Gefühlt ist das bei uns sehr oft ein Ausflug von Teenagern (Road Trip...). Ich hatte jüngere Ex-Bands, bei denen Reisen etc. dagegen konservativ wirkten...
Gelassenheit...macht einen Profi aus, finde ich. Ich darf mich als Solcher nicht bezeichnen, da ich den finalen Schritt nie gemacht habe und nach wie vor arbeiten gehe, allerdings bewusst und gerne, dafür halt nur halbtags. Würde ich das nicht mehr tun und das mit Schlagzeugunterricht + mehr Studiojobs finanziell auffangen, dann wäre ich Profi per Begriffsdefinition. Sorry, diesen Eingang brauchte es zwecks Erklärung, da der Begriff Profi immer mit "Können" in einen Topf geworfen wird. Fakt ist aber, dass in der Musik jemand NUR DANN ein Profi ist, wenn er nichts Anderes macht. Da ich im Berufsleben Musik (ein- und) verkaufe, bin ich also ein Dreiviertelprofi *lol*. Ein Profi hat aber auch Erfahrung in dem was er macht, sonst ist er nur ein Neueinsteiger, der erst (trotz meiner vorherigen Definition) zum "richtigen" Profi wird.
Gelassenheit hat verschiedene Dimension. Wenn mir heute bei einem großen Gig während einen Song das Standtom zusammenbricht oder ein Beckenständer samt Cmybal nach vorne ins Kit fällt, dann drehe ich nicht mehr durch und habe auch nicht mehr den Drang, den Song vorzeitig zu beenden. Wir haben bei Manilla Road und Trance den Kodex: Egal was passiert, der Song wird zu Ende gespielt. Auf diversen Touren war das dann mal Open The Gates ohne Bass (da der Amp abgeraucht war) oder Flaming Metal System gegen Ende ohne Gitarre, weil der Amp von der Box gefallen ist. Vor 20 Jahren wäre ich jeweils "gestorben", heute amüsiert es mich während es gerade so passiert. Diese Art von Gelassenheit ist wichtig und erleichtert das Musikerleben ungemein. Wenn ich heute verkrampft handelnde Newcomer sehe, dann tun die mir echt leid. Mir ist es auch völlig egal, ob ich auf die Bühne des Bang Your Head gehe oder auf die in einem kleinen Club. Diese Gelassenheit ist Gold wert und die kam bei erst mit den Jahren.
Mein gesamtes Drumming ist auf Gelassenheit aufgebaut, da ich nie übe. Ich bin einfach überzeugt, dass es sowieso klappt...und so ist es dann auch immer. Wir haben heute vier neue alte Trance-Songs geprobt, die ich noch nie gespielt habe. Mein Üben war, mir die Songs dann auf der Fahrt in die Probe (45 Minuten) anzuhören. Das war´s und es war dann bis auf ein Ende fehlerfrei von mir. Diese Gelassenheit kommt mir zu Gute, denn anstatt zuhause wie bekloppt den Kram zu pauken, entspanne ich lieber...
Die dritte Roxxcalibur CD ist Gelassenheit pur. Ohne Proben live eingespielt bis auf den Gesang, der per Overdubs mit den Solis gemacht wurde.
Mit einer Portion Gelassenheit hat man als Musiker viel mehr Reserven, die man einsetzen kann. Ohne diese Gelassenheit ist man eher gestresst und das wirkt sich auf die Qualität aus. Das Alles ist auch einer von mehreren Gründen, warum ich auch in einer Zeit nach Manilla Road und Trance keine Lust auf Musiker unter 40 habe (es gibt aber noch wichtigere, andere musikalische Gründe dafür).
Gelassenheit in Form von "Dienst nach Vorschrift" (hatten wir ja bereits als Thema), ist für mich als Fan fatal!! Wenn das Feuer bei einer Band fehlt oder nachlässt, dann sollte man es sein lassen. Sowohl bei Manilla Road, als auch bei Trance ist der Spaß an der Sache der Hauptantrieb von allen Beteiligten. Bei Trance kommt noch kein Geld rein, da die Produktion teuer war und erstmalig Merch etc. gemacht wurde. Es gibt also keinen Grund ausser der Liebe zu Musik, diese Band zu betreiben. Alle sind berufstätig und
müssen das nicht tun. Bei Manilla Road ist alles noch viel extremer, denn Mark ist Musik auf zwei Beinen. Und die muss raus, sonst würde er einfach platzen. Man muss ihn gut kennen und mit ihm zusammenarbeiten um das zu verstehen. Von seinem Lebenswandel und musikalischem Anspruch ist er einfach Eines: Ein Künstler. Und es war zu verschiedenen Zeiten so gut wie brotlose Kunst. Dass ein fast 60jähriger so lebt und so agiert, ist der Beweis, dass es hier keine Gelassenheit beim künstlerischen Output gibt, auch kein "Dienst nach Vorschrift". Es wäre ein Leichtes, eine kommerziell klingende MR-Platte zu machen, aufgenommen mit modernen Sound in einem externen Studio samt Produzent. Auch wenn wir hinsichtlich Sound beim nächsten Mal eine kleine Schippe draufpacken wollen, ist sowas komplett ausgeschlossen. Letztendlich ist seine Prämisse, dass ihm bzw. uns ein neues Album gefallen muss. Klingt wie eine Floskel, ist aber bei MR Realität. Und nur so sollte es auch funktionieren, denn sonst würde man Popmusik machen, die ja auf Zielgruppen zugeschnitten und produziert wird. Und da wären wir auch wieder bei den von mir so heiß "geliebten" Metalbands, deren Songs sich nach "HM aus dem Baukasten" anhören. Ist beim ersten Hören cool, verblasst aber sofort danach und wird schlecht wie ein alter Joghurt. Das ist dann auch künstlerisch nicht "gelassen", um das wieder aufzugreifen. Ich stelle mir Zielgruppenbauchpinseln furchtbar anstrengend und unbefriedigend vor. Und ich weiss, dass es so ist, denn ich war auch schon bei solchen Bands, wenn auch als bezahlter Mucker...