Früh daheim aus Bochum, daher noch ein paar Worte zum heutigen Abend dort mit IQ.
Briten sind bekanntermaßen sehr pünktlich und so legte die Band um Punkt 19 h und ohne Vorband mit "Ryker Skies" los. Glasklarer Sound, Peter Nicholls bestens bei Stimme, auch, wenn man ihm im Verlauf des Abends gerade bei den älteren Stücken manchmal anmerkte, dass er eben keine 20, 30 oder 40 mehr ist.
"Sacred Sound" vom Dark-Matter-Album setzte das Programm fort, gefolgt von "No Dominion" vom aktuellen Werk, beide Songs vorgetragen in Perfektion - und Holmes' auf dem Album ärgerlicherweise ausgefadetes Traumsolo gab es in Gänze.
Wie wichtig Groove selbst im (Neo-)Prog sein kann stellt "Subterranea" unter Beweis: der Song wird in eine Hardrockversion umfunktioniert. Das ist einerseits erfrischend, aber gerade diesen absolut markanten Basslauf in Riffs (!) verschwinden zu lassen, das ist schon frech. Ohne Tim Esau zu nah treten zu wollen, aber gerade dieser Basslauf, der braucht einfach einen John Jowitt.
"Shallow Bay" ist für mich einer der zerfahrendsten IQ-Songs "ever", daran ändert auch die erneut perfekt inszenierte Live-Aufführung nichts, was sich auch an den eher verhaltenen Reaktionen des zahlreich erschienen Publikums bemerkbar machte.
Dass man mit "Guiding Light" einen der besten Longtacks aller Zeiten im Repertoire hat, das weiß man im Hause IQ: vorbei mit der Zurückhaltung, Gänsehