DEAF FOREVER - die sechsundsechzigste Ausgabe

Es juckt mir in den Fingern, einen vor Klischees (und Wahrheit) triefenden Text übers Erzgebirge zu verfassen, und zwar in exakt jener Tierlautsprache, die dort in so manchem Dorf gerülpst wird, aber das hat mit der aktuellen DF-Ausgabe nichts zu tun und gehört folglich in den "völkisch angehauchten Mundart-mit-Sauerkraut-Thread".
 
In Sachsen regieren seit 35 Jahren konservative rechtspopulistische Wendehälse, die stets auf einem sächsischen Exzeptionalismus beharrten und deren Chef früher behauptete, die Sachsen seien immun gegen Rechtsextremismus, und der von heute mit Querdenkern und Putin klüngelt. Derweil werden grüne Wahlhelfer im ganzen Bundesland so häufig zusammengeschlagen, dass es irgendwann keine Meldung mehr wert war. Als das führt dazu, dass die AfD in Umfragen mittlerweile auf Platz 1 steht, übrigens mit einer Rhetorik, die sowohl von ostdeutscher Homogenität ausgeht und nur dort differenziert, wo Feinde markiert werden (siehe zB die regelrechte Jagd auf die sorbische Minderheit in der Lausitz).

Den Vogtlandwahlkreis hat die AfD 2025 übrigens ebenso gewonnen, wie Vorpommern-Rügen (trotz massiver Förderung durch Merkel in ihrer Heimat). Aber ich bin sicher, daran sind irgendwie die Wessis schuld, die zu wenig differenzieren und böse Texte schreiben.
... nur zum besseren Verständnis: ich will hier nix relativieren oder gar verharmlosen (wo Du dann auch noch Schuldzuweisungen, und seien es nur implizite, herausgelesen zu haben magst, darf gerne Dein Geheimnis bleiben) - aber damit, daß man, aus welcher Motivation auch immer heraus, Klischees strapaziert und fahrlässig eine leider immer noch zu große (oder gar wachsende) Masse "Wessis"¹ ohne eigene Ostdeutschland²-Erfahrung in ihren stereotypen Vorstellungen bestätigt, trägt man nicht gerade zur Versachlichung der dringend zu intensivierenden Debatte über die bedenkliche Entwicklung nicht nur, aber speziell in Ostdeutschland² bei.
Emotionen helfen i.d.R. den Populisten mehr als den überzeugten Demokraten.

Und nur um das zu verdeutlichen: ich will hier keine Polit-Diskussion aufmachen, die möge man bei Interesse in den dafür vorgesehenen eigenständigen Threads führen.
Aber ich habe als Feedback zur aktuellen Ausgabe meinem Unbehagen über derartige Fahrlässigkeit verliehen, Feierabend.

Gruß

BFTD

¹aus der beliebten Reihe: Kackwörter, die schon lange auf den Müllhaufen der Geschichte gehören
²lies: Ostdeutschland, Süddeutschland, Westdeutschland, Norddeutschland ≠ Ostdeutschland ↔ Westdeutschland
 
Interessant. Francis Tobolsky antwortet auf eine Frage von Götz mit explizit (gesellschafts)politischem Inhalt, dass genau jene angesprochenen Klischees auf ihre (!) Familie zutreffen und hier wird gegeifert, weil sich irgendwer wieder in seiner Wohlfühlzone angegriffen fühlt. Die Richtung von Frage und Antwort sollten doch jedem ersichtlich sein, außer man hat ein Brett vor dem Kopf. Genau um solche gesellschaftlichen Implikationen, auch deswegen, weil Wucan textlich (teilweise) politisch sind, ging es doch, nicht um die Lobpreisung kultureller und gesellschaftlicher Meisterleistungen ostdeutscher Vergangenheit und Gegenwart.

Von der grundlegendenen Problematik wird durch Larmoyanz in vermeintlichen Stilfragen mal wieder abgelenkt.

Über so klare, direkte und ehrliche Musikerinnen wie Francis sollte man in der gesellschaftlichen Lage eigentlich froh sein.

In Zukunft: Am besten nur noch Interviews mit glattgebügeltem, nichtssagendem Geseier, damit niemand sich angegriffen fühlt.
 
... nur zum besseren Verständnis: ich will hier nix relativieren oder gar verharmlosen (wo Du dann auch noch Schuldzuweisungen, und seien es nur implizite, herausgelesen zu haben magst, darf gerne Dein Geheimnis bleiben) - aber damit, daß man, aus welcher Motivation auch immer heraus, Klischees strapaziert und fahrlässig eine leider immer noch zu große (oder gar wachsende) Masse "Wessis"¹ ohne eigene Ostdeutschland²-Erfahrung in ihren stereotypen Vorstellungen bestätigt, trägt man nicht gerade zur Versachlichung der dringend zu intensivierenden Debatte über die bedenkliche Entwicklung nicht nur, aber speziell in Ostdeutschland² bei.
Emotionen helfen i.d.R. den Populisten mehr als den überzeugten Demokraten.
Halt auch typisch, dass man erst einen halben inhaltlichen Einwand bringt, dann sagt, man sei falsch verstanden wurden und damit auf die Meta-Ebene wechselt, und dann das Gespräch beendet. Sag halt, was du gemeint hast? Ein Hinweis auf die Stärke der Nazis und den Rassismus in großen Teilen der ostdeutschen Teilgesellschaft meinerseits ist Versachlichung. Der Hinweis auf fehlende "Ostdeutschland-Erfahrung", die auf mich oder Fran halt einfach nicht zutrifft (oder auf Michael Lühmann, Patrice Poutrus, Ilko Kowalczuk oder Raj Kollmorgen, falls du lesen magst), ist hingegen vernebelnder identitärer Unfug. "Differenzierung" kann man derweil immer fordern, sie macht jedoch ab einem gewissen Punkt Kommunikation unmöglich.

Eigentlich finde ich es auch einfach unverschämt, jemandem in sein Urteil über die eigene Familie und deren Vorurteile reinreden zu wollen. Wenn Fran sagt, ihre Familie erfüllt alle ostdeutschen Klischees, können eigentlich nur andere Familien-Mitglieder widersprechen. Wer hier Sprache policen will, glaubt wohl selbst ans schützenswerte ostdeutsche Kollektiv.
"Wessis"¹ ohne eigene Ostdeutschland²-Erfahrung in ihren stereotypen Vorstellungen bestätigt
Wucan sollte einen Song "Nestbeschmutzer" nennen.
 
1.
[...] falls du lesen magst0 [...]
... lesen bildet, stimmt:
[...] phonetisch unweigerlich als solcher identifizierbarer Altbayer [...]

[...] glaubt wohl selbst ans schützenswerte ostdeutsche Kollektiv [...]

2.
[...] vernebelnder identitärer Unfug. [...]
"Identitär"? Magst Du nicht erstmal eine Runde um den Block drehen, bevor Du anderen Menschen so etwas unterstellst? Junge, Junge.

/btt

BTFD
 
"Identitär"? Magst Du nicht erstmal eine Runde um den Block drehen, bevor Du anderen Menschen so etwas unterstellst? Junge, Junge.
Also ich habe niemanden irgendwas unterstellt, sondern eine Aussage als "identitär" bezeichnet, insofern, dass sie auf Identitäten bezogen war: https://www.duden.de/rechtschreibung/identitaer Da kannste mit Fußnoten rumwedeln oder 25 Zitatschnipsel bringen, ein genaueres Lesen wäre dennoch angebracht. So, das war jetzt mein einziges meta-kommunikatives Statement, ich werde dahin nicht folgen.
 
Also ich habe niemanden irgendwas unterstellt, sondern eine Aussage als "identitär" bezeichnet, insofern,
... wenn Du meinen Beitrag zitierst und dann von "vernebelnder identitärer Unfug" sprichst, dann brauchst Du hinterher nicht auszulegen versuchen, wie Du das gemeint haben willst, oder auf wen das gemünzt gewesen sein soll, denn es spricht für sich, zumal Du ja nun augenscheinlich kein Internet-Newbie bist ;)

[...] ein genaueres Lesen wäre dennoch angebracht. [...]
... ein Wort aus berufenem Munde. Ich fass es nochmal für Dich zusammen: ich (Bayer) habe weder Dir noch der Sängerin von Wucan noch irgendeiner anderen Einzelperson unterstellt, nicht genug über die östlich gelegenen Bundesländer zu wissen und sich deswegen kein differenziertes Urteil gebildet haben zu können.
Geschweige denn, daß ich mir angemaßt hätte, die Aussagen der Musikerin bzgl. ihrer eigene Verwandtschaft anzweifeln zu wollen.
Was ich geschrieben habe, war, daß plakative (im Sinne von nicht entsprechend eingeordnete) Äusserungen Wasser auf die Mühlen anderer, den östlich gelegenen Bundesländern gegenüber mit Vorurteilen behafteter Menschen sind; und das trägt im Ergebnis, zusammen mit vielen anderen Problemen und Problemchen, ob nun eingebildete oder tatsächliche- zur Spaltung der Gesellschaft bei (deren fatale Auswirkungen Dich ja offensichtlich nicht minder beunruhigen wie mich).

