Gaukli
Deaf Dealer
Für mich persönlich liegt ein großer Unterschied zu den von dir genannten Staaten und Regimen darin, dass die USA bei aller Kritik eben eine stabile Demokratie gewesen sind, die ins Zentrum meiner griechisch-christlich-aufgeklärt-westlichen Wertewelt gehört(e). Da ist das Entsetzen bei mir umso größer (auch wenn noch niemand am Bauzaun aufgehängt wird - wobei wir ja leider schon wahrnehmen müssen, dass demokratische Politiker erschossen werden). (Sehe gerade, dass @Dunkeltroll einen ähnlichen Punkt macht.)Mir geht es weniger um die Frage, ob Haltung vertreten wird. Das ist sogar erwünscht. Mir geht es vielmehr um diese spezielle, vor Überheblichkeit strotzende deutsche Anti-Trump-Manie, die oft Züge von Anti-Amerikanismus aufweist (letzteres halte ich dem DF nicht vor!). Wenn schon Haltung gezeigt werden soll, dann bitte klug, ausgewogen, mit etwas Niveau und vernünftig: Zum Beispiel gegen die Mullahs im Iran, die seit Jahrzehnten die Zerstörung Israels als Staatsräson praktizieren, Frauen brutal unterwerfen, mit Terror-Proxies den Nahen und Mittleren Osten destabilisieren und Homosexuelle am Baukran aufhängen; gegen Putin, der zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg einen unfassbar brutalen Eroberungskrieg in Europa führt; gegen die HAMAS und die Hisbollah, die seit Ewigkeiten Israel mit Terrorismus überziehen; gegen China, das brutal gegen seine muslimische Minderheit vorgeht; gegen die Diktatur in Nicaragua und und und. Nur am Rande: Gegen all das ist Trump, den ich auch nicht besonders mag, vergleichsweise harmlos. Da muss man sich als DF schon entscheiden: Will man als professionelles Musikmagazin wahrgenommen werden, oder mehr als SAV-Schülerzeitung.
Ich lese nicht jeden Artikel im Heft. Meistens nur die Platten-Besprechungen (da ist übrigens zu viel Black Metal-Zeugs). Aber wenn ich doch mal etwas querlese, dann begegnet mir im Deaf Forever oft das Thema Trump. Vielleicht ist das Zufall, vielleicht auch nicht. Beim aktuellen Vorwort wurde ich etwas überreizt. Denn was da in diesem Kontext steht, hat eher weniger mit Haltung zu tun, vielmehr ist es substanzloses Gekrakel. Das könnt ihr doch viel besser.
Mit Blick auf die Beschädigung (und in Teilen schon stattfinde Zerstörung) von demokratischen Errungenschaften, völkerrechtlichen Standards, internationalen Institutionen und Kooperationen und so etwas wie einem moralischen Mininmalkonsens erachte ich die aktuelle Gefahr durch Trump und seine Leute tatsächlich für größer als die Gefahr, die von Putin, Iran oder Hamas ausgeht.
@Heft Nr. 65
Ich finde es spannend die beiden Interviews mit Kerem (Imha Tarikat) und Colin (Wytch Hazel) nebeneinander zu lesen. Sehr ähnliche Themen mit unterschiedlichen persönlichen Wendungen: Das Ringen mit Gott, das Empfinden der Verlassenheit, Depression - und dann einerseits bei Kerem die Abkehr und andererseits bei Colin die erneuerte Beziehung mit Gott. Finde ich sehr gut, beides in der Ausgabe so gefühlvoll, persönlich und ernsthaft lesen zu können.
