik nahe werden Schritte schneller, ungelenker, der nun fast Sprintende knickt um, die Grubenlampe fällt ihm aus der Hand, kullert in endlosen langen Sekunden über den Boden des Ganges - und erlischt.
Keine Sekunde nach diesem Unfall greift eine kalte Hand um das Herz des Verlorenen, quetscht und malträtiert dieses mit einer sadistischen Gelassenheit und erfreut sich am Schmerz des Opfers.
Der Verlorene verliert nun fast den Verstand vor Angst, die Panik keimt immer heftiger, immer schmerzvoller und immer wahnsinniger in ihm auf. Das Denken wird nur noch von einem Gedanken beherrscht: Ich will hier raus. Es werden die Beine in die Hand genommen, kopflos, panisch und in Todesangst stürmt die arme Seele in die Dunkelheit hinein, hoffend das sie den Ausgang findet und zum rettenden Licht zurückfindet.
Doch wird auch das letzte bisschen Hoffnung im keim erstickt, als sich der Verlorene umblickt und nur Dunkelheit um sich herum erspäht...aus Panik formen sich klare, grausame Gedanken:
Es wird verstanden das es keine Hoffnung, kein Licht und kein Entkommen gibt....hier unten wird nur der Tod gefunden. Mit einem merkwürdig zufriedenen Lächeln lässt sich das Opfer an der Grubenwand hinabgleiten bis es sitzt....starrt in die Dunkelheit. Die Gedanken sind erstaunlich klar, die Szenerie und der weitere Verlauf sind klar. Kein panisches rauschen im Kopf..keine Angst die das Denken hemmt.
Und dann....wo die ihrem Untergang geweihte Seele in die Dunkelheit hineinlauscht...hört sie ein unheilvolles Geräusch, sie kann es nicht genau bestimmen, jedoch hört es sich an als würde jemand, oder besser gesagt: Etwas - Knochen aufeinanderschlagen.
Nach dem man den ersten Song so halbwegs überstanden hat geht es mit dem zweiten Lied "Urstanken" direkt so unheilvoll weiter wie das erste Lied geendet ist. Der doomige Anfang, der von dezenten Synthesizern begleitet wird erzeugt wieder so eine unheilvolle, tiefschwarze und komplett niederschmetternde Atmosphäre, dass der erste Song dagegen fast schon fröhlich wirkt.
Gerade der Part zwischen 01:38 Minuten und 03:30 Minuten wo man die einzelnen Riffs gefühlt in den Raum schwingen lässt, wo sie sich dann einfach verlieren, erzeugt etwas zutiefst verstörendes.
Der Song nimmt dann wieder ein wenig Fahrt auf, bleibt aber quälend langsam, die Texte werden wieder nur unter schmerzen und Qualen hervorkrächzt. Und doch gibt es immer mal wieder diesen einen, oder anderen hoffnungsvolleren Moment. Zum Beispiel zwischen 04:30 und 05:01 Minuten, wo die ganze Atmosphäre ein wenig aufgehellt wird - nur um anschließend umso tiefer in die Finsternis hinabzustürzen.
Gerade diese doomige, dazu noch quälend-langsame Monotonie macht den Song aus....man könnte ein wenig bedenken haben, dass das irgendwann (gerade bei einer Songlänge von über 14 Minuten) langweilig wird, aber daran brauch man keinen Gedanken verschwenden. Gerade wegen dieser unheilvollen und sich immer wiederholenden Monotonie funktioniert der Song so gut.
Ab 07:25 Minuten nimmt das Lied zudem ein wenig Tempo auf, das doomige weicht dem mittleren Tempo - aber die Atmosphäre wird dabei sogar noch unheilvoller.
Kennt ihr die Szene in Hellraiser, wenn Frank sich auf sein erstes Opfer stürzt? Wie sich dieser geschundene, nur aus Knochen und Fleischfetzen bestehende Laib über den Boden kriechend auf das unglückselige Opfer zu bewegt? So in etwa fühlt sich der Part an, wenn das Tempo ab 07:25 Minuten erhöht wird. Unheilvoll, irgendwie angsteinflößend, aber auch faszinierend.
Ab ca. 07:45 Minuten schält sich zudem noch eine einsame Gitarrenmelodie aus dem finsteren treiben, die einsam und verloren ihre Melodie in den dunklen Mahlstrom hineinspielt und mit der allgegenwärtigen Dunkelheit eine gefährliche, aber verführerische Symbiose eingeht. Nach neun Minuten und 55 Sekunden wechselt der Song wieder in das doomige Tempo zurück, die Gitarren erzeugen so ein leichtes, merkwürdiges "nach-dröhnen", was ich irgendwie nur im Hintergrund wahrnehmen kann, was aber für ein ziemlich ungutes Gefühl sorgt. Dann wird zwischen 10:50 Minuten und 11:24 Minuten wieder dieses unheilverkündende Geräusch eingespielt wo es sich anhört, als würde man Knochen aufeinanderschlagen, bevor das Lied sehr langsam und fast schon morbide majestätisch zu Ende geht.
Bei diesem Song blickt man nur nicht in den dunklen Abgrund, man fällt und schwimmt geradezu in dieser Finsternis.
Mit "Åndedragenes hvin" kommt am Ende dann noch ein über 6 Minuten langes Ambient-Outro, was sich in Sachen Atmosphäre nicht hinter den beiden richtigen Black Metal Songs verstecken brauch.
Gerade diese leicht dröhnenden Sounds erzeugen in Verbindung mit der hoffnungslosen Gesamtatmosphäre und den immer mal wieder eingespielten "Knochen-Geräuschen" etwas abgrundtief finsteres und lebensfeindliches. Dabei werden in den sechs Minuten immer nur die gleichen Soundelemente wiederholt....keine Abwechslung: Nur alles zermürbende Monotonie.
was du mit "vertontem Unwohlsein" meinst.
Ich spüre es vielleicht nicht ganz so stark wie du, aber ich sag mal so: Als am Horizont die Sonne aufging und
die Landschaft in goldene Morgenröte tauchte, blieb es in mir finster, kalt und kahl.
Muss ein Album auch erst mal schaffen.
