Haunting The Castle VI - 27.-28.02.2026 - Doom Metal-Festival - Belgien

Euskaltel

Deaf Leppard
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Erstmals über zwei Tage erstreckt sich das belgische Doom Metal-Festival Haunting The Castle vom 27. - 28. Februar 2026.
Das Festival findet in einem mittelalterlichen Chateau statt, allein die Location und die damit einhergehende Atmosphäre sind die Anreise wert.
Zudem haben die Macher auch ein starkes Line-Up zusammengestellt, als Headliner fliegen extra für dieses Festival Mournful Congregation aus Australien ein:

27.02.2026

AETURNA (NL, Doom/Death Metal)) + LYING FIGURES (FR, Doom/Death Metal) + FADING BLISS (BE, Gothic/Doom Metal) + OCTOBER RUST (BE, Type O Negative tribute)

28.02.2026:

ASCIAN (DE, Funeral Doom/Death Metal) + GEVAUDAN (UK, Epic Doom Metal) + DEATH HAS SPOKEN (PL, Doom/Death Metal) + LONE WANDERER (DE, Funeral Doom Metal) + OLD NIGHT (HR, Epic Doom Metal) + ENNUI (GEO, Funeral Doom Metal) + HELEVORN (SP, Gothic Doom/Death Metal) + MOURNFUL CONGREGATION (AU, Funeral Doom)

Facebook-Event: https://fb.me/e/3sfDq6m20
Adresse:
Chateau de l'Avouerie
Avenue de l'Abbaye 19, 4160 Anthisnes, Belgique

Die Early-Bird-Ticketphase mit Wochenendtickets ist bereits vorbei, seit Jahresbeginn können nun nur noch Tagestickets gekauft werden für 25,- € (Freitag) bzw. 65,- € (Samstag):

Wer dabei sein will, sollte schnell handeln. Die Location bietet nur Platz für 200 Personen und in den Vorjahren war meines Wissens nach immer ausverkauft.

@progge und ich haben uns zusammengeschlossen und reisen aus Deutschland an. Würde mich freuen noch den Ein- oder Anderen aus dem Forum dort zu treffen.
 
TAG 1

Als Aeturna das Festival eröffnen, durchkreuze ich noch belgische Dörfer und schlage nach 11 Stunden Anreise-Mix aus Zug und Mietwagen ziemlich zerknüllt in Anthisnes auf. Da beginnen Lying Figures gerade ihr Set. Mit abgebremsten Melodic Death sind sie ebenso wie die 90er-Benelux-Gothic-Doomer:innen Fading Bliss, die Band von Veranstalter Denis, nicht mein Fall. Ich habe den Abend daher ebensoviel mit Schnacken wie Gucken verbracht. Unsere Extrem-Doom-Szene ist ein verschworener Haufen, und man trifft am Ende stets dieselben Leute, egal ob in Hamburg, Berlin oder Anthisnes. Außerdem sind ausnahmslos alle Musiker im persönlichen Kontakt ausnehmend freundlich. Zu October Rust verkrieche ich mich hundemüde ins Hotel.

Highlights neben der Musik: Die Location, sowohl von außen (s. Foto) als auch innen (alte Holztreppe, Kronenleuchter, samtene Vorhänge etc.) ein super Ambiente; das alkoholfreie IPA von Brulo; der Sound, der bei fast allen Bands grandios ist

Lowlight: @Euskaltel leider kurzfristig verhindert

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TAG 2

Den Tag mit @Panzerkreuzer durchs Programm gewetzt – schön, dich kennengelernt zu haben!

Ascian habe ich noch nie so gut und wütend gesehen. Insbesondere der Sänger killt heute alles und brilliert sowohl bei den vielfältigen Clean Vocals als auch den Growls, die Gitarrist Patrick mit aggressiven Backings noch verstärkt. Die Augenbinden sind eh immer ein, öhm, Hingucker.

Gévaudan aus UK sind mit 70er-Optik inkl. Schlaghosen und Nickelbrille auch ein Hingucker. Die Korg-Synthies und der etwas exzentrische (sehr gute!) Gesang bringen weitere Originalitätspunkte. Sie spielen außerdem genau einen Song, „Umbra“, der mit knapp 50 Minuten selbst die später noch folgenden Long Tracks aus Freiburg und Brisbane toppt. Also alles tippitoppi. Nur musikalisch null mein Fall.

