Aus meiner Sicht schade, denn der Abend war aus meiner Sicht rundherum gelungen.
Die Hamburger Messticator begannen pünktlich gegen 19.00 Uhr und zeigten 30 Minuten lang, in welche Richtung es an diesem Abend gehen würde. Angetrieben von einem unaufgeregt wirkenden aber ungemein flinken und kreativen Drummer, der die Band ordentlich nach vorne drückte, boten die drei guten und abwechslungsreichen Death Metal, der teilweise mit schönen Thrash-Riffs und (sparsam eingesetzt) "modernem" Groove-Elementen. Der Gitarrist war im Riff- und Solospiel gut und der Bass stopfte alle Lücken zu. Zudem waren die beiden vorne am Bühnenrand ständig in Bewegung, so dass die Zeit wie im Flug verging. Schön auch, dass der Gitarrist ein Warbringer-Shirt trug, denn dadurch wurde die Inspiration für ihr Logo-"M" deutlich (siehe das Warbringer-"W" im Bandlogo).
Nach nur 10 Minuten Umbaupause kamen Fall Of Serenity für ihre 35 Minuten zum Zug. Auch die Fünf boten einen guten Auftritt, der v.a. vom Spiel der beiden Gitarristen geprägt wurde. Wunderbar fand ich die Parts, in denen so leicht Sólstafir-artige Post-Riffs eingestreut wurden, aber auch die klassische Riff- und Soloarbeit boten die beiden toll dar. Trotzdem fand ich den Auftritt etwas weniger gelungen als den von Messticator, weil ich hier a) den Drummer schwächer fand (im vergleich zu oft im Midtempo dahinklöppelnd) und b) der Sänger an meinem Platz ganz vorne praktisch nicht hörbar war. Leider ist das eine ziemliche Schwäche in Halle und Club des Backstage, die immer dann auftritt, wenn eine Band ohne Monitorsound (also mit In-Ears) spielt. Trotzdem ernteten die Fünf gute eine Resonanzen, die sie sich durch ihr sympathisches Auftreten aber auch verdient hatten.
In der folgenden gut 15 Minuten langen Umbaupause (bis 20.33 Uhr) wurde es vor der Bühne deutlich voller. Auf Kvaen hatten offenbar viele Leute gewartet - und das auch vollkommen zurecht. Die 50 Minuten waren eine einzige Demonstration von Black-Death-Spielkunst bei wunderbar klarem Sound (lediglich ein leichter Anflug von Trigger-Klacker in der Bassdrum nervte bei einzelnen Passagen). Entsprechend abgefeiert wurde der heimliche Headliner - und das absolut verdient -, so dass in den grimmig geschminkten Gesichtern immer wieder ein Anflug von Lächeln zu erkennen war. Speziell das Doppel aus Formless fires und The funeral pyre (Songs 5&6 von 8) brachte die Halle zum Kochen. Beide Daumen hoch, das war ein ganz toller Auftritt!
Wer aber glaubte, den Stimmungshöhepunkt mit den Schweden erlebt zu haben, der wurde ab 21.43 Uhr eines Besseren belehrt. Denn die geschätzt 250 Anwesenden drehten während der folgenden 75 Minuten die Stimmungsschraube konsequent nach oben. Und obwohl ich die neue Platte bisher nicht so toll finde, fügten sich auch die neuen Songs gut ein und zeigten, dass sich die Musik der Band in der Live-Situation gar nicht so stark verändert hat, wie ich das auf den letzten beiden Alben wahrnehme. Es bleibt harter Death Metal, der durch Fabians wunderschöne Gitarrenmelodien stilvoll ausgekleidet wird. Und diese finden sich in den alten Stücken genauso - vielleicht dort nur etwas weniger aufdringlich. Von den neuen Stücken fand ich vor allem das auf Platte für mich bisher eher unscheinbare Titelstück Veins of fire beeindruckend, das im Zugabeteil brutal knallte. Ansonsten war die Band verdammt gut drauf und verbreitete absolute Spielfreude.
Nur die fünf Saiten auf dem Bass: Hey, da hätten es in bester D-A-D-Manier auch zwei getan. Wobei dann eine immer noch ungenutzt geblieben wäre.