Dämonentreibers kunterbuntes Musiksammelsurium

Musik, wie ein Rausch, eine Reise zu den Sternen und zurück! Heute steigen wir der Karawane "Verdande" zu und werden während unserer Reise von den psychedelisch Klängen der Norweger von Vestindien begleitet.

Cover:
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Tracklist:
01. Humus
02. Evig Lys
03. Etter ilden
04. I en hule under berget
05. Alt vart
06. Forbi stillheten
07. Verdande
08. Innover

Links:
Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=jCDNV8mNOMo&list=RDjCDNV8mNOMo&start_radio=1
Bandcamp: https://vestindien.bandcamp.com/album/verdande
Metal Archives: https://www.metal-archives.com/bands/Vestindien/3540482415

Ich finde es immer unheimlich spannend was zu Bands man zufällig beim Bandcamp scrollen so auftut. Von der Band Vestindien habe ich echt noch nie was gehört....aber die Tags (Black Metal - Punk - Psychedlic) und das violette Cover haben mich direkt neugierig gemacht. Beim reinhören hat sich dann auch recht schnell herausgestellt, dass sich hinter dem schönen Cover auch echt gute Musik verbirgt.
Der Black Metal spielt zwar nur eine stark untergeordnete Rolle, Space Rock, Punk und Hawkwind haben durchaus mehr Einfluss, aber dennoch taucht der BM auf und sorgt für ein sehr cooles Soundgemisch was mich beim ersten mal hören schon ziemlich begeistert hat.

Der Opener "Humus" beginnt mit signalartigen Geräuschen, bevor nach einer Minute die Gitarren einsetzen und so eine herrlich verdrogte und entrückte Atmosphäre erzeugt wird. Anschließend setzt das Schlagzeug ein und der Song schleppt sich müßig dahin, die wunderbaren Keyboards im Hintergrund sorgen für eine sphärische Atmosphäre und sorgen irgendwie für so ein Gefühl als würde die Seele durch einen luftleeren Raum voller bunter Farben, Sterne und Monde reisen....ein wunderschönes Schauspiel, welches Körper und Geist festigt und die Gedanken zu neuen, abgelegenen Ufern trägt. Dazu kommt noch wunderbar entspannter und geflüsterter Gesang, der die ganze außerweltliche Erfahrung noch ein wenig verstärkt. Ab 03:12 Minuten setzen dann härtere Gitarren ein und der Song rockt so herrlich psychedelisch voran...die Hammond-Orgel (welche sehr dezent zum Einsatz kommt) taucht alles in ein so erhabenen und majestätisches Licht. Bei ca. 04:30 Minuten geht der Song wieder zurück in diesen schleppenden Rhythmus, aber diesmal noch von einer schönen Gitarrenmelodie begleitet, die etwas ägyptisches an sich hat.
Generell habe ich bei dem Song immer die Reise mit einer Sternen-Karawane im Kopf...."Humus" stellt dabei den beginn unserer Reise da. Der Song beginnt ruhig, in diesem Moment steigen wir der Karawane sozusagen zu, sie nimmt langsam fahrt auf und reisen zu den Sternen, durch das Sternenmeer, an Kometen vorbei, sehen wunderbare Wesen, wunderbare Farben, schwarze Löcher, furchterregende Skulpturen, die aussehen als wären Wesen aus einer komplett fremden und lebensfeindlichen Welt im Moment Sterbens festgefroren. Wir sehen so viele faszinierende Bilder, so viel schönes, so viel unbekanntes, so viel düsteres, so viel feindliches, aber das Schöne setzt sich in unseren Köpfen fest! Überwiegt es doch das Schlechte und die Angst. Wir sehen uns als Wanderer durch das Sternenmeer: Entdecker, Pioniere und Abenteurer.
Ein wirklich schöner Start für ein tolles Album.

Mit "Evig lys" legt die Band dann nochmal direkt ein paar mehr Schippen Space Rock drauf. War der Opener der ruhige, langsame und entspannte Einstieg in das Album greift Song Nummer zwei dieses Thema zwar auch auf, aber legt dabei ein wenig mehr Augenmerk auf den Space Rock. Aber trotzdem gehört der Song mehr zu den psychedelischen Liedern das Album...transportiert der Song doch so eine herrliche entspannte Atmosphäre. Keine Aggressivität, sondern nur entspanntes dahindriften durch das Weltall. Gerade der schöne Anfang weiß zu begeistern, und auch wenn der Gesang einsetzt (diesmal gekrächzt, aber dennoch gut verständlich) macht das Lied alles richtig. Bei dem Lied kommen mir auch ein wenig Hail Spirit Noir mit ihrem aktuellen Album in den Sinn - gerade beim Gesang muss ich öfters mal an die Band denken.
Und viel mehr passiert in dem Lied auch nicht mehr. Überwiegend im langsameren Tempo gehalten ist der Song pure Entspannung. Ich hatte ihn heute beim wandern laufen und fand das Lied einfach direkt noch besser. Glaube man hat es mir auch angesehen, dass ich tiefenentspannt war. :D

Mit "Etter Ilden" wird dann direkt ein wenig härter und düsterer. Der trippige Anfang, der sich anfühlt wie die Wüsten-Szene aus "Fear and Loathing in Las Vegas" geht ab 00:58 Minuten direkt in diesen mega guten Gitarrenpart über, der auch irgendwie wieder dieses alt ägyptische Feeling verbreitet. Wenn ich die Augen schließe habe sehe ich mich auf einem Wüstenplaneten, die Sonne (oder Sonnen) ist (sind) am untergehen und ich tanze ausgelassen und wie im Rausch zur Musik. Der Gesang wird hier auch wieder gekrächzt, ist aber so wie beim vorherigen Song, sehr weit in den Hintergrund gemischt, sodass auch der Gesang sehr passend ist zu der ganzen Szenerie. Zudem hat der Song ein ultra cooles und mega atmosphärisches Gitarrensolo, was so ab 02:57 Minuten einsetzt. "I en hule under berget" beginnt dann wieder mit diesen signalartigen Geräuschen, bevor er ab 01:50 Minuten stampfend und punkig voranmarschiert. Bei dem Lied ist die Band weniger psychedelisch und verdrogt unterwegs, sondern rockt mehr vor sich hin.
Richtig cool finde ich auch, wenn das erste mal der "Refrain" (zwei Worte....) einsetzt: Rat King! Nach jedem Rat King! heult kurz das Keyboard und ein Chor im Hintergrund auf, die dem ganzen Song eine herrlich erhabene und majestätische Atmosphäre verleihen. Ab 03:33 Minuten dreht der Song dann völlig am Rad und wird doch noch recht psychedelisch. Space Keyboard Sound im Hintergrund und eine tolle Melodie im Vordergrund erzeugen eine düstere Atmosphäre. Generell ist der Song bei seinen letzten zwei Minuten ziemlich aggressiv. Ein verdammt starker Song, der durch seine etwas härtere Ausrichtung (nach den recht ruhigen vorherigen Songs) perfekt an diese Stelle passt. Und dann kommt "Alt Vart". Der Song wird mit einem Orgel-Sound und Chören eingeleitet....dieser Anfang gibt auch schon gut die Atmosphäre vor, die für den Rest des Liedes vorherrscht. Nach ca. 1,5 Minuten stampft der Song dann voran und fühlt sich irgendwie an wie Bathory in Space. Gerade wenn dann ab 01:52 Minuten noch Keyboard und der leise Chor hinzukommen. Die Band spielt hier dann sozusagen Spaceland I! (Ich weiß, der ist schlecht...) und ich finde es einfach nur geil. Gegen Ende, so ab 03:31 Minuten werden die Bathory Paralellen dann noch besser heraushörbar, weil dem Chor und Keyboard ein wenig mehr Raum gegeben wird. Cooler Song...und bis jetzt auch mein Lieblingssong auf dem Album.

Mit "Forbi stillheten" (der ab 00:45 Minuten mit so einer wunderschönen Gitarrenmelodie auftrumpfen kann) ist genau wie "Evig Lys" einfach ein entspannt voranrockender Song, der mir gerade in seinen ruhigen Momenten so richtig gut gefällt. Aufhorchen tut man noch ab ca. 03:35 Minuten, wenn die Keyboard-Melodie wieder in den Vordergrund gemischt wurde. Mit dem Titelsong kommt dann der längste, aber auch ruhigste Song auf dem Album. Ein recht langes Intro aus spacigen Keyboardsounds, und weit in den Hintergrund gemischten rauschenden Gitarren sorgen drei Minuten lang für eine intensive und einnehmende Atmosphäre. Ich kann dabei einfach so herrlich die Augen schließen und entspannen.
Nach gut drei Minuten setzt das Schlagzeug ein, bis bei 03:39 Minuten wieder dieser geflüsterte Klargesang einsetzt (ähnlich wie im Opener - diesmal aber mehr in den Vordergrund gemischt) und dem ganzen Song, in Zusammenarbeit mit den Keyboard, eine mystische und beschwörende Atmosphäre verleiht. Ab 04:43 Minuten setzen dann die Gitarren und Krächzgesang ein und das Lied verfällt in eine so herrliche melancholische und leicht verzweifelte Stimmung, dass man für einen kurzen Moment zusammenzuckt. Anschließend wird es wieder ruhig, der geflüsterte Gesang setzt wieder ein, bevor es ab 06.02 Minuten wieder in diesen verzweifelten Part wechselt...gegen Ende kommen dann auch nochmal klar gesungene Female-Vocals zum einsatz, die mich echt überrascht haben, aber einfach perfekt zum Abschluss des Songs passen.
Ein richtig gutes Lied, eher ruhig gehalten, aber gerade dadurch so einnehmend und mitreißend.
Das letzte Lied "Innover" ist dann wieder rockiger Natur. Bei dem Song gefällt mir der Gesang besonders gut, wird hier doch regelmäßig zwischen klaren und rauen Gesang gewechselt.
Auch wird in dem Song das Tempo ein wenig erhöht, hier wird nicht mehr so schwelgerisch durch die Gegend gewabbert wie in manch anderem Song auf dem Album - hier geht es mehr aggressiv nach vorne.
Aber auch dieses Lied hat wunderschöne Abschnitte, die wieder dieses herrlich verträumte und psychedelische aufleben lasse. (zwischen 01:34 Minuten und 02:30 Minuten wenn Keyboard und die wunderschöne Gitarrenmelodie eine Einheit bilden). Danach geht der Song so zu Ende wie er begonnen hat und stellt damit einen würdigen Abschluss für ein wirklich tolles Album da.
 
Zuletzt bearbeitet:
Heute möchte ich über ein Album schreiben, das mich seit Wochen ziemlich begeistert. Die Musik ist allerdings komplett unmetallisch, denn bei Darkways aus Spanien und ihrem Debutalbum "Resonance" aus handelt es sich um eine Darkwave-Band, die in ihrem Sound zwar Gothic Rock/Metal Anteile integriert, aber dennoch mehr auf sphärische Synthesizer-Sounds und Post-Punk Einflüsse setzt.

Cover:
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Tracklist:
01. Shadowdancer
02. Dark & Light
03. I like the night (and the night likes me)
04. Inexistence
05. Neon Lights
06. Madness
07. Resonance
08. Lies
09. Young Again
10. More than Dreams

Links:
Bandcamp: https://darkways.bandcamp.com/album/resonance
Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=qo7JBn6TuOU&list=PLyIhNZsfiY8QN-2rks529L-k4ufNfu6bS&index=1

Kennengelernt habe ich die Band allerdings mit dem aktuellen Album "Rust" das im Januar diesen Jahres veröffentlicht wurde. Aber schon das "Rust"-Album hat mich direkt verzaubert!
Bietet dieses Album doch schön kitschigen und verträumten Darkwave der, im Gegensatz zum doch eher introvertierten Debut, wuchtiger und ein wenig pompöser daherkommt.
Ich habe mich dabei sofort in Lieder wie "Eternidad", "Hollow", oder "Leaves No Trace Behind" verliebt - haben sie doch direkt einen Nerv bei mir getroffen.
Erst ein bisschen später habe ich mir dann auch mal das Debut angehört und war beim ersten mal hören ein wenig enttäuscht. "Resonance" klingt basischer, reduzierter, nicht so nach vorne gehend wie das tolle "Rust" Album, aber schon beim mal zweiten hören hat sich meine Meinung zu dem Album komplett geändert und ich war direkt wieder Feuer und Flamme.
Etwas was ich bei der Band wunderschön finde sind die Texte....sie decken wirklich jedes Klischee ab, welches diese Art von Musik zu bieten hat, wirken aber nie peinlich und laden auch nicht zum fremdschämen ein.
Dazu passt auch der super sympathische Gesang einfach wunderbar zu der schönen Musik: Mal traurig, mal geknickt, mal herausfordernd, mal nachdenklich, mal aufbauend und dabei immer mit so einer Leidenschaft vorgetragen, dass man der Band die Texte einfach abnimmt - egal wie kitschig sie auch sein mögen. Darkways machen einfach diese wunderbar dunkle Musik in die ich mich reinlegen kann, die mich umarmt, umschlingt und die Gefühle und Ideen anspricht, die irgendwo ganz tief in mir verborgen sind. Ich kann einfach die Augen schließen und mich in die Musik, die Texte und das ganze Auftreten der Band fallen lassen und fühle mich für einen Moment einfach verstanden. Die Band spielt teilweise eine so tieftraurige Musik, die ich genau in diesen Momenten gebrauchen kann, wenn ich das Gefühl habe das sich die ganze Welt gegen mich verschworen hat. In solchen Moment reicht mir die Band die Hand, packt zu und zieht mich in ihre wunderbare, schillernde, dunkle Welt hinein. Begleitet mich dabei durch die Nacht, zeigt mir Gedanken auf die auf der einen Seite düster und verheißungsvoll sind, aber auch die Schönheit, die solche Gedanken mit sich bringen kann. Die Dunkelheit, die Finsternis und die Nacht müssen nicht immer nur mit negativen Gefühlen in Verbindung gebracht werden. Und wenn ich dann zusammen mit der Band durch die Nacht tanzen kann, frei von irgendwelchen Sorgen, irgendwelchen Selbstzweifeln und irgendwelchen schlechten Gedanken fühle ich mich irgendwie befreit. Wie sehr mich die Musik von Darkways berührt (beide Alben) merke ich immer wieder, wenn ich bei Liedern wie "Hollow" von der "Rust", oder auch dem Titeltrack des "Resonance" Albums, immer mal wieder Tränen in den Augen habe. Darkways machen wirklich diese Art von Musik, die mich ganz, ganz, ganz tief gefühlstechnisch anspricht.
Und ich freue mich auch schon unglaublich darauf die Band nächste Woche in einem kleinen Club live sehen zu dürfen....ich habe mir die Tracklist schonmal angeguckt und ich bin mir jetzt schon sicher, dass ich bei mindestens 3 Liedern (Resonance, Hollow und Eternidad) ziemlich fertig sein werde (im positiven Sinne!).

Dabei startet das Album eigentlich recht düster und ein kleines bisschen aggressiv. Der Opener "Shadowdancer" ist ein schöner, tanzbarer kleiner Hit, der mit einer ohrwurmerzeugenden Synthesizer-Melodie eröffnet wird. Als dann das Schlagzeug einsetzt und man immer wieder ein hallendes klatschen im Hintergrund hört möchte man am liebsten sofort mittanzen. Gerade wenn der Song dann ab 00:34 Minuten ein wenig post-punkiger wird weiß er direkt voll zu überzeugen. Wenn dann auch noch der Gesang einsetzt, die Synthesizer-Sound ein wenig zurückgefahren werden und dem Bass ein wenig mehr Raum eingeräumt wird, wirkt der Song ziemlich edel. Aber spätesten wenn der Refrain das erste mal einsetzt möchte man einfach mit laut mitsingen....unglaublich mit welcher Energie man in diesen Refrain reingeht und auch welche Energie er beim Hörenden freisetzt. Nach dem Refrain kommt wieder diese schöne Synthesizer-Melodie zum Einsatz, die den Song auch schon eröffnet hat. Anschließend geht es wieder auf den tollen Refrain zu, wonach der Song dann auch endet. Besonders hervorheben möchte ich nochmal den Schlusspart ab 04:01 Minuten, wenn zu der bekannten Synthesizer-Melodie immer wieder die Worte: To Convert my Pain into yours - Shadowdancer!"
wiederholt wird.
Mit "Dark & Light" kommt dann ein recht reduzierter Song, der von seinem prägnanten Bass und den punktuell eingesetzten Synthesizer-Sounds lebt. Generell sind die Synthesizer-Melodien und Sounds in den Hintergrund gemischt, sodass der schöne Gesang ein wenig besser zur Geltung kommt. Auch zeigt die Band auch in diesem Lied wie schön sie kitschige Texte vortragen kann. Ich liebe den Refrain einfach....er ist einfach so wunderbar simpel und spricht etwas ganz tief in mir drin an: Hey you , search the dark ? - I found it in myself They dont know me ,Thеy can't see me - The dark and light i have insidе.
Nach dem Refrain kommt wieder der Part mit punktuell eingesetzten Synthesizer, bevor er nach einem erneuten Refrain endet.
Ein schöner Song, der mir gerade durch seine Einfachheit sehr gefällt. "I like the Night (and the Night likes me) bleibt diesem reduzierten Sound dann treu. Auch sticht hier wieder der Refrain hervor, nicht gerade durch den Text, aber durch die eingesetzten Synthesizer: Fühlt es sich doch irgendwann als würde man durch die Nacht laufen/wandern/spazieren gehen. Die Sounds erzeugen eine leicht mystische und geheimnisvolle Atmosphäre. Und eine Textzeile: "Darkness is the only Way - I like the Night and the Night likes me!" kann und will ich irgendwie auch immer direkt mitsingen - egal wo ich bin.
Mit "Inexistence" kommen wir dann zu dem wohl traurigsten Songs auf dem Album. Schon der verträumte und melancholische Einstieg, der ab 00:48 Minuten dann von diesem tieftraurigen und leidenden Gesang unterstützt wird nimmt mich jedes mal voll mit. Das Lied an sich ist wieder ein wenig pompöser, nicht ganz so reduziert und basisch wie die vorherigen Songs. Unter anderem hört man im Hintergrund einen pumpenden Beat (recht leise), der dem ganzen Song irgendwie etwas drängendes und zwingendes gibt. Ich kann das schwer beschreiben: Es fühlt sich irgendwie an, als würden einen die Selbstzweifel und die traurigen Gedanken, von denen der Text handelt, hetzen. Besonders toll finde ich an dem Lied, wenn ab 3 Minuten es alles ruhig recht wird und die Bridge gesungen wird, bevor der Song wieder Fahrt aufnimmt.
Ab diesem Moment hört man auch wieder dieses klatschen im Hintergrund, welches auch schon den Opener veredelt hat. Generell klingen die letzten 1,5 Minuten des Liedes unglaublich erhaben und irgendwie...nun ja: adelig.
Mit "Neon Lights" kommt dann eine wunderschöne, verträumte und einfach entspannte Darkwave-Hymne, die auch gut auf einem Synthwave Album platz gefunden hätte. Das Lied besticht auch einfach durch seinen entspannten Style: Hier geht alles langsam, entspannt und ohne hetze ab...auch transportiert der Song so ein gewisses urbanes Feeling, was mich irgendwie an mit Neon-Lichtern beleuchtete Werbeplakate in einer regnerischen Nacht, die man in einer Großstadt verbringt, erinnert. So eine Art Blade Runner Feeling. Gerade diese cybermäßigen Synthesizer, die öfters mal eingesetzt werden, verstärken diesen Eindruck noch mehr.
Dadurch das in dem Song nicht sonderlich viel passiert entwickelt er auch eine leicht hypnotische Sogwirkung. Toller Song, für den man sich aber ein wenig Zeit nehmen sollte und auf dem man sich einlassen muss.

Mit "Madness" geht es dann aggressiv weiter. Der Song startet schnell und furios, elektronische Spielereien, die immer mal wieder im Hintergrund zu hören sind, verleihen dem Song etwas angespanntes.
Dazu kommt dann der gehetzte und schnelle Gesang..gerade wenn nach dem Refrain (ab 01:30 Minuten) die Synthesizer ein wenig mehr in den Vordergrund gerückt werden, erzeugt das Lied eine ziemlich
merkwürdige, ich möchte fast sagen: Unwohlsein erzeugende Atmosphäre. Das ganze Lied hört sich echt so an als wäre man auf einer Flucht und wird immer panischer in seinen Aktionen.
Nach 3,5 Minuten ist das Lied auch schon vorbei....gerade wenn das Lied gegen Ende nochmal intensiver wird mit seinen Synthesizer-Melodien und dem immer wieder wiederholtem: "I Run!"
macht der Song einfach nur Spaß. Das abrupte Ende ist dabei einfach perfekt gewählt.
Und dann kommt der Titelsong....der wohl beste und schönste Song auf dem Album. Ich kann eigentlich gar nicht in Worte fassen, was mir dieser Song bedeutet. Es handelt sich dabei um so eine richtig schöne "Lass dich nicht unterkriegen, du schaffst das!" Hymne. Das Lied beginnt dabei eher verhalten, verträumt und traurig, bevor es im Refrain dann weiterhin traurig, aber irgendwie auch aufbauend wird. Dazu sorgt der wirklich schöne Text für eine Gänsehaut nach der nächsten bei mir. Wenn ich euch einen Song empfehlen müsste, der für mich die Band, die Gefühle welche ich mit ihr in Verbindung bringe und ihre Musik definiert: Es wäre dieser.
Mit "Lies" kommt dann ein etwas durchschnittlicher Song....ich weiß nicht: so wirklich packen tut er mich nicht. Vielleicht liegt es an der irgendwie beliebig wirkenden Synthesizer-Melodie, oder dem etwas zu sehr verzerrtem und mit viel Hall unterlegtem Gesang: Das Lied ist grundsätzlich nicht schlecht, aber es fällt doch irgendwie ein wenig ab zu den anderen Liedern. Vielleicht hat "Lies" auch einfach nur das Problem, dass es nach dem übermächtigen Titeltrack kommt.
Mit "Young Again" findet die Band aber wieder direkt zu alter Stärke zurück und präsentiert uns einen wunderschönen Herzschmerz-Song, der mit seiner verträumten und nachdenklich melancholischen atmosphäre zu überzeugen weiß. Ich könnte auch (fast) jedesmal einfach losheulen, wenn der Refrain einsetzt mit seinem "Do you remember when we were young?" Musikalisch wird das alles auch mehr als passend umgesetzt: Die Instrumentierung in dem Lied ist eher wieder sehr reduziert, die Synthesizer sind weit im Hintergrund, hier wird wieder mehr wert auf Bass und Gesang gelegt.
Allerdings geht mein Herz richtig auf bei dem Lied, wenn zusammen mit Refrain diese 80ziger Synthesizer-Sounds eingesetzt werden..diese klagende Melodie ab 03:25 Minuten ist auch einfach nur zum niederknien schön. Nach dem Titelsong mein liebster Song auf dem Album. Für das abschließende "More then Dreams" greift die Band dann nochmal ganz tief in die Kitschkiste....das Lied klingt auch so als wäre es direkt den 80zigern entsprungen. So stelle ich mir auch den typischen Darkwave-Song vor der auf irgendwelchen Partys läuft....der Song verströmt aber generell eine irgendwie positive und aufbauende Atmosphäre, gerade wenn die "Dadadadadada-Parts" kommen (das erste mal ab 01:34) schlägt der Kitschfaktor zwar über die 9000 aus, aber es ist halt einfach geil. Anders kann ich es beschreiben: Der Song ist einfach geil und macht unglaublich viel Spaß. Dadurch wird das Album auch einfach perfekt abgeschlossen.

