Dämonentreibers kunterbuntes Musiksammelsurium

Weiter machen möchte ich mit meinem Jahresalbum aus dem Jahr 2024. Lehnen wir uns zurück und lassen uns von den Hannoveranern von Nimbifer vom "Der Böse Geist" erzählen.

Cover:
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Tracklist:
01. Der Wind
02. Hatz
03. -
04. Schlangenmaul
05. Ruinen
06. Täuschung
07. Auf endlosen Pfaden und haltlosen Strömen
08. Der Böse Geist

Links:
Bandcamp: https://nimbifer.bandcamp.com/album/der-b-se-geist
Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=oFqCfvhU_K8&list=RDoFqCfvhU_K8&start_radio=1
Metal Archives: https://www.metal-archives.com/bands/Nimbifer/3540452358

Es gibt Alben, die finde ich einfach nur super. Darunter fallen eigentlich die meisten Alben, die ich so höre: Musik die mir gefällt, die mir Spaß macht und die ich gerne und oft höre. Und dann gibt es Alben, die berühren mich auf eine Art und Weise, die sich nur schwer beschreiben lässt. Summoning ist so eine Band, die es mit jedem Album schafft mich auf einer emotionalen Ebene abzuholen, dass ich jedesmal wieder staunend der Musik lausche. Egal wie oft ich mir die Alben schon angehört habe. Das "Der Böse Geist" Album von Nimbifer hat sich im Jahr 2024 recht schnell in die Reihe dieser außergewöhnlichen Bands/Alben eingereiht und mich komplett abgeholt. Dabei war und bin ich immer noch von dem Album so dermaßen begeistert, dass es ohne große Konkurrenz mein Jahresalbum wurde.
Und ich kann auch gar nicht genau sagen, was mich an dem Album so fasziniert....es fängt schon bei der recht dumpfen Lo-Fi Produktion an, die aber einfach perfekt zu dem gewählten BM Stil passt...und für mich eine perfekte Kombination mit den Texten eingeht. Und so entsteht beim Hören eine einnehmende, faszinierende und, ja auch wenn es kitschig klingt: fast schon romantische Atmosphäre, die von wunderbaren Melodien, melancholisch, manchmal fast schon hoffnungsvoll und einfach nur schön dargeboten, getragen wird.
Dennoch ist das Album rasend, stellenweise tollwütig und aggressiv, was aber nur dafür sorgt das die melodischeren Passagen umso stärker Licht in das finstere Treiben bringen.
Auch wenn es im Zusammenhang mit einem Black Metal Album etwas merkwürdig klingt, aber "Der Böse Geist" bietet einfach, in all seiner Hässlichkeit, schöne Musik, die mich packt, erst umgarnt und dann immer und immer wieder anfaucht, nur um mich dann wieder wohlwollend in den Arm zu nehmen. Und allein diese Gefühle, die die auf dem Album enthaltene Musik bei mir auslöst zeigt mir, dass es sich um hier um ganz, ganz großartige Musik und Musiker handelt. Mit simplen Mitteln, keine Seltenheit im BM, wird hier eine Atmosphäre, ja: Ein Gefühl erzeugt, was nur ganz wenige Bands hinkriegen.
Nimbifer brauchen dafür keine Massen an Synthesizer, keine breitflächigen Keyboards, kein Orchester um diesen dichten und einnehmenden Sound zu erschaffen. Sie benutzen dafür einfach nur ihre Liebe und Hingabe zur Musik und machen ihren Sound dadurch zum Sprachohr tiefer Emotionen. Ein wunderbares Album, einer wunderbaren Band, deren Musik mich auf so vielen emotionalen Ebenen anspricht.

Und diese Hingabe spürt man auch schon direkt im Opener "Der Wind"! Nach einem kurzen Intro geht der Song auch direkt in die Vollen und kann direkt mit seinen wunderbar knarzigen und rohen, aber dennoch irgendwie melodischen Gitarren direkt überzeugen. In den Gitarren schwingt etwas erhabenes, etwas wunderschönes und dennoch zutiefst melancholisches mit, was den Sound von Nimbifer für mich so einzigartig macht. Hier bin ich nach den ersten 30zig Sekunden auch schon direkt (wieder) gehooked und komplett begeistert und diese Begeisterung nimm auch noch zu wenn ab 00:44 Minuten der Gesang einsetzt: Ich liebe den Gesang einfach...egal auf welchem Nimbifer Release - ich finde dieses heisere, aber dennoch voluminöse Gekreische einfach nur wunderbar. Und wenn der Gesang dann, wie bei 01:33 Minuten, auch noch kurz für ein paar Worte gedoppelt wird ist es vollends um mich geschehen. Dann hat mich der Sound von Nimbifer gepackt, umgarnt und lässt mich glücklich werden.
Generell ist dieses "glücklich werden" etwas was ich heute wieder ganz extrem gespürt habe...die Woche war anstrengend, zermürbend, frustrierend und sehr deprimierend. Als ich heute die Arbeitsstätte verlassen habe, habe ich mich genau so gefühlt wie es die Wochenbeschreibung vermuten lässt. Auf dem Heimweg ein bisschen die Musik aufm Handy durchgescrollt um zu schauen was man denn hören könnte und dabei ist mir dann das "Der Böse Geist" Album von Nimbifer mal wieder ins Auge gefallen. "Lange nicht mehr gehört!" - dachte ich mir und direkt erstmal angeschaltet. Und wie oben bereits beschrieben hat sich meine Laune innerhalb der ersten 30zig Sekunden bereits direkt verbessert. Sobald die Musik spielte war mir alles einfach egal....nervige Menschen? Egal! Stress auf der Arbeit? Egal! Probleme im privaten? Egal!
Es gab nur Nimbifer und das hier vorgestellte Album und genau das gleiche Feeling was ich damals bei Release gehabt habe: Musik als rettender Anker wenn man das Gefühl hat man würde schwimmen und früher, oder später untergehen. Die Probleme sind nicht weg, aber sie sind für den Moment erstmal egal. Die Musik spielt und meine Dämonen tanzen mit ihr.
Und gerade wenn der Opener gegen Ende, so ab 04:14 Minuten, in das mittlere, stampfende Tempo wechselt, immer wieder die gleichen Worte mit dieser gedoppelten Stimme gesungen werden und das Lied langsam wieder schneller wird bin ich einfach nur glücklich.
Ebenso das folgende "Hatz" was mit zermalmenden Gitarren und Drums anfängt, wo sehr bald dann wieder diese wunderbaren Gitarren einsetzen. Wenn der Song dann ins Up-Tempo geht zeigt er mir erneut warum "Der Böse Geist" mit zu meinen absoluten Lieblingsalben gehört. Auch hier passt der Gesang einfach wieder super....gerade das die letzten Worte oftmals nach hinten etwas länger hervorgekreischt werden sorgen für eine ganz eigene und einnehmende Atmosphäre. Ab 02:37 Minuten wechselt das Tempo und es geht vom sehr schnellen Up-Tempo Part in den Double-Bass und anschließend in ein stampfendes, langsames Tempo.
Gerade jetzt klingt die Band für mich einfach nur perfekt...gerade wenn dieser langsamen Part langsam wieder Fahrt aufnimmt und anschließend erneut in das Up-Tempo wechselt wirkt das Lied fast schon verträumt....ein Eindruck der durch den atmosphärisch extrem dichten, Ambienttrack "-", der nahtlos an "Hatz" anschließt, verstärkt wird.
Und dann kommt "Schlangenmaul" - für mich eines der stärksten Lieder auf dem Album und der Band generell. Allein dieser unglaublich erhabene, ins epische hineinreichende Anfang bevor das Lied dann 00:45 Minuten so richtig losgeht, ist einfach nur göttlich. Und auch hier scheinen sich die Gitarren mit ihren wunderschönen Melodien wieder aufzutürmen - nur um dann wie eine Welle reinigenden Wassers auf mich herabzustürzen, mich mitzuziehen und mich voll und ganz in der wunderschönen Musik der Band versinken zu lassen.
Und dann kommt dieser eine Part der aus einem sehr guten Song einen herausragenden, einen göttlichen und einen wunderschönen macht: Ab 02:33 Minuten wechselt der Song wieder ins mittlere Tempo und wirkt dabei auf einmal so wunderbar verträumt - ja, ich möchte es schreiben: Und romantisch. Anders kann ich diesen Abschnitt nicht erklären...auch wird der Gesang hier wieder perfekt eingesetzt, gerade wenn er im verlauf des Abschnitts wieder gedoppelt wird klingt der Song auch einfach nur episch, majestätisch und erhaben. Nach diesem stampfenden Part wird das Lied immer einen ticken schneller und geht anschließend wieder in den Up-Tempo Part, bevor dieser in einem schrillen, aber gerade dadurch so geil wirkendem, Gitarrensolo mündet. (04:40 Minuten).
Für mich ist "Schlangenmaul" einfach der stärkste Track auf dem Album.
"Ruinen" kommt dann mit einer etwas anderen Atmosphäre daher: Das Verträumte, romantische und majestätische ist etwas aggressiven gewichen. Die Gitarren wirken diesmal auch düsterer, lauernder, nicht ganz so "schön" wie auf den vorherigen Songs. Aber auch dieser Sound steht der Band ausgesprochen gut, und ich liebe zum Beispiel so Kleinigkeiten wie wenn man ab 01:34 Minuten das Gefühl hat, dass die Gitarren ein wenig heller und erhabener klingen. Ab diesen Moment schwingt auch wieder eine gewisse Epik im Sound der Band mit, die jedoch kurz darauf wieder durch "dunklerer" Gitarren und einer klagenden Gitarrenmelodie in die Finsternis hinabgezogen wird. Nach ca. der Hälfte des Songs wechselt das Lied wieder ins etwas langsamere Tempo wo die Atmosphäre direkt noch ein wenig düsterer wird.
Auch kommt wieder eines meiner liebsten Band-Trademarks (wenn man das so nennen kann) zum tragen: Das langsame schneller werden des Liedes bis es wieder ins Up-Tempo geht. Gerade wenn ab 03:51 Minuten dieses klagende, wehmütige und melancholische Gitarrensolo einsetzt wird in Zusammenarbeit mit voran peitschenden Schlagzeug eine einfach nur atemberaubende Atmosphäre erzeugt.

"Täuschung" geht dann ein wenig weniger düster zu Werke und greift wieder diesen erhabenen und majestätischen Sound der ersten Lieder auf. Diesmal habe ich auch das Gefühl, dass der Gesang ein wenig mehr in den Hintergrund gemischt ist, nicht ganz so präsent im Vordergrund ist wie auf den vorherigen Liedern. Aber das stört mich jetzt nicht, denn so wirken die Gitarren ein wenig mehr.
Zudem wird der sehr schnelle Song immer mal wieder durch kleine Spielerein wie einem kurzen, epischen Double-Bass Part (zwischen 01:35 und 01:59 Minuten) aufgelockert. Durch diese kurzen Abschnitte wirkt der Song sehr dynamisch und auch wenn ab 03:14 Minuten die Gitarre ihr einsames Lied singt ist der Song einfach nur fantastisch. Auch der epische Abschluss mit dem tollen Schlagzeug weiß nochmal voll zu überzeugen. "Auf endlosen Pfaden und haltlosen Strömen" beginnt dann ein wenig verhalten, der Bass ist zu beginn sehr präsent und der Song schleppt sich zu Anfang eher zäh und träge voran, bevor er bei 01:45 Minuten ins Up-Tempo geht und direkt wieder diese wunderbaren Gitarren erklingen: Erhaben, majestätisch und einfach nur mitreißend. Gerade wenn es dann nach ca. 3,5 Minuten in das mittlere Tempo geht und danach direkt wieder losgeprügelt wird (diesmal aber mit einer Gitarrenmelodie) wirkt das Lied fast schon unglaublich angriffslustig, und wenn das schrille Gitarren Solo mit dem plötzlichen Break bei 04:30 Minuten kommt will ich einfach nur wild marodierend durch die Wohnung hüpfen. Ist das geil..gerade der Mid-Tempo Part der nach dem Break mit dem Gitarrensolo kommt ist einfach nur ein perfekter musikalischer Moment. Wenn der Song schließlich wieder ins Up-Tempo geht klingen die Gitarren auch wieder so herrlich entrückt, verträumt und auch ein klein wenig romantisch. Jetzt bin ich einfach komplett versunken in der wunderbaren und einfach nur befreienden Musik von Nimbifer.
Der Abschlusstrack und Titelsong ist ein Instrumentaler-Ambient-Artiger-Black-Metal-Song, der durch seine entrückte und sphärische Atmosphäre zu überzeugen weiß.
Gerade wenn nach einer Minute das Schlagzeug einsetzt und der Song langsam voran kriecht ist das Abschlusstrack unglaublich atmosphärisch und lässt einen zufriedenen und glücklichen Dämonentreiber zurück.

Wie bereits geschrieben habe ich heute mal wieder gemerkt, was mir dieses Album und die Band (die Demo Zusammenstellung und die aktuelle EP stehen dem "Der Böse Geist" Album in nichts nach) bedeutet.
"Der Böse Geist" ist eines dieser Alben die ich immer wieder auflegen und mich daran erfreuen kann. Falls eines der Bandmitglieder hier mitliest: Vielen Dank für die Musik!
 