Wenn bestimmte Schlüsselbegriffe bei Dir sofort den verbalen Beißreflex aktivieren, den jede:r überzeugte Demokrat:in ja grundsätzlich haben sollte, dann nimm Dir doch trotzdem die Zeit, den betreffenden Beitrag vollständig zu lesen - beim geschriebenen Wort hat man diesen Luxus wenigstens. Denn, wie weiter oben bereit geschrieben: von Emotionen profitieren i.d.R. die Populisten - und das ist ja sichtlich nicht Deine Intention.

/btt

BFTD
 
... wenn Du meinen Beitrag zitierst und dann von "vernebelnder identitärer Unfug" sprichst, dann brauchst Du hinterher nicht auszulegen versuchen, wie Du das gemeint haben willst, oder auf wen das gemünzt gewesen sein soll, denn es spricht für sich, zumal Du ja nun augenscheinlich kein Internet-Newbie bist ;)


... ein Wort aus berufenem Munde. Ich fass es nochmal für Dich zusammen: ich (Bayer) habe weder Dir noch der Sängerin von Wucan noch irgendeiner anderen Einzelperson unterstellt, nicht genug über die östlich gelegenen Bundesländer zu wissen und sich deswegen kein differenziertes Urteil gebildet haben zu können.
Geschweige denn, daß ich mir angemaßt hätte, die Aussagen der Musikerin bzgl. ihrer eigene Verwandtschaft anzweifeln zu wollen.
Was ich geschrieben habe, war, daß plakative (im Sinne von nicht entsprechend eingeordnete) Äusserungen Wasser auf die Mühlen anderer, den östlich gelegenen Bundesländern gegenüber mit Vorurteilen behafteter Menschen sind; und das trägt im Ergebnis, zusammen mit vielen anderen Problemen und Problemchen, ob nun eingebildete oder tatsächliche- zur Spaltung der Gesellschaft bei (deren fatale Auswirkungen Dich ja offensichtlich nicht minder beunruhigen wie mich).

Wenn bestimmte Schlüsselbegriffe bei Dir sofort den verbalen Beißreflex aktivieren, den jede:r überzeugte Demokrat:in ja grundsätzlich haben sollte, dann nimm Dir doch trotzdem die Zeit, den betreffenden Beitrag vollständig zu lesen - beim geschriebenen Wort hat man diesen Luxus wenigstens. Denn, wie weiter oben bereit geschrieben: von Emotionen profitieren i.d.R. die Populisten - und das ist ja sichtlich nicht Deine Intention.

/btt

BFTD
Leute, nehmt euch ein Zimmer
 
Bitte , die Welt ist schon politisch genug , könnt ihr nicht wenigstens hier im df Magazin über unsere Musik diskutieren ,ehrlich ich hab über Politik die nase voll - wenn ihr schon darüber euren Senf dazugeben müsst , dann macht eine eigene Überschrift auf , denn nicht jeder ist an Politik so unbedingt interessiert!

Weit wichtiger wäre mir wo ich endlich die Motörhead BBQ Sauce erhalten kann ??? :jubel:
 
Weit wichtiger wäre mir wo ich endlich die Motörhead BBQ Sauce erhalten kann ??? :jubel:
Hatte es an anderer Stelle schon gelesen. Ich hab gestern sogar im Rewe geschaut, da stand sie vor ein paar Wochen mal in nem Aufsteller. Nicht mehr da.

Im Netto hatte ich sie auch letztens gesehen. Wenn ich noch welche finde, kauf ich alle auf und versende sie. :D
 
Bitte , die Welt ist schon politisch genug , könnt ihr nicht wenigstens hier im df Magazin über unsere Musik diskutieren ,ehrlich ich hab über Politik die nase voll - wenn ihr schon darüber euren Senf dazugeben müsst , dann macht eine eigene Überschrift auf , denn nicht jeder ist an Politik so unbedingt interessiert!

Weit wichtiger wäre mir wo ich endlich die Motörhead BBQ Sauce erhalten kann ??? :jubel:
Schau mal in den Polit-Thread. Da sind alle Verkaufstellen der Motörhead Sauce gelistet.
 