Die Band hat sich in den gut zwei Monaten seit ich sie kenne, wirklich einen ganz großen Platz in meinem musikalischem Herzen erspielt.
 
Die habe ich letztes Jahr eher zufällig (Volkspalast, da geht man wegen einer Band hin und bleibt meist für alle anderen auch da :D) auf dem WGT gesehen und fands ziemlich cool. Auf Platte funktioniert solche Musik für mich zuweilen nicht ganz so gut wie live, aber nach der leidenschaftlichen Besprechung oben werd ich mir die Alben nochmal vornehmen! :top:
 
Heute möchte ich eine Band mit einem Album vorstellen, das mich auch schon seit knapp 20 Jahren begleitet.
Ich spreche von den Russen von Mechanical Poet die mit ihrem Album "Woodland Prattlers" ein wunderbar merkwürdiges, chaotisches, aber unglaublich liebenswürdiges Album veröffentlicht haben.

Cover:
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Tracklist:
01. Main Titles
02. Stormchild
03. Boogie in a Cole Hole
04. Sirens from the Underland
05. Will o the Wisp
06. Strayed Mopped
07. Old Years Merry Funeral
08. Natural Quaternion
09. Shades on a casement
10. Swamp-Stamp-Polka
11. End Credits

Links:
Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=E_uR15-ISXE&list=PLmU9ARMtcZOzx58eckEoJMKO46yQSHEiX
Bandcamp: https://mechanicalpoet.bandcamp.com/album/woodland-prattlers
Metal Archives: https://www.metal-archives.com/bands/Mechanical_Poet/11665


Aufmerksam bin ich damals auf die "Woodland Prattlers" geworden als diese im Metal Hammer zerrissen wurde (glaube das Album wurde mit 3, oder sogar nur 2 von 7 Punkten bewertet) und im Soundcheck nicht eine Note über drei Punkte erhalten hat...außer von Dr. Pest, damals bei den Apokalyptischen Reitern aktiv und Gastkritiker für den Soundcheck. Dieser hat dem Album die volle Punktzahl gegeben...7/7 und das hat mich irgendwie getriggert. Auch gerade weil der Zerriss irgendetwas von total merkwürdiger Musik schrieb, die keiner roten Linie folgt, kein Zusammenhang erkennen lässt usw. Der Stil der Band wurde damals als Progressiv Metal im weitesten Sinne beschrieben und das stimmt auch. Im wirklich weitesten Sinne. Im aller weitesten Sinne.
Das macht mich halt schon neugierig gemacht und ich wollte wissen was es mit dieser Musik auf sich hat und was mich erwarten würde. Das Album ist 2004 erschienen wo man noch nicht wirklich schnelles Internet hatte, Youtube war noch nicht präsent und schon gar nicht mit solcher Musik und mal eben im Musikladen reinhören ging auch nicht weil kein Laden das Album im Sortiment hatte. Also habe ich das einzig logische gemacht: Ich habe mir das Album über den örtlichen Musikhändler bestellt und nachdem ich ganze 4 Monate gewartet habe, hielt ich es dann endlich in den Händen. Pünktlich zu Weihnachten...was sich im Nachhinein noch als richtiger Glücksgriff erweisen sollte. Aber dazu später mehr.

Wie das bei mir oftmals so ist, wenn ich einem Album entgegenfiebere bin ich leicht aufgeregt wenn ich es zum ersten mal auflegen.
Aber bevor es soweit kam habe ich erstmal die Aufmachung des Booklet bestaunt...so ein dickes, schön aufgearbeitetes Büchlein habe ich noch nie gesehen. Jeder Song erzählt eine kleine Geschichte, die durch einen hübsch gezeichneten Comic im Booklet dargestellt wird. Und so kommt es, dass das Booklet an die 14 Seiten dick ist.
Die Texte werden zudem als kleine Sprechblasen der einzelnen Figuren wiedergegeben, die in den Geschichten auftauchen. Ich fand und finde diese Idee auch noch heute super und wirklich schön. Wunderschön umgesetzt. Das war schonmal ein riesen Pluspunkt und rechtfertigt für mich allein schon den Erwerb dieses Albums.
Aber kommen wir zur Musik: Was erwartet mich beim ersten mal hören? Man malte sich die wildesten musikalischen Verrenkungen aus, die man so aufgrund des MH Review erwartete....erstmal kam ein Intro, schlicht mit "Main Titles" betitelt welches einen mit sanften und warmen Keyboardklängen in das Album einführt.
Ich finde es schön! Wirkt es doch mit dem ganzen Konzept des Albums, die Geschichten die erzählt werden, die Storys die dahinter stehen, wie ein Einleitung für den gleich folgenden Episodenfilm. Nach gut 1,5 Minuten startet dann auch schon der erste Song "Stormchild" und will so gar nicht zum besinnlichen Intro passen. Was man hier zu hören bekommt eine wilde Mischung aus neueren Fear Factory, Mnemic (kennt die noch wer?^^) und Metalcore mit einem sehr melodiösen Refrain. Und irgendwie war ich gar nicht darauf vorbereitet :D so rutsche die Augenbraue erstmal ein wenig höher und man war mehr verwirrt als alles andere. Aber irgendwie schwang das Tanzbein mit und der Song machte Spaß. Gerade weil er mit seinen 4:20 Minuten ein guter "voll ins Gesicht"-Einstieg war.
Für was der Song aber gesorgt hat war und das sogar schon beim ersten mal hören: man war irgendwie gehooked. Man wollte jetzt noch mehr wissen wie es mit dem Album weitergeht.
Mit dem zweiten Lied "Boogie in a Coal-Hole" folgt dann der erste richtig Hit auf dem Album. Der Song geht schon mehr Richtung dem was man unter Progressiv Metal versteht.
Eher klassisch gehaltene Gitarren unterlegt mit massig atmosphärischen Keyboardspielerein und einem wirklich großartigen Refrain. Auch der Gesang besteht bei dem Song aus reinem - einem sehr variantenreichen - Klargesang. Das Metalcoreartige-Geshoute aus dem Opener taucht hier gar nicht auf. Generell haftet dem ganzen Song eine recht melancholische und sehnsüchtige Atmosphäre an...die auch noch zusätzlich durch den tiefen, ich nenne es mal, gothicartigen Gesang, den man zum Beispiel direkt zu Beginn hört, verstärkt wird.
Zudem zeigt der Song sehr schön die Spannungsbögen, die es die Band schafft auf dem Album aufzubauen. (der "Weg" zum Refrain ist ein ziemlich gutes Beispiel dafür)
Das nachfolgende "Sirens from the Underland" ist eine Art Ambient/Ballade Song, der eine verträumte und fantastische Atmosphäre verströmt und ganz ruhig daher kommt.
Es gibt keine Ausbrüche, keine Gitarren. Nur gedoppelter Gesang und Keyboard. Damit stellt dieser Song wieder einen krassen Stilbruch zu den anderen beiden Liedern da.
Muss man mögen...ich mag den Song im Albumkontext und Verlauf echt gerne. "Will o the Wisp" ist ein Instrumental mit Klimperkeyboard und Disney Feeling :D
Der nächste richtige Song "Strayed Moppet" ist dann wieder ein supereingängiger Song, der auch wieder von seinem Refrain lebt. Musikalisch könnte man hier vielleicht von einer etwas sanfteren Version von Fear Factor reden. Gerade das Keyboard hat es mir an diesem Song besonders angetan - gerade dann wenn es wie im Refrain nur recht dezent zum Einsatz kommt. Auch dieser Song lebt wieder von seinem sehr abwechslungsreichem Gesang: Während der Strophen und der Bridge recht rau und ein wenig quengelig gehalten sind kommt im Refrain wieder diese wunderschöne klare Stimme zum Einsatz, die auch "Boogie in a Cole Hole" so toll gemacht hat.

Ich muss dem Gesang auf dem Album eh nochmal lobend hervorheben: Selten habe ich ein Album gehört wo der Gesang SO abwechslungsreich ist wie auf der "Woodland Prattlers": Hier ist wirklich alles vertreten: Klargesang, Shouts, Geknödel, Geflüster, Gequieke und noch vieles mehr. Und auch wenn der Gesang an manchen Stellen vielleicht ein wenig nervig wirkt, er passt irgendwie immer perfekt zum Konzept des Songs.
Generell finde ich es einfach nur schön und faszinierend mit wie viel Herzblut die Band dieses Album vertont hat. Das fängt schon bei dem wirklich wunderschönen Cover an, was so viele Details bietet, dass ich mich selbst heute nicht daran satt sehen kann. Auch passt das Cover einfach perfekt zur Musik: Der Schriftsteller/Musiker der in seinem Zimmer sitzt, welches mit allerhand merkwürdigen, kauzigen und einfach nur faszinierenden Gegenständen vollgestellt ist und sich dabei Geschichten mit der passenden musikalischen Untermalung ausdenkt. Leider gibt es von dem Album keine Vinyl-Version: Das Cover wäre wie gemacht für dieses Format.

Nach dem tollen "Strayed Mopped" kommt mein absoluter Lieblingssong auf dem Album: Der wunderbare, abgehackte, stellenweise arg nervige Abgesang auf Weihnachten: "Old Years Merry Funeral".
Das Lied handelt davon wie sich ein Gnom aus Santas Werkstatt besäuft und sich über Weihnachten und was alles damit zusammenhängt auslässt. Musikalisch wird das mit einer weirden Mischung aus progressiv Metal, Weihnachtskeyboard und sehr abwechslungsreichen Gesang (geknödel, festlich, gequält) umgesetzt. Man kann den Song echt schwer beschreiben...man muss ihn einfach mal hören..egal ob man ihn danach mag, oder nicht. Es ist aufjedenfall ein Erlebnis. Mit dem folgenden "Natural Quaternation" hat man dann den längten Song des Albums wo man vier Themenbereiche vertont: Sylphs, Gnomes, Undines and Salamanders. Und der Song ist wirklich anstrengend. Sehr anstrengend...weil man hier wirklich so viele verschiedene Musikstile, Ideen und Stimmungen zusammengeworfen hat (das Lied pendelt dabei zwischen Ambient-Musik, epischen Momenten, Disney Keyboards mit einfühlsamem Gesang (an einer Stelle habe ich sogar, glaube ich zumindest, Bambi vorbeihüpfen sehen), düsteren Elektro Metal Abschnitten (ab 07:05 Minuten) und noch vieles mehr) dass das Lied beim ersten mal hören kaum zu erfassen ist. Jedoch wird man belohnt wenn man nach dem ersten hören noch die Muße hat das Lied ein zweites, drittes, viertes Mal usw. zu hören. Der Song wuchs bei mir nach jedem mal anhören mehr und jetzt mag ich ihn nicht mehr missen. Und allein schon der wunderschöne Anfang mit seinem mystischem Feeling rechtfertigt schon, dass man das Lied immer und immer wieder laufen lässt..und der Übergang zum "Richtigen" Song ab 02:08 Minuten (wenn man den "Knödelgesang" davor überstanden hat :D) ist einfach immer wieder richtig toll.
Mit "Shades On a Casement" gibt es dann eine recht normale und unspektakuläre Ballade...was aber gut tut nach all dem Chaos, was vorher herrschte. Eine Art Ruhepol in dem tosenden kreativen Chaos.
Aber danach wirds nochmal chaotisch: Swamp Stamp Polka klingt so als hätten sich Korpiklaani ein paar Substanzen zu viel eingeschmissen, und sich daran gemacht einen Text über zwei Trolle zu vertonen, die sich um eine Silbermünze kloppen. Gewöhnungsbedürftig, aber ein ganz netter Rausschmeißer für das Album, der mit knapp 3 Minuten Spielzeit auch genau richtig bemessen ist.
Mit "End Credits" gibt es dann noch Outro, was das Album mit sanften Keyboardklängen zu Ende führt.

Nun....ich mag das Album echt gerne...finde den Zerriss im Metal Hammer aber auch gerechtfertigt. Das Album ist zwar mega gut, wirkt aber manchmal wie eine verrückte Klangkollage wo sich beim ersten mal hören wenig festsetzt. Auch der moderne Sound und die generelle moderne Ausrichtung der Musik wird viele abschrecken.
Wer aber mal Musik kennenlernen möchte die sich fernab ausgelatschter Wege bewegt, der dieser modernen Form von Metal Musik aufgeschlossen ist und keine Berührungsängste mit massig Keyboard, ein wenig Metalcore und elektronischen Spielerein hat, sollte aufjedenfall mal reinhören.
 
Zuletzt bearbeitet:
Nun....weiter geht es direkt mit meinem Lieblingsalbum, meiner Lieblingsband:
(Und irgendwie habe ich die Vermutung das früher, oder später alle Alben der Band in diesem Thread landen :D)


Stronghold von Summoning.

Cover:

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Tracklist:


01. Rhun
02. Long Lost to Where No Pathway Grows
03. The Glory Disappears
04. Like Some Snow-White marble Eyes
05. Where Hope and Daylight die
06. The Rotting Horse on the Deadly Ground
07. The Shadow Lies frozen on the Hills
08. The Loud Music of the Sky
09. A Distant Flame before the Sun

Links:

Bandcamp: https://summoning.bandcamp.com/
Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=SuoR8wEW0Bo&list=RDSuoR8wEW0Bo&start_radio=1
Metal Archives: https://www.metal-archives.com/bands/Summoning/29

Ich habe es ja schon mehrmals hier im Forum geschrieben, auch schon mit sehr großer Leidenschaft, aber ich kann mich einfach nur immer und immer wiederholen...Summoning ist einfach meine Band, die ich über alles Liebe. Es gab jetzt zwar mal ne Zeit wo ich sie nicht sooo oft gehört habe, viel viel andere Musik hat in dieser Zeit meine Aufmerksamkeit verlangt, aber der Drang die Band wieder öfters aufzulegen ist immer da. Die Plätze 2 bis 10 (ich nehme die Nightshade Forests und die Lost Tales EP mit rein da ich beide extrem gerne höre) tauschen munter durch mit den Platzierungen. Es gibt wirklich nur ein Album der Band was sich immer, und daran wird es nie etwas zu rütteln geben, auf Platz 1 innerhalb der Diskographie bei mir hält: Die Stronghold
Sie ist für mich einfach das ultimative Album der Band und wahrscheinlich auch generell mein liebstes Album aus dem epischen BM Bereich. Summoning klangen nie abwechslungsreicher, düsterer, härter und atmosphärischer als auf diesem Album. Hier passt einfach jeder Ton, nichts wirkt irgendwie billig, oder lieblos dahingeschleudert (was meiner Meinung nach auf keinem Summoning Release der Fall ist).
Das Album zeigte mir welche Gefühle, welche emotionalen Ausbrüche, ja sogar welche Kraft der Musik von Summoning innewohnen kann.
Stronghold beginnt schon mit dem perfekten Intro, es ist absolut unkitschig, kein bisschen bombastischen sondern stimmt einfach nur auf das folgende ein. Long "Lost where no Pathway Goes" ist dann der Opener und zeigt mit seiner simplen, aber dennoch effektiv Melodie wie man einen super Einstieg in das Album hinbekommt. Dazu der verzweifelte und leicht resignierte Gesang bevor es im Refrain sogar soetwas wie Hoffnung gibt und die düstere Atmosphäre ein wenig auflockert, bevor alles wieder in dieser melancholischen Hoffnungslosigkeit versinkt. Ich liebe diesen Opener echt am meisten...ich meine Summoning haben eigentlich immer sehr gut Eröffnungslieder für ihre Alben, aber ich finde "Long Lost where no Pathway goes" hat irgendwie noch etwas besonderes...liegt es an der verträumten Grundausrichtung, oder an dem sehr ruhigen Songverlauf? Ich kann es nicht erklären, aber vielleicht ist es gerade das, was mich so fasziniert. Mir fehlen einfach die Worte um diese wunderschöne Musik gut beschreiben zu können.
Das anschließende "The Glory Disappears" ist im Gegensatz zum tollen Opener fast schon aggressiv, wirkt aber weniger düster und melancholisch als der Beginn...hier hat man schon eine feierliche Atmosphäre, die aber nie in großen Kitsch, oder Fremdschämen abdriftet. Es ist halt diese typische Summoning-Gradwanderung, die auch nur diese Band so gut hinbekommt. Egal wie kitschig die Songs sind, oder wie viel Keyboard verwendet wird (gerade auf der Dol Guldur gibt es ja den einen, oder anderen Song, der manchen sauer aufstoßen könnte) die Musik wird dabei nie unangenehm. Und da man auf der Stronghold generell das Keyboard ein wenig zurückgefahren hat, es nicht mehr ganz so dominant im Vordergrund agiert, wirkt das hier gehörte nochmal um einiges erdiger und auch härter.
Aber egal wie: Summoning schaffen es einfach immer, egal ob mit viel Keyboard, oder mit wenig Keyboard, großartige und wunderbare Musik zu erschaffen.
Und generell ist die Stronghold da, wie bereits geschrieben, mit am Abwechslungsreichstem.
Zudem hat die Band mit dem grandiosem "Where Hope and daylight die" ihren für mich zweitbesten Song enthalten, gerade weil dieser durch die Opernsängerin auch eher Summoning untypisch ist.
Aber dieser Song lässt immer Bilder vor meinem inneren Augen entstehen, die mir jedes mal Gänsehaut bescheren:
Mir spuken bei dem Lied immer Bilder einer epischen Schlacht im Kopf herum, beide Seite geben sich keinen fingerbreit, es wird erbittert, brutal und mit voller Wut gekämpft.
Der Himmel verdunkelt sich währenddessen, erster Regen fällt und taucht die ganze Szenerie in ein unwirkliches Licht (ca. so wie die Festung auf dem Cover) und es dämmert einem: Diese Schlacht ist verloren. Für beide Seiten. Egal wer den Sieg davonträgt, er wurde mit so einem hohen Blutzoll errungen, dass sich selbst der Sieg wie eine Niederlage anfühlt.
Als dieser Gedanke sich in den Köpfen der Streitenden festsetzt und sich beharrlich weigert den einmal eingeschlagenen Weg wieder zu verlassen, setzt eine Furcht bei den Kriegern ein, die schlimmer ist als jede Niederlage, als jeder Schwerthieb, als jeder Stich mit Lanze, als jeder Pfeil der Körper, Kopf und Seele durchbohrt: Hoffnungslosigkeit und die Gewissheit der eigenen Vergänglichkeit.
Plötzlich sehen die Krieger keine Ehre mehr im kämpfen, sie realisieren das auf dem Schlachtfeld keine Ehre, kein Stolz gefunden werden kann. Dann, als das Lied ruhiger wird, man nur noch das Keyboard, die wunderschöne Stimme der Sängerin vernimmt, hört das wilde Treiben des Schlachtens für einen Moment auf, die Heere stehen sich gegenüber, die Kämpfer, die Verwundeten, die Streitenden blicken gen Himmel in den Regen, und das dämmrige Licht welches dieses brutale Schlachtfeld in eine geisterhafte Unwirklichkeit taucht, welche manch einen der Krieger glauben lässt er würde bereits im Reich der Toten eine nie endende Schlacht ausfechten, verliere alle streitenden den Mut. Manch einer vernimmt dann diesen wunderschönen Gesang, der trotz seines schönes Klanges nur von Hoffnungslosigkeit, Tod und der Ausweglosigkeit des Krieges erzählt:

In better lands the sun may shine
And green leaves on trees spring
Their opening and blossoming
But here the raven sing


Manch einer Lächelt. Die Schlacht ist verloren. Es gibt keinen Sieg. Keine Niederlagen. Nur den Tod. Mit einer merkwürdigen Ruhe, der Gewissheit, dass man für nichts mehr kämpfen muss als den eigenen Tod geht die Schlacht weiter.

Eine Band, die es schafft solche Bilder mit einem knapp 6,5 minütigem Song vor meinem geistigem Auge vorzuführen verdient einfach meinen allerhöchsten Respekt. Auch wenn der Text eine wahrscheinlich andere Bedeutung hat und nicht unbedingt eine Schlacht beschreibt, finde ich es immer wieder fantastisch welche Bilder die Band in meinen Kopf entstehen lässt.

Die vier nachfolgenden Lieder sind dann vielleicht nicht mehr ganz so malerisch wie der eben beschriebene, aber sie stehen dafür in ihrer musikalischen Qualität kein bisschen hinten an.
Gerade das düstere und für Summoning Verhältnisse sehr Black-Metal lastige "The Rotting Horse on the Deadly Ground" sticht da nochmal heraus. Es ist einfach ein wunderbarer Song, der gerade nach dem tieftraurigem "Where Hope and daylight die" aufhorchen lässt und dadurch einfach noch mehr Wirkung entfaltet.
Ebenso die letzten drei Songs, wovon ich unbedingt nochmal "The Loud Music of the Sky" erwähnen muss. Für mich ein Song, der in der Tradition von Summoning "Khazad Dum" steht (auf der Dol Guldur enthalten). Sehr ruhiger, aber dafür umso einprägsamer Einstieg, sobald die Gitarren einsetzen wird es sehr verzweifelt und melancholisch, der Gesang ist leidend, wirkt leicht abwesend, als würde jedes Wort nur unter Qualen hervorgewürgt werden. Das ganze Lied zieht einen irgendwie runter und lässt ca. 99 % aller DSBM Kombos alt aussehen und wahrscheinlich auch vor Neid erblassen.

