Imminent Sonic Destruction - Open up the Floodgate!

RageXX

Till Deaf Do Us Part
Dem Ein- oder Anderen bereits im persönlichen Gespräch angedroht, nun umgesetzt: der Imminent Sonic Destruction-Thread (Band im Folgenden auch als "ISD" abgekürzt, meine Schreibfaulheit sei zu entschuldigen).

Bereits 2007 veröffentlichte die von Tony Piccoli unter dem eigenwilligen Namen "Mellotrön" ins Leben gerufene Band aus Detroit ein Erstwerk namens "And Go" unter dieser Firmierung. Selbiges sollte die grobe Marschrichtung des 5ers vorgeben: Songs wie "Sick, "Driving Home" oder "With Death this Story ends" könnten auch auf einem aktuellen Album der Amerikaner auftauchen. Geboten wird grundsätzlich melodischer, aber sehr heavy (im Sinne von "schwer", nicht selten doomig) gespielter Prog-Metal, dessen doppelte Gitarrenleads in Verbindung mit streckenweise "singenden" Soli hervorstechen. Die Keyboards nehmen hierbei primär eine untermalende und atmospährisch-gestalterische Rolle ein, so dass all zu verfrickelte Keyboardausflüge die Ausnahme bleiben. Auffällig ist der (für meine Ohren) unfassbar aussdrucksstarke Gesang von Piccoli: mal erinnert er an Molybarons Gary Kelly (ich liebe derartige Klangfarben in der Stimme, sie sind gerade im Metal sehr rar gesät), in den soften Momenten und zurückgenommen kommt das Ganze dann sehr harmonisch und melodisch rüber - eher "clean", bewegend.

Bedingt durch Umbesetzungen (so stieß u. a. Ex-Tiles-Schlagzeuger Pat DeLeon zur Band) dürfte man die Umbenennung in "Imminent Sonic Destruction" vorgenommen haben. Recherche hinsichltich der Besetzungs(wechsel) ist nicht so einfach, doch scheint das Line-Up der Band im Wesentlichen stabil auszufallen.

Das Erstwerk hört auf den Namen Recurring Themes (2012) und wurde von niemand Geringerem als Roy Z produziert - und ja, das hört man! Der Opener "Driving Home" überrollt nun mit aller Schwere und Wucht, auffällig ist das um Längen flexibere und härtere Drumming gegenüber der Mellotrön-Version. Über 10 Minuten walzt sich dieses Stück über siebeinhalb Minuten durch die musikalische Botanik, so ab 7'40 stellt Picoli unter Beweis, warum ein aggressives Screaming um Längen effektiver ist als alle Growlerei: HAMMER! Das Stück läuft dann untermalt von einem jamartigen Outroteil mit grandiosen Gitarren durchs Ziel. Weitere Highlights: "Sick" - klingt "moderner" und hat so einen gewissen Leprous-Touch zu "Congregation"-Zeiten. Das phantastische an diesem Stück: es wirkt unglaublich ungezügelt, wütend, METAL! Dann wäre da "Temple", eine herrliche Gänsehautballade, bar jeglicher Peinlichkeiten, Melodieläufe zum Niederknien, und am Ende entlässt einen der Rabe nach sechzehneinhalb Minuten - ein Longtrack, der sich vor den großen Werken dieser Zeit ähnlicher Bauart in keinster Weise verstecken muss. Hier finden dann auch Prog-Traditionalisten ihre Seeligkeit. Erwähnenswert außerdem das Gewitter "Monster", Stakkatoriffing und Drumming - und erneut dieser unfassbar flexible Gesang zzgl. dieser bereits angesprochenen "singenden" Gitarre, die grundsätzlich immer sehr gezielt eingesetzt wird und von daher Akzente zu setzen vermag, die dem Sound von Imminent Sonic Destruction einen gewissen Wiedererkennungswert verschaffen.

Anspieltipps:
2016 folgte der Zweitling "Triumphia", ein Konzeptalbum, zu dem aus der Kurzbiographie der Band zitiert sei:

"TRIUMPHIA, was a concept album that I will now try to explain in excruciating detail in less than 84,000 words. But on second thought, you’re probably just a robot, and the nuances of that scintillating tale would go right over your metal head. You can’t fool me."

