Da ich gerade im "depperte Musiker" Thread war...
@dieLachsschaumspeise da wäre ich an deinen Ausführungen zu Aliens interessiert.
Ehrlich gesagt hab ich mir da nie Gedanken drum gemacht und ich muss auch ehrlich sagen, dass es vermutlich keinen Einfluss auf meine Verehrung
für den Film hat aber aus Interesse würde ich das schon ganz gerne hören.
'Tschuldigung erstmal, wenn ich mich hier (jedenfalls für
meine Verhältnisse) doch eher kurz fassen werde... Wie drüben schon erwähnt, werde ich das Alles hier und jetzt nicht in Gänze ausführen können, und will es auch gar nicht (da ebendas einer IHMO arg verkürzenden und versimplifizierenden Denkfigur gleichkäme). Aber kurz gesprochen, ist selbstschreibend jeder Film in gewisser Weise auch ein Kind seiner Zeit. Wenn wir also den ersten
"A L I E N" von 1979 als Genrefilm gewordene Antwort auf, und Interpretation / Verarbeitung der Sexuellen Revolution(en) und Geschlechterkampf-Diskurse um selbstbestimmte Teilhabe, Gleichberechtigung und Egalität der 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts ansehen, und verstehen können (siehe dazu bei Interesse sonst auch meine
hier (<---- Link / Klick' mich!) und in den beiden darauf nachfolgenden
posts zu findende Besprechung / Analyse des Films), dann ist Camerons gute sieben Jahre später erschienener
"A L I E N S" meiner Meinung nach sowohl als Beitrag zu den damals gerade in den U.S.A. ausgefochtenen
Sex Wars (<--- Link / Klick' mich!, wobei ich die Engführung dieser gesamtgesellschaftlichen Konflikte und Auseinandersetzungen auf eine Feminismus-interne Debatte im englischsprachigen wikipedia-Eintrag als zu kurz gegriffen, und nicht zu Ende gedacht auffasse, und argumentieren würde, dass sich ebendiese
"Sex Wars" tatsächlich auf ein viel viel grösseres, weitreichenderes und bedeutend mehr Anteile der damaligen U.S.-Gesellschaft umfassenderes Feld erstreckten), als auch als Kommentar zu einer (nicht nur in fiktiven kulturellen Kontexten stattgefunden habenden) zunehmenden Militarisierung weiter Teile der zeitgenössichen Mitt-1980er-U.S.-Gesellschaft, und Bevölkerung, lesbasr, und verstehbar. Zudem griff der Film auch - ob nun bewusst, oder unterbewusst, ob nun intendiert, oder eher "zufällig" - diverse Denkmuster und diskursive Stereotype der
Reaganomics (<--- Link / Klick' mich!) auf, und interpretierte sie im Kontext des filmischen Narrativs... Die (behauptete und angebliche) Bedrohung der patriarchal geprägten, heterosexuellen weissen
W.A.S.P.-Kernfamilie, und damit der dieser zugeschriebenen moralkonservativen Werte (ein Topos, den Cameron schon im zwei Jahre zuvor veröffentlichten
„The Terminator“ (<--- Link / Klick' mich! zu meinem Film-
review) zum Kernthema eines Genrefilms gemacht hatte, und zu dem er bis heute in (un-)regelmässigen Abständen zurückkehrt) durch allerlei (rassialisierte, und nicht-heterosexuelle) Minoritäten, die Rolle(-nzuschreibung) der Frau als Mutter, das Trauma des verlorenen (und doch gewonnenen) Vietnam-Kriegs, ja sogar Kalter Kriegs-Metaphern lassen sich in
"A L I E N S" finden. Und während in
"A L I E N" alle Geschlechter- und Körper-Politiken durch die Figur des ausserirdischen Eindringlings, welcher ja quasi
"gender trouble" auf zwei Beinen war, verkompliziert, und ad absurdum geführt wurden (gipfelnd in der legendären
"Chestburster" dinner table scene, in welcher der Mann gebären muss, aber erst einmal eine dafür passende Körperöffnung neu geschaffen werden muss), da wirft Cameron in
"A L I E N S" dann das Geburts- und Gebärenmüssen-Trauma wieder nahezu allein, und beinahe ausschliesslich auf den weiblichen Körper zurück. All das macht den Film somit zum - rein vom ideologischen Aspekt her gesehen - mit weitem Abstand reaktionärsten, Liberalismus-feindlichsten, und rechtskonservativ aufgeladensten Eintrag in die Reihe, und die gesamte
franchise. Und dadurch zwar nicht notwendiger Weise auch automatisch zu einem "schlechten" Film (denn inszenatorisch, und von der Dramaturgie, der Kamera-Arbeit und den blossen Schauwerten her, ist das hier (nach dem selbstschreibend auch hier unerreicht bleibenden ersten
"A L I E N") sicherlich der zweitbeste Film der vier
franchise-Einträge (denn der saublöde
"Prometheus", der murksige
"A L I E N: Covenant", und der IMHO vollkommen misslungene
„A L I E N: Romulus“ (<---- Link / Klick' mich! zu meinem drüben im f3a-net verfassten
review dieser filmischen Total-Katastrophe) finden in meinem persönlichen "A L I E N"-Universum halt nicht statt - wohl aber das tolle
"A L I E N: Isolation", aber das ist dann ja doch nochmal ein ganz anderes Medium)) - aber doch zu einem nicht ganz unproblematischen, und mit allerlei Konfiliktpotential behafteten. Zumal in einer Filmreihe, die sich ja zuvordest und in allererster Linie mit Sexual- und Geschlechterpolitiken, deren Einschreibung in und durch die Körper hindurch, und den damit verbundenen Problemstellungen auseinander setzt. Weshalb Camerons
"A L I E N S" in meiner persönlichen Gunst auch ganz weit unten steht, was die vier Filme der Reihe anbelangt (auf dem zweiten Platz übrigens der ja oft und vielgescholtene, IMHO aber grandiose und hoch zufrieden stellende Abschluss der Reihe, nämlich
"A L I E N: Resurrection"). Für mehr und vertiefende Ausführungen und Einlassungen muss ich Dich,
@Noisenberg ,
@Fallen Idol 666 und alle anderen eventuell Interessierten vorerst dann aber auf mein hoffentlich in Bälde abgetipptes, vollständig-erschöpfendes, und eeeendlos laaaaaanges Komplett-
review vertrösten.
Ach so: Und nein, im Kino ist der derzeit leider nicht zu sehen. Meine letzte Kinosichtung war ein
double feature zusammen mit der (IMHO bedeutend besseren als der Alternativ-Cut, und von mir präferierten) Kino-Fassung des ersten
"A L I E N" (tatsächlich das erste und leider bislang auch einzige Mal, dass ich den ersten
"A L I E N" in der Original-Fassung im Kino gesehen habe (die drei oder vier Mal Alternativ-Schnittfassung zählen für mich nicht, da in meinen Augen eine weitaus schlechtere Fassung, als die ursprüngliche)), einige Jahre vor CoViD19. Hab' wie sonst auch die Fassung(en) aus der "A L I E N Quadrilogy"-Box geschaut, die sind für meine Zwecke schon optimal.