Summoning sind einfach meine größte musikalische Leidenschaft und mir kribbelt es da oftmals richtig in den Fingern zu jedem Album so einen langen Text zu schreiben wenn ich ihre Musik höre. Ich muss auch nochmal kurz auf eine Idee von mir eingehen, die ich eigentlich schon sehr, sehr lange mit mir herumtrage: Ich siele schons eit längerem mit dem Gedanken eine Art Summoning Fan Buch zu schreiben. Die Idee dahinter war das man jedes Album in sehr, sehr ausführlicher Art und Weise bespricht, dabei jedoch mehr auf den emotionalen Aspekt Rücksicht nimmt. Sprich: Ich würde beschreiben was die Musik und die Texte für mich bedeuten (zum Beispiel wie bei der oben beschriebenen Schlacht).
Das Buch wäre natürlich dann nur eine Hobbygeschichte, soll nicht verkauft werden oder so. Ich würde wenn auch nur eines für mich machen lassen und dann, das liegt mir dann auch wirklich am Herzen, Protector und Silenius ein Exemplar zukommen lassen. Egal ob sie mich dann für völlig bescheuert halten, oder es mögen und sich sogar bedanken, aber ich möchte den Beiden gerne sagen was mir ihre Musik bedeutet und auch immer bedeuten wird.

Abschließen möchte ich den Text mit folgenden Worten: Summoning ist einfach die beste Band auf der Welt!
Sehr schöner Text. Summoning begleiten mich nun auch annähernd 25 Jahre und auch wenn sie teilweise monatelang ignoriert werden, ist dies dennoch oder gerade deswegen vielleicht eine der Bands, die mich vermutlich bis ins Grab begleiten werden. Alles nach der Stronghold kommt zwar vergleichsweise wenig auf den Teller, aber warum auch: Minas Morgul, Dol Guldor, Lost Tales und Stronghold als Grand Epos, mehr brauch ich nicht, auch wenn mir die neueren Werke auch gut reingehen.
 
Seit ich diesen Thread gestartet habe wollte ich das "Death Cult Armageddon" Album von Dimmu Borgir hier vorstellen. Merkwürdigerweise bin ich immer wieder drüber hinweggekommen, auch weil ich nicht so wirklich die richtigen Worte gefunden habe um dieses Meisterwerk entsprechend zu würdigen.
Nun, nachdem ich mir das Album in den letzten Tagen nochmal wirklich intensiv zig mal angehört habe und mich wieder komplett in diese wunderbar düsteren symphonischen Klangwelten verloren habe kommt hier nun die entsprechende Vorstellung. Beobachten wir also wie diese anstrengende Welt im Chaos und Armageddon untergeht, während wir uns in unserer dunklen Festung verschanzen.

Cover:
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Tracklist:
01. Allegiance
02. Progenies of the Great Apocalypse
03. Lepers Among Us
04. Vredesbyrd
05. For the World to Dictate Our Death
06. Blood Hunger Doctrine
07. Allehelgens Dod I Helveds Rike
08. Cataclysm Children
09. Unorthodox Manifesto
10. Heavenly Perverse

Links:
Bandcamp: https://dimmuborgir.bandcamp.com/album/death-cult-armageddon
Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=TFRwNYPsHwY&list=RDTFRwNYPsHwY&start_radio=1
Metal Archives: https://www.metal-archives.com/bands/Dimmu_Borgir/69

Die "Death Cult Armageddon" war damals meine erste Dimmu Borgir die ich mir zu meinem 15. Geburtstag von meinen Eltern hab schenken lassen, weil mich der Hype, der damals (gerade vom Metal Hammer) produziert wurde einfach komplett mitgenommen hat - zudem gab es auf einer Metal Hammer CD noch den Song "Progenies of the Great Apocalypse" der mich total begeistert hat.
Im Gegensatz zu Cradle of Filths "Damnation and a Day" welche ich damals schon oft gehört und mir erarbeitet habe, war "Death Cult Armageddon" richtig eingängig, nicht ganz so auf Chaos gebürstet wie das Cradle of Filth Album. "Progenies of the Great Apocalypse" lief tagelang, wenn nicht sogar wochen- und monatelang in einer Endlosschleife bei mir, ich konnte es kaum erwarten endlich das komplette Album in den Händen zu halten. Nach gut 2 Monaten endlosem Wartens war es dann endlich soweit und ich konnte an meinen Geburtstag das aufklappbare Digipack in Empfang nehmen.
Gespannt wie ein Flitzebogen habe ich das Album in die Anlage gelegt, auf "Play" gedrückt und war mega gespannt was mich erwartet, ob die anderen Lieder die Qualität von dem Vorabtrack halten können, oder sogar noch besser sind. ("Noch besser!" konnte ich mir damals irgendwie nur schwer vorstellen, aber spätestens ab Lied Nummer vier wurde ich eines besseren belehrt...es wurde noch besser, sogar sehr, sehr viel besser)

Dabei lässt sich der Opener "Allegiance" erstmal ein wenig Zeit bevor er loslegt. Knackende Geräusche eröffnen den Song, bevor eine Gitarre erklingt, weiterhin begleitet von den knackenden und sich irgendwie ungut anfühlenden Geräuschen. Ein Keyboard setzt ein und taucht den ganzen Song in eine sehr düstere und irgendwie trostlose Atmosphäre. Ab 01:21 Minuten geht der Song dann endlich richtig los und geht direkt in die Vollen: Up-Tempo, dazu Shagraths toller Gesang, der mir auf der "Death Cult Armageddon" immer am besten gefallen hat, weil gut verständlich und so herrlich knurrig - weniger kreischend.
Und schon im Opener zeigt die Band wie sie es einfach schafft auf dem Album den perfekten melodischen Black Metal zu spielen: Auch wenn alles auf dem Album einfach perfekt aufeinander abgestimmt ist, nichts dem Zufall überlassen wird und all das noch in eine gute, saubere Produktion verpackt wurde, erzeugt das Album eine Atmosphäre die so dicht, einnehmend und unheilvoll ist, dass man es fast vergessen kann das man es hier mich einen "Hochglanz-Produkt" zu tun hat.
Ich fand "Allegiance" allerdings immer ein wenig nichtssagend im Gegensatz zu dem was uns noch alles erwartet auf dem Album. Ein toller Opener, keine Frage, aber irgendwie ein wenig verhalten, ja fast schon schüchtern. Dabei hat der Song echt einige sehr gute und sehr düstere Stellen: Zum Beispiel wenn der Song nach drei Minuten so richtig schön langsam wird und Keyboard/Orchester-Sounds zusammen mit dem "Dampf-Ablass-Geräuschen" im Hintergrund eine industriell mäßige Atmosphäre erschaffen. Im Großen und Ganzen aber ein echt guter Song, der perfekt auf den folgenden Armageddon einstimmt.
Als zweiter Song kommt dann das damals mir schon bekannte "Progenies of the Great Apocalpyse", was ich damals geliebt habe und heute auch noch tue. Ich muss ehrlich sagen, dass ich (nach dem ich das Album eine Zeitlang komplett ignoriert habe, weil ich mich in meiner True-Edgy-BM-Phase befand) den Song irgendwie als "Fast-Food" Black Metal abgestempelt habe...ein Trugschluss. Allein bei dem orchestralem Anfang habe ich direkt wieder Gänsehaut....und auch hier zeigt die Band wieder wie perfekt sie einfach darin ist Atmosphäre zu erschaffen. Der Song klingt wirklich wie der Auftakt zum Weltuntergang, nach dem recht opulenten Einstieg geht es ab 01:50 Minuten direkt in den Kampf. Der Song wird fordernder, aggressiver und die Orchester-Sounds rücken ein wenig in den Hintergrund. Man hat dann wirklich das Gefühl, als würde gerade eine Schlacht toben, deren Ausgang keine Sieger, sondern nur den Weltuntergang kennt. Und wenn dann auch noch ab 02:17 Minuten ICS Vortex mit seinen Clean-Vocals einsetzt bin ich einfach nur glücklich. Der anschließende ruhige Orchester-Part mit seinem Chor im Hintergrund baut dann noch mal eine ganz dicke Atmosphäre auf, denn jetzt scheint die Schlacht vorbei zu sein und man zählt die Gefallenen - denkt, dass das schlimmste vorbei ist, bis dann bei 04:12 Minuten der Weltuntergang über die Überlenden hereinbricht. Chaos, Zerstörung, Feuer das vom Himmel regnet - eine Welt in ihren letzten Atemzügen.
Ein echt toller Song, der in meinen Ohren auch eine perfekte Zusammenfassung des Albums ist: Vereint er doch alles in sich, was auf dem Album noch folgen wird. Das Lied ist sozusagen ein Vorbote für die folgende Apokalypse.

Mit dem folgenden "Lepers Among Us" kommt dann für mich ein kleiner Geheimtipp auf dem Album. Ich finde das Lied steht immer so ein wenig im Schatten von dem fantastischem Vorgängersong und dem nachfolgenden "Vredesbyrd". Dabei muss sich "Lepers Among Us" vor diesen beiden ebenfalls sehr starken Liedern kein bisschen verstecken. Das Lied wird stilvoll von dem Geräusch schwärmender Fliegen eingeleitet, als würde man noch über das Schlachtfeld schreiten, welches nach der Schlacht aus dem vorherigen Song übrig geblieben ist. Jedoch beginnt der Song dann recht schnell und was direkt auffällt ist, dass das Lied weniger opulent und orchestriert wie "Progenies of the Great Apocalypse" gespielt wird. Das Lied wirkt sehr geerdet und gerade der Double-Bass-Part bei 00:48 Minuten kann einfach alles, auch weil hier das Keyboard wieder ein wenig mehr in den Vordergrund rückt. Aber auch die langsamen Passagen wie zum Beispiel ab 01:12 Minuten wo sich der Song aufzubauen scheint und man im Hintergrund ein Geräusch hört als würde ein Schmiedehammer auf einen Amboss schlagen. Vielleicht eine Metapher dafür, dass die Überlebenden nach dem Armageddon eine neue Welt aufbauen wollen...der anschließend schnelle und sehr aggressiv Part reißt einen dann aus dieser irgendwie positiven Gedankenblasen heraus. Aber richtig aufdrehen und für einen der besten Gänsehautmomente aller Zeiten sorgen tut der Song dann zwischen 02:28 Minuten und 02:40 Minuten, wenn diese eiskalte und irgendwie teilnahmslose Frauenstimme folgende Worte spricht: Satan was there! Satan was real to him...and Satan called himself a God!
Jedes mal einfach nur Gänsehaut...dabei kann ich gar nicht mal genau sagen, warum mich das jedes mal so catcht, das sind gerade mal 12 Sekunden, aber diese 12 Sekunden gehören mit zu den großartigsten musikalischen Momenten die ich je hören durfte. Ich muss auch nochmal Shagraths-Gesang, gerade auf dem Song, hervorheben....er wechselt einfach so herrlich zwischen seinem normalen Gekeife, Growls und verheißungsvollem Gekicher. Fantastisch...das sorgt bei diesem tollen Song wirklich für den letzten schliff.
Das anschließende "Vredesbyrd" wird ja oftmals als der Überhit des Album dargestellt.....ich muss sagen, dass ich das noch nie so ganz nachvollziehen konnte. Der Song ist richtig stark, keine Frage, steht aber anderen auf dem Album enthaltenen Songs doch nach in meinen Ohren. Aber davon mal ab ist der Anfang natürlich einfach nur eine Wucht! Melodisch, schnell und majestätisch. Richtig gefallen tut mir der Songs allerdings erst ab 01:10 Minuten, wenn er so abrupt von diesem majestätischen Part in das langsame Tempo wechselt und so herrlich düster wird. Allein dieses "Uah!" bei zwei Minuten, wenn der Song dann wieder ein wenig Geschwindigkeit aufnimmt ist einfach nur geil...dabei kommt mir dann immer so eine Panorama-Rundfahrt über die vom Armageddon verheerte Welt in den Sinn mit Shagrath als Guide, der uns das Chaos mit seiner eiskalten und diktierenden Stimme erklärt. Ab Minuten vier geht der Song so majestätisch zu Ende wie er begonnen hat. Der Song ist schon verdammt stark....aber der wirklich Überhit, Dimmu Borgirs Magnus Opus, ein Lied, dass ich auf ewig mit der Band in Verbindung bringen werde, kommt erst noch.
"For the World to Dictate Our Death" beginnt mit einer kleinen Ansprache, bevor der Song rasend eröffnet wird...und auch hier zeigt die Band welch wunderbares Gespür sie dafür besitzen Spannung in den Songs zu erzeugen. Der Refrain mit seinem Pure fucking Armageddon, let it pour more and more! hat einfach so einen unglaublich aggressiven und angefressenen Unterton, dass ich jedesmal Gänsehaut bekomme, wenn Shagrath diese Worte hervorkrächzt. Aber auch die langsamen, epischen Passagen wissen voll und ganz zu überzeugen....sogar fast noch mehr als die schnellen Knüppelparts. Ich finde es einfach immer wieder faszinierend und fantastisch was zu eine dichte, düstere und menschenfeindliche Atmosphäre von der Band auf diesem Album erschaffen wird.,
Ich kann mir den von Dimmu Borgir beschriebenen Weltuntergang und dessen Ablauf wirklich bildlich vorstellen....es laufen Bilder vor meinem inneren Auge ab - eine Mischung aus Horror, Faszination und eine leichte Besorgnis über die eigene geistige Gesundheit. Aber egal....richtig auftrumpfen tut der Song ab der dritten Minute, wenn die Orchester-Sounds zusammen mit dem jetzt gut hörbaren Chor eine hoffnungslose und verzweifelte Atmosphäre erschafft. Mega genial finde ich die immer wieder eingestreuten Wortfetzen, die sich anhören als würde wer eine Ansprache durch ein uraltes Mikrofon halten.

Mit "Blood Hunger Doctrine" kommt dann der langsamste Song auf dem Album und hier zeigen Dimmu Borgir auch, dass sie doomig, majestätisch, düster und kaputt zu gleich klingen können.
Gerade wenn der Song ab 01:16 Minuten anfängt zusammen mit den Orchester-Sounds voran zu marschieren hat man das Gefühl, man würde einer toten Welt bei ihren letzten Atemzügen zusehen. Nach knapp zwei Minuten setzt dann Shagraths stark verzerrter Gesang ein und verstärkt dieses Gefühl von Hoffnungslosigkeit, Tod und Verzweiflung nur. Gerade diese verzerrten Gesangpassagen haben auch irgendetwas unglaublich spöttisches an sich...als würde man die Überlenden verspotten, weil sie ihren selbst verursachten Weltuntergang überlebt haben. Das Lied wird sogar kurzzeitig ein wenig Dissonant. In dem Abschnitt zwischen 02:58 Minuten und 03:43 Minuten werden öfters mal Fanfaren/Trompeten Sounds eingespielt, die wie ein Fremdkörper in dem Klangbild wirken, aber gerade dadurch aufhorchen lassen und diese Endzeitstimmung noch mehr hervorheben und greifbarer machen. Anschließend marschiert das Lied wieder majestätisch voran und endet dann urplötzlich mit einem einzelnen Pianotasteneinsatz.
Und dann kommt dieser eine Song von Dimmu Borgir, den ich über alles Liebe...ein Lied was in meinen Augen einfach viel zu selten in Zusammenhang mit dieser tollen Band genannten wird wenn es um ihre besten Songs geht. "Allehelgens Dod I Helveds Rike" ist ein Manifest, eine Offenbarung! Melodischer Black Metal in Perfektion, von den Göttern gesegnet, in seiner Vollkommenheit unantastbar!
05:35 Minuten musikalische Ekstase! Wut, Verzweiflung und Leidenschaft bilden die Grundlagen für diesen Übersong - und jetzt wo ich ihn wieder höre und beschreibe bin ich sogar bereit soweit zu gehen und zu sagen, dass es für mich sogar der BESTE melodische Black Metal Song aller Zeiten ist. Das fängt schon bei dem wunderbar aggressiven Anfang an und wird nur noch perfektioniert, wenn ab 00:33 Minuten der Gesang, das dezente Keyboard, das wunderbare, extrem dynamische Schlagzeug und Shagraths extrem angefressener Gesang einsetzen! Der Up-Tempo-Part, der ab 01:27 Minuten in diesen unfassbar epischen Part mündet ist einfach nur göttlich. Gerade die Passage ab 01:27 Minuten ist gespielte Perfektion! Wenn die Geigen/Violinen im Hintergrund diese verzweifelte, aber auch von leidenschaftlichen Schmerz erfüllte Atmosphäre erschaffen und Shagrat so herrlich verzweifelt dazu singt könnte ich jedes mal vor Glück heulen - was ich dann ab 02:22 Minuten manchmal auch tue, wenn ICS Vortex seinen Klargesang einsetzt....wie PERFEKT kann man bitte Musik schreiben/spielen. Allein dieser Übergang....fantastisch und atemberaubend. Einfach jedes verdammte mal. Danach geht der Song wieder so aggressiv weiter wie er begonnen hat bis ab 04:49 Minuten wieder dieser verzweifelte Violinen/Geigen-Part einsetzt, diesmal aber schneller gespielt (der Doublebass ab 05:20 Minuten!) wird. Und dann ist dieser eine Moment gekommen wo ich mir denke: Wenn ich beim musikhören irgendwann einfach mal Tod umkippen sollte, dann bitte bei dieser Stelle. Danke. Auch das am ende fünffache herausgekotzte "Üargh!" was den Song abrupt enden lässt finde ich einfach nur klasse und stellt einen wunderbaren Kontrast zum majestätischen Ende da. Übersong - auf immer und ewig.
 
Das darauffolgende "Cataclysm Children" kann dann eigentlich nur verlieren...hält sich aber trotzdem allem sehr wacker. Der Song gehört mit zu den simpelsten Songs auf dem Album, das mach der Song mit seinem recht basische Anfang klar. Aber gerade das macht mir an dem Lied so viel Spaß. Der Piano-Part ab 02:55 Minuten lässt dann nochmal aufhorchen und dabei versprüht der Song so eine herrlich erhabene und epische Atmosphäre. Ebenso weiß mir der extrem melodische Ausklang sehr zu gefallen...und mehr passiert in diesem Lied auch schon nicht. Ich weiß nicht..haben Dimmu Borgir den Song im Live-Set drinne?
Glaube da kommt er richtig gut und macht wahrscheinlich sogar noch mehr spaß als auf CD.
Mit "Eradication Instincts Defined" kommt dann der nächste Überhit...allein dieser orchestrale Anfang nimmt mich jedesmal einfach komplett mit. Der Song baut einfach eine so unglaubliche Spannung auf und strahlt dabei eine so dunkle Arroganz aus, bevor sich diese Spannung ab 01:50 Minuten bricht und der Song im langsam epischen Tempo voranschreitet. Generell habe ich bei diesem Song einen kompletten Abgesang auf eine im Kern verrottete Welt im Kopf. Das Lied transportiert einfach so unglaublich viele Emotionen: Der arrogante Einstieg, der melancholische Mittelteil, das lustvolle dritte Viertel wo Moral und Anstand komplett verfallen zu scheinen und der selbst erhöhende Abschluss - alles musikalisch perfekt umgesetzt. Das Lied macht deutlich, dass die Welt nicht mehr am Abgrund steht, sondern einen Schritt weiter ist und sich auf ihren Ruinen neue Ideen, Gedanken und Verhaltensweisen manifestieren, die so verkommen sind wie die zerstörte Welt, der sie entsprungen sind.
Das abschließende "Unorthodox Manifesto" greift diese Atmosphäre auf, beginnt es doch mit Marschgeräuschen, Gewehrsalven und chorartigen, nicht verständlichen Gemurmel, bevor das Lied dann nach zwei Minuten loslegt und dabei eiskalt und mechanisch rüberkommt. Shagrath diktiert seinen Text eiskalt, während im Hintergrund wieder dieser Schmiedehammer-Sound zu hören ist.
Generell ist der Song recht heftig, weniger düsteres herumschwelgen, sondern mehr Geprügel und Gewalt. Das Lied hat natürlich auch seine ausladenden Keyboardpassagen (ab 05:10 Minuten), dennoch bleibt der Song schnell und heftig. Ein wirklich toller Song, der das Album und seine Geschichte musikalisch perfekt abschließt.

"Heavenly Perverse" nehme ich irgendwie immer als Bonustrack war...passt für mich nicht so wirklich in den Albumkontext.

Jetzt wo ich mir das Album wieder verstärkt angehört und meine Eindrücke recht ausführlich aufgeschrieben habe muss ich für mich selber eine musikalische Erkenntnis festhalten: So sehr ich den melodischen Black Metal der 90ziger auch liebe, aber "Death Cult Armageddon" wird wohl auf ewig mein liebstes Melodic Black Metal bleiben.
Es ist einfach perfekt - ich kann einfach nichts anderes dazu sagen. Ich kann einfach nicht den kleinsten Kritikpunkt an dem Album finden.
 
Zuletzt bearbeitet:
Wieder toll geschrieben. Dimmu Borgir waren damals eine meiner Lieblingsbands. Ich muss bei dem Album aber auch immer an diesen Werbespot denken:D:
 
Heute möchte eine Band mit ihrem Debut Album vorstellen, dass mich seit Tagen extrem begeistert.
Ich rede von der Band Kraath, die im September letzten Jahres erst digital und im März 2026 ihr Debutalbum in physischer Form über Vendetta Records veröffentlicht hat.