Hatte es an anderer Stelle schon gelesen. Ich hab gestern sogar im Rewe geschaut, da stand sie vor ein paar Wochen mal in nem Aufsteller. Nicht mehr da.

Im Netto hatte ich sie auch letztens gesehen. Wenn ich noch welche finde, kauf ich alle auf und versende sie. :D
Super ich würde drei bis vier nehmen :top::top:
Hatte es an anderer Stelle schon gelesen. Ich hab gestern sogar im Rewe geschaut, da stand sie vor ein paar Wochen mal in nem Aufsteller. Nicht mehr da.

Im Netto hatte ich sie auch letztens gesehen. Wenn ich noch welche finde, kauf ich alle auf und versende sie. :D
Super wenn du welche bekommst ich würde 3 bis 4 nehmen
 
Bitte , die Welt ist schon politisch genug , könnt ihr nicht wenigstens hier im df Magazin über unsere Musik diskutieren ,ehrlich ich hab über Politik die nase voll - wenn ihr schon darüber euren Senf dazugeben müsst , dann macht eine eigene Überschrift auf , denn nicht jeder ist an Politik so unbedingt interessiert!

Ich verstehe das Bedürfnis danach, nicht überall mit dem Tagesgeschehen konfrontiert zu werden und zweifelsfrei ist Musik für viele hier auch mit Eskapismus verbunden, ein Ort der Erholung von all der Scheiße.
Aber genau diese Übermüdung, die irgendwann zu Gleichgültigkeit führt, gehört zur Strategie derer, die Demokratie, Umwelt/Klima oder den gesellschaftlichen Zusammenhalt für ihre eigenen Zwecke opfern würden.
Abschalten muss jedem möglich sein, aber genauso wichtig ist es, heute mehr noch als vor 10 Jahren, nicht locker zu lassen. Denn viele dieser Dinge, die uns noch selbstverständlich vorkommen, erhalten wir womöglich nicht mehr zurück, wenn sie einmal weg sind. Gerade weil mir Musik so wichtig ist, finde ich es richtig, dass sie Probleme anspricht und, sich einmischt. Aus meiner Sicht muss man das aushalten, eine politikfreie Welt gibt es nicht. Nicht selten werde ich selbst erst wieder im Zusammenhang mit Musik (z.B. hier im Forum) daran erinnert, für welche Werte es sich lohnt einzutreten.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich verstehe das Bedürfnis danach, nicht überall mit dem Tagesgeschehen konfrontiert zu werden und zweifelsfrei ist Musik für viele hier auch mit Eskapismus verbunden, ein Ort der Erholung von all der Scheiße.
Aber genau diese Übermüdung, die irgendwann zu Gleichgültigkeit führt, gehört zur Strategie derer, die Demokratie, Umwelt/Klima oder den gesellschaftlichen Zusammenhalt für ihre eigenen Zwecke opfern würden.
Abschalten muss jedem möglich sein, aber genauso wichtig ist es, heute mehr noch als vor 10 Jahren, nicht locker zu lassen. Denn viele dieser Dinge, die uns noch selbstverständlich vorkommen, erhalten wir womöglich nicht mehr zurück, wenn sie einmal weg sind. Gerade weil mir Musik so wichtig ist, finde ich es richtig, dass sie Probleme anspricht und, sich einmischt. Aus meiner Sicht muss man das aushalten, eine politikfreie Welt gibt es nicht. Nicht selten werde ich selbst erst wieder im Zusammenhang mit Musik (z.B. hier im Forum) daran erinnert, für welche Werte es sich lohnt einzutreten.
Alles richtig, aber dafür haben wir einen eigenen Thread!
 
Alles richtig, aber dafür haben wir einen eigenen Thread!

Kommt darauf an, wie man den Appell von @Jürgen67 interpretiert.
könnt ihr nicht wenigstens hier im df Magazin über unsere Musik diskutieren
  • Wird der Osten medial zu unrecht an den Pranger gestellt? Seh ich klar im Politik-Thread
  • Sollte das DF als Heft politische Themen ansprechen? Hier drin aus meiner Sicht richtig (und so hab ich den Beitrag aufgefasst)
Ich habs nochmal durchgelesen und man kann es tatsächlich auch so lesen, dass er meint, dass hier im Thread (Magazin=Unterforum, nicht Magazin=Heft) keine Grundsatzdiskussionen ausgetragen werden sollen.
 
Zuletzt bearbeitet:
Zurück
Oben Unten