Zuletzt bearbeitet:
Da ich den Namen schon öfters bei der Vorstellung des Kanga Albums erwähnt habe möchte ich auch nochmal das Debut-Album "Space Cadet" von Ky Vöss hier vorstellen.
Lassen wir uns also von der wunderbaren Ky Vöss in ihre Welt entführen und lauschen ihrer wunderschönen, aber auch tieftraurigen Musik.

Cover:
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Tracklist:
01. Tiny Words
02. Power Trip
03. Picking Locks
04. Hunger Pain
05. Convince Me
06. Industrialize
07. Shelter
08. Swallow the Batteries

Links:
Bandcamp: https://kyvoss.bandcamp.com/album/space-cadet
Youtube (Album): https://www.youtube.com/watch?v=5W3bmxg1o60&list=PLfGknye2N880VCSR4dzIbQOkOYegybJ2q
Youtube (Live): https://www.youtube.com/watch?v=xTkBF0jmDwg&list=RDxTkBF0jmDwg&start_radio=1

Ich muss echt sagen, dass die Musik von Ky Vöss etwas besonderes ist, das hängt unter anderem auch damit zusammen, dass jedes Album von ihr (insgesamt hat sie bis jetzt drei Alben veröffentlicht) komplett anders klingt und jedes Album für eine ganz bestimmte Stimmung transportiert. Ähnlich wie Kanga schwankt der Sound von Ky Vöss zwischen Darkwave, Synthwave, Techno und Dream Pop.
Dabei finde ich das Debut am stärksten - ist es aufgrund seiner etwas progressiveren und experimentelleren Ausrichtung am abwechslungsreichsten. Das zweite Album "Coping Mechanisms" steht dem Debut aber auch in nichts nach. Gerade auf dem zweiten Album räumt Ky Vöss den pumpenden, harten Beats, die ich auch schon bei Kanga hervorgehoben habe, mehr Raum ein, sodass Lieder wie das sehr aggressive "Trust Me", oder auch "Combat" zu den härtesten Liedern gehört die sie veröffentlicht hat. Die ersten beiden Alben kann ich guten Gewissens empfehlen, bzw. kann man auch mit "Coping Mechanisms" nichts falsch machen wenn man das Debut toll findet. Das dritte Album "The After" ist dann sehr speziell...hier driftet Ky Vöss komplett in den Dream Pop ab und die Lieder wabbern sphärisch vor sich hin, während High-Pitched-Vocals (ähnlich wie im Witch House) vor sich hinsäuseln. "The After" ist wirklich ein Album für das man in Stimmung sein muss....ich kann es mir wirklich nur sehr selten anhören, weil es mich oftmals einfach nur ein wenig nervt. Aber, und das ist die große Stärke von dem Album, wenn man in der richtigen Stimmung und man für solch eine Musik empfänglich ist, ist es gefühlt das beste Album auf der Welt.
Denn "The After" ist für mich auch so ein wenig die Definition von introvertierter Musik: Eine eigene kleine Welt, die sich vehement dagegen sträubt Besuchern und Gästen Einlass zu gewähren.
Generell ist der Sound auf allen drei Albens ehr in sich gekehrt - Ky Vöss beschreibt ihre Welt, textlich, sowie musikalisch nimmt sie keine Rücksicht auf die Hörer, sondern macht einfach das, was ihr in den Kopf kommt. Und das ist etwas was die Künstlerin, ähnlich wie Kanga, so sympathisch macht. Vorstellen möchte ich heute deshalb das Debut, welches mich vor gut 1,5 Jahren in den wunderbar schönen Klangkosmos von Ky Vöss eingeführt hat und auch immer so ein kleiner rettender Anker für mich ist, wenn mich alles um mich herum zu verschlingen droht.

Das Album beginnt mit "Tiny Words" recht normal....der Anfang, eingeleitet durch einen recht harten Beat wirkt fast schon fröhlich, positiv, ein Feeling was eigentlich durch den ganzen Song transportiert wird.
Aber man merkt auch hier schon: Diese musikalische Fröhlichkeit ist nur Fassade, spätestens wenn Ky Vöss ab 00:20 Minuten mit dem Gesang einsetzt wird klar, dass der Song alles andere als fröhlich gemeint und gedacht ist. Dabei kommt der Gesang im ersten Moment so unbeschwert rüber wie der Song angefangen hat. Zudem werden während des kompletten Liedes immer wieder so herrliche Synthi-Sounds eingespielt, die diese ganze unbeschwerte Atmosphäre noch ein wenig verstärken. Ky Vöss singt dabei noch recht normal, klar, ihre Stimme ist mit ein wenig Hall unterlegt, aber das sorgt eher dafür dass dieser ein wenig über dem Song zu schweben scheint - was diese unbeschwerte Atmosphäre noch mehr unterstützt. Ein schöner Opener, der schonmal Lust auf mehr macht.
Mit "Power Trip" kommt dann der erste Hit des Albums....der lauernde und mit einer latenten passiv-aggressiven Atmosphäre ausgestattete Anfang wirkt unglaublich einnehmenden. Keine Ahnung was mich daran so triggert, aber ich liebe die ersten 30 Sekunden in diesem Lied einfach über alles. Gerade wenn Ky Vöss dann auch so wunderbar unbeschwert drauf los rappt, dabei auch so herrlich wütend klingt, macht der Song einfach spaß. Die Synthi-Sounds, die man im Hintergrund hört wirken trotz aller Wärme auch irgendwie mysteriös, lauernd und - wie bereits geschrieben - aggressiv. Und wenn ab 01:09 Minuten das erste mal der Refrain ertönt ist es völlig um mich geschehen. Mit High-Pitches-Vocals werden die Textzeilen: One, two, three, four Power trips and money scores If it helps you we'll submit but baby you're a hypocrite
Five, six, make us rich Transactional relationship Just enough to help you split while getting high on censorship
gesungen und in diesem Moment wirkt der Song einfach nur zutiefst verzweifelt, gerade wenn bei "getting High on Censorship" der Gesang gedoppelt wird schwingt zudem eine tiefe Frustration und Resignation in der Stimme von Ky Vöss mit.
Besonders hervorheben möchte ich auch nochmal den Abschnitt ab 01:49 Minuten....einfach anhören, dass ist einfach so toll wie sie so herrlich angefressen singt.
Bei "Picking Locks" handelt es sich dann um einen sphärischen, eher in sich gekehrten Song der mit High-Pitched-Vocals beginnt und dann eher verträumt vor sich hin wabbert. Die Beats, die pumpend im Hintergrund zu hören sind, werden immer mal wieder durch diese High-Pitched-Vocals unterstützt, während Ky Vöss, wenn sie normal singt, ziemlich traurig und irgendwie komplett außerweltlich klingt.
Außerweltlich im Sinne von irgendwie total abwesend, als würde sie sich während des kompletten Songs in einer komplett anderen Welt befinden....diese träumerische und außerweltlich Atmosphäre wird durch die Synthesizer nur noch verstärkt, wirken die Klangteppiche doch auch sehr ruhig und verträumt, gerade weil sie eher im Hintergrund gehalten sind.
Ein schöner Song zum runterkommen nach dem doch recht aggressiven "Power Trip".