Wohl wahr - thematisch bin ich da auch so noch nicht drin, musikalisch aber hat dieses Album alles, was es braucht, um den Hörer an den Eiern zu packen: der Sound des Erstlings wurde ein wenig orchestraler, die Aufbauten der Songs gleichermaßen vetrackter und "erzählender" zugleich: der über 11minütige Opener "The crashing Waves" klingt ein wenig so, als wären Dream Theater auf die Idee gekommen, ein neues "Scenes from a Memory" mit tieferer Stimmung zu basteln. Weiteres Highlight mit ähnlichem Skelett: "The Fog" (incl. moderatem Horror-Feeling zu Beginn). "The Knife" klingt wie Doom-Prog und knallt regelrecht tradionell aus den Boxen, wobei das Ganze durch die (erneut) passende Produktion ins entsprechende Licht gerückt wird - um zum Ende hin ein wenig wie klassischer Metal mit Metalcore-Versatz und Megasolo zu enden. Das Meisterstück am Ende: "Arborous calm" bringt es auf über 22(!) absolut kurzweilige Minuten - was für ein Epos! Alles in Allem: eine Weiterentwicklung zum Debut, obgleich die Handschrift der Band sofort erkennbar ist - und die (auf den Punkt eigebundenen!) orchestralen/soundtrackartigen Parts einen zusätzlichen Reiz ausmachen.
Album Nummer 3 hört auf den Namen "The Sun will always set"(2022) - und wäre definitiv in einer neuen "Top-of-the-Progs"-Liste bei mir gesetzt! Was - für - ein - Hammer! Beginnend mit dem ruhigen Intro ("Arise" betitelt, erinnert eher an Art-Pop à la Enya) folgt mit "Fledgling" ein zunächst (vom Klavierintro abgesehen) "klassischer" ISD-Track, der es sich dann irgendwo zwischen den Stühlen "Modern Prog" und "Classic Prog" bequem macht - und ja, für Freunde von Growls sogar Solche an Bord hat. Auffällig: im Vergleich zum Vorgänger wagt die Band noch ein wenig mehr! So ist "Solitude" gar mit einem Sample eingleitet - nur, um sich daraufhin in einen traumhaften, alternativ eingefärbten, getragenen Metal-Song mit einem Mörderrefrain zu verwandeln (nannte man früher glaube ich "Halbballade") - eine gottverdammt Hymne! Wer dann noch einen Elfminüter wie "Nightshade" nachschiebt und das Album mit einer fast neunminütigen Gänsehautballade wie dem Titeltrack ausklingen lässt, der ist definitiv einer von den ganz, ganz Großen! Für mich eine 10/10, jede Melodie, jedes Riff, jede gottverdammte, noch so kleine Ausarbeitung ergibt und macht jeden neuerlichen Durchlauf zu einem Erlebnis.
...that was then, this is now: das aktuelle Album hört auf den Namen "Floodgate"(2025) geht in Sachen Wagnisse eher wieder ein klein wenig zurück in die traditionelle Prog-Metal-Schiene - tönt dabei aber unfassbar eingängig, für mich wohl definitiv ein Top-10-Album dieses Jahres. "Floodgate I" schreit förmlich danach, auf einem Konzert mitgegrölt zu werden, "Memento Mori" glänzt mit herrlicher Keyboarduntermalung und grandiosem Refrain, "No One" haut Dir kräftig auf die Fresse und mit dem 2. Schleusentor ("Floodgate II" - Rausschmeißer) endet dieses irgendwie "rundeste" Album der Band. Das müsste eigentlich ein Hitalbum sein, allein mit "The Game" haut man mal eben einen Knaller raus, der ein wenig an eine ausgedehntere Version von Molybaron erinnert.
Momentan leider nur in den Staaten unterwegs und die Alben sind (zumindest nach bisheriger Recherche) nur als sauteurer US-Import zu bekommen, was mir über kurz oder lang aber wohl egal sein wird. Auf lange Sicht hat mich lange keine Band derart überzeugen können, ihr Gesamtwerk zu entdecken (okay, es sind auch "nur" 4 Alben, das bleibt übersichtlich). Hier wird Progmetal zelebriert. Hier werden Songs geschrieben.

Ich denke, eine Tour mit Symphony X oder Dream Theater in hiesigen Gefilden wäre der richtige Kick, um diese packenden Klänge auch hierzulande live genießen zu können. In den US of A spielt man aktuell u.a. mit OK Goodnight und Voidchaser zusammen, ist in der Vergangenheit mit Pain of Salvation, Circus Maximus und *Trommelwirbel* Fates Warning getourt. Nähme ich so auch als Gesamtpackage für Europa.

...und der wichtige Reminder an @SMM in diesem Zusammenhang: Story im DF und Rezi der aktuellen Scheibe! Zumindest der Handvoll weiteren Nerds für diese Art von Musik darf diese Kombo nicht vorenthalten werden. Die (Prog-)Welt braucht Bands wie diese!

Unlängst hatte auch @Irrelephant "Floodgate" im Rahmen seines Podcasts mit im Programm - sehr löblich im Übrigen. Leider finde ich jetzt die passende Folge nicht, bei Einreichung des Links kann ich da aber gerne eine Verlinkung nachholen.

Bandcamp:

Homepage:
 
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Super, danke für die Vorstellung und hoffentlich bekommt die Band mehr gehör und die Anerkennung, die sie längst verdient.
Kleine Anmerkung, ich habe zum Glück keinen eigenen Podcast, zähle mich trotzdem als Fan der Band.
Du meinst sicher den Podcast Michael 's Record Collection, in welchem Teile der Band Ende April zu Gast waren.
 
"Floodgate" habe ich einmal gehört, fand ich gut, aber den Gesang empfand ich als Schwachpunkt. Aber bei so einer Vorstellung bekommt die Band natürlich eine zweite bis fünfte Chance.
 
Ich ahne, dass an einer Auseinandersetzung mit dieser Truppe kein Weg vorbei führen wird. Kriegt man denn die Alben zu einem akzeptablen Kurs in physischer Form (vermutlich gefällt's ja eh...)?
 
Gesang empfand ich als Schwachpunkt.
Gerade den finde ich grandios. Der Mann ist mit Sicherheit nicht einer der größten Vokalisten, aber a) hat seine Stimme einfach diesen "irischen" Touch und b) kann man selbst auf Konserve hören, mit welcher Intensität der sich in jede (!) Gesangslinie haut. Wenn das Ganze dann noch über die Chöre geht (vielleicht wäre "mehrstimmiger Gesang" passender formuliert), dann knallt das für meine Ohren um so mehr. Es passt auch einfach perfekt in den musikalischen Rahmen, erkennt man sofort als musikalisches Element mit.
 
Ich ahne, dass an einer Auseinandersetzung mit dieser Truppe kein Weg vorbei führen wird. Kriegt man denn die Alben zu einem akzeptablen Kurs in physischer Form (vermutlich gefällt's ja eh...)?
Siehe auch Eingangspost. Ich denke, dass ich beizeiten trotz hoher Kosten ordern werde und hoffe, dass vielleicht dann auch ein Shirt nach der US/Kanada-Tour den Weg ins Merch findet.

Falls Jemand sonst eine versandlich bezahlbare Quelle finden sollte, immer her damit.

Ansonsten gebe ich hier Bescheid, wenn ich meine Bandcamp-Bestellung mache.
 
Großartige Zusammenfassung die richtig Bock auf die Band macht, @RageXX :top:

Ein kurzes reinhören zwischen Tür und Angel wurde dem ganzen nicht gerecht, deswegen steht die Band jetzt ganz oben auf der Liste für die ersten Bürotage nach dem Urlaub
 
Mittlerweile habe ich die Floodgate auch komplett gehört und ich kann absolut nachvollziehen, dass man die Band grandios findet. Das Zusammenspiel der Musiker ist fantastisch und auch die Songs sind wirklich stark.

Leider ist das genau die Sorte Prog, mit der ich nichts anfangen kann. Die Grooves sind mir zu modern und die Refrains oft zu schmalzig. Trotzdem herzlichen Dank für den Tip. Eine tolle Band, welche ihre Anhänger finden wird.
 
