Ich hatte da mal was zu geschrieben und weil ich es so sicher nicht nochmal hinbekommen würde, es aber immer noch meiner Ansicht entspricht, kopier ich es einfach mal frech hier rein:
Nevermore - 1995 (7/10)
Im Jahre 2006 mit fünf weiteren Songs + Video re-released.
Stimmung sehr morbid und düster. Noch deutlich weniger verspielt was Gitarrenlead und Gesangslinien angeht. Dennoch ein Brillianter Sountrack für einen Spaziergang über den Friedhof.
Thrashige Verschachtelungen spiegeln den von Anfang an vorhandenen progressiven Charakter der Herren wieder. Ihnen fehlt noch die metaphorische Genauigkeit, dadurch wirken Songs wie "Sea of Possibilities" noch verschroben, teils verwirrend.
Gesanglich gern noch in der Erinnerung an alte SANCTUARY-Zeiten.
Nicht fehlen darf der Anfang der "Power-Ballade" Tradition ("The Sanity Assassin") mit ganz viel Schwermut.
Anspieltipps:
"Garden of Gray",
"The Sanity Assassin"
The Politics of Ecstasy - 1996 (8/10)
Meiner Meinung nach das am schwersten zugängliche Nevermore Album. Wenn man jedoch den Eingang gefunden hat, ein Meisterstück.
Klanglich ist es sehr wütend, thrashiges dissonantes Riffing, anklagende Vocals. Warrel Dane in Melancholie und Wut als der Geschichtenerzähler in einer vernebelten Welt.
Die Songs sind durchdachter, jeder Ton hat (meist) einen Sinn. Sie laden aber noch nicht so sehr zum "Mitschwimmen" ein, da sie oft "abbiegen".
Hier beginnt die Tradition der guten Cover ("Love Bites" - Judast Priest) und der Instrumental Stücke ("Precognition")
Anspieltipps:
"Next in Line",
"Precognition"
In Memory EP - 1996 (10/10)
Im Jahre 2006 re-released mit 5
Demoversionen vom "The Politics of Ecstasy" Album
(*fixed).
Eine EP die in keinem Plattenschrank fehlen darf, wenn derjenige behauptet Nevermore auch nur annähernd zu mögen.
Thrashiger Rocker, anklagender Midtempo, depressive Ballade mit Tiefgang. Alles drauf was eine Nevermore Platte ausmacht. Mal vom Cover und der Instrumental Nummer abgesehen, is ja auch "nur" eine EP.
Die Songs sind rund und geben durchgängig das Gefühl auf eine Reise mitgenommen zu werden. Eine düstere Reise, voller Fragen, Anklagen und manchmal auch Antworten zwischen den Zeilen. Warrel Dane in lyrischer Hochform. Jeff Loomis in fingerfertiger Glanzleistung.
Anspieltipps:
"Matricide",
"In Memory" ... eigentlich alle fünf, aber wir wolln ja nen bissl Spannung lassen.
Dreaming Neon Black - 1999 (10/10)
Das in sich stimmigste Album, auch wenn nicht gerade das fröhlichste. Wobei fröhlich bei Nevermore so angebracht ist wie Ostereier unterm Weihnachtsbaum.
Diese Platte ist eine beklemmende Gedankenreise. Eine apokalyptische Sicht in das vor der Tür stehende Millennium. Mal mitreissend, mal dahinschwebend, mal verschreckend. Ich hör sie am liebsten nachts beim Autofahren. Überhaupt nachts, denn da gehört sie hin, in die Dunkelheit, in die Schatten der Stadt, sich dahin windend im Zwielicht.
Anspieltipps:
"Beyond Within",
"Dreaming Neon Black"
Dead Heart, In a Dead World - 2000 (9/10)
Das eingänglichste aller Nevermore Alben mit den meisten "Disco-kompatiblen" Hits. Und auch das kommerziell erfolgreichste.
Ein verdammt gutes Album. Textlich politisch aktiv. Musikalisch gerade, melodisch mit weniger Schwere als der Vorgänger, vllt. sogar etwas beschwingter. Für jeden "Anfänger" sicher ein guter Einstieg. Nevermore sind hier am einfachsten zu verdauen. Ausserdem enthält es Simon & Garfunkel's
"Sound of Silence" im musikalisch passenden Gewandt (schon mal wer auf den Text geachten, wenner mit der Süssen dazu am Schmusen war ?).
Anspieltipps:
"Inside Four Walls",
"Dead Heart, in A Dead World"
Enemies of Reality - 2003 (10/10)
Mit einem wilden Ritt beginnt dieser Kracher und gibt einem kaum Zeit schweissgebadet durchzuatmen. Angekommen in der Medienwelt, der Verklärung und Annonymität der Datenbahnen, der Verrohung im täglichen Bildgeflacker der TV Anstalten.
Ein modernes Stück Augenöffnung. Rau, mit dem Finger zeigend.
Das Album wurde kurz nach Release sehr kritisiert, weil es so einen "schlechten" Sound hatte, kaum ein halbes Jahr später gabs dann eine neue Version in glattem Mastering. Die hab ich jedoch nie gehört, weil gerade der rohe, raue, schrammende Sound so wunderbar zum Thema der Platte passt.
Anspieltipps:
"Never Purify",
"I, Voyager"
This Godless Endavour - 2005 (9/10)
Kommerziell Platz zwei der Nevermore Alben. Das lässt darauf schliessen, hier liegt wieder ein etwas zugänglicherer Vertreter vor. Tut es auch. Melodien mit Härte. Ein textliches Pottpourie, wie der Vorgänger mehr im kritischen Jetzt denn in gedanklichen Melancholien. Gesanglich Warrel Danes Meisterleistung nach beendeter Entziehungskur. Musikalisch wie immer auf höchstem Niveau, jedoch nun soweit gereift, dass jedem der Sinn des Tons eröffnet ist. Dennoch fehlt mir der besondere Charakter.
Anspieltipps:
"Born",
"This Godless Endeavour"
The Obsidian Conspiracy - 2010 (8/10)
Ich habs schonmal geschrieben, Nevermore machen keine schlechten Alben. Aber verglichen mit den Vorgängern ist dieses für hier vorliegende Verhältnisse eher mau.
Es ist eingängig, eher im Midtempo gelegen, wenig verschachtelt. Warrel Dane wirkt knarzig, ein wenig kraftlos, lyrisch eher traurig (möglicherweise Nachwehen seines Soloalbums ?). Man hat alles irgendwie schon mal in überzeugenderer Variante gehört, ohne das sich die Jungs jedoch wiederholen würden. Wirklich herausragend ist allerdings der Titeltrack, epischer 5-Minüter in Nevermore-Reinkultur.
Die Platte enthält übrigens wieder mal ein tolles Cover:
"Temptation" ( The Tea Party)
Anspieltipps:
"Emptiness unobstructed",
"The Obsidian Conspiracy"