CANNIBAL CORPSE / BLACK DAHLIA MURDER / NO RETURN, 25.02.2018, Im Wizemann, Stuttgart
Leider habe ich NO RETURN sehr knapp verpasst, was sehr schade war, denn wie ich gehört habe, sollen sie ganz ordentlich gewesen sein. Bin immer noch traurig, schnüffz.
So kam ich denn leider pünktlich zu BLACK DAHLIA MURDER an und sie haben es souverän geschafft, meine niedrigen Erwartungen an sie zu unterbieten. Was macht eine Band, die nichts kann, im Vorprogramm von CANNIBAL CORPSE? Warum existieren sie überhaupt? Und welcher Taube gibt einer solchen Band einen Plattenvertrag? Wie schlecht ist es um meinen Masochismus bestellt, wenn ich panikartige Fluchtgefühle besitze und diese dann auch in die Tat umsetze? Wenn ich bei minus sechs Grad lieber draußen eine rauche und mich mit einem Typ im IN-FLAMES-Shirt über Melodic Death Metal unterhalte? So ist das Gefühl, wenn CANNIBAL CORPSE da sind, aber nicht spielen können, weil BLACK DAHLIA MURDER nicht von der verfickten Bühne gehen.
Irgendwann gingen sie dann aber doch und wurden vom peinlichen Stuttgarter Publikum auch noch mit Applaus verabschiedet, anstatt ausgebuht zu werden. Ich brauche eine andere Stadt.
Aber jeder schlechte Abend kann sich auch positiv entwickeln. Und dann kam es. Es kam, dieses wunderbare Gefühl, wenn Dir jemand volle Kanne in den Magen tritt und du einfach nur sabbernd ''ahhhhhh'' sagst. Wenn der Bass von Mr. Webster dir deine Eingeweide herauszupft. Wenn das Tier Mr. Fisher anfängt, dir die Liebeslieder von CORPSE ins Ohr zu brüllen, wenn sich endlich alles in dunkler, erbarmungsloser Gewalt entlädt und man einfach nur glücklich grinst.
Sponsored by Wella: Corpse.
Etwas tüdelig ging es zur Sache, die erste halbe Stunde, als Corpse ihre Midtemposongs auspackten und eher ihr neueres Zeug spielten aber ich sage mal, selbst ein gemächlicher Song von Corpse ist für Leib und Seele einfach eine Wohltat. Ich habe den
@Seppel noch nie so glücklich gesehen, wie bei Corpse. Der arme Kerl muss so viel leiden, bei uns spießigen Schwaben, die kaum mal eine gescheite Metalband nach Stuttgart bringen, da habe ich mich so für ihn gefreut, dass er das Elend hier für wenigstens 80 Minuten vergessen konnte. Ich habe ihm gegenüber schon so langsam ein richtig schlechtes Gewissen und mir gehen die Entschuldigungen und Ausreden aus, warum eine so große Stadt so wenig gute Konzerte auffährt.
Machen Ossis und Wessis glücklich: Corpse
Irgendwann, so nach zwei Dritteln des Gigs, lagen wir,
@Roland_Deschain, die reizende Freundin von ihm,
@Seppel und ich uns fast in den Armen. Zumindest Tränen des Glücks standen uns in die Augen geschrieben. Es gab tatsächlich eine Ansage vom Corpsegrinder. Ans Publikum. Insgesamt eine von drei, maximal vier Ansagen. Ich hatte jedes Mal Gänsehaut.
Gekommen bin ich dann bei ''Hammer Smashed Face''. Ja, sie mussten ihn spielen. Das ist ihr verdammtes Schicksal. Vermutlich hängt er ihnen zum Hals raus. Diesen Fluch, diesen einen Song zu spielen, den das Publikum immer wieder hören will, auch nach 30 Jahren, den hat jedoch jede große Band am Hals. Corpse stecken das locker weg.
Reden nicht viel und müssen spielen, was das Publikum hören will: Corpse
Fazit: vielleicht bin ich ja einfach nur ein unterwürfiges Groupie, aber Abende wie diese, bei denen eine Band die ganze Macht und Radikalität des gottverdammt göttlichen US Death Metal darbietet, die brauche ich. Und so wie ich ins Rund blickte und feststellen durfte: alle, ca. 450 Anwesenden ebenso. Corpse tun einfach nur gut. Sie sind technisch herausragend, aber gleichzeitig auch brutale Killer. Was die teilweise für anspruchsvolle Songs schreiben, sie aber so verpacken, dass selbst Death-Metal-Fans, die mit komplexem Material nichts anfangen können, sie einfach lieben, das IST Genialität. Diese Band ist abgefuckt und clever. Man muss sie lieben.
Shirts einen Zwanziger, Kapu vierzig Euro. Sind nicht so teuer wie andere, die guten Jungs. Merch wurde gekauft. Der Sound war gut bis sehr gut, alles in Ordnung. Jederzeit wieder.