Mittlerweile habe ich die Floodgate auch komplett gehört und ich kann absolut nachvollziehen, dass man die Band grandios findet. Das Zusammenspiel der Musiker ist fantastisch und auch die Songs sind wirklich stark.

Leider ist das genau die Sorte Prog, mit der ich nichts anfangen kann. Die Grooves sind mir zu modern und die Refrains oft zu schmalzig. Trotzdem herzlichen Dank für den Tip. Eine tolle Band, welche ihre Anhänger finden wird.
Schön, dass Du es versucht hast und danke für das Feedback. Moderne Grooves lasse ich auch durchaus gelten, nur bei schmalzigen Refrains bin ich dann naturgemäß bei einer gänzlich anderen Sichtweise :) .
 
Ich hab mir heute Vormittag das Debüt und die Aktuelle angehört. Ja, das ist schon cool gemacht. Episch, eingängig, emotional, da sind ganz viele Elemente am Start, die ich mag. Der Gesang gehört übrigens auch dazu. Aber wenn sie die Gitarren runterstimmen und down droppen bzw. tunen, dann klingt das in meinen Ohren zu modern. Das mal als Erstmeinung, ich hör da im Laufe der nächsten Tage aber natürlich nochmal rein.
 
Ich hab mir heute Vormittag das Debüt und die Aktuelle angehört. Ja, das ist schon cool gemacht. Episch, eingängig, emotional, da sind ganz viele Elemente am Start, die ich mag. Der Gesang gehört übrigens auch dazu. Aber wenn sie die Gitarren runterstimmen und down droppen bzw. tunen, dann klingt das in meinen Ohren zu modern. Das mal als Erstmeinung, ich hör da im Laufe der nächsten Tage aber natürlich nochmal rein.
Ich habe mir das schon gedacht - das mit der Moderne, meine ich. Trotzdem schön, dass Du beide Ohren riskiert hast.
 
Hab es jetzt auch mal geschafft die Floodgate am Stück zu Hören. Ja, das wäre durchaus was für mich. Ich denke aber das ich da abwarte bis was in Europa erscheint.
Über 20 Euro Versand sind dann doch bisserl happig.
Aber trotzdem ein tolles Album!
 
Vielen Dank nochmal für die Empfehlung. Ich habe bisher nur das aktuelle Album gehört, dieses hat aber binnen kurzer Zeit nun den 11. Spin hinter sich.

Gefällt mir ausgesprochen gut. Diese Mischung aus etwas Epic, Moderne und mit den tollen mehrstimmigen Gesangspassagen, einfach klasse. Ich fühle mich vom Gesang dabei teilweise an MASTODON erinnert.

Die Melodien brennen sich nach einigen Durchläufen ins Gehör, das Eingangsdoppel hat relativ schnell gezündet - ggf. war das ein Pluspunkt, um mich direkt „abzuholen“.

Klarer weiterer Kandidat für die Jahres-Top10.

Die Diskographie höre ich jetzt trotzdem erstmal nicht direkt weiter rückwärts durch. Es herrscht grad keine Flaute im Player, hab genug angefangen, was noch öfter laufen muss. Geht später (ggf. auch erst 2026) mit ISD weiter. :)
 
Ich hab mir heute Vormittag das Debüt und die Aktuelle angehört. Ja, das ist schon cool gemacht. Episch, eingängig, emotional, da sind ganz viele Elemente am Start, die ich mag. Der Gesang gehört übrigens auch dazu. Aber wenn sie die Gitarren runterstimmen und down droppen bzw. tunen, dann klingt das in meinen Ohren zu modern. Das mal als Erstmeinung, ich hör da im Laufe der nächsten Tage aber natürlich nochmal rein.

Hier sehe ich mich auch. :)
 
"Triumphia" triumphiert hier massiv, ebenso "Floodgate" UND ausdrücklich auch "The Sun..."

Zum Debutalbum kann ich noch gar nix sagen.

Nochmal DANKE für diesen Tipp !
Schade das der Kreis der Infizierten
(noch ?) so überschaubar ist.

Geile Band
 
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