Ich will gespoilert werden.
Und für den Rest kann man sich ja auf die anderen beiden Threads beschränken. Es ist aber ein allgemeines Problem dieses Forums geworden, das zu einzelnen Themen immer mehr Threads erscheinen, und manchen sich innerhalb Threads noch nicht mal mehr die Mühe machen mal 1 oder 2 Seiten zurückzuschauen ob etwas schon gepostet wurde. Aber damit gehe ich jetzt auch schon wieder OT. Also wenn du was zur neuen Platte sagen kannst, leg los.
Also, dann sag ich einfach mal, dass die Songs inzwischen gut 30-40 Mal gelaufen sind, und dass ich wirklich sehr, sehr viel Spaß an dem Ding habe. Spötter werden sagen, dass ich den an der neuen Omen auch habe, aber das ist anders, denn bei der Omen merke ich wirklich gravierende Mängel, die mich nur nicht so stören, dass sie mir die Freude über das Album verderben würden.
Die RW läuft mir einfach super rein, ohne irgendwelche harten Bewährungsproben. Geschmeidig, in mancherlei Hinsicht vielleicht ein wenig unauffällig, aber von Anfang an stimmig und für meine offenbar nicht allzu empfindlichen Ohren auch in Sachen Sound ziemlich überzeugend. Kein Brechersound, aber doch ein gutes Stück weit kantiger und druckvoller als die letzten Scheiben. Erinnert mich etwas an die letzte Saxon, allerdings vielleicht nicht ganz so voluminös und drückend. Wie die ganzen Sound-Koryphäen des Hauses so auf die Produktion und den Drumsound reagieren werden, kann ich nicht beurteilen. Mir taugt er, auch wenn ich das vermutlich wieder falsch höre.
In Sachen Songs empfinde ich das Album zweigeteilt, aber nicht in eine "gute" und eine "schlechte" Hälfte, sondern in eine Hälfte mit "gutem Standard" und eine Hälfte mit spannenden und teils sogar grandiosen Songs. Die erste Hälfte ist die mit den guten Standards; zwei fetzige Midtempo-Banger im klassischen, typischen, melodisch-riffenden RW-Stil; einen Accept-lastigen Teutonen-Stampfer, der auch gut auf "Masquerade" gepasst hätte, und dann der typisch piratige und im Tempo angezogene Titelsong mit den typisch fröhlichen Shanty-Leadgitarren, und abschließend die pathetische, durchaus etwas kitschige Stadionrockhymne mit Dudelsack-Einschub und Mitsingchorus bis zum Abwinken, mit der Rolf einmal mehr seinem aktuellen THE SWEET-Faible zu huldigen scheint, und die auch auf den Schattenmacher gepasst hätte, die ich aber trotzdem geil finde, weil hier einfach alles stimmiger ist als vor 5 Jahren.
Dann halbiert ein sehr unscheinbares aber hübsches Instrumental mit nautischem Feeling die Scheibe und es kommt die zweite Hälfte, die für mich die Hits der Scheibe parat hält. Das sehr schnelle, piratentypische 'Black Bart' ist mit seinem explosiven Chorus für mich einer der besten RW-Tracks seit 1995, ebenso das rifflastige, headbangende 'Hellestrified' mit einigen sehr coolen rock'n'rolligen Lead-Einsprengseln und wirklich heavy angelegtem Riffing, und das von der Stimmung her sehr dunkle, bedrohliche im Tempo getragenere 'Blood Moon Rising', das an "Blazon Stone"-Zeiten angelehnte, schnelle, erneut mit sehr fröhlicher Leadmelodie ausgestattete 'Into The West' und der finale 11-Minuten-Epic, der trotz seiner Länge eben auch inhaltlich und lyrisch den Stoff mitbringt, mit dem man einen solchen Song füllen kann. Er erzählt die Story vom letzten Mohikaner sehr eindringlich und nachvollziehbar, so dass er für mich möglicherweise der zweitbeste RW-Longtrack nach 'Treasure Island' ist, auf jeden Fall aber der drittbeste nach 'Treasure Island' und 'Genesis'. Wo 'Bloody Island' vom Vorgänger zwar musikalisch schon sehr stark war, aber noch an zu vielen Wiederholungen der Lyrics und einer sehr dünnen Story krankte, da ist 'Last of the Mohican' in all diesen Punkten nochmal viel, viel besser.
Klar, vieles ist schon noch schematisch, und alles ist 100% typisch RW. Aber es wird eh keiner erwartet haben, dass Rolf sich neu erfindet. Ich hab bei "Rapid Foray" aber trotzdem das Gefühl, dass Rolf zum einen wieder mehr Spaß am Schreiben und Musizieren hat, denn das Album wirkt einfach spritziger, bissiger und vor allem auch kompositorisch viel sorgfältiger ausgearbeitet als die Vorgänger. Und zum anderen hab ich tatsächlich den Eindruck, dass er sich ein bisschen an den Wünschen der Fans orientiert hat und gemerkt hat, dass er nach "Shadowmaker" mit "Resilient" auf die richtige Fährte kam, und das ausgebaut hat.