Cover:
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Tracklist:
01. Abstract I
02. Absence
03. Descent
04. Radiance

Links:
Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=HFkiEnPZI0U&list=RDHFkiEnPZI0U&start_radio=1
Bandcamp: https://kraath.bandcamp.com/album/kraath
Metal Archives: https://www.metal-archives.com/albums/Kraath/Kraath/1366712

Das Debutalbum der Augsburger von Kraath ist ein Meisterwerk...hoch emotionaler Black Metal irgendwo zwischen Wolves in the Throne Room, Fall of Rauros und anderen Cascadian Black Metal Bands.
Auch wenn das jetzt kitschig klingt, aber die Musik von Kraath "fühlt" man mehr als das man irgendwelche große Besonderheiten an ihr fest machen kann - sie ist wie eine emotionale Achterbahnfahrt, die einen durch tiefe Täler voller Schmerz, Verzweiflung und finsteren Gedanken geleitet, aber auch immer mal wieder lichtere Momente, Momente voller Hoffnung und innerem Frieden bietet.
Die Musik auf diesem Album ist einfach wunderschön und gerade heute morgen direkt nach dem aufstehen und auf dem Weg zur Arbeit hat sie mich voll gepackt.
Nach einer ziemlich schlaflosen Nacht in der mich eine Mischung aus Hitze, garstigen Nachtmahren und quälend emotionalen Gedanken vom wohltuenden Schlaf abhielten, war ich am morgen wie gerädert....
Also bin ich 1,5 Stunden vorm Wecker klingen aufgestanden, nen Kaffee gemacht und habe mich auf den Balkon gesetzt, den Blick in die noch anhaltende Dunkelheit gerichtet und mich dabei in Gedanken verloren.
Über Kopfhörer erklangen gerade die ersten Töne des Intros "Abstract I" und schon die erste Minute sorgte für soetwas wie eine innere Ruhe, eine leichte Entspannung setzte ein: Finstere und quälende Gedanken wurden leiser, verschwanden nicht, aber sie hielten einen Moment lang inne und lauschten, so wie ihr Wirt, der Musik die sich zaghaft durch immer lauter werdendes Gitarrenrauschen ankündigte, bevor sie mit einem beherzten und verzweifelten Schrei nach 45 Sekunden loslegte und eine wunderbare dunkle, aber auch wohlige innere Wärme bei mir erzeugte. Nach gut einer Minute setzt dann auch noch so eine wunderbar klagende Gitarrenmelodie ein...aber wartet...es ist kein klagen, diese Melodie spendet Hoffnung, eine zaghafte, fragile und sehr vorsichtige Hoffnung, aber sie ist da.

Mein Blick weiterhin in den dunklen Innenhof gerichtet, aber die Gedanken nun ein wenig klarer, der Blick aber trüb und müde, aber voller Vorfreude auf die Musik die auf das schöne Intro noch folgen sollte.
Der erste richtige Song "Abscence" startet dann direkt so wie das Intro aufgehört hat: Rasend, einnehmen und mit einer tiefverwurzelten Melancholie behaftet, die aber niemals ins weinerliche abdriftet.
Nach ca. 40 Sekunden setzt dann ein kurzer Double-Bass-Part ein, dazu erklingt wieder so eine wunderschöne verzweifelte, diesmal sehr weit in den Vordergrund, gemischte Gitarrenmelodie, die eine Atmosphäre erzeugt, als würde man nach einen kurzen, aber heftigen Regenguss in das Licht der sich durch die dunklen Wolken kämpfenden Sonne blicken. Anschließend geht es weiter im Up-Tempo, die Gitarren erzeugen weiterhin ihre tieftraurige Atmosphäre, während nun auch Gesang hinzukommt und einen Text vorträgt, der tiefe Verzweiflung zum Ausdruck bringt. Eine Textzeile wie: Unending, eternal gloom Shifting towards a very last breath Orphaned, few seconds of hope Descend into the abyss geht ganz tief unter die Haut und sorgt direkt für einen eiskalten Schauer der mir den Rücken runterläuft.
Besonders schön auch, wenn der Song vom Up-Tempo ins mittlere Tempo wechselt (ca. 1:52 Minuten - wieder mit dieser wunderschönen Gitarrenmelodie) und die hochemotionale Textzeile: All is desire Unending distress Silent gasping for air vorgetragen wird. Anschließend bleibt der Song im eher langsamen Tempo und baut dadurch eine unglaublich einnehmende Atmosphäre auf, die immer intensiver und immer einlullender wirkt. Spätestens jetzt ist der Punkt erreicht wo ich mich komplett in die Musik fallen lassen kann...und wenn dann ab vier Minuten ein ruhiger Ambient-Part mit Wellenrauschen einsetzt ist es völlig um mich geschehen: Jetzt befinde ich mich wieder in meiner Welt....keine nervige Realität um mich herum, keine Probleme, keine Schmerzen, keine auffressenden Gedanken, sondern nur Musik, Glückseligkeit und das unglaublich dankbare Gefühl, dass es soetwas wie die Musik von Kraath gibt.
Und auch wenn sich Kraath musikalisch eher im Cascadian Black Metal zu Hause fühlen, erzeugt die Musik doch das gleiche Feeling wie zum Beispiel das Blood Abscission Debut: Emotional packend und mich auf einer Ebene ansprechend die weit über "normales" musikhören hinausgeht.
Nach ca. sechs Minuten geht der Song von dem Ambient-Abschnitt direkt in einen extrem epischen Part über wo man das Gefühl hat die Gitarren würden sich auftürmen, wie eine Welle, nur um sich dann ab 07:11 Minuten über einen zu brechen. Dieser Übergang zum fast schon doomigen Part kommt einfach so unglaublich mächtig rüber....bevor der Song wieder ins Up-Tempo geht und dann wieder mit dieser altbekannten, aber deshalb nicht minder schönen, Gitarrenmelodie endet....zum Ende hin werden auch nochmal die Worte: Drink the earth Swallow the trees Crush the mountains Wash away the disease wiederholt....bevor das Lied dann endgültig mit Ambient-Musik und Wellenrauschen endet.

Das darauffolgende "Descent" startet rasant und furios! Melancholie wurde durch Wut ersetzt! Verzweiflung herrscht zwar immer noch vor, aber sie wird in etwas heroisches umgewandelt.
Auch wenn der Text von tiefster Verzweiflung handelt, strahlt der ganze Song doch etwas kämpferisches aus - zumindest die ersten drei Minuten. Die immer mal wieder eingesetzten etwas epischeren Momente (das erste mal ab 01:09 Minuten) lockern das Lied dabei immer wieder ein wenig auf. Nach 03:06 Minuten kommt ein krasser Break und der Song stampft für ein paar Sekunden im langsamen Tempo voran, bevor er wieder in das Up-Tempo geht, immer mal wieder aufgelockert durch recht epische Double-Bass-Passagen. Auch hat sich jetzt die Atmosphäre erneut geändert: Der kämpferisch anmutende Beginn weicht einer aufkeimenden hoffungsvollen Melancholie. Die Stimmung ist vom Grund her irgendwie traurig, aber gerade deswegen auch hoffnungsspendend. Besonders wenn ab 05:21 Minuten wieder eine Gitarrenmelodie zum Einsatz kommt brechen alle Dämme und der Song ergibt sich dann komplett wieder dieser wunderschönen Traurigkeit, die auch schon im ersten Song vorherrscht.
Nach diesem schönen Part kommt ein kurzer Ambient-Part mit Gewittergeräuschen, Gitarren im Hintergrund und einer sehr verträumten Atmosphäre. Ab 06:40 Minuten geht der Song dann wieder "normal" weiter und wirkt dann einfach unfassbar massiv und spätestens hier kommen mir Wolves in the Throne Room zu ihren besten Zeiten in Sinn. Und ich behaupte jetzt mal ganz ketzerisch: Kraath können locker mit einem "Two Hunters", oder "Diadem of Twelve Stars" Album mithalten. Es ist einfach unglaublich was zu eine dichte und einnehmende Atmosphäre die Band im letzten Songdrittel erschafft. Gerade wenn dann noch ab 07:58 Minuten diese wunderbaren Melodien ertönen und zusammen mit einer Textzeile wie: Sinking (drowning) - Surface distant Lower descend - Melt into the ground eine schmerzende, aber auch befreiende Stimmung erschaffen ist es völlig um mich geschehen. Enden tut der Song dann mit Gewitter- und Sturmgeräuschen.

Mittlerweile ist es hell geworden, der Kaffee ist leer der Blick kann nicht mehr in die Dunkelheit des anbrechenden Morgens und der endenden Nacht versinken, aber dafür hat sich die Stimmung ein wenig gebessert. die Dämonen und Nachtmahre sind verstummt, haben sie doch wie ich der schönen Musik von Kraath gelauscht.
Ein Song übrig, genug Zeit bevor ich die Wohnung verlassen muss: "Radiance" beginnt so unglaublich niederschmetternd und verzweifelt. Gerade nach dem verträumten "Descent" wirkt diese Depressivität und Verzweiflung wie ein Hammerschlag auf die geschundenen Nerven. Gerade wenn dann ab 01:30 Minuten dann auch noch die Schreie erklingen zieht mich das einfach nur runter. Jeder Schrei zieht sich wie eine Klinge über die Seele und beim finalen Schrei bei 02:31 Minuten zieht sich bei mir alles zusammen...da kommt der anschließende Ambient-Part mit der Akustik-Gitarre genau richtig. Aber ich merke recht schnell, dass dieser kurze, ruhige Abschnitt nur ein letztes aufbäumen vor dem alles vernichtenden Sturm ist: Mit einem markterschütternden Schrei geht der Song ab 03:10 Minuten ins schnelle Tempo über....kleinere nicht ganz so garstige, aber nicht weniger verzweifelte Schreie ertönen, bevor ein richtiger Text gesungen wird. Nach 4,5 Minuten wird plötzlich abrupt die Geschwindigkeit aus dem Song herausgenommen und schamanistisch anmutendes Schlagzeug setzt ein, während die Gitarren weiterhin so herrlich wütend und zugleich verzweifelt klingen, bevor es direkt weiter geht im hohen Tempo.
Und spätestens jetzt, verstärkt durch immer wieder einsetzende Double-Bass-Passagen, verfällt der Song komplett der Verzweiflung. Hoffnung ist eine Illusion - Verzweiflung ist Realität.
Waren die vorherigen Songs schon extrem einnehmend und emotional fordernd, geht "Radiance" noch einen Schritt weiter: Hier steigt man auch noch die letzten Sprossen in die tiefe Dunkelheit hinab, entfernt sich immer weiter vom Licht. Aber wartet! Es blitzt doch immer wieder auf....das rettende und hoffnungspendene Licht! Gerade wenn ab 06:07 Minuten wieder so eine schöne Gitarrenmelodie zum Einsatz kommt bricht die den Geist zur Verzweiflung bringende tiefschwarze Wolkendecke für einen Moment auf - man erblickt für einen Moment die Hoffnung und auch wenn sie direkt wieder verschwindet ist der Wille für diese Hoffnung zu kämpfen geweckt. Komplett zerrissen hat es mich dann ab 08:05 Minuten wenn sich die Gitarrenmelodie erst "ankündigt" bevor sie dann entfesselt wird und plötzlich die ganze Szenerie, die ganze Atmosphäre in zaghaftes Licht getaucht wird. Nur wie so vieles im Leben endet auch dieser kurze Moment der Freude nach einem kurzen Ambient-Part: Ab 09:32 Minuten versinkt der Song in eine dunkle und menschenfeindliche Atmosphäre, die all das positive, all das Licht und all die Hoffnung verschlingt. Gerade die quälenden Gitarrenmelodien und der "prügelnde" Abschlusspart sorgen für einen extrem niederschmetternden Abschluss.
Und die letzten Worte, die wir auf dem Album vernehmen, brennen sich mit einer alles verschlingenden Hoffnungslosigkeit in die Seele: My unsettled feet seek way home I have to take a rest by now Foundering, sliding off, falling down Trapped beneath the burden of stones I stay here I wither, I freeze My embers are burnt Turn white like snow...
 
Heute morgen möchte ich kurz ein Album vorstellen welches in diesem Jahr erschienen ist.
Es handelt es sich um das Debutalbum "Howling in Baptismal Filth" der Neuseeländer von Windswept auf dem uns die Band melodischen Black Metal mit Crust und Punk Anteilen präsentiert.

Cover:
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Tracklist:
01. To Covets Gods Tale
02. Prayopavesa
03. Cenote
04. Bayou
05. Anthropophagus
06. Helictite
07. Putrescere
08. Rotten Realms of Desolation

Links:
Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=vXZZZMtyPX8&list=RDvXZZZMtyPX8&start_radio=1
Bandcamp: https://windsweptband.bandcamp.com/album/howling-in-baptismal-filth
Metal Archies: https://www.metal-archives.com/bands/Windswept/3540570376

Bei den Neuseeländern von Windswept handelte es sich wieder um einen Zufallsfund den ich über Bandcamp gemacht habe. Auch hier hat mich - wie so oft - das Cover einfach so sehr angesprochen das ich einfach mal reinhören musste. Ich wusste auch überhaupt nicht was mich erwartet...da das Album unter Black Metal gelistet war und das bunte und komplett überdreht anmutende Cover in meinen Augen überhaupt nicht so wirklich zu einer Black Metal Band passen wollte, habe ich mal ein Ohr riskiert und wurde wirklich sehr positiv überrascht.
Dabei spielt die Band keinen traditionellen Black Metal, sondern eine Mischung aus melodischen Black Metal, Crust und vereinzelten Ausflüge in den Punk. Und das macht die Band so gut, dass sich "Howling in Baptism Filth" innerhalb weniger Wochen (ich habe mir das Album relativ kurz nach Release am 29.05.2026 gekauft) ganz weit nach oben gespielt hat in meiner Jahresbestenliste.
Das Album ist einfach ein wunderbar kurzes (Spielzeit knapp unter 30 Minuten, mit Intro und Outro), aggressives, aber auch hymnenhaftes und melodisches extrem Metal Album, das Freunde von Bands wie Svdestada, Dyspit, aber auch Necrophobic und Dödsrit (hier würde ich tatsächlich "Mortal Coil" als Vergleich heranziehen wollen) gefallen dürfte. Besonders herausstechend ist der Gesang von Rachel Collins. Ihr garstiges und einfach nur angefressene Gekeife verleiht den schon sehr guten Songs noch mehr Durchschlagskraft und sorgt generell für etwas kaputtes, Aggressives und kämpferisches was in den Liedern immer wieder mitschwingt.
Ein wirklich tolles Album, welches ich gerne beim laufen/wandern höre, weil es mir auch immer wieder Kraft und Zuversicht spendet. Und das ist eh etwas, was mich an dem Album ziemlich fasziniert: Dieses positive Feeling was von der Musik immer wieder transportiert wird. Auch wenn die Texte alles andere als positiv sind, sorgt doch zumindest die musikalische Ausrichtung für den einen, oder anderen erhabenen Moment, wo man sich einfach nur gut und stark fühlt.

Das Album beginnt dabei recht entspannt mit dem Akustik-Intro "To Covets Gods Tale". Das Intro führt dabei aber auf eine komplett falsche Fährte...wirkt das Intro entspannt, melancholisch und einfach nur verträumt wird das all das direkt hinfortgespült, sobald die ersten Takte vom ersten richtigen Song "Prayopaversa" ertönen. Was zu ein Start in ein tolles Album! Allein dieser Schrei von Rachel, der den Song einleitet, und das anschließende Up-Tempo Getrümmer nehmen mich direkt komplett mit. Und schon hier kommt zu Beginn dieses leicht hymnenhafte zum tragen was dem Song und den späteren Liedern immer wieder so eine herrliche kämpferische und erhabene Atmosphäre verleiht. Gerade wenn das Lied dann ab 01:06 Minuten dann auch noch in den stampfenden Rhythmus wechselt kommt mir irgendwie eine extrem aggressivere und crustigere Version von Bathory zu ihrer Viking-Phase in den Sinn. Generell lebt der Opener von diesem Wechselspiel aus schnellen Passagen, wo immer wieder diese hymnenhaften Gitarren zum Einsatz kommen und den stampfenden Abschnitten, die den kämpferischen Aspekt hervorheben. Und über allem thront Rachels wunderbarer garstig keifender Gesang, der hier allerdings noch ein wenig zurückhaltend rüberkommt.
Im späteren Verlauf des Albums wird der Gesang noch mal eine ticken fordernder und wahnsinniger. "Prayopaversa" ist aufjedenfall schonmal ein super Start in das Album.
Das anschließend "Cenote" startet dann leicht crustig/punkig, bevor der Song ab 00:28 Minuten ins schnelle Tempo verfällt und eine tolle Gitarrenmelodie erklingt. Und hier kommen mir dann tatsächlich Necrophobic in den Sinn, dieser Part hätte auch gut bei einem Song auf der "Hrimthursum" gepasst. Rachel keift hier schon ein wenig aggressiver und angefressener als auf dem vorherigen Song, aber ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass sie sich auch hier ein wenig zurückhält. Das Gitarrensolo zwischen 02:01 Minuten und 02:33 Minuten sorgt dann nochmal für einen ziemlich geilen und epischen Moment - ein perfekter Abschluss für einen tollen, kurzen (genau 3 Minuten Spielzeit) Song. Mit "Bayou" kommt dann ein recht chaotischer Song, der ein wenig gebraucht hat bei mir. Der Anfang ist ähnlich wie bei "Cenote" und geht nach knapp einer Minute auch wieder in einen rasenden Part aber über, der beim ersten mal hören ein wenig nichtssagend klang. Rachel keift wieder ein wenig kaputter als auf den vorherigen Songs und man möchte das Lied schon als "ganz nett!" abtun, aber dann kommt der punkig/crustige und epische Immortal Part, der ab 02:06 Minuten einsetzt und bis 03:13 Minuten andauert! In dieser guten Minute wird der Song unglaublich episch und wird dadurch auch ungemein aufgewertet. (auch weil mir bei dem Riffing immer wieder das Zelda "A Link to the Past" Thema in den Sinn kommt, wenn man das erste mal die Schattenwelt betritt).
Enden tut der Song dann so wie er begonnen hat.

Mit dem folgenden Song "Anthropophagus" haben wir dann den ersten Übersong auf dem Album. Der hymnenhafte Anfang mit seinem garstigen Riffing und dem wirklich extrem angefressenen Schrei von Rachel sorgen für einen wunderbaren Einstieg. Ab 00:53 Minuten verfällt die Band zudem in einen sehr schönen Crust Part, während die Gitarre ihre einsame Melodie singt, keift sich Rachel einfach die hasserfüllte Seele aus dem Leib. Spätestens jetzt hält sie sich kein bisschen mehr zurück, sondern zeigt was sie kann und WIE wütend sie ist. Einfach fantastisch wie der Gesang dem eh schon sehr aggressiven Lied noch mehr Durchschlagskraft verleiht. Generell ist der Song, bei aller Aggressivität, auch sehr melodisch und hymnenhaft. Gerade wenn das Lied dann nach gut zwei Minuten von diesem Crust Part in den stampfenden Abschnitt übergeht wirkt das einfach nur unglaublich massiv. Das Gitarrensolo zwischen 02:44 Minuten und 03:35 Minuten kann auch nochmal alles. Das Lied endet dann wieder mit diesem herrlich epischen schwarzmetallischen Crust-Part und Rachels keifendem Gesang. Mit "Helictite" kommt dann der wohl der schwarzmetallischtes Song auf dem Album. Das Lied startet mit sich auftürmenden, dröhnen Gitarren und erinnert dabei an die frühen Großtaten norwegischer Bands. Allerdings nimmt das Lied nach gut 45 Sekunden eine stimmungstechnische Wende und wird direkt melodisch und hymnenhaft.
Gerade diese Verbindung aus Double-Bass, Gitarrenmelodie und Rachels keifendem Gesang sorgen für ein erhabenes und einfach majestätisches Gefühl. Toll ist auch der Übergang zwischen diesem melodischen Part in den prügelnden Abschnitt (ab 01:28 Minuten) und wieder zurück (ab 01:45 Minuten). Dadurch erzeugt der Song eine unglaublich Dynamik, die einfach nur Spaß macht und auch das eine, oder andere mal zum durchdrehen und durch die Gegend marodieren einlädt. Der kurze Mid-Tempo Part der nach ca. 3 Minuten einsetzt kann dann nochmal alles und sorgt für eine kurze Verschnaufpause, bevor es dann wieder schnell und unglaublich aggressiv weiter geht...bis bei 04:14 Minuten wieder so ein wunderbarer Übergang in den melodisch, hymnenhaften Part erfolgt.
So endet das Lied auch...ich muss sagen, dass "Helictite" auch mein absoluter Lieblingssong auf dem Album ist.
Das anschließende "Putrescere" kann da zwar nicht ganz mithalten, aber macht auch einen wirklich guten Job. Der Anfang ist wieder ein wenig chaotischer gehalten, Rachels Gesang dafür aber wieder so herrlich aggressiv. Besonders aufhorchen tue ich, wenn das Lied nach gut der Hälfte das Tempo ganz erheblich drosselt, für einen kurzen Moment doomig voranschreitet bis er dann ab 02:36 Minuten ins schnelle Tempo wechselt und dabei so schönmelancholisch und irgendwie verzweifelt rüberkommt. Die schöne, sehr weit in den Hintergrund gemischte, Gitarrenmelodie verstärkt diesen Eindruck noch. Ab ca. Minute vier endet das Lied dann mit einem kleinen Ambient-Part, der dann direkt in das Outro "Rotten Realms of Desolation" mündet. Ein sehr kurzes (48 Sekunden), melancholisches Akustik-Outro, was einen mit einem leicht traurigen Gefühl aus dem Album entlässt.

Ein wirklich tolles Album was sich - wie bereits geschrieben - sehr weit nach vorne gespielt hat in meiner Jahresbestenliste.
 
Zuletzt bearbeitet:
Heuten steigen wir ganz tief in die Untiefen menschlicher Emotionen hinab....ich werde das einzige, gleichnamige, Album der Franzosen Paramnesia vorstellen - ein emotionaler Höllenritt der aus Wut, Verzweiflung und Wahnsinn besteht.

Cover:
408193.jpg


Tacklist:
01. IV
02. V

Links:
Bandcamp: https://paramnesiaxpa.bandcamp.com/album/paramnesia
Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=nUTI8OKEDhs&list=RDnUTI8OKEDhs&start_radio=1
Metal Archives: https://www.metal-archives.com/bands/Paramnesia/3540363622

Die Band hat es nicht auf sonderlich viele Veröffentlichungen gebracht. Eine Single, eine sehr gute EP, drei Split EPs mit unter anderem Ultha und halt das einzige komplette Album.
Aufgelöst hat sich die Band leider auch schon, sodass wir da auch leider keine weiteren Veröffentlichungen erwarten können...aber immerhin hat die Band ein wirklich fantastisches Album veröffentlicht, das emotional so tief geht, dass es mich bei jedem mal hören komplett runterzieht. Das Album besteht aus zwei Überlangen Songs, beide gehen etwas über 20 Minuten und bieten die komplette Bandbreite negativer menschlicher Emotionen. Dabei ist es fast schon beängstigend mit welcher radikalen Negativität die Band ihre Musik darbietet - hier regieren wirklich 40 Minuten lang nur Wut, Verzweiflung und Wahnsinn.

Dabei beginnt das Album recht entspannend...ein ruhiges, kurzes Ambientintro leitet den ersten Song ein und schon hier merkt man, dass die Musik die uns gleich erwarten wird wohl nicht ganz so fröhlich wird.
Das Intro ist düster, depressiv und lauernd. Als würde man in die Dunkelheit starren und die Augen gewöhnen sich langsam an die alles verschlingende Finsternis. Man erkennt erst nur Konturen, dann immer mehr, das Bild und der Blick werden klarer und wie mit einem Paukenschlag erkennt die Hoffnungslosigkeit - klar vor einem stehend. Und in diesem Moment (nach ca. 1:40 Minuten) bricht es aus der Band hervor: Der Song startet schnell, ein rasender Mahlstrom aus Dunkelheit und negativen Gefühlen. Die Gitarren dröhnen, türmen sich auf und stoßen dann mit einer unnachgiebigen Härte auf den Hörenden hinab, ziehen ihn mit sich, lassen ihn in dieser allumfassenden Finsternis versinken und ziehen ihn hinab in sein düsteres, mentales Grab. Aus Millimetern werden Zentimeter, aus Zentimetern werden Meter und schließlich versinkt man komplett in diesem garstigen Mahlstrom. Die Gedanken rasend, wild, ohne festes Ziel, finden nichts greifbares, während die Glieder schwer werden. Die Dunkelheit legt sich um den Körper - umgarnt ihn, fast als würde sie ihn liebkosen wollen. Nach 04:06 Minuten wird der Sog in die Dunkelheit für einen Moment verlangsamt...das Lied geht in das mittlere Tempo über, stampfend, alles zermalmend.
Die Gitarren werden sanfter, lassen ein wenig Helligkeit in diese Trostlosigkeit hinein und für einen kurzen Moment blitz die Hoffnung auf, nur ein kurzes zucken des Lichts, ähnliches dem letzten aufbäumen eines Sterbenden, an diesem Ort wo es kein Licht geben dürfte. Mit letzter Kraft versucht der Hörenden nach dem Licht zu greifen! Ein letzter verzweifelter Versuch seinen Körper und die Gedanken aus dieser menschenfeindliche Atmosphäre herauszuziehen. Doch ereilt ihn bald die Erkenntnis, dass alles keinen Sinn hat: Dieses kurze zucken des Licht war nur ein spöttischer Moment des Schicksals...ein kurzer Moment der Hoffnung bevor ab 05:36 Minuten wieder alles in Dunkelheit versinkt, sobald der Double-Bass einsetzt und zusammen mit den heiser herausgeschrienen Worten eine beängstigend Atmosphäre erschafft.
Der Hörer liegt, schwimmt, oder schwebt nun in dieser kompletten, aber auch wunderschön perfekten und irgendwie beruhigenden Finsternis, die Gedanken plötzlich erstaunlich klar und ruhig (zwischen 07:00 Minuten und 07:35 Minuten), bevor sie ab 07:36 Minuten wie mit einem Hammerschlag kreischend und marodierend zurückkehren! Langsam bauen sich die negativen Gedanken auf: Erst ganz langsam, fasst flehend, dann immer schneller werden, langsam nehmen die Gedanken fahrt auf, werden immer schneller, immer rasender, bis sie ab 09:45 Minuten dem kompletten Wahn verfallen.
Verstanden das es keinen Ausweg aus dieser niemals endenden Finsternis gibt wird der mentale Verfall, der Abstieg in den Wahnsinn nur noch beschleunigt. Das Lied, welches die wunderschön schrecklich Melodie zu dem Abstieg spielt, bleibt im hohen Tempo, die Gitarren dröhnend und unheilverkündend. Nichts, aber auch gar nichts vermittelt hier irgendetwas positives. Nach 12 Minuten wird das Kreischen der Gedanken fast unaushaltbar...schrill, chaotisch, aber mit einer grausam schrecklich melancholischen Melodie versehen. Nach 14 Minuten verstummt dann schließlich alles für einen Moment lang....die Gedanken wirr und zerstreut, der mentale Schmerz unnachgiebig, der Körper zu keinen Regungen mehr fähig, der Blick starr in die Dunkelheit gerichtet. Ein letztes mal regt sich der Lebenswille und die rasenden Gedanken kehren für einen kurzen Moment zurück, jedoch auf eine solch grausame und spöttische Art und Weise, dass das Vergessen und wegdämmern das gnadenvollere Ende gewesen wäre: Im vollen Bewusstsein seiner Ausweg- und Hoffnungslosigkeit formen die Gedanken nochmal letzte Worte, die in diesem garstig finsteren Mahlstrom aus unheilvoller Finsternis immer und immer wiederholt werden....anschließend werden die Gedanken wieder langsamer, stampfender und was ist das? Ein kurzes Lächeln umspielt die Lippen des Versinkenden...anscheinend werden die letzten Gedanken von einer absurden Befriedigung geleitet: Das Wissen, dass man Dinge gesehen hat, das Wissen das man Dinge gehört hat und das Wissen das man Dinge erlebt hat, die dem normalen Menschen eigentlich verwehrt, wenn nicht sogar versiegelt bleiben sollten.
Und mit dieser merkwürdig positven Gewissheit schließt das Versinkende die Augen, die Musik wird langsamer - nur noch unterstützt und verfolgt von verzweifelten heiseren Schreien - leiser bis sie schließlich ganz verstummt.

Wut und Verzweiflung sind mächtige Instrumente: Können sie doch auch dem Sterbenden noch einen letzten Lebensfunken entlocken - auch wenn die Situation noch so ausweglos ist.
Schon das Intro, welches eine Minute und 45 Sekunden andauert, macht klar wie der zweite Song auf dem Album gefühlstechnisch einzusortieren ist. Das Intro ist düster, versprüht eine fast schon aggressive Atmosphäre. Auch wieder hat man das Gefühl als würde in der Dunkelheit etwas auf den Hörenden lauern....als das Lied dann schließlich richtig startet, beginnend mit einem furios voranpreschenden Schlagzeug und einer Gitarre, die sich anhört, als würde sie einen langen, klagevollen Schrei hervorbringen geht der Song direkt in die Vollen: Rasend, wütend und voller wunderbar schmerzerfüllter Leidenschaft.
Der Gesang ist diesmal wunderbar angefressen, wirkt aber irgendwie auch vorsichtig, als wenn jedes Wort wirklich mit bedacht gewählt werden muss. Generell sind die ersten drei Minuten von dem Lied einfach nur unfassbar düster und niederschmetternd. Auch wie im vorherigen Song gibt es hier so gut wie keine Lichtblicke, hier regiert Finsternis und Wut. Nach 04:15 Minuten scheint der Song noch ein wenig schneller zu werden, aus Wut wird langsam Verzweiflung, denn die Gitarren beginnen jetzt damit klagende und flehende Melodien zu spielen, die sich Drahtseile in das mentale Fleisch schneiden.
Kennt ihr die Szene aus dem ersten Hellraiser wo die Zenobiten Frank endlich wieder zu fassen kriegen und ihn direkt in Ketten legen? In meinen Ohren wird dieser Moment durch diese kurze Stelle einfach perfekt vertont. Der Gesang wird jetzt heulender, verzweifelter und sich überschlagender - was der eh schon sehr trost- und ausweglosen Atmosphäre noch mehr Intensität verleiht. Dabei scheint jetzt auch das Schlagzeug komplett dem Wahnsinn zu verfallen: Spielt es sich doch in einen regelrechten Rausch! Up-Tempo, Double-Bass, stampfende und marschierende Passagen wechseln sich in so einer schnellen Abfolge ab, dass das Lied unglaublich dynamisch ist. Diese Kombination aus den erdrückend verzweifelten Gitarren, dem wie im Wahnsinn agierenden Schlagzeug und dem heulenden, voller Wut und Verzweiflung durchtränkten Gesang, sorgen für eine absolut einnehmende, herunterziehende und einfach nur deprimierende Atmosphäre. Man fragt sich schon: Kann es noch deprimierender werden? Ja..kann es. Sehr sogar.
Nach knapp 10 Minuten verliert das Lied jegliche Geschwindigkeit und verfällt in doomige Ausweglosigkeit. Die Gitarren klingen unglaublich deprimiert, der Gesang kraftlos, resigniert, als hätte er sich seinem Schicksal gefügt und traurig. Bei 11:19 Minuten wird der Song kurz schneller....aber nur für eine paar Sekunden, bevor er wieder kriechend wird und schließlich zum Stillstand kommt.
Und jetzt passiert etwas, dass hätte ich dem Album und der Band nicht mehr zugetraut nach all dem was ich bis jetzt schon gehört habe: Sie werden noch düsterer und deprimierender.
Nach 12:14 Minuten setzt ein fast schon schamanistisch anmutendes Schlagzeugspiel ein, die Gitarren dröhnen, verbreiten dabei eine unglaubliche Dunkelheit, die auch noch das letzte bisschen Rest vom gesunden Menschenverstand verschlingt. Ab 13:20 Minuten beginnt es zu dröhnen....das Schlagzeug wird intensiver, kontrollierter Wahnsinn regiert ab jetzt. Es wird ein Gefühl erzeugt als würde hier jemand musizieren, der im vollen Bewusstsein seines Wahns ist und ihn auslebt. Bei Minute 15 geht der Song wieder ins Up-Tempo, allerdings klingen die Gitarren diesmal fast schon schrill, teilweise frostig: Als würde eine zerbrechliche Melodie gespielt werden, die so schön wie kalt ist. Nach 16:04 Minuten verschwindet diese schöne Melodie jedoch wieder so abrupt wie sie gekommen ist und das allumfassende dröhnen setzt wieder ein.
Der Gesang diesmal kalt und diktierend, die Musik dazu dröhnend, grollend und düster. Bei 17:30 Minuten ist der Wahnsinn dann vorbei...der Song endet ab dann Post rockig.
Jedoch sind diese letzten 2,5 Minuten zu keinem Zeitpunkt versöhnlich, oder gar hoffnungsspendend: Sie führen uns nur nochmal den Höllenritt vor Augen, den wir die letzten 40 Minuten über uns ergehen lassen haben. Wir haben wirklich alle negativen Emotionen des menschseins durchlebt....und so lässt uns das Album zurück: Verzweifelt, nachdenklich und an manchen Tagen sogar gebrochen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Heuten steigen wir ganz tief in die Untiefen menschlicher Emotionen hinab....ich werde das einzige, gleichnamige, Album der Franzosen Paramnesia vorstellen - ein emotionaler Höllenritt der aus Wut, Verzweiflung und Wahnsinn besteht.

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01. IV
02. V

Links:
Bandcamp: https://paramnesiaxpa.bandcamp.com/album/paramnesia
Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=nUTI8OKEDhs&list=RDnUTI8OKEDhs&start_radio=1
Metal Archives: https://www.metal-archives.com/bands/Paramnesia/3540363622

Die Band hat es nicht auf sonderlich viele Veröffentlichungen gebracht. Eine Single, eine sehr gute EP, drei Split EPs mit unter anderem Ultha und halt das einzige komplette Album.
Aufgelöst hat sich die Band leider auch schon, sodass wir da auch leider keine weiteren Veröffentlichungen erwarten können...aber immerhin hat die Band ein wirklich fantastisches Album veröffentlicht, das emotional so tief geht, dass es mich bei jedem mal hören komplett runterzieht. Das Album besteht aus zwei Überlangen Songs, beide gehen etwas über 20 Minuten und bieten die komplette Bandbreite negativer menschlicher Emotionen. Dabei ist es fast schon beängstigend mit welcher radikalen Negativität die Band ihre Musik darbietet - hier regieren wirklich 40 Minuten lang nur Wut, Verzweiflung und Wahnsinn.

Dabei beginnt das Album recht entspannend...ein ruhiges, kurzes Ambientintro leitet den ersten Song ein und schon hier merkt man, dass die Musik die uns gleich erwarten wird wohl nicht ganz so fröhlich wird.
Das Intro ist düster, depressiv und lauernd. Als würde man in die Dunkelheit starren und die Augen gewöhnen sich langsam an die alles verschlingende Finsternis. Man erkennt erst nur Konturen, dann immer mehr, das Bild und der Blick werden klarer und wie mit einem Paukenschlag erkennt die Hoffnungslosigkeit - klar vor einem stehend. Und in diesem Moment (nach ca. 1:40 Minuten) bricht es aus der Band hervor: Der Song startet schnell, ein rasender Mahlstrom aus Dunkelheit und negativen Gefühlen. Die Gitarren dröhnen, türmen sich auf und stoßen dann mit einer unnachgiebigen Härte auf den Hörenden hinab, ziehen ihn mit sich, lassen ihn in dieser allumfassenden Finsternis versinken und ziehen ihn hinab in sein düsteres, mentales Grab. Aus Millimetern werden Zentimeter, aus Zentimetern werden Meter und schließlich versinkt man komplett in diesem garstigen Mahlstrom. Die Gedanken rasend, wild, ohne festes Ziel, finden nichts greifbares, während die Glieder schwer werden. Die Dunkelheit legt sich um den Körper - umgarnt ihn, fast als würde sie ihn liebkosen wollen. Nach 04:06 Minuten wird der Sog in die Dunkelheit für einen Moment verlangsamt...das Lied geht in das mittlere Tempo über, stampfend, alles zermalmend.
Die Gitarren werden sanfter, lassen ein wenig Helligkeit in diese Trostlosigkeit hinein und für einen kurzen Moment blitz die Hoffnung auf, nur ein kurzes zucken des Lichts, ähnliches dem letzten aufbäumen eines Sterbenden, an diesem Ort wo es kein Licht geben dürfte. Mit letzter Kraft versucht der Hörenden nach dem Licht zu greifen! Ein letzter verzweifelter Versuch seinen Körper und die Gedanken aus dieser menschenfeindliche Atmosphäre herauszuziehen. Doch ereilt ihn bald die Erkenntnis, dass alles keinen Sinn hat: Dieses kurze zucken des Licht war nur ein spöttischer Moment des Schicksals...ein kurzer Moment der Hoffnung bevor ab 05:36 Minuten wieder alles in Dunkelheit versinkt, sobald der Double-Bass einsetzt und zusammen mit den heiser herausgeschrienen Worten eine beängstigend Atmosphäre erschafft.
Der Hörer liegt, schwimmt, oder schwebt nun in dieser kompletten, aber auch wunderschön perfekten und irgendwie beruhigenden Finsternis, die Gedanken plötzlich erstaunlich klar und ruhig (zwischen 07:00 Minuten und 07:35 Minuten), bevor sie ab 07:36 Minuten wie mit einem Hammerschlag kreischend und marodierend zurückkehren! Langsam bauen sich die negativen Gedanken auf: Erst ganz langsam, fasst flehend, dann immer schneller werden, langsam nehmen die Gedanken fahrt auf, werden immer schneller, immer rasender, bis sie ab 09:45 Minuten dem kompletten Wahn verfallen.
Verstanden das es keinen Ausweg aus dieser niemals endenden Finsternis gibt wird der mentale Verfall, der Abstieg in den Wahnsinn nur noch beschleunigt. Das Lied, welches die wunderschön schrecklich Melodie zu dem Abstieg spielt, bleibt im hohen Tempo, die Gitarren dröhnend und unheilverkündend. Nichts, aber auch gar nichts vermittelt hier irgendetwas positives. Nach 12 Minuten wird das Kreischen der Gedanken fast unaushaltbar...schrill, chaotisch, aber mit einer grausam schrecklich melancholischen Melodie versehen. Nach 14 Minuten verstummt dann schließlich alles für einen Moment lang....die Gedanken wirr und zerstreut, der mentale Schmerz unnachgiebig, der Körper zu keinen Regungen mehr fähig, der Blick starr in die Dunkelheit gerichtet. Ein letztes mal regt sich der Lebenswille und die rasenden Gedanken kehren für einen kurzen Moment zurück, jedoch auf eine solch grausame und spöttische Art und Weise, dass das Vergessen und wegdämmern das gnadenvollere Ende gewesen wäre: Im vollen Bewusstsein seiner Ausweg- und Hoffnungslosigkeit formen die Gedanken nochmal letzte Worte, die in diesem garstig finsteren Mahlstrom aus unheilvoller Finsternis immer und immer wiederholt werden....anschließend werden die Gedanken wieder langsamer, stampfender und was ist das? Ein kurzes Lächeln umspielt die Lippen des Versinkenden...anscheinend werden die letzten Gedanken von einer absurden Befriedigung geleitet: Das Wissen, dass man Dinge gesehen hat, das Wissen das man Dinge gehört hat und das Wissen das man Dinge erlebt hat, die dem normalen Menschen eigentlich verwehrt, wenn nicht sogar versiegelt bleiben sollten.
Und mit dieser merkwürdig positven Gewissheit schließt das Versinkende die Augen, die Musik wird langsamer - nur noch unterstützt und verfolgt von verzweifelten heiseren Schreien - leiser bis sie schließlich ganz verstummt.

Wut und Verzweiflung sind mächtige Instrumente: Können sie doch auch dem Sterbenden noch einen letzten Lebensfunken entlocken - auch wenn die Situation noch so ausweglos ist.
Schon das Intro, welches eine Minute und 45 Sekunden andauert, macht klar wie der zweite Song auf dem Album gefühlstechnisch einzusortieren ist. Das Intro ist düster, versprüht eine fast schon aggressive Atmosphäre. Auch wieder hat man das Gefühl als würde in der Dunkelheit etwas auf den Hörenden lauern....als das Lied dann schließlich richtig startet, beginnend mit einem furios voranpreschenden Schlagzeug und einer Gitarre, die sich anhört, als würde sie einen langen, klagevollen Schrei hervorbringen geht der Song direkt in die Vollen: Rasend, wütend und voller wunderbar schmerzerfüllter Leidenschaft.
Der Gesang ist diesmal wunderbar angefressen, wirkt aber irgendwie auch vorsichtig, als wenn jedes Wort wirklich mit bedacht gewählt werden muss. Generell sind die ersten drei Minuten von dem Lied einfach nur unfassbar düster und niederschmetternd. Auch wie im vorherigen Song gibt es hier so gut wie keine Lichtblicke, hier regiert Finsternis und Wut. Nach 04:15 Minuten scheint der Song noch ein wenig schneller zu werden, aus Wut wird langsam Verzweiflung, denn die Gitarren beginnen jetzt damit klagende und flehende Melodien zu spielen, die sich Drahtseile in das mentale Fleisch schneiden.
Kennt ihr die Szene aus dem ersten Hellraiser wo die Zenobiten Frank endlich wieder zu fassen kriegen und ihn direkt in Ketten legen? In meinen Ohren wird dieser Moment durch diese kurze Stelle einfach perfekt vertont. Der Gesang wird jetzt heulender, verzweifelter und sich überschlagender - was der eh schon sehr trost- und ausweglosen Atmosphäre noch mehr Intensität verleiht. Dabei scheint jetzt auch das Schlagzeug komplett dem Wahnsinn zu verfallen: Spielt es sich doch in einen regelrechten Rausch! Up-Tempo, Double-Bass, stampfende und marschierende Passagen wechseln sich in so einer schnellen Abfolge ab, dass das Lied unglaublich dynamisch ist. Diese Kombination aus den erdrückend verzweifelten Gitarren, dem wie im Wahnsinn agierenden Schlagzeug und dem heulenden, voller Wut und Verzweiflung durchtränkten Gesang, sorgen für eine absolut einnehmende, herunterziehende und einfach nur deprimierende Atmosphäre. Man fragt sich schon: Kann es noch deprimierender werden? Ja..kann es. Sehr sogar.
Nach knapp 10 Minuten verliert das Lied jegliche Geschwindigkeit und verfällt in doomige Ausweglosigkeit. Die Gitarren klingen unglaublich deprimiert, der Gesang kraftlos, resigniert, als hätte er sich seinem Schicksal gefügt und traurig. Bei 11:19 Minuten wird der Song kurz schneller....aber nur für eine paar Sekunden, bevor er wieder kriechend wird und schließlich zum Stillstand kommt.
Und jetzt passiert etwas, dass hätte ich dem Album und der Band nicht mehr zugetraut nach all dem was ich bis jetzt schon gehört habe: Sie werden noch düsterer und deprimierender.
Nach 12:14 Minuten setzt ein fast schon schamanistisch anmutendes Schlagzeugspiel ein, die Gitarren dröhnen, verbreiten dabei eine unglaubliche Dunkelheit, die auch noch das letzte bisschen Rest vom gesunden Menschenverstand verschlingt. Ab 13:20 Minuten beginnt es zu dröhnen....das Schlagzeug wird intensiver, kontrollierter Wahnsinn regiert ab jetzt. Es wird ein Gefühl erzeugt als würde hier jemand musizieren, der im vollen Bewusstsein seines Wahns ist und ihn auslebt. Bei Minute 15 geht der Song wieder ins Up-Tempo, allerdings klingen die Gitarren diesmal fast schon schrill, teilweise frostig: Als würde eine zerbrechliche Melodie gespielt werden, die so schön wie kalt ist. Nach 16:04 Minuten verschwindet diese schöne Melodie jedoch wieder so abrupt wie sie gekommen ist und das allumfassende dröhnen setzt wieder ein.
Der Gesang diesmal kalt und diktierend, die Musik dazu dröhnend, grollend und düster. Bei 17:30 Minuten ist der Wahnsinn dann vorbei...der Song endet ab dann Post rockig.
Jedoch sind diese letzten 2,5 Minuten zu keinem Zeitpunkt versöhnlich, oder gar hoffnungsspendend: Sie führen uns nur nochmal den Höllenritt vor Augen, den wir die letzten 40 Minuten über uns ergehen lassen haben. Wir haben wirklich alle negativen Emotionen des menschseins durchlebt....und so lässt uns das Album zurück: Verzweifelt, nachdenklich und an manchen Tagen sogar gebrochen.
1a Soundtrack, um auf dem Balkon (quasi mono durch die offene Tür, audiophil my ass) bei einem guten belgischen Blonde ins herannahende Gewitter zu starren (und im Vordergrund der Hausfledermaus bei der Dämmerstunden-Jagdrunde zuzugucken).
 
Zuletzt bearbeitet:
Heuten steigen wir ganz tief in die Untiefen menschlicher Emotionen hinab....ich werde das einzige, gleichnamige, Album der Franzosen Paramnesia vorstellen - ein emotionaler Höllenritt der aus Wut, Verzweiflung und Wahnsinn besteht.

Cover:
408193.jpg


Tacklist:
01. IV
02. V

Links:
Bandcamp: https://paramnesiaxpa.bandcamp.com/album/paramnesia
Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=nUTI8OKEDhs&list=RDnUTI8OKEDhs&start_radio=1
Metal Archives: https://www.metal-archives.com/bands/Paramnesia/3540363622

Die Band hat es nicht auf sonderlich viele Veröffentlichungen gebracht. Eine Single, eine sehr gute EP, drei Split EPs mit unter anderem Ultha und halt das einzige komplette Album.
Aufgelöst hat sich die Band leider auch schon, sodass wir da auch leider keine weiteren Veröffentlichungen erwarten können...aber immerhin hat die Band ein wirklich fantastisches Album veröffentlicht, das emotional so tief geht, dass es mich bei jedem mal hören komplett runterzieht. Das Album besteht aus zwei Überlangen Songs, beide gehen etwas über 20 Minuten und bieten die komplette Bandbreite negativer menschlicher Emotionen. Dabei ist es fast schon beängstigend mit welcher radikalen Negativität die Band ihre Musik darbietet - hier regieren wirklich 40 Minuten lang nur Wut, Verzweiflung und Wahnsinn.

Dabei beginnt das Album recht entspannend...ein ruhiges, kurzes Ambientintro leitet den ersten Song ein und schon hier merkt man, dass die Musik die uns gleich erwarten wird wohl nicht ganz so fröhlich wird.
Das Intro ist düster, depressiv und lauernd. Als würde man in die Dunkelheit starren und die Augen gewöhnen sich langsam an die alles verschlingende Finsternis. Man erkennt erst nur Konturen, dann immer mehr, das Bild und der Blick werden klarer und wie mit einem Paukenschlag erkennt die Hoffnungslosigkeit - klar vor einem stehend. Und in diesem Moment (nach ca. 1:40 Minuten) bricht es aus der Band hervor: Der Song startet schnell, ein rasender Mahlstrom aus Dunkelheit und negativen Gefühlen. Die Gitarren dröhnen, türmen sich auf und stoßen dann mit einer unnachgiebigen Härte auf den Hörenden hinab, ziehen ihn mit sich, lassen ihn in dieser allumfassenden Finsternis versinken und ziehen ihn hinab in sein düsteres, mentales Grab. Aus Millimetern werden Zentimeter, aus Zentimetern werden Meter und schließlich versinkt man komplett in diesem garstigen Mahlstrom. Die Gedanken rasend, wild, ohne festes Ziel, finden nichts greifbares, während die Glieder schwer werden. Die Dunkelheit legt sich um den Körper - umgarnt ihn, fast als würde sie ihn liebkosen wollen. Nach 04:06 Minuten wird der Sog in die Dunkelheit für einen Moment verlangsamt...das Lied geht in das mittlere Tempo über, stampfend, alles zermalmend.
Die Gitarren werden sanfter, lassen ein wenig Helligkeit in diese Trostlosigkeit hinein und für einen kurzen Moment blitz die Hoffnung auf, nur ein kurzes zucken des Lichts, ähnliches dem letzten aufbäumen eines Sterbenden, an diesem Ort wo es kein Licht geben dürfte. Mit letzter Kraft versucht der Hörenden nach dem Licht zu greifen! Ein letzter verzweifelter Versuch seinen Körper und die Gedanken aus dieser menschenfeindliche Atmosphäre herauszuziehen. Doch ereilt ihn bald die Erkenntnis, dass alles keinen Sinn hat: Dieses kurze zucken des Licht war nur ein spöttischer Moment des Schicksals...ein kurzer Moment der Hoffnung bevor ab 05:36 Minuten wieder alles in Dunkelheit versinkt, sobald der Double-Bass einsetzt und zusammen mit den heiser herausgeschrienen Worten eine beängstigend Atmosphäre erschafft.
Der Hörer liegt, schwimmt, oder schwebt nun in dieser kompletten, aber auch wunderschön perfekten und irgendwie beruhigenden Finsternis, die Gedanken plötzlich erstaunlich klar und ruhig (zwischen 07:00 Minuten und 07:35 Minuten), bevor sie ab 07:36 Minuten wie mit einem Hammerschlag kreischend und marodierend zurückkehren! Langsam bauen sich die negativen Gedanken auf: Erst ganz langsam, fasst flehend, dann immer schneller werden, langsam nehmen die Gedanken fahrt auf, werden immer schneller, immer rasender, bis sie ab 09:45 Minuten dem kompletten Wahn verfallen.
Verstanden das es keinen Ausweg aus dieser niemals endenden Finsternis gibt wird der mentale Verfall, der Abstieg in den Wahnsinn nur noch beschleunigt. Das Lied, welches die wunderschön schrecklich Melodie zu dem Abstieg spielt, bleibt im hohen Tempo, die Gitarren dröhnend und unheilverkündend. Nichts, aber auch gar nichts vermittelt hier irgendetwas positives. Nach 12 Minuten wird das Kreischen der Gedanken fast unaushaltbar...schrill, chaotisch, aber mit einer grausam schrecklich melancholischen Melodie versehen. Nach 14 Minuten verstummt dann schließlich alles für einen Moment lang....die Gedanken wirr und zerstreut, der mentale Schmerz unnachgiebig, der Körper zu keinen Regungen mehr fähig, der Blick starr in die Dunkelheit gerichtet. Ein letztes mal regt sich der Lebenswille und die rasenden Gedanken kehren für einen kurzen Moment zurück, jedoch auf eine solch grausame und spöttische Art und Weise, dass das Vergessen und wegdämmern das gnadenvollere Ende gewesen wäre: Im vollen Bewusstsein seiner Ausweg- und Hoffnungslosigkeit formen die Gedanken nochmal letzte Worte, die in diesem garstig finsteren Mahlstrom aus unheilvoller Finsternis immer und immer wiederholt werden....anschließend werden die Gedanken wieder langsamer, stampfender und was ist das? Ein kurzes Lächeln umspielt die Lippen des Versinkenden...anscheinend werden die letzten Gedanken von einer absurden Befriedigung geleitet: Das Wissen, dass man Dinge gesehen hat, das Wissen das man Dinge gehört hat und das Wissen das man Dinge erlebt hat, die dem normalen Menschen eigentlich verwehrt, wenn nicht sogar versiegelt bleiben sollten.
Und mit dieser merkwürdig positven Gewissheit schließt das Versinkende die Augen, die Musik wird langsamer - nur noch unterstützt und verfolgt von verzweifelten heiseren Schreien - leiser bis sie schließlich ganz verstummt.

Wut und Verzweiflung sind mächtige Instrumente: Können sie doch auch dem Sterbenden noch einen letzten Lebensfunken entlocken - auch wenn die Situation noch so ausweglos ist.
Schon das Intro, welches eine Minute und 45 Sekunden andauert, macht klar wie der zweite Song auf dem Album gefühlstechnisch einzusortieren ist. Das Intro ist düster, versprüht eine fast schon aggressive Atmosphäre. Auch wieder hat man das Gefühl als würde in der Dunkelheit etwas auf den Hörenden lauern....als das Lied dann schließlich richtig startet, beginnend mit einem furios voranpreschenden Schlagzeug und einer Gitarre, die sich anhört, als würde sie einen langen, klagevollen Schrei hervorbringen geht der Song direkt in die Vollen: Rasend, wütend und voller wunderbar schmerzerfüllter Leidenschaft.
Der Gesang ist diesmal wunderbar angefressen, wirkt aber irgendwie auch vorsichtig, als wenn jedes Wort wirklich mit bedacht gewählt werden muss. Generell sind die ersten drei Minuten von dem Lied einfach nur unfassbar düster und niederschmetternd. Auch wie im vorherigen Song gibt es hier so gut wie keine Lichtblicke, hier regiert Finsternis und Wut. Nach 04:15 Minuten scheint der Song noch ein wenig schneller zu werden, aus Wut wird langsam Verzweiflung, denn die Gitarren beginnen jetzt damit klagende und flehende Melodien zu spielen, die sich Drahtseile in das mentale Fleisch schneiden.
Kennt ihr die Szene aus dem ersten Hellraiser wo die Zenobiten Frank endlich wieder zu fassen kriegen und ihn direkt in Ketten legen? In meinen Ohren wird dieser Moment durch diese kurze Stelle einfach perfekt vertont. Der Gesang wird jetzt heulender, verzweifelter und sich überschlagender - was der eh schon sehr trost- und ausweglosen Atmosphäre noch mehr Intensität verleiht. Dabei scheint jetzt auch das Schlagzeug komplett dem Wahnsinn zu verfallen: Spielt es sich doch in einen regelrechten Rausch! Up-Tempo, Double-Bass, stampfende und marschierende Passagen wechseln sich in so einer schnellen Abfolge ab, dass das Lied unglaublich dynamisch ist. Diese Kombination aus den erdrückend verzweifelten Gitarren, dem wie im Wahnsinn agierenden Schlagzeug und dem heulenden, voller Wut und Verzweiflung durchtränkten Gesang, sorgen für eine absolut einnehmende, herunterziehende und einfach nur deprimierende Atmosphäre. Man fragt sich schon: Kann es noch deprimierender werden? Ja..kann es. Sehr sogar.
Nach knapp 10 Minuten verliert das Lied jegliche Geschwindigkeit und verfällt in doomige Ausweglosigkeit. Die Gitarren klingen unglaublich deprimiert, der Gesang kraftlos, resigniert, als hätte er sich seinem Schicksal gefügt und traurig. Bei 11:19 Minuten wird der Song kurz schneller....aber nur für eine paar Sekunden, bevor er wieder kriechend wird und schließlich zum Stillstand kommt.
Und jetzt passiert etwas, dass hätte ich dem Album und der Band nicht mehr zugetraut nach all dem was ich bis jetzt schon gehört habe: Sie werden noch düsterer und deprimierender.
Nach 12:14 Minuten setzt ein fast schon schamanistisch anmutendes Schlagzeugspiel ein, die Gitarren dröhnen, verbreiten dabei eine unglaubliche Dunkelheit, die auch noch das letzte bisschen Rest vom gesunden Menschenverstand verschlingt. Ab 13:20 Minuten beginnt es zu dröhnen....das Schlagzeug wird intensiver, kontrollierter Wahnsinn regiert ab jetzt. Es wird ein Gefühl erzeugt als würde hier jemand musizieren, der im vollen Bewusstsein seines Wahns ist und ihn auslebt. Bei Minute 15 geht der Song wieder ins Up-Tempo, allerdings klingen die Gitarren diesmal fast schon schrill, teilweise frostig: Als würde eine zerbrechliche Melodie gespielt werden, die so schön wie kalt ist. Nach 16:04 Minuten verschwindet diese schöne Melodie jedoch wieder so abrupt wie sie gekommen ist und das allumfassende dröhnen setzt wieder ein.
Der Gesang diesmal kalt und diktierend, die Musik dazu dröhnend, grollend und düster. Bei 17:30 Minuten ist der Wahnsinn dann vorbei...der Song endet ab dann Post rockig.
Jedoch sind diese letzten 2,5 Minuten zu keinem Zeitpunkt versöhnlich, oder gar hoffnungsspendend: Sie führen uns nur nochmal den Höllenritt vor Augen, den wir die letzten 40 Minuten über uns ergehen lassen haben. Wir haben wirklich alle negativen Emotionen des menschseins durchlebt....und so lässt uns das Album zurück: Verzweifelt, nachdenklich und an manchen Tagen sogar gebrochen.
Kannte ich noch nicht, haut mich grad vollkommen um, bzw. macht, dass ich mich da reinlegen und mit ihm zudecken möchte. Wie das Gegenteil eines Schwarzen Loches: Statt mich zu absorbieren, stößt es alles, was an mich ran will, von mir weg. Schön. ❤️
 
Weitermachen möchte ich mit einer recht obskuren Ambient Black Metal Band aus Norwegen.
Heute werde ich das in 2025 veröffentlichte Album "Stygia II - Ancient and Arcane" der Band Stygian Ruin vorstellen.

Cover:
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Tracklist:
01. Black Dogs of Hell
02. Of Beasts and Black Magick
03. Ancient and Arcane
04. Blog og Sand
05. Mellom Manens Sorte Cirkler
06. I Ormenes rike

Links:
Badcamp: https://stygianruin.bandcamp.com/album/stygia-ii-ancient-and-arcane
Youtube: (Album gibt es auf Youtube wohl nicht)
Metal Archives: https://www.metal-archives.com/bands/Stygian_Ruin/3540508668

Bei Raw Ambient Black Metal bin ich immer ein wenig vorsichtig, weil es mir schon ganz oft passiert ist, dass mir die gebotene Musik so überhaupt gar nicht zugesagt und sogar genervt hat.
Bei Stygian Ruin ist mir das zum Glück nicht passiert, spielt die Band doch eine sehr interessante Mischung aus Black Metal und geschickt eingesetzten Ambient Abschnitten. Dabei kommt das ganze angenehm "Raw" rüber ohne dabei in unhörbaren Krach abzugleiten. Im Gegenteil: Die Melodien, die Synthesizer und die epischen Momente kommen durch diese sehr rohe und hallende Produktion noch besser zu Geltung.
Generell spielt die Band eher gemächlicheren Black Metal. Blast Beats, oder besonders schnelle Passagen sucht man hier vergeben. Hier herrscht eher ein majestätische, atmosphärisch sehr dichtes und erhabenes Klangbild vor, was zu keiner Zeit in Raserei verfällt. Und das ist der große Vorteil auf dem Album: Es klingt irgendwie wie eine Black Metal Version von frühen Manowar, Bathory zu ihrer Viking Phase, frühen Candlemass und ein wenig Venom.
Die Band fährt auf all ihren Veröffentlichungen eh einen ziemlich einzigartigen Sound. Im reinen Ambient gestartet kam dann der Black Metal (ab dem dritten Album "The Blackened Temple") hinzu und spätestens seit dem hat die Band - in meinen Ohren - einen unverkennbaren Sound, der mehr Höhrer verdient. Gerade die beiden direkten Vorgängeralben "A Violent Egress" und "A World Past Hope and Fear" kann ich nur empfehlen. Aber eigentlich kann man sich alles von der Band sehr gut anhören..selbst die Ambient Sachen sind ziemlich gut gemacht. Zudem fährt die Band genau so einen entrückten und atmosphärischen Sound, der einen in eine komplett andere fantastische Welt entführt. Also spielt die Band genau den Black Metal den ich so liebe.
Man kann sich die komplette Diskographie auch für knapp 10 US Dollar auf Bandcamp kaufen. Eine Anschaffung die sich lohnt.
Aber genug Werbung....fangen wir mir dem Album an, damit ich beschreiben und erklären kann warum mir die Band und gerade dieses Album so sehr zusagen.

Der Opener "Black Dogs of Hell" startet für Albumverhältnisse dann doch recht schnell und verströmt dabei einen so herrlichen early Bathory Vibe bevor nach 20 Sekunden kurz die Gitarre aufheult und der Gesang einsetzt. Auch der Gesang kommt komplett unaufgeregt daher: Kein hysterisches Gekreische, keine abartig tiefe Growls, sondern ein heiseres, gut verständliches Gekrächze, das er wie eine Erzählerstimme daherkommt, aber perfekt in die Musik passt. Der Gesang wird zwar oftmals ein wenig variiert, aber die meiste Zeit über bleibt es bei diesen heiseren Gekrächze. Nach ca. einer Minute setzen das erste mal die Synthesizer ein und klingen einfach wunderbar! Nicht sehr weit in den Vordergrund gemischt sorgen sie mit ihrem warmen Klangteppich für eine erhabene und majestätische Atmosphäre.
Generell finde ich es es super wie in dem Song immer mal wieder ganz kurz die Gitarren aufheulen und eine schrille, teilweise nah östliche Melodie, erklingen lassen. Nach 2,5 Minuten wechselt der Song dann in den stampfenden Rhythmus und damit offenbart die Band dann ihre epischen Charakter. Nach einem kleinen Double-Bass, geht es stampfend weiter, dabei wird der stampfende Abschnitt mit einer sehr geilen ägyptisch anmutenden Gitarrenmelodie eingeleitet, bevor es im unteren mittleren Tempo weitergeht, bevor der Song ab 03:38 Minuten wieder zur Anfangsgeschwindigkeit zurück wechselt, auch wieder eingeleitet durch ein kurz aufheulendes Gitarrensolo. Dieser Abschnitt wird durch einen ganz kurzen Ambient-Part unterbrochen, bevor der Song episch und mit wunderschönen Gitarrenmelodien versehen in einen noch schöneren Ambient-Part mündet, der das Lied dann ausklingen lässt. Ein schöner Opener, der Lust auf mehr macht.
Mit "Of Beasts and Black Magick" haben wir dann den ersten Longtrack (acht Minuten) auf dem Album und was zu einen! Nach einem kurzen Ambient-Intro startet der Song ab 00:45 Minuten im stampfenden Tempo, dabei wird eine herrlich kämpferische Atmosphäre erzeugt, die mir direkt Bathory zu ihrer Viking-Phase in den Sinn ruft. Auch hier ist es immer wieder schön, wie die Gitarren kurz aufheulen und dabei schöne Melodie spielen...gerade die Twin Gitarren, recht zu Beginn (ab ca. einer Minute) lassen das erste mal aufhorchen und freudig frohlocken. Der Song stampft dann auch knappe drei Minuten in diesem Tempo vor sich hin, immer mal wieder aufgelockert durch kleinere Schlagzeugspielerein, eingestreuten (sehr) kurzen Gitarrensoli und geschickt eingesetzten Synthesizer-Klangteppichen. Nach ca. drei Minuten wird das Tempo noch ein wenig gedrosselt und die Band bewegt sich jetzt im doomigen Bereich, was dem Lied noch ein wenig mehr was episches verleiht und der Band generell auch sehr gut zu Gesicht steht. Sobald der Song ab ca. 04:45 Minuten wieder ein wenig fahrt aufnimmt wirkt er noch kämpferischer, bevor nach einem kurzen Gitarrensolo es erstmal ein wenig ruhiger wird. Den Synthesizern wird ein wenig mehr Raum geboten, bevor das Lied ab 05:45 schneller stampfend voranmarschiert und sehr, sehr leiser Klargesang im Hintergrund zu hören ist. Durch dieser erhöhte Geschwindigkeit wirkt der Song fast schon treibend, als würden wir uns auf dem Höhepunkt einer Schlacht befindet - jetzt klingt die Band auch ganz stark nach Bathory, was diese epische Schlachtenatmosphäre nur noch verstärkt. Bei 06:34 Minuten endet dieser Part plötzlich ziemlich abrupt und Ambientsounds setzen ein....merkwürdige Ambientsounds. Keine Ahnung wie ich die beschreiben soll: Die Atmosphäre hat aufjedenfall nichts schlachtenmäßiges mehr an sich, sondern irgendwie mehr was von einem Dschungel.
Aber egal...so überraschend wie das Ende ist, so toll ist aber auch der Song.

Der darauffolgende Titelsong beginnt wieder nach einem kleinen ambient-Intro im stampfenden Tempo und versprüht dabei direkt eine kämpferische und kriegerische Atmosphäre. Der Beginn eher sehr basisch gehalten, wenig Synthesizer, aber dadurch gerade so mitreißend. Nach ca. 1,5 Minuten setzt das erste mal der Refrain ein, der auch direkt in einen kleinen, coolen Ambientpart mündet, bevor es stampfend und mit Synthesizern weitergeht. Und sobald die Synthesizer eingesetzt werden ändert sich auch die Atmosphäre: Das kämpferische und kriegerische bleibt zwar noch erhalten, aber wird von einer tiefen Melancholie durchzogen, als hätte man eingesehen, dass es auf dem Schlachtfeld keine Ehre zu finden gibt, sondern nur Tod, Verzweiflung und Leid. Der Ambientpart, der dann zwischen 03:25 und 03:40 Minuten kommt verstärkt diese Atmosphäre noch ein wenig, bevor es doomig und mit einem wunderschönen, aber auch recht aggressiven Gitarrensolo weitergeht. Als der Song wieder in die marschierende Bathory-Epik zurückwechselt klingen die Synthesizer sakral und verleihen dem Song eine fast schon religiös fanatische Atmosphäre: Als wäre die Schlacht endlich vorbei, kein Sieg für Niemanden - eine Niederlage für Alle. Im Krieg findet man keine Ehre, keinen Stolz, oder sonst irgendetwas positives. Krieg bedeutet immer Zerstörung, unfassbares Leid und ewige Finsternis.
Mit dem nun folgendem "Blod Og sand" kommt dann der wohl schnellste Song auf dem Album: Nach einem kurzen Drumsolo ist der Anfang recht treibend, der Gesang recht aggressiv, aber schon wenn ab 00:40 Minuten das erste mal die Synthesizer einsetzen wird die Atmosphäre direkt wieder ein wenig freundlicher (wenn man das so nennen will), was auch daran liegt, dass es sich diesmal um Chor-Gesänge handelt, die wieder so eine herrlich sakrale Atmosphäre erschaffen. Nach einem kurzen Ambient-Part, der nach einem guten Songdrittel einsetzt, geht es Bathory-Like weiter, diesmal ist die Atmosphäre wieder etwas aufgeladener - das schöne Gitarrensolo nach drei Minuten mildert dieses Gefühl ein wenig ab. Generell dreht die Band jetzt richtig auf: Viele schöne, einlullende Gitarrenmelodien bevor das Lied nach vier Minuten wieder ein wenig schneller wird und diesmal eine einfach nur zum niederknien schöne und verträumte Symbiose aus Synthesizern, Gitarrensoli und Gesang erzeugt wird - dabei ist die Atmosphäre einfach so einnehmend, dass man perfekt die Augen schließen kann und sich , zumindest mental, von dieser Welt verabschiedet. Das abrupte Ende reißt einen dann leider wieder aus dieser Traumwelt raus.
"Mellom manens sorte cirkler" ist dann der doomigste und irgendwie auch entrückteste Song auf dem Album: Der langsame Einstieg, der aus Ambient-Intro, Schlagzeug und langsam einsetzenden Gitarren besteht lässt schonmal aufhorchen...die Synthesizer erzeugen wieder so eine herrlich verträumte Atmosphäre, die diesmal auch zum guten Teil von den Gitarren mitgetragen wird.
Generell hat man bei dem Song das Gefühl, als würde man durch einen luftleeren Raum schweben, fernab aller Probleme. Natürlich hat der Song auch einen kurzen Ambientpart in der Mitte, der aber mehr als nur gut zur Grundstruktur des Songs passt. Nach 3,5 Minuten wird der Song dann doch ein wenig schneller, aber dieser entrückte Sound bleibt bestehen und wirkt durch das etwas höhere Tempo sogar noch zwingender.
Zum Ende hin erklingen nochmal nette Gitarrenmelodien, bevor der Song mit einem coolen Ambient-Part endet.
Mit "I ormenes rike" kommt dann zum Abschluss der längste Song auf dem Album, der nochmal alles vereint, was die vorherigen Songs schon geboten haben: Der etwas schnellere Anfang, unterstützt von großflächigen Synthesizern strahlt wieder diese kämpferische Atmosphäre aus..bevor nach einer Minute eine echte Überraschung kommt: Der Song wechselt in einen Wallachia ähnlichen Stampfpart, dabei kommt mir die Debut von Wallachia in denn Sinn. Hätte ich so jetzt nicht erwartet - cool! Generell schlägt der Song danach eine recht doomig epische Richtung ein, bevor es nach einem etwas schnelleren Abschnitt (auch hier wieder: Die Verbindung aus Synthesizern und kurz aufheulenden Gitarrensoli ist einfach nur göttlich) wieder in diesen Wallachia ähnlichen Part zurückgeht. Diesmal erinnern sogar die Synthesizer an die ganz alten Wallachia - immer noch klasse!
Nach 4,5 Minuten setzt ein etwas länger andauernde Ambientabschnitt ein, der mit ruhigen und sphärischen Sounds zu begeistern weiß, bevor das Schlagzeug wieder einsetzt und eine ganz merkwürdige, sich irgendwie vor sich hinschleppende und träge Atmosphäre erzeugt. Aber das finde ich gerade cool....klingt dieser Ambient-Part doch anders als die anderen Ambient-Abschnitte auf dem Album.
Nach 06:30 Minuten geht der Song schließlich stampfend weiter, bleibt aber immer eher doomigen Tempo. Dabei wird das langsame Tempo immer mal wieder durch kleinere Spielerein mit dem Schlagzeug aufgelockert.
Und wenn das Lied dann ab 07:08 Minuten wieder schneller wird, wird das große Finale eingeleitet: Der Song wird jetzt unglaublich wehmütig, melancholisch, die Gitarren singen eine so klagende Melodie, dass die ganze Atmosphäre fast schon hoffnunglos erscheint. Das Gitarrensolo, das nach 08 Minuten einsetzt, lockert diese ganze Ausweglosigkeit ein wenig auf, bevor der Song im höheren Tempo langsam ausklingt, die Synthesizer werden dabei immer lauter und sind schließlich nur noch als einziges Instrument zu hören. Und so endet ein wunderbares Album, welches mich bei jedem mal hören auf eine einfach tolle und schöne Reise mitnimmt.
 
Diese Vorstellung ist mal wieder spontan entstanden, weil mich die Musik der Musikerin seit Freitag einfach komplett abgeholt hat. Eigentlich könnte ich jedes der vier Alben hier vorstellen, denn jedes klingt auf seine Art und Weise einzigartig und transportiert eine ganze bestimmte Atmosphäre/Stimmung. Ich werde mich heute aber für das "Eternal Daughter" Album von Kanga entscheiden - hat mich das Album beim ersten mal hören doch direkt am heftigsten gepackt.

Cover:
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Tracklist:
01. Intro
02. Burn
03. Eternal Daughter
04. Run
05. Cocaine
06. Control
07. Light
08. Instrumental
09. Tranquility

Links:
Bandcamp: https://kanga.bandcamp.com/album/eternal-daughter
Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=LAFrLrxVMYE&list=RDLAFrLrxVMYE&start_radio=1

Bei Kanga handelt es sich um eine Musikerin/Produzentin/Remixerin aus Los Angeles, die über das fantastische Label ArtoffAct Records bereits vier Alben veröffentlicht hat.
Musikalisch bewegt sich Kanga zwischen Darkwave, Trance, Synthwave, Dance, (ein wenig) Industrial und Pop. Dabei schafft es die Künstlerin auf allen ihren vier Alben eine andere Stimmung zu verarbeiten/verbreiten.
Das sorgt dafür, dass wirklich kein Album wie das andere klingt und jedes Album musikalisch für sich einzigartig ist. Dabei schafft es Kanga auch immer einen sehr hohen Grad an Emotionalität in ihre Songs unterzubringen: Wut, Angst, Selbstzweifel, Trauer und Hass ohne dabei in sinnfreien Kitsch abzugleiten. Ihre Texte und ihre Musik sind immer von einer gewissen Melancholie durchzogen, die oftmals noch durch andere Gefühle verstärkt wird, was bei vielen Liedern für eine einnehmende, einlullende und einfach faszinierende Atmosphäre sorgt.
Wie ich schon geschrieben habe klingt kein Album wie das andere.....Kanga hat im Jahr 2016 ihr erstes Album veröffentlicht auf dem sie noch recht ungestüm, wild und sehr aggressiv unterwegs ist. Lieder wie "Going Red", "Viciosness", oder auch "Vital Signs" mit ihren pumpenden Beat und dem stark verzerrten Gesang sind einfach harte Techno Nummern, die mit ihrem düsteren Text was dystopisches ausstrahlen. Generell hat das Debutalbum diesen Cyberpunk-Vibe: Hart, Düster und Aggressiv. Aber auch schon hier blitzen sie auf: Diese wunderbar sphärisch düsteren Momente, die diese angenehme warme Melancholie verströmen in die man sich hineinlegen und darin versinken möchte.
Kanga arbeitet auch mit der ebenfalls aus Los Angeles stammenden Künstlerin Ky Vöss zusammen - ein Umstand den man auf dem Debutalbum gerade bei den pumpenden Beats und den mehrstimmigen Gesängen merkt. Ebenso erinnern viele Gesangsmelodien an Ky Vöss erste beiden Alben. Finde ich aber cool...ich mag Ky Vöss mit ihren drei Alben ziemlich gerne - an dieser Stelle auch nochmal eine Reinhörempfehlung an ihr Debut: "Space Cadet".
Auf das zweite Album "Eternal Daughter" werde ich gleich etwas genauer eingehen, machen wir also weiter mit dem dritten Album: "You and I Will Never Die". Auf diesem Album ist Kanga unglaublich düster, verträumt und melancholisch bis depressiv unterwegs. "Home" als harter Opener weiß direkt zu überzeugen, aber auch die etwas ruhigeren Lieder wie "Moscow", "Godless" (die Gesangslinien!), oder das tieftraurige "Say Goodbye" machen unglaublich viel spaß. Ihr letztes noch aktuelles Album "Under Glass" ist aus dem Jahr 2023 (könnte auch mal wieder was neues kommen...) und auf diesem Album klingt sie mal wieder komplett anders. Die beiden ersten Lieder "Crashing" und "Under Glass" sind einfach wunderschöne, locker leichte verträumte Pop Songs, die einfach Spaß machen....ab Song Nummer drei dreht Kanga aber richtig auf: Die ganze Atmosphäre und Grundstimmung wird düsterer, depressiver, melancholischer, aber auch verträumter und schöner. Allerdings heißt "schöner" bei Kanga immer schön traurig und verzweifelt.
Mit "Rehab" und "Romance" sind dann auch zwei Trance Nummern enthalten, die durch ihren bitterbösen ("Rehab") und traurigen ("Romance") Text auffallen...gerade bei "Rehab" kommen mir mal wieder ziemlich krasse Ky Vöss Vibes. Ab dem Song "Magnolia" setzt dann diese wunderbar verträumte, melancholische und einfach nur herzzerreißende Atmosphäre ein. Dabei stellen sich "Dark Lullaby" und "Midnight Horses" als Höhepunkt heraus. "Under Glass" ist das verträumteste Album von ihr (bis jetzt): Hier wird der Traurigkeit, den Selbstzweifeln und Angst nicht mit Wut begegnet sondern mit einem garstig und sarkastischem Zynismus, der Kanga so wunderbar macht.

Aber kommen wir zum "Eternal Daughter" Album auf welches ich an dieser Stelle ein wenig näher eingehen möchte. Um es kurz zu machen: Das Album hat mir die letzten Tage einfach so viel Kraft, Zuversicht und eine etwas positivere Sicht auf die Dinge geschenkt - auch wenn die Musik alles andere als positiv ist. Aber so ist das bei mir immer: Wenn es mir nicht gut geht, brauche düstere, verzweifelte Musik. Musik die genau eine solche negative Sicht auf die Dinge hat die um mich herum passieren wie ich. Ich brauche dann keine fröhliche Musik, keine aufmunternde Worte ala "Kopf hoch! Es kann nur besser werden!". Ich will einfach nur düstere, negative Musik hören, mich in ein Loch hinabbegeben, in meiner eigenen kleinen Welt leben und mich in dieser komplett der Musik hingeben.
Und es funktioniert immer: Das ganze "Ritual" hat dann wirklich eine reinigende Wirkung. Ich komme gestärkt, mit einem geschärften Blick auf die Dinge und einem gewissen Selbstvertrauen aus diesem Loch heraus und stelle mich den Dingen und Problemen.
Das Album hat mir dabei halt extrem geholfen. Allein schon der schöne Opener, der mit düsteren Synthesizer-Klangteppichen startet, dabei erklingt Kangas schöne Stimme im Hintergrund bis ein garstiger Schrei diese warme und einlullende Atmosphäre zerstört und das Intro plötzlich in eine krachige, fast schon noisige Richtung abdriftet. Der erste richtige Song "Burn" beginnt dann mit einer mysteriösen Synthi-Melodie bevor er recht schnell fahrt aufnimmt und Kangas Gesang einsetzt...dabei wirkt der Gesang im ersten Moment eiskalt, düster und irgendwie über den Dingen schwebend.
Das ganze Lied besticht durch seine extrem mysteriöse, düstere und geheimnisvolle Atmosphäre. Dazu dieser aggressiv Text als Einstieg: Maybe, maybe I'm just dreaming,We burn it down and start again!
Einfach nur herrlich....dabei wabbert das ganze Lied auch so herrlich finster vor sich, lässt einen aber kurz aufschrecken wenn bei 01:37 Minuten zweimal ganz kurz Trötensounds zum Einsatz kommen.
Beim ersten mal hören war ich nicht darauf vorbereitet....aber das kommt auch unglaublich gut in diesem dunklen Klangkosmos.
Der Titelsong, der als nächstes kommt, beginnt leicht verhalten bis Kangas Gesang einsetzt und eine orientalisch anmutende Synthi-Melodie ertönt. Als das Lied dann startet wirkt es weiterhin eher zurückhalten, dabei entsteht ein Gefühl der Spannung, die sich langsam aufbaut. Einzelne, recht harte Beats und diese mysteriösen, cyberpunkähnlichen Klangteppiche vom Synthesizer sorgen für eine unwirklich Atmosphäre, als würde man sich durch eine Welt bewegen, der man sich nicht mehr zugehörig fühlt: Teilnahmslos, Ignoriert und Einsam. Nach drei Minuten wird die Spannung dann endlich aufgelöst und der Song geht voran.
Dabei wird diese unwirkliche Atmosphäre aufrecht erhalten, nur das man sich jetzt nicht mehr langsam durch diese einem fremdgewordene Welt bewegt, sondern rennt.
Ein schöner Song mit einem recht krassen Text....

Das darauffolgende "Run" war dann der Song auf dem Album der mich ganz tief in den dunklen Abgrund geführt hat. Bei dem Lied handelt es sich um eine wunderschöne, düstere und deprimierende Hymen.
Auch der Text weist erschreckende Parallelen zu meinen derzeitigen Gedanken auf. Das Lied beginnt wieder mit dieser mysteriösen und finsteren Atmosphäre bevor Kanga mit den wunderschönen Worten: I'm underwater, I'm out of place den Song eröffnet. Dabei wirkt das Lied lauernd, fast schon schüchtern, als hätte Kanga Angst diese Wort zu Laut auszusprechen. Wenn es dann auf den Refrain zugeht löst sich diese Zurückhaltung jedoch schnell auf und der Song wird sogar für einen kurzen Moment fast hoffnungsvoll. Dazu wieder dieser wunderschöne Text: You've got me feelin' so, you've got me feelin' so promising
But honestly, I run, So don't bother looking, I'm already gone!
Ab 01:57 Minuten wird der Song ein wenig, ich nenne es mal, fordernder. Ich kann es nicht genau beschreiben, aber irgendwie wirkt die ganze Atmosphäre ab dem Punkt recht gehetzt, bevor das Lied dann düster und mit einem recht aggressiven Beat versehen ausklingt.
"Cocaine" ist dann ein schöner tanzbarer Song, der genau richtig kommt nach dem düsteren und schweren "Run". Dabei geht "Cocaine" dann schon als Elektro-Rock Song durch, wenn ab 01:20 Minuten die Gitarren einsetzen, wodurch das Lied auch recht heftig rüberkommt. Aber hier wechseln sich die heftigen Parts mit diesen wunderbar sphärischen Abschnitten ab. Besonders gefallen tut mir der elektronische Part zwischen 02:30 Minuten und 03:00 Minuten, der den ganzen Song extrem auflockert und aufhorchen lässt. Enden tut das Lied dann elektronisch rockend.
Mit "Control" kommt dann ein eher elektronisch gehaltener Song, der mit seinen extrem verzerrten und irgendwie "schrottig" (als würde man die Musik aus einer Mülltonne heraus aufnehmen) Parts zu gefallen weiß.
(Das erste mal kurz nachzuhören ab 01:10 Minuten) Auch der Gesang ist diesmal ein wenig verzweifelter, resignierter und auch kälter - was sehr gut zu eher sehr kalten Atmosphäre von dem Lied passt.
Mit "Light" kommt dann das zweite richtige Highlight neben dem tollen "Run" für mich auf dem Album. Der ruhige und verträumte Beginn mit seiner schönen Textzeile: So far from here, Your voice echoes clear, It's all I hear This ringing in my ears weiß mich direkt zu begeistern, und wenn das Lied dann ab 00:36 Minuten tranceartig startet mit dem pumpenden Beat, den irgendwie zerbrechlich wirkenden Synthi-Melodien und dem sphärischen über dem Song schwebenden Gesang ist es vollkommen um mich geschehen! Spätestens jetzt befinde ich in meiner "Negativ-Bubble" lasse mich bereitwillig und mit einem breiten Grinsen auf den Lippen von der Dunkelheit umgarnen und begrüße sie als wohlbekannten Gast. Auch das dahingehauchte Don't let me go towards the light! wirkt in Verbindung mit der eben beschriebenen Musik einfach nur erhaben und mächtig. Ein wunderschöner Song, der mir in manchen Momenten fast besser gefällt als das ebenfalls sehr tolle "Run".
Nach dieser emotionalen Keule brauch man erstmal eine kleine Pause und die kommt in Form eines "Instrumental", dass eigentlich auch ein richtiger Song ist. Sehr ruhige, sphärisch und einfach nur vor sich hinwabbernde Synthesizer. Kanga haucht einzelne Worte, die sich in der Finsternis verlieren und nur schwer verständlich sind. Nette und kurzer Song.
Mit dem abschließenden "Tranquility" wird es dann nochmal tieftraurig. Mit einer ruhigen Pianomelodie und (Kinder)Stimmen beginnend setzt Kangas Gesang ein und sorgt für eine recht entrückte und melancholische Atmosphäre. Gerade wenn auch noch ab 01:15 Minuten der Beat einsetzt und der Song dadurch ein wenig voranschreitet wirkt das Lied in Verbindung mit dem Piano und der generellen ruhigeren Ausrichtung unglaublich schön und verträumt. Nach gut zwei Minuten werden die Synthesizer ein wenig lauter und drängen sich ein bisschen mehr in den Vordergrund, was diese außerweltliche Atmosphäre noch weiter verstärkt. Der Gesang ist jetzt ein wenig mehr in den Hintergrund getreten und offenbart auch wieder herrliche Gesangsmelodien.
Enden tut das Lied dann mit der Pianomelodie und lässt mich einfach nur entspannt und freudig zurück.

Eine wirklich tolle Künstlerin!
 
Zuletzt bearbeitet:
Heute möchte ich ein Album von einer Band vorstellen die ich so überhaupt gar nicht mehr auf dem Schirm hatte: Hecate Enthroned mit "The Corpse Of a Titan, A Lament long Buried".

Cover:
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Tracklist:

01. Adar Rhiannon
02. Spirits Stir Within Our Ancestors Tombs
03. The Arcane Golem
04. Steed of the Still Water
05. Pwca
06. Deathless in the Dryad Glade
07. A Gallery of Rotting Portraits
08. The Boreal Monastery
09. Into a Vale of Endless Snow

Links:
Bandcamp: https://hecateenthroned.bandcamp.com/album/the-corpse-of-a-titan-a-lament-long-buried
Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=-GaUDsYvCHw&list=RD-GaUDsYvCHw&start_radio=1
Metal Archives: https://www.metal-archives.com/bands/Hecate_Enthroned/793

Musik ist immer dann am schönsten wenn sie einen überrascht, dadurch begeistert und schlussendlich fasziniert. Natürlich gibt es dieses Gefühl auch in mehreren Abstufungen: Manchmal ist die Begeisterung wieder schnell verflogen und ich finde das Album "nur" noch sehr gut, manchmal hält sie sehr lange an und manifestiert sich immer wieder in neuen musikalischen Aha-Momenten die man während des Hörens hat.
Dann habe ich wiederum Alben die dieses Begeisterungslevel komplett und die ganze Zeit über aufrechterhalten, die mich immer wieder voll mitnehmen, mir Freude bereiten und mich aus diesem grässlichen Alltag und dem nervtötendem Leben zumindest zweitweise herausziehen. Eines dieser Alben ist das aktuelle Hecate Enthroned Album. Ich hatte die Band so überhaupt nicht mehr auf dem Schirm...die einzige Veröffentlichung die ich selten gehört habe war die EP "Upon Promeathean Shores", die Alben danach finde ich zwar auch gut, konnte ich aber nur mit einer dicken Nostalgiebrille tragend wirklich genießen.
Alles was nach der "Dark Requiems..." kam kenne ich nicht.
Auf das neue Album bin ich auch nur aufmerksam geworden wegen der guten Kritik und dem Interview im aktuellen Deaf Forever Magazin, deshalb wollte ich zumindest mal reinhören.
Und das Reinhören hat sich gelohnt...das Album hat mich seit dem gepackt und weigert sich hartnäckig mich wieder loszulassen. Das Schöne ist auch, dass ich bei jedem Hördurchlauf neue Details, neue Stellen, neue "WTF! Wie geil ist das denn Momente?" finde, die dabei helfen, dass ich mich jedesmal wieder in das Album verliebe. Ich bin sogar soweit zu sagen, dass die "The Corpse Of a Titan, A Lament long Buried" sich bereits in meine Jahrestop 3 gespielt hat, dabei kann es durchaus noch passieren das es sich auf Platz 1 vorspielt.

Aber was macht das Album überhaupt so faszinierend? Es ist diese Verneigung vor dem alten Sound von Bands wie Cradle of Filth, Dimmu Borgir, aber auch Immortal. Generell hat(te) der Sound von Hecate Enthroned immer so ein norwegisches Feeling, was für eine gewisse Grundaggressivität sorgte. Und auch auf dem aktuellen Album ist der Härtegrad extrem hoch: Blast Beats, massiv wirkende Double-Bass-Parts, dazu dann auch noch diese Mitt-90ziger-Keyboards, aber auch mal sphärische, folkige und extrem einnehmende Ambientabschnitte - in manchen Liedern sogar alles nacheinander.
Dabei macht der Opener "Spirits Stir Within Our Ancestors Tombs" (nachdem kurzen Intro) schon klar wo die Reise hingeht: Eingeleitet von einem langem Schrei startet der Song bei 00:40 Minuten mit Double-Bass und offenbart direkt die nächste Stärke des Albums: Den Sänger! Was zu eine Stimme...egal ob er nun kreischt, oder growlt, seine Stimme wertet die schon sehr starken Songs enorm auf. Gerade die Growls können alles...im ersten Song werden die ab 01:20 Minuten über den Double-Bass gelegt, was schon eine verdammt massive Soundwand erzeugt, gerade wenn dann noch die Keyboards hinzukommen.
Richtig gut wird es, wenn das Lied dann ins Up-Tempo übergeht und durch die Gitarren, das Keyboard und den Kreischgesang eine so herrlich entrückte und außerweltliche Atmosphäre erschaffen wird, dass mich die Realität mal kreuzweise kann. Der erste "WTF-Moment!" lässt dann auch nicht lange auf sich warten ab 03:14 Minuten geht der Song in den stampfenden Rhythmus über und kurz darauf setzten die Growls ein: Leute....dieser Part fühlte sich beim ersten mal hören wie ein Schlag ins Gesicht an. Einfach so unglaublich massiv und erhaben. Dann tut der kurz danach einsetzende Akustik-Part zur Erholung richtig gut....dabei wird eine unglaubliche Atmosphäre aufbaut. Gerade der extrem heisere, weit in den Hintergrund gemischte Gesang (der klingt wie Worte, die vom Wind davon getragen werden) sorgen für Gänsehaut.
Anschließend geht es bei 05:50 Minuten wieder zurück in den Double-Bass (wie zu Songbeginn) und dann auch wieder direkt in den Blast. Auch hier wieder: Die Riffs, die Gitarrenmelodien, sind einfach der Wahnsinn und klingen wie uralt Cradle of Filth auf Speed. Aber Song trumpft dann zum Ende nochmal richtig, richtig, richtig, richtig, richtig auf: Ab 06:45 Minuten kommt nochmal so geiler epischer Part wo mir jedesmal einfach eine Gänsehaut nach der anderen über den Rücken jagt. Einfach nur großartig. Zum Abschluss gibt es noch mal einen kleinen Akustik-Teil, womit der erste Song dann endet.

Glaubt man mir eigentlich, wenn ich jetzt schreibe, dass der erste Song mit zu den schwächsten Songs auf dem Album gehört? Nein? Verständlich...aber es ist so, denn jetzt dreht Band richtig auf.
"The Arcane Golem" wird mit diesem herrlichen Riff eröffnet, was mich derbe an Dimmu Borgir und "Allegiance" erinnert...nach einem kurzen epischen Geplänkel geht der Song ab 01:35 Minuten direkt in den Up-Tempo und der Sänger kreischt sich so herrlich angefressen die Seele aus dem Laib, das es einfach nur eine Freude ist. Die Keyboards schwanken dabei zwischen erhaben und düster, tauchen den ganzen Song so in eine wunderbar kalte und zugleich tiefschwarze Atmosphäre. Ab 02:45 Minuten wird der Song ein wenig langsamer und es erklingen wunderschöne Gitarrenmelodien, die das ganze düstere Treiben ein wenig auflockern. Auch sehr schön: Der Sänger passt seine Stimme jetzt ein wenig der Keyboardmelodie an, was einfach nur unglaublich gut klingt. Etwas was er ab 04:50 Minuten noch mal ein weniger offensichtlicher tut und dann ist das Lied einfach nur perfekt! Neben dieses fantastischen Gesangpassagen gibt es gegen Ende nochmal so ein herrlichen epischen Ausklang wo die Gitarren zusammen mit dem Keyboard einfach eine perfekte Symbiose eingehen.
Das darauffolgende "Steed of the Still Water" beginnt noch einem irgendwie gehetzt klingenden Akustik-Gitarren-Intro, was von Keyboards und weit in den Hintergrund gemischtem Krächzgesang begleitet wird. Eine wunderschöne und einlullende Atmosphäre wird dadurch erzeugt und man sieht sich vor dem geistigen Auge über das grüne Tal wandern was auf dem Cover abgebildet ist. Nach 2 Minuten startet der Song dann im mittleren Tempo. Und auch hier ist der Sänger wieder einfach der Wahnsinn....gerade wenn das Lied ein wenig fahrt aufnimmt setzt wieder dieses herrliche brachiale Feeling ein. Die Keyboards klingen so als wären sie direkt aus den 90zigern entliehen und verleihen dem Song so eine wunderschöne archaische Atmosphäre. Das Lied lebt zudem auch von der tollen Dynamik die erzeugt wird: Hier geht es wirklich in einem rasanten Tempo zwischen allen Tempi hin und her, was den Song, trotz seiner sieben Minuten Spielzeit, zu einer herrlich kurzfristigen Angelegenheit macht. Besonders schön auch der verträumte und schwelgerische Abschnitt, der ab 04:14 Minuten einsetzt, wo gerade die klagende und irgendwie verzweifelt klingende Gitarrenmelodie auffällt....dazu der Gesang, der die Worte nun einzeln und sehr langgezogen hervorkreischt. Toller Moment. Richtig überrascht hat mich dann der Piano Part, der ab 05:11 Minuten unvermittelt einsetzt und für einen plötzlichen Break sorgt. Beim ersten mal hören war ich etwas irritiert...jetzt liebe ich es einfach nur! Gerade wenn sich dann langsam Gesang, Gitarren und Schlagzeug wieder hinzugesellen möchte man vor erhabener Ergriffenheit einfach sterben. So genial.....und mit dieser wunderbar erhabenen, schwelgerischen und verträumten Atmosphäre endet dann das Lied. Mit "Pwca" kommt dann ein ruhiger, sehr atmosphärischer Song den man voll dem Ambient zurechnen kann.
Aber das Lied ist ein schöner Ausgleich zu den brachial melodischen Hymnen, die das Album eingeleitet haben. Gerade wenn das Piano zusammen mit den Akustikgitarren diese wunderschön verträumte Atmosphäre erschafft, möchte ich einfach nur die Augen schließen und alles um sich herum vergessen. Gerade der geflüsterte Frauengesang hat es mir zu Songbeginn angetan, sorgt er doch für eine mystische und geheimnisvolle Atmosphäre. Ein wirklich schöner und entspannender Song, den man genau an der richtigen Stelle platziert hat. Denn mit "Deathless in the Dryad Glade" geht es direkt brachial romantisch weiter! Nach einem ruhigen Anfang, der nahtlos an "Pwca" anknüpft wird der Song nach einer Minuten mit einem langem (30 Sekunden) Schrei und Blast Beats eröffnet....und was die Band da zu eine Soundwand erzeugt! Einfach unglaublich....brachial, aggressiv und einfach nur ein Schlag ins Gesicht. Das Keyboard wirkt irgendwie komplett Out of Place und scheint über dem Song zu schweben..auch lebt das Lied von diesem wunderbar dynamischen Wechselspiel aus Kreischgesang und Growls, Tempowechsel und Keyboard. Gerade der doomige Part der ab 04:15 Minuten mit Growls eingeleitet wird wirkt nach dem ganzen Geprügel und sphärischen Abschnitt vorab extrem hart und heftig. Nach einem kurzen episch erhabenen Part prügelt sich das Lied zum Ende und lässt einen zufriedenen Dämonentreiber zurück.

Mit "A Gallery of Rotting Portraits" kommt dann der kürzeste Song auf dem Album. Aber die Spielzeit kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei dem Lied mit um eines der härtesten Liedern auf dem Album handelt. Allein dieser alles zermalmende Double-Bass Anfang, der dann nahtlos in den Blast übergeht ist einfach nur fantastisch. Schön ist an dem Song auch, dass hier fast mehr gegrowlt als gekreischt wird. Und dann kommt nach zwei Minuten ein Part wo ich jedesmal einfach nur ausrasten könnte...die Band wechselt in einen galoppierenden Rhythmus, das Schlagzeug prügelt den Song unglaublich erbarmungslos voran und das Keyboard wird punktuell eingesetzt - und über allem thront dieser herrlich angefressene Kreischgesang, der sich wieder dem punktuell eingesetzten Keyboard einsetzt. Hört diese Passage einfach selbst nach um zu glauben WIE geil die ist. Dann geht die Band wieder in den Blast und macht etwas wofür ich sie beim ersten mal hören gehasst habe und jetzt liebe: Diese erhabene, majestätische und einfach nur heroische Atmosphäre wird bei 02:40 Minuten durch einen abrupten Break und langsam kriechendes Tempo unterbrochen....aber auch hier wieder: Durch dieses abrupte unterbrechen wirkt der langsame Abschnitte unglaublich heavy und brutal. Der Gesang der zwischen Growls und Gekreische hin und her wechselt verstärkt dieses Gefühl noch. Anschließend endet das Lied im höheren Tempo und lässt mal wieder einen breit grinsenden Dämonentreiber zurück.
"The Boreal Monastery" beginnt wieder mit einem kleinen Akkustik-Intro, bevor das Lied ab 01:20 Minuten wieder im schnellen Tempo losbricht. Dabei erzeugen die Keyboard eine bedrohliche, erhabene und irgendwie adelig klingende Atmosphäre. Auch erinnert mich das alles wieder an einen Dark Souls Bossfight: Mysteriös, bösartig, aber dennoch faszinierend. Nach 02:10 Minuten wird ein wenig Tempo aus dem Song genommen um ein Epik zu erzeugen, bevor es wieder in diesen bedrohlich und erhabenen klingenden Part vom Anfang zurückgeht. Die ersten 3,5 Minuten wird zwischen diesen beiden Abschnitten immer hin und her gewechselt, bevor das Lied ab 03:55 Minuten ganz ruhig wird und so eine herrlich verträumte, durch gehauchte und geflüsterte Worte verstärkte Atmosphäre erzeugt. Ab 04:19 Minuten geht es dann in einen Part wo ich mich einfach nur komplett fühle....ich kann gar nicht beschreiben was zu Gefühle durch meine geschundene Seele gejagt werden....hier...JA! Hier IST die Band einfach Perfekt für eine knappe Minute. Nicht nur die Band, die Musik. Alles. Einfach. Nur. Perfekt. Ich liebe die Band dafür, ich liebe den Song dafür, ich liebe das Album dafür...und wenn dann ab 05:14 Minuten das Lied ruhig, wieder mit geflüsterten Worten, endet bin ich innerlich gereinigt. Ich könnte heulen, aber nicht aus Verzweiflung, sondern aus Glück. Alles Schlechte wurde in dieser einen Minute (zumindest für den Moment) hinfortgespült.....Das Lied endet und Dämontreiber ist nicht nur glücklich, sondern hat auch neue Kraft und Zuversicht gewonnen.
Kann der Abschlussong "Into A Vale of Endloss Snow" da mithalten? Ja, kann er.....das brachial startende Lied weiß direkt durch seine tollen Keyboards zu begeistern....ab 00:35 Minuten geht es zudem direkt in so einen herrlich epischen, aber auch bedrohlich wirkende Abschnitt, der wiederum in einen Part wechselt, der sich um mittleren Tempo abspielt. Und hier muss ich ganz ehrlich sagen: Bei dem Übergang habe ich irgendwie ein "We have been Spellbound - By the Devil!" erwartet....das ist wirklich fast schon1:1 geklaut von dem Dimmu Borgir Song. Aber trotzdem geil. Oder vielleicht auch gerade deshalb so geil, weil ich es einfach jedesmal als einen kleinen Tribut an DB sehe. Und zwischen diesen Abschnitten wechselt das Lied immer hin und her....besonders aufhorchen tut man nochmal gehen Ende, wenn das epische finale eingeleitet wird. Und auch klingen Hecate Enthroned wieder ziemlich stark nach DB, aber verkommen nicht zu einer bloßen Kopie. Schönes Ende, gerade wenn ab 05:50 Minuten noch die klagende Gitarrenmelodie einsetzt.

Ich hoffe ich konnte meine Begeisterung für das Album gut rüberbringen und zeigen warum es mich derzeit so begeistert. Das Album ist für mich momentan echt eine Art Alltagsflucht: Morgens auf dem Weg zur Arbeit läuft es einmal, auf dem Heimweg einmal und Abends vorm schlafen gehen oftmals auch nochmal. Jedesmal, sobald die ersten Töne vom Opener erklingen, vergesse ich alles um mich herum: Es gibt dann einfach nur die Musik und die Kraft und die Zuversicht, die ich immer wieder aus dieser ziehe.
 
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Heute möchte ich ein obskures Kleinod vorstellen, welches mir vor kurzem erst wieder in die Hände gefallen ist: Das "World of Sorrows" Album von den Kanadiern Dungeon Serpent.

Cover:
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Tracklist:
01.Necroscope
02. Decay
03. Immortal Incubation
04. Cosmic Sorcery
05. World of Sorrwos

Links:
Bankdcamp: https://dungeonserpentmdm.bandcamp.com/album/world-of-sorrows
Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=en0xv41WsRw&list=RDen0xv41WsRw&start_radio=1
Metal Archives: https://www.metal-archives.com/bands/Dungeon_Serpent/3540478823

Bei Dungeon Serpent handelt es sich um eine Band die bis jetzt nur das hier vorgestellte Album im Jahr 2021 veröffentlicht hat - ansonsten hat die Band nur zwei Demos, eine Single und eine Split veröffentlicht.
Musikalisch spielt die Band eine ziemlich wilde, brachiale und sehr kauzige Mischung aus melodischen und klassischen Death Metal. Dabei klingt die Band mal nach uralten Amon Amarth, Deicide, Bolt Thrower, At the Gates, Molested, oder auch uralten Kataklysm und Eucharist. Was jetzt nach einer chaotischen Mischung klingt wird auch so vorgetragen: Beim ersten mal hören ist das Album unglaublich chaotisch, anstrengend, aber dennoch schon sehr faszinierend und fesselnd. Hinzu kommt eine extrem rohe Produktion die das ganze Chaos nochmal ein wenig unübersichtlicher macht. Aber dann baut die Band immer wieder diese super melodischen Momente in Form von Gitarrensoli und Gitarrenmelodien ein, oder auch sehr epische und erhabene Momente wo dann die alten Amon Amarth durchschimmern. (Auch die Growls erinnern oftmals an einen ganz junges Johan Hegg: Unperfekt, angestrengt, aber immer echt und dadurch so ultrasympathisch - auch hier kommt mir regelmäßig die "Once send from the golden Hall" in den Sinn)
Dabei klingt kein Song wie der andere, aber alle haben eines gemeinsam: Sie wissen alle zu begeistern und machen einfach unglaublich Spaß. Dabei ist das Album mit einer Spielzeit von etwas über 35 Minuten genau richtig bemessen: Es motiviert direkt dazu, dass Album nochmal aufzulegen. Auch weiß die Band mit dem Abschlusslied und Titelsong nochmal zu überraschen, aber dazu später mehr.
Allein durch diese einzigarte Mischung verdient die Band ein wenig mehr Bekanntheit und Aufmerksamkeit und vielleicht kann ich ja den einen, oder anderen überzeugen und dazu zu animieren mal in das Album reinzuhören.

Der Opener "Necroscope" beginnt dabei klassisch Death Metallisch und erinnert dabei eher an Bands wie Deicide und Cannibal Corpse. Dabei wirkt die Musik noch gar nicht so besonders, aber dennoch schon gut gemacht. Auch ist der Gesang hier zu Beginn noch relativ normales Death Metal Geshoute. Aber nach einer guten Minute setzt das Chaos ein und der Song geht in eine andere Richtung: Plötzlich schälen sich melodische Gitarren aus dem rohen und knarzenden Sound , das Schlagzeug prügelt sich wie im Wahn durch die schnellen Parts und der Gesang wirkt ein wenig tiefer. Bei 01:55 Minuten kommt dann der erste etwas epischere Part wo sich die Gitarren aufzutürmen scheinen. Anschließend nimmt der Song immer wieder ein wenig mehr Geschwindigkeit auf, die Gitarren sind dabei wunderbar melodisch (und hier kommen mir dann sogar ein bisschen Dissection zu "The Somberlain" Zeiten in den Kopf) - dabei klingt der Abschnitt so als würde sich etwas auf einen zubewegen: Erst langsam kriechen, dann immer schneller werdend, bis das Ding eine besorgniserregend schnelle Bewegungsgeschwindigkeit erreicht hat. Richtig überraschen tut mich der Song dann ab 03:58 Minuten wenn diese grimmige und rohen Riffs in ein super melodisches Gitarrensolo übergehen, nur um dann anschließend in einen erst epischen, dann langsamen Part zu wechseln wo gerade im langsamen Abschnitt so wunderschöne Gitarrenmelodien erklingen, bevor wieder ein Gitarrensolo einsetzt.
Erst langsam, fast zaghaft, dann angepeitscht durch das Schlagzeug immer schneller werdend bis sich kurz vor Ende (ab 06:15 Minuten) nochmal kurz der Gesang über das Solo legt - was mega cool klingt.
"Decay" startet direkt im Up-Tempo und weiß auch direkt wieder durch seine melodischen Gitarren zu überzeugen, bevor die Gitarre einmal kurz aufheult und der Song in den Double-Bass geht. Jetzt kommt auch der Gesang hinzu, der diesmal wirklich nach einem ganz jungen Johan Hegg klingt. Der Song wechselt jetzt immer zwischen diesen leicht epischen Double-Bass Parts und wild drauf losprügelnden Abschnitten hin und her, dabei klingt das Schlagzeug so herrlich aggressiv und leicht chaotisch. Immer mal wieder kreischen die Gitarren kurz auf, ohne groß irgendeine Melodie zu spielen, aber sie lockern diesen Abschnitt super angenehm auf. Ab 02:33 Minuten scheint die Band durchzudrehen! Der Song wechselt in einem sehr chaotischen, aber auch sehr epischen, majestätischen und heftigen Part. Growls und ein eher gekreischter Gesang wechseln sich, aber super zu diesem episch und majestätischem Chaos passt. Ab 03:35 Minuten geht der Song ins mittlere, eher stampfende Tempo über und wirkt dabei wieder so herrlichen melodisch, auch weil wieder ein wunderschönes Gitarrensolo gespielt wird. Generell sind diese melodischen Gitarrenparts eine riesen Stärke der Band. Enden tut der Song dann ruhig mit warmen Synthesizerflächen im Hintergrund und einer cleanen Gitarre im Vordergrund. Ein schöner, sehr sphärischer Ausklang für dieses Lied, den ich so nicht erwartet hätte. Aber das zeigt auch sehr schön wie unberechenbar der Sound der Band beim ersten mal hören ist.

Das nun folgende "Immortal Incubation" startet wild, furios und sehr schnell - es wird ohne Vorwarnung drauflos geholzt. Aufgelockert wird dieser Anfang von einer tollen Gitarrenmelodie die im Hintergrund spielt.
Aber schon nach 00:22 Minuten geht es in einen sehr nach brutal Death Metal klingen Part. Jetzt hat man echt das Gefühl der Gitarren- und Schlagzeugsound scheinen einfach alles zermalmen zu wollen.
Bei 01:10 Minuten kommt wieder der nächste krasse Stimmungswechsel und der Song wird extrem langsam und gekreischter Gesang ertönt. Generell muss ich dem Gesang zugute halten, dass er alles andere als perfekt, aber immer sympathisch ist. Und dann kommt wahrscheinlich der beste Part auf dem Album....im langsamen Abschnitt setzt der Gesang ein, er klingt diesmal so als würde er etwas vorbereiten, etwas erklären was uns gleich erwartet und dann ab 02:09 Minuten geht es einfach in einen so unglaublich epischen Part, dass ich einfach nur durchdrehen könnte. Vielleicht könnte man es so am besten beschreiben: Bolt Thrower und Amon Amarth verbringen eine leidenschaftliche Nacht miteinander, während At The Gates in der Ecke sitzt und zuschaut. Danach geht es nicht minder genial weiter....das Schlagzeug scheint jetzt völlig durchzudrehen, die Gitarren klingen melodisch, aber dennoch extrem angefressen. Ab 03:50 Minuten gibt es nochmal ein kurzes Gitarrensolo, bevor das Lied so endet wie es begonnen inklusiv der tollen Gitarrenmelodie. Mit "Cosmic Sorcery" geht es dann aber genau so stark weiter...das Lied beginnt nach einem recht ruhigen, kurzen Intro sehr melodisch, bevor das Schlagzeug wieder langsam fahrt aufnimmt und das Gitarrensolo begleitet bis ab 00:44 Minuten dann die Hölle losbricht. Die Band spielt ab jetzt unglaublich chaotisch, melodisch, aber gleichzeitig auch sehr episch und majestätisch.
Gerade die immer wieder eingebauten galoppierenden Momente (wo dann auch der Gesang hinzukommt) können einfach alles. Bei 01:55 Minuten wechselt der Song abrupt ins langsame Tempo und kriecht dann erstmal ein wenig voran, dabei erklingen wieder melodische Gitarren, die in ein Gitarrensolo münden. Das Schlagzeug nimmt dabei wieder ein wenig an Geschwindigkeit auf und als dann ab 03:40 Minuten wieder in einen (kurzen) schnellen Part übergeht wirkt dieser direkt um einiges massiver und brachialer. Aber dieser Ausbruch ist nicht von langer Dauer und geht in einen langsame Abschnitt auf wo jetzt auch erstmals Akustikgitarren zu hören sind, die diese außerweltliche Atmosphäre, die der Song transportiert, noch ein wenig verstärken. Anschließend pendelt das Tempo immer zwischen voranmarschierenden epischen Momenten (wo dann auch die Akustikgitarren wieder erklingen), prügelnden Parts und galoppierenden Abschnitten. Hier klingt die Band jetzt wirklich ganz, ganz stark nach uralten Amon Amarth - der Song hätte sich mit Sicherheit auch gut auf ihrem Debut gemacht. Nach einem kurzen Gitarrensolo ( bei 05:55 Minuten) geht es ab 06:20 Minuten in einen sehr ruhigen Ausklang für den Song, der von einem Piano getragen wird und dabei eine unglaublich zerbrechliche Seite der Band zeigt. Dieser Ausklang ist einfach nur wunderschön.
Als Abschlusstrack hat die Band dann ein 11,5 minütiges Instrumental ans Ende vom Album gesetzt das nochmal eine andere Seite der Band zeigt: Eine verträumte, schwelgerische und nachdenkliche.
An dem Song ist jetzt nichts mehr so wirklich Death Metal und er wirkt sehr strukturiert im Gegensatz zu den Liedern davor, aber gerade deshalb weiß er mich voll zu überzeugen. Beim ersten mal hören war ich noch irritiert und wollte den Song nicht wirklich zu dem Album dazuzählen und habe mich auch ein wenig geärgert, dass er mit seinen über elf Minuten so viel Spielzeit auf dem Album einnimmt, aber schon beim zweiten mal hören hat mich das Lied gepackt und ich konnte mich wunderbar in seine melancholisch verträumten Klanglandschaften fallen lassen.
Generell sollte man das Lied auch so sehen: Einfach die Augen schließen, entspannen und seine Gedanken zusammen mit der Musik weit entfernte Orte erkunden lassen. Besonders schön ist der Song auch immer dann, wenn alles ganz ruhig wird und er nur durch die Akustikgitarren getragen wird. Es gibt zwar einen kleinen Ausbruch (zwischen 03:35 Minuten und 04:40 Minuten), aber danach versinkt er direkt wieder in dieser wunderschönen schwelgerischen Atmosphäre. Auch hier fallen wieder die wunderschönen Gitarrenmelodien, sowie Soli auf und sorgen das eine, oder andere mal für Gänsehaut. Ein wirklich schöner und toller Ausklang für ein tolles und außergewöhnliches Album.
 
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