Bei "Hunger Pain" wird es dann noch entrückter als bei dem tollen "Picking Locks". Das Lied ist eher recht ruhig gehalten und weiß auch wieder direkt mit seiner komplett entrückten, irgendwie nicht auf diesen Planeten gehörenden, Atmosphäre zu überzeugen. Dabei geht Ky Vöss diesmal sehr sphärisch zu werke....gerade wenn härteren die Beats (bei 00:50 Minuten) zum Einsatz kommen kommt eine fast schon psychedelische Atmosphäre auf - etwas was durch die Vocals noch verstärkt wird. Gerade der Gesang wirkt auf dem Lied so als würde er von ganz, ganz weit weg kommen. Und besonders viel mehr passiert in diesem Song auch nicht, er wird halt komplett von dieser (positiv) merkwürdigen Atmosphäre getragen. Ein wirklich schöner, aber sehr außergewöhnlicher Song. Mit "Concinve Me" wird die Atmosphäre dann wieder ein wenig unbeschwerter, aber auch melancholischer. Das Lied greift diese Atmosphäre vom Opener wieder auf und wirkt dabei wieder wie ein krasser Kontrast zu dem vorherigen "Hunger Pain".
Der Gesang ist diesmal auch wieder weniger "weit Weg", dafür schwingt wieder diese wunderbare und irgendwie einnehmende Melancholie in ihm mit, die mir Ky Vöss immer so sympathisch macht.
Gerade die Synthesizer-Sounds wirken hier fast schon fröhlich, verträumt und halt unbeschwert was in Verbindung mit dem Text wieder für eine außergewöhnliche Atmosphäre sorgt....wie gesagt: die (fast schon) fröhlich und unbeschwert wirkende Musik steht oftmals im Kontrast zu den Texten. "Industrialize" ist dann ein komplett entrückter, verträumter und langsamer Song. Der leicht noisige Anfang führt erst auf eine falsch Fährte: Sobald der Gesang ab 00:20 Minuten einsetzt setzt sofort diese verträumte und komplett entrückte Atmosphäre ein. Ky Vöss Gesang ist eher in den Hintergrund gemischt und mit viel Hall unterlegt, der in Verbindung mit den einzelnen harten Beats und den Industrial-Mäßigen-Sounds halt dieses "Ich bin gerade in meiner eigenen Welt!" Feeling erzeugt. Da in dem Lied auch nicht viel mehr passiert wirkt er zudem recht hypnotisch, also auch wieder ein Lied in das man sich wunderbar fallen lassen kann.
"Shelter" spielt dann wieder mit dieser Mischung aus musikalischer Unbekümmertheit und den (tief)traurigen Texten. Hier fallen mir diese 80ziger-mäßigen Synthi-Sounds direkt ins Ohr ( 00:16 Minuten) die fast schon etwas fröhliches an sich haben. Der Gesang ist diesmal wieder so herrlich traurig, passt sich aber diesmal der Musik an und wirkt nicht so - wie bei vielen anderen Liedern auf dem Album - über den Dingen schwebend. Auch hier sind ab und an wieder diese High-Pitched-Vocals im Hintergrund zu hören, die mich immer wieder so ein wenig aufhorchen lassen und die hypnotische Atmosphäre ein wenig auflockern und für Abwechslung sorgen. Wie "Industrialize" lädt "Shelter" zum träumen und wegdämmern ein...ist dabei allerdings nicht so komplett entrückt wie der vorherige Song.

Mit dem abschließenden "Swallow the Batteries" kommt dann mein Lieblingssong auf dem Album. Zu dem Lied habe ich euch auch einen Live-Version verlinkt.
Ich liebe den Song einfach über alles....das ist schon dieser wunderbare einlullende Anfang, bevor ab 00:22 Minuten der Gesang einsetzt und einfach dieser wunderbare Text gesungen wird....
Generell ist der Text zu dem Lied ganz großes Tennis für mich. Eine Textzeile hat es auch in meine Signatur geschafft: I feel safe in a crowded space as long as I've got a space suit.
Die Textzeile beschreibt eigentlich recht gut, was die Musik von ihr (und Musik generell) für mich bedeutet....und gerade dieser Song transportiert dieses Feeling einfach perfekt. Auch wenn der Refrain einsetzt, wo halt diese Textzeile gesungen wird, klingt Ky Vöss einfach so unglaublich traurig - besonders herauszuhören bei den Worten All my friends are ghosts, it's not a metaphor - wo man bei "metaphor" das Gefühl hat, dass gleich ihre Stimme bricht. Besonders schön auch der Part ab 03:14 Minuten, wo man einfach nur tanzen möchte bis die Worte: You gotta, you gotta, you gotta swallow the batteries You're gonna need some way to process the memories ertönen und den Song in eine so tieftraurige Richtung drücken, dass ich in schlechten Momente tatsächlich die eine, oder andere Träne verdrücken muss. Danach geht der Song schön verträumt weiter, diese traurige Atmosphäre wird immer intensiver bis das Lied dann recht abrupt endet und einen ein wenig traurig, aber auch gelöst zurücklässt.
Ein wunderschönes Lied und ein wirklich toller Abschluss für ein wunderbares Album.
 
Heute möchte ich eine Neuentdeckung aus diesem Jahr vorstellen die mir richtig, richtig gut gefällt.
Einige werden es in diversen anderen Threads schon mitbekommen haben, aber ich gehe momentan steil auf das Debut "Wretched Spawns of Iniquitous Orders" der Engländer von Namu. Lehnen wir uns also zurück und begeben uns auf eine verrückte Reise durch das unendliche Weltall.

