Das empfinde ich tatsächlich ein wenig anders, und ich beziehe die Sodom-Trademarks gerade nicht auf das Thrash-Element, sondern auf genau das, was ich aufgezählt habe, und was meines Erachtens eben schon und gerade in der Demo-, EP- und Debüt-Phase vorhanden war, und nicht originär aus dem Slayer-Kosmos kommt, sondern von britischen Truppen wie Venom, Motörhead und Tank. Sodom war in meinen Ohren von Anfang an rock'n'rolliger, basischer, punkiger, rumpeliger als Slayer, und ich meine auch nicht, dass die Band diesen Ansatz auf "Persecution Mania" (läuft gerade) oder "Agent Orange" verloren hätte. Man covert ja in der klassischen Phase sogar 'Iron Fist', 'Don't Walk Away' und 'Cold Sweat', später auch diverse Venom-Songs. Klar, da wurde es kontrollierter, thrashiger, und gerade bei den Soli hört man merklich den Slayer-Einfluss, trotzdem empfinde ich auch diese Scheiben durch die besagten Einflüsse nicht allzu Slayer-lastig. Das ist mir zum ersten Mal bei "Code Red" in einer Weise aufgefallen, die ich problematisch fand, weil ich darin teilweise mehr Slayer fand als altbritischen Proto-Black-Punk'n'Roll.
Das ist jetzt aber alles unheimlich weit weg von "null abkönnen", denn ich würde keiner einzigen Sodom-Scheibe weniger als 8 Punkte geben. Finde nur einfach im Sodom-Kontext eine geringere Nähe zu Slayer angenehmer, weil ich Sodom in der Grundlage einfach mehr mit rock'n'rolligem, punkigem, räudigem Proto-Black-Metal zusammenbringe als mit dem No-Holds-Barred-Slayer-Thrash. Dass Slayer teils die selben Wurzeln hat ist mir ebenso klar, wie dass natürlich später (also nach 1984/1985) auch Slayer ein Einfluss auf Sodom war, ohne den die Hochphase der Band anders geklungen hätte. Der Einfluss war aber auch nie ein Problem, sondern Gold wert. Die besten Sodom-Werke sind für mich einfach die bei denen das Pendel etwas mehr gen räudige Black'n'Roll-Roots ausschlägt als gen technischeren Thrash. Das war auch schon alles.