Death Has Spoken spielen recht gewöhnlichen Death/Doom. Der Sänger von Lone Wanderer ist etwas angefressen über Technikprobleme und zu grelles Bühnenlicht. Ihr Auftritt ist dennoch ein Triumphzug durchs hervorragende neue Album, mit dem fünfundzwanzigminütigen „To Rest Eternally“ als Highlight. Old Night sind spielfreudig und sympathisch, mit Power/Epic Doom aber wieder nicht meins. Im Gespräch mit einem kroatischen Doomer im späteren Verlauf des Abends beginne ich, über die Epic-Doom-Bands des Festivals abzuledern. Stellt sich heraus, dass ich mit Rafael von Old Night spreche, der locker darüber schmunzeln kann.

Ennui. Serge von Meuse erzählte, dass viele wegen ihnen gekommen seien, was auch auf mich zutrifft. Seit Erscheinen läuft das neue Album der Georgier bei mir in jeder freien Minute – zuhause, auf der Hinfahrt, noch in der Nacht vor dem Konzert – und die große Bitternis und Schwere, die in der Musik steckt, strahlen die Musiker auch abseits der Bühne aus. Ich bin jedenfalls schwerst voreingenommen und es hätte alles passieren dürfen: Sie hätten in Kartoffelsäcken spielen können (haben sie nicht), über Honigbienen referieren (dito) oder die Umbaupause 30min überziehen (das schon), ich wäre hin und weg. Also, ich war hin und weg. Mit „Becoming Void“, „Antinatalism“ und „Decima“ vom neuen Album legten sich Gram und Verlust wie eine graue Decke über die Seele, ehe „The Descendant of Lifeless Rebirth“ von „The Last Way“ und als Closer das aggressive „When Our Light Dies Forever“ vom „Falsvs …“-Album sie wieder etwas freikämpfen. Das war groß. Madloba, Ennui.

Helevorn sind zwischen den Monolithen davor und danach geradezu Pop. Sie präsentieren einen Action-reichen Querschnitt bis zurück zu „Compassion Forlorn“, wobei die Konzentration natürlich auf „Espectres“ liegt. Zu „L'Endema“ tritt eine Gastsängerin auf, die als „Ines“ vorgestellt wird und perfektes Spanisch spricht/singt. Habe zuhause im Booklet des Albums nochmal nachgesehen: Innes Gonzalez heißt sie und Ines ist ein regulärer spanischer Vorname. Wieder was gelernt.
Im Vergleich mit dem Doom Ship 2025 hat Joseph die Ansage vor dem bewegenden Gaza-Song "When nothing Shudders" rhetorisch etwas abgerüstet, mahnt an, sensibel gegenüber dem Leiden Anderer zu bleiben und widmet das Stück Palästina.

Mournful Congregation betreten die Bühne um Mitternacht und “Solemn Strikes the Funeral Chime” als Intro ist mit den schicksalhaften Glocken am Ende ein herrlicher Einstieg in eine Stunde SloMo-Walze. Unfassbar, wie tight die ihre drei Gitarren in diesen superniedrigen bpm-Regionen beisammenhalten, zumal bei der sparsamen Lichtshow kaum was auf dem Griffbrett erkennbar sein dürfte. Songs kann ich zugegeben nicht auseinanderhalten, meine aber „Mother-Water, The Great Sea Wept“ erkannt zu haben, und in jedem Fall „Whispering Spiritscapes“ von dem Karma-Album und den göttlichen „Suicide Choir“, dessen Strophenriff zu den tiefsten und bewegendsten Tonfolgen im Genre überhaupt gehört. Sometimes I feel, long ago life took the last breath away from me / Life itself, the grand enemy. Gänsehaut deluxe. Der Gig ist eine Machtdemonstration kompromissloser Visionäre, die sich ihren Gottvati-Status in der Szene verdient haben. Leider verhallen die Zugaberufe ungehört, obwohl in die 15min bis zur offiziellen Sense noch ein Short Track gepasst hätte. So endet der Konzertteil des Festivals um 01:15 Uhr und ich bin dann auch sofort aufgebrochen, um bis zur Abfahrt um 6 Uhr noch etwas Schlaf zu tanken.

Im Ergebnis ein grandioses Doom-Wochenende. Nächstes Jahr wieder? Mal gucken, die Anreise aus Leipzsch ist recht aufwendig für ein kleines Indoor-Festival und da es mitten in der Pampa ist, muss man auch mit dem Auto kommen.
 
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