Cover:
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Tracklist:

01. Catharsis in Stasis
02. Edict of Absolution
03. Ineffable Constructs
04. A Folds Gather
05. The Fibre Prismatic
06. Abberation of Light
07. Triptych

Links:
Bandcamp: https://namurtus.bandcamp.com/album/wretched-spawns-of-iniquitous-orders
Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=fFmnlnJqYJ4&list=RDfFmnlnJqYJ4&start_radio=1
Metal Archives: https://www.metal-archives.com/bands/Namu/3540586654
Coverkünstler: https://www.brucepennington.co.uk/

Ich habe es mit Sicherheit schon sehr oft geschrieben, aber Musik hören ist für mich auch immer eine Alltagsflucht. Momentan bin ich beruflich extrem eingespannt und auch im privaten gibt es momentan einiges an merkwürdigen Situationen bis hin zu Stress. Zudem scheine ich in letzter Zeit "Verarsch mich!" groß auf meiner Stirn stehen zu haben.....aber ich will nicht meckern: Immer wenn ich meine mir wird alles zu viel habe ich die Musik, die mir dabei hilft diesen ganzen Stress - zumindest für den Moment - zu vergessen. Ein Album welches mir da momentan sehr viel Hilfe und auch Unterstützung bietet bei dieser Alltagsflucht ist das "Wretched Spawns of Iniquitous Orders" Album des englischen Black Metal Projektes Namu. Dabei handelt es sich wieder um einen Zufallsfund den ich auf Bandcamp gemacht habe: Angelockt durch das tolle Cover (den Coverartist habe ich oben auch verlinkt - unbedingt mal vorbeischauen!) wollte ich zumindest mal reinhören und wurde schon bei den ersten paar Tönen komplett von der Musik mitgerissen und vereinnahmt.
Der Opener "Catharsis in Stasis" beginnt nach einem kurzen sphärisch/spacigen Intro im schnellen Tempo und offenbart dabei direkt schon eine wunderbar außerweltliche Atmosphäre. Die Gitarrenmelodie, die irgendwie über den Song zu schweben scheint, wirkt ein wenig chaotisch, wirr, aber irgendwie auch zwingend und hypnotisierend. Dieser Anfang hat mich wie eine Lawine überrollt und sofort unter einer dicken Schicht aus Gänsehaut und Ehrfurcht begraben - ein wirklich wunderbarer Start in ein tolles Album. Auch der Gesang weiß zu begeistern: Handelt es sich doch um ein voluminöses Gekreische, dass an Vorga erinnert. Aber dieser Anfang will nicht lange anhalten, denn nach 1,5 Minuten wird abrupt die Geschwindigkeit aus dem Song genommen, ein kleiner, sphärischer Ambientpart kommt zum Einsatz, bevor das Schlagzeug eruptionsartig einsetzt, während im Hintergrund der Ambientpart weiterläuft. Ab 03:15 Minuten geht es, eingeleitet durch einen kurzen Schrei, wieder in das schnelle Tempo über während die Gitarre im Hintergrund wieder ihre herrlich entrückte Melodie spielt. Der Anschließende Ambientpart der so ab 04:15 Minuten einsetzt entführt uns dann komplett in eine andere Welt: Dieser Abschnitt ist einfach wunderbar gelungen, transportiert er doch eine verträumte, unbekannte, aber auch irgendwie vertraute Atmosphäre. Als würde man sich auf eine Reise ins Unbekannte vorbereiten, voller Sorgen und Ängste, aber auch mit Wissendurst und positiver Anspannung ausgestattet. Man ist sich bewusst, dass man sein altes Leben, all die Menschen - die guten wie schlechten - hinter sich lässt und sich auf den Weg in eine unbekannte Zukunft mit einem noch unbekannteren Ziel macht. Letzte Gedanken, ob das die richtige Entscheidung ist werden schnell zerstreut wenn man den Blick zurück wagt und feststellt was man verliert: Bekannte Sorgen werden durch neue, spannende Ziele und Ideen ersetzt, man realisiert, dass Menschen denen man die Treue gehalten hat doch nicht so sind, wie man sie die ganze Zeit wahrgenommen hat und das wichtigste: Man versteht endlich das der Abschluss von etwas Altem der Beginn von etwas Neuem ist. Also packt man voller Tatendrang seine sieben Sachen, steigt in das Raumschiff und lässt alles hinter sich und beginnt ein neues Leben.
Ist die Reise von Erfolg gekrönt? Findet man einen neuen Lebenssinn? Alles Fragen auf die es noch keine Antwort gibt, aber die Motivation, die Begeisterung und der Enthusiasmus sind da um eine Antwort darauf zu finden. Wunderbar entrückte Gedanken die mir durch den Kopf huschen, gerade wenn dann auch noch die Gitarren ab 05:27 Minuten einsetzen und der Song langsam, aber stetig vorranschreitet wird die verträumte Atmosphäre fast greifbar und wenn dann ab 06:19 Minuten der Gesang einsetzt ist der (musikalische) Moment einfach perfekt. Kennt ihr das noch von früher? Wenn man sich als kleines Kind irgendwie in eine decke oder so eingerollt hat und sich einfach sicher fühlte? Dieser Part ist das musikalische Äquivalent dazu. Und mit diesem schönen Gefühl endet der Song dann auch und geht direkt weiter in "Edict of Absolution" welche mit seinen 4,5 Minuten Spielzeit der kürzeste Song auf dem Album ist. Der Anfang ist recht aggressiv, die verträumte Atmosphäre ist zu Beginn so gut wie verschwunden und macht einer ziemlich angefressenen Wut platz. Nach ca. 2 Minuten weiß der Song dann aber nochmal zu überraschen, wenn es ruhig wird und Klargesang eingesetzt wird. Dabei wirkt der Klargesang im ersten Moment wie ein Fremdkörper, aber schon bald kristallisiert sich seine Schönheit heraus. Gerade wenn das Lied ab 02:50 Minuten wieder ein wenig Fahrt aufnimmt, die Gitarren einsetzen und der Klargesang auch gedoppelt wird ist das Lied einfach nur schön.
Ab 03:34 Minuten geht es wieder in den aggressiven Anfangspart zurück womit das Lied auch endet.

Mit "Ineffable Constructs" kommt dann einer der atmosphärischsten Songs auf dem Album. Der Anfang ist eigentlich recht klassisch gehaltener Black Metal bevor es ab 00:45 MInuten für einen kurzen Augenblick in einen richtig abgespaceten Part geht, der mich ein wenig an Bands wie Vorga erinnert. Der Song wechselt dann eigentlich immer hin und her zwischen diesem leicht epischen Abschnitt und den rasenden Parts.
Ab Minute vier ändert sich dann nochmal ein wenig die Atmosphäre und es kommt mir eine Band in den Sinn wo ich echt überrascht war einen so direkten Verweis auf einem Black Metal Album zu finden (auch wenn es sich um progressiv Black Metal handelt): Die Atmosphäre wird jetzt extrem sphärisch, weltfremd und komplett entrückt, was in Zusammenarbeit mit den Gitarren und dem Schlagzeug an Fallujah und ihr Debut erinnert. Mit dieser tollen Atmosphäre endet ein toller Song, bevor "A Folds Gather" direkt wieder mit diesem eruptionsartigen Schlagzeug beginnt und dadurch wieder so eine herrlich erhabene Atmosphäre erzeugt.
Nach einer Minute geht der Song dann in das schnelle Tempo über wo dann auch der Gesang einsetzt. Auch hier erinnert das Riffing ein wenig an Fallujah. AB 02:15 Minuten wechselt der Song dann in einen recht langen, technischen Instrumental-Part wo man die Nähe zu Fallujah auch nicht mehr verleugnen kann. Und ich finde es einfach nur super.
Gerade dieser Abschnitt lädt wieder dazu ein die Augen zu schließen und sich einfach von der Musik treiben zu lassen....gerade wenn sich die Atmosphäre ab 03:20 Minuten wieder ein wenig verändert und bedrohlicher wirkt, nicht mehr ganz so verträumt, macht der Song einfach nur unglaublich viel Spaß. Aber dieser bedrohliche Abschnitt war nur kurz, denn er geht recht schnell wieder zu dieser schön verträumten Atmosphäre über wo ab 04:19 Minuten wieder Gesang ertönt. Diesmal weniger kreischig, oftmals gedoppelt. Dadurch sorgt der Gesang auch nochmal für eine extrem dichte und etwas unbehagliche, weil unbekannte und auch irgendwie leicht bedrohliche, Atmosphäre. Ab ca. 05:30 Minuten wird der Song wieder sehr ruhig, klarer, gesäuselter Gesang ertönt und lässt das Lied mit einer verträumten Atmosphäre ausklingen.
Hier setzt dann bei mir auch so eine Sehnsucht nach Weite ein. Wie oben bereit geschrieben: Dieser Gedanken einfach alles hinter sich zu lassen und ein neues Leben voller Abenteuer, Erkundungen und Entdeckungen zu beginnen ist auf dem Album bei vielen Momenten fast schon greifbar.
"The Fibre Prismatic" beginnt dann wieder mit so einem herrlichen entrückten Ambientintro. Der Blick schweift dabei unweigerlich zu den Sternen, die Sehnsucht nach dem Unbekannten steigert sich dabei in ungeahnte Höhen. Nach knapp einer Minute setzten dann das Schlagzeug und die Gitarren ein bevor dann auch der Gesang noch hinzukommt. Diese entrückte Atmosphäre bleibt weiterhin bestehen, wird dabei sogar noch verstärkt. So langsam entwickelt sich die Sehnsucht in Verlangen und das Verlangen in einen konkreten Plan. Gerade wenn der Song dann ab 02:05 Minuten richtig Fahrt aufnimmt, dabei diese wunderbare Gitarrenmelodie ertönt wäre man fast schon bereit diesen Plan über einen Neuanfang in die Tat umzusetzen. Ab Minute drei endet dieser Part aber abrupt und ein spaciger Ambientabschnitt setzt ein.
Gedanklich hat meine seine Idee in die Tat umgesetzt und befindet sich auf einer Reise ins Unbekannte. Ab 04:14 Minuten setzten dann wieder die Gitarren und Schlagzeug, sowie Gesang ein. Die Atmosphäre wird dabei bedrohlicher, als würde man sich langsam bewusst werden das diese Reise keine einfache Reise wird. Böse Gedanken keimen auf ob es die richtige Entscheidung war diesen Schritt zu gehen, wenn das Ziel ist weiterhin unbekannt. Was bringt die Zukunft? Und solch nagenden Fragen endet das Lied.....die Gedanken rasend, gleichzeitig getrieben von negativen und positiven Gefühlen.

"Abberation of Light" beginnt dann nach einem kurzen Intro rasend schwarzmetallisch. Generell sind die ersten zwei Minuten bei dem Lied die härtesten, aber auch erhabensten und majestätischen Momente auf dem Album. Gerade wenn es ab 01:21 Minuten in das Up-Tempo mit dieser wunderbaren Gitarrenmelodie geht ist das Lied einfach schön. Unsere Reise ist jetzt im vollen Gange, die negativen und positiven Gedanken und Gefühle halten sich irgendwie die Waage, werden aber von einer Anspannung und Entdeckerfreude niedergerungen die selbst die größten Sorgen für den Moment zu beruhigen wissen. Ab 02:29 Minuten kommt wieder dieser tolle Klargesang zum Einsatz und das Lied wird an sich ruhiger, bevor es ab 03:40 Minuten wieder in das Up-Tempo geht, aber diesmal wirkt die Gitarrenmelodie zwingender, aggressiver und weniger einlullend als vorher. Als wäre unser Raumschiff in ernsthafte Schwierigkeiten geraten und würde sich nur mit Mühe und Not durch einen Asteroidenschau manövrieren können.
Und dann kommt wieder so ein richtig Großartiger musikalischer Moment: Ab 04:25 Minuten wird mit einem Schrei so ein herrlicher Double-Bass Part eingeleitet der mit leisen, chaorartigem Klargesang versehen ist und dadurch einfach eine unglaublich dichte und epische Atmosphäre erzeugt....und wenn sich dann auch noch der Kreischgesang ein Wettkampf mit eben diesem Klargesang liefert ist es völlig um mich geschehen.
Enden tut das Lied dann mit einem kurzem Ambienpart, bevor es mit dem Abschlusssong "Triptych" weitergeht welcher ebenfalls mit einem Ambientintro startet, welches von leisem Klargesang unterstützt wird.
Ab 01:37 Minuten legt der Song dann im stampfenden Tempo los, während im Hintergrund immer wieder eine verträumte an Fallujah erinnernde Gitarrenmelodie zu hören ist. (Und wenn ich mich nicht komplett verhört habe, schreddern die Gitarren hier auch ab und an mal ganz gut (01:41 Minuten das erste mal)) Der Gesang wirkt diesmal eiskalt, diktierend und erzählend, was dafür sorgt dass die ganze Atmosphäre eher kalt und mechanisch wirkt. Der anschließende kurze Ambientpart sorgt wieder für ein leicht mulmiges Gefühl. Unser Raumschiff schwebt gerade - manövrierunfähig - durch den luftleeren Raum, Angst und Panik machen sich in den Herzen der Mitreisenden breit und keiner weiß ob wir überleben werden. Mit letzter Kraft, gefüttert mit einer merkwürdigen Mischung aus Angst, Panik, Überlebenswillen, aber auch Wut darüber, dass diese Reise nicht SO enden darf setzten wir nochmal alles daran mit den letzten Treibstoffreserven irgendetwas zu finden, was uns das überleben gewährleistet.
Dieses letztes aufbäumen wird musikalisch durch eine fast schon primitiv anmutende Raserei dargestellt die ab 03:25 Minuten das erste mal einsetzt, bevor ab 05:27 Minuten auch die letzten Kraftreserven und Hoffnungen schwinden: Das Lied wird ruhig, merkwürdige Störgeräusche sind im Hintergrund zu hören, dass Raumschiff hat so gut wie keinen Treibstoff mehr und keine Rettung ist in Sicht....
Das Lied bleibt ruhig, sanfte Gitarren setzen ein und Klargesang ertönt....traurig, verträumt, aber auch irgendwie befreit. Wir haben etwas gewagt, haben alles gegeben, haben all das Schlechte zurückgelassen in der Hoffnung im Unbekannten das Gute zu finden. Die letzten Treibstoffreserven sind verbraucht, das Schiff schaltet sich langsam ab, der Sauerstoff wird knapp wir schließen die Augen: Keine Wut, keine Frustration nur die Erkenntnis, dass es auch in der Ferne und dem Unbekannten keine Hoffnung gibt.
 
Zuletzt bearbeitet:
Stark, wie du deine Eindrücke immer wieder in treffende Worte packst! Mich hatte das Album erstmal nicht so wirklich angesprochen, aber durch deine Schilderungen bekomme ich nochmal Bock drauf. So ging's mir auch mit anderen Vorstellungen hier im Thread, danke dafür.
 
Wenn ich groß bin, möchte ich auch mal so leidenschaftlich schreiben können...! :)
Habe hier auch noch eine große Menge von den vorgestellten Sachen auf dem Zettel, bei der Schlagzahl hier, zusätzlich zu den normalen Neuerscheinungen und dem Altbestand, der gewürdigt und (wieder)entdeckt werden will, wächst dieser schneller als man gucken kann. First World Problems^^
 
Musik ist immer dann am besten wenn sie mich erst überrascht, dann begeistert und anschließend in Sphären abtauchen lässt in denen es nur noch eben diese Musik gibt.
Eine Band, oder besser gesagt ein Projekt aus Texas hat dies geschafft: Heute werde ich das Debut-Album (die Band/das Projekt nennt es zwar eine Debut-EP, aber bei knapp 35 Minuten Spielzeit kann man schon von einem kompletten Album sprechen) von Lechuza namens "Dreams Beneath the Witch Tree" vorstellen.

Cover:
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Tracklist:

01. Sueno I
02. Sueno II
03. Sueno III
04. Sueno IV

Links:
Bandcamp: https://lechuzadwells.bandcamp.com/album/dreams-beneath-the-witch-tree
Metal Archives: https://www.metal-archives.com/bands/Lechuza/3540585885

Wie ich oben bereits geschrieben habe ist Musik immer dann am besten wenn sie zu überraschen und zu begeistern weiß. Diese Begeisterung kann durch verschiedene Faktoren kommen: Bei Namu war es zum Beispiel die etwas progressivere Ausrichtung, die mir komplett neue Klangfarben, Ideen und Träumereien aufgezeigt hat, bei Nimbifer ist es diese archaische Schönheit, dieser vermeintlich simple, atmosphärisch extrem dichte, teilweise ins romantische abgleitende Black Metal. Lechuza gehen dabei eher Richtung Nimbifer und können mit ihrem sehr rauen, sehr simplen, aber stellenweise extrem hymnischen Black Metal überzeugen - man könnte vergleiche zu einer Band wie Woe Bather ziehen, die einen ähnlich rau atmosphärischen Sound fahren wie Lechuza. Ich möchte auch nicht ausschließen, dass Woe Bather einen entscheidenden Einfluss auf den Sound von Lechua hatten, dafür sind einfach zu viele Parallelen da. Aber bleiben wir erstmal bei Lechuza: Aufgefallen ist mir die Band, wo so oft, aufgrund des Covers - handelt es sich dabei doch um eine leichte Abwandlung eines Gemäldes der mexikanischen Künstlerin Maria Izquierdo. Das Cover zeigt nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Bild, zudem ist das original Bild in Farbe, aber dennoch hat es mich fasziniert.
Dazu dann der Titel "Dreams Beneath the Witch Tree".
Also habe ich mal reingehört, ein wenig skeptisch, weil ich grundsätzlich ein wenig vorsichtig bei Black Metal Bands (gerade bei Bands die ihren Sound mit "raw und atmospheric" beschreiben) bin die eine Debut EP veröffentlichen und es kaum Infos zu der Band gibt. Aber allein schon das Cover und das es von einer Künstlerin stammt deren Bilder in Mexiko zum nationalen Kulturgut gehören, zeigte mir das es der Musikerin/dem Musiker der/die hinter dem Projekt steht ernst zu meinen scheint.
Und die Musik hat diesen Eindruck dann auch noch verstärkt und bestätigt: Lechuza spielen einen wunderbar rauen, atmosphärisch dichten und extrem einnehmenden Black Metal, der aufgrund seiner sehr in den Vordergrund gemischten und mit viel Hall unterlegten Vocals etwas geisterhaftes transportiert.
Die ganze Musik klingt irgendwie verhext, wie aus einer anderen Welt, als würden die Stimmen der Verstorbenen nach einem rufen und versuchen Kontakt aufzunehmen.
Als ich das Album das erste mal hörte war ich ein wenig vor den Kopf gestoßen, weil mich auch gerade der Opener "Sueno I" ein wenig überfordert hat. Nach einer kurzen Gitarrenspielerei startet das Lied direkt rasend und dieser geisterhafte Gesang setzt ein. Im ersten Moment war es einfach recht anstrengend bei dem Sound, dem Gesang und der Produktion irgendetwas genau herauszuhören. Die ersten Sekunden waren einfach nur ein großes, dröhnendes Rauschen. Aber schon sehr bald schälten sich aus diesem Sound Gitarren-Melodien heraus, erhaben und episch, die diese zur beschriebene Atmosphäre erschaffen.
Der Opener geht nach einem kurzen und furiosen Start (so ab 00:55 Minuten) direkt in das stampfende mittlere Tempo und offenbart dabei direkt Epik die ich der Musik nach den ersten Sekunden nicht zugetraut hätte. Der Gesang passt dabei einfach so unglaublich gut: Hallend, ein wenig schrill, über den Song schwebend - wie ein Geist. Und dann beginnt die Band mit etwas was ich so liebe an dieser Art von Black Metal: Sie spielt mit der Songgeschwindigkeit. Hier wird nicht auf einem Tempo durchgeprügelt, oder herumgekrochen, sondern permanent zwischen dem langsamen stampfenden epischen Tempo, den Double-Bass-Artigen Momenten und den schnellen Passagen hin und her gewechselt. Selbst der Gesang ist nicht stumpf Monoton, sondern variiert in seiner Ausdrucksweise, seinen Emotionen und seinem Klang.
Ab 03:15 Minuten setzt zudem ein ruhiger Ambientpart ein, der eine solch geisterhafte, unwirkliche Atmosphäre erzeugt, dass es mir ein wenig eiskalt den Rücken hinunterläuft.
Dabei ist dieser Part nicht besonders düster, brutal, oder sonst was: Durch seine fast schon entspannte Atmosphäre wirkt er wie ein Ruhepol in dem ganzen geisterhaften mystischen Chaos.
Ab 05:20 Minuten setzen wieder Gitarren ein, der Song scheint sich aufzubauen und extrem stark verzerrter Klargesang ertönt: Worte werden gesprochen bevor es ab 06:00 Minuten wieder in das Up-Tempo geht und der Song einen Sog aus Dunkelheit, Erhabenheit und Epik erzeugt dem man sich nur schwer entziehen kann.
Ab diesem Zeitpunkt tanzen wir mit den Dämonen und den Hexen in der Dunkelheit - wie Geisterwesen in einer sterbenden Welt.
"Sueno II" beginnt ebenso episch wie der Opener aufgehört hat: Im Up-Tempo, getragene durch eine lauernde, sich merkwürdig zurückhaltende Gitarrenmelodie entsteht eine zutiefst düstere Epik, die sich in der Seele der Hörenden festsetzt und das Herz gleichzeitig mit Mut und Schrecken erfüllt. Lechuza zeigen hier was sie können: Sie schaffen es bei diesem Lied echt eine Atmosphäre zu erzeugen, der ich mich einfach nicht entziehen kann. Gerade wenn das Lied dann ab 02:15 Minuten wieder in das langsame Tempo wechselt und die Gitarrenmelodie etwas emotionaler, etwas melancholischer wird ist der Song einfach nur perfekt.
Der Gesang schwebt weiterhin einfach über den Song, aber trotz dieser irgendwie distanziert wirkenden Gesangleistung transportiert er unglaublich viele Emotionen , die durch diese Gitarrenmelodie noch verstärkt werden. Gerade wenn das Lied nach ca. vier Minuten jegliche Geschwindelt aufgibt und sich irgendwie aufzubauen scheint kommt der hier eingesetzt Klargesang (eigentlich auch nur wieder gesprochene Wörter, kein direkter Gesang) besonders mächtig herüber. Ab 05:01 Minuten wird das Lied dann wieder schnell und die Gitarrenmelodie wird zwingender, die Atmosphäre bleibt traurig und resigniert, dabei wirken die eingesetzten Double-Bass-Passage wie eine Gerölllawine, die droht einen unter sich zu begraben.
Das Lied wird von Sekunde zu Sekunde zwingender, einnehmender, düsterer bis es bei 07:15 Minuten abrupt endet und in einen leisen Ambientpart wechselt. Als Hörender ist man durch diesen plötzlichen Wechsel wie erschlagen und fragt sich was hier gerade abgeht. Beim zweiten mal hören habe ich das aber geliebt...man stelle sich eine Szene aus Hellraiser vor in der die Zenobiten die Haken ins Fleisch (oder hier auf die Musik bezogen: in die Seele) ihres Opfers jagen und dann mit einem Ruck diese Seele aus dem Körper des Unglücklichen herausreißen - so fühlt sich dieser Moment an.

Bei "Sueno III" handelt es sich dann um einen durchgehend langsamen, stampfenden und stellenweise vor sich hin kriechenden Song der mit seiner hypnotischen Langsamkeit auch wieder so einen herrlich düsteren Sog erzeugt dem man sich nur schwer entziehen kann. Dabei ist die Atmosphäre bei diesem Lied fast schon depressiv und wirkt gerade dann, wenn auch noch eine Gitarrenmelodie zum Einsatz kommt, unglaublich lebensfeindlich und ausweglos. Der Gesang ist diesmal auch ein wenig aggressiver, weniger über dem Song schwebend, sondern direkter und halt angefressener. Besonders angetan hat es mir der Part ab 02:40 Minuten wo man das Gefühl hat, dass das Lied komplett aus dem Rhythmus gekommen ist: Hier tauchen vor dem geistigen Auge willenlose Untote auf, die sich humpelnd und schleichend durch eine düstere Szenerie bewegen. Begeistert bin ich dann auch wieder durch diesen nahtlosen Übergang bei ca. 03:50 Minuten, wenn das Lied von diesem "aus dem Rhythmus" gekommen direkt in einen stampfenden, mit vereinzelten Double-Bass-Elementen versehenen Part übergeht. Dieser Übergang wirkt einfach nur perfekt und so herrlich durchdacht! Dadurch habe ich das Projekt/die Band dann auch komplett ins Herz geschlossen.
Ab 05:25 Minuten werden zudem wieder diese mit stark verzerrter Stimme gesprochenen Worte über den stoischen Mid-Tempo-Sound gelegt, bevor das Lied ab 06:15 Minuten ins Up-Tempo geht und dabei eine so herrlich entrückte, weit in den Hintergrund gemischt, Gitarrenmelodie ertönt. Enden tut das Lied dann wieder mit einem ruhigen Ambientpart, der diesmal aber nicht so plötzlich kommt wie beim vorherigen Song, sondern mit klar gesprochenen Worten eingeleitet wird. Der letzte Song "Sueno IV" beginnt mit einem drei minütigen Akustik Intro, bevor er für einen kurzen Moment in das Up-Tempo wechselt und dabei wieder durch eine wunderbare Gitarrenmelodie unterstützt wird. Dabei wirkt das Lied jetzt fast schon kämpferisch, nicht mehr so melancholisch wie bei den vorherigen Songs.
Die Band spielt hier auch wieder so herrlich mit den Geschwindigkeiten wie sie es schon beim Opener gemacht hat. Der Gesang ist beim Abschlusssong aber nicht soweit in den Vordergrund gemischt wie bei den anderen Liedern und auch nicht ganz so hallend. Aber ich mag das: Sorgt es doch auch nochmal für eine andere Klangfarbe auf dem Album.
Bei dem stampfende Mid-Tempo Part, der ab ca. 4 Minuten einsetzt, wirkt der Gesang sogar fast schon melodisch. Auch wird ab jetzt der Gitarrenmelodie ein wenig mehr Platz (=etwas weiter in den Vordergrund gemischt) eingeräumt. Und mehr passiert in dem Song eigentlich auch nicht....aber das muss es auch nicht: Es ist einfach ein super toller Abschluss für ein echt gutes Album/eine gute EP.
Enden tut das Lied dann wieder mit einen Ambientpart, dessen rauschende Windgeräusche die Seele zu einem Ort transportiert der den Lebenden verboten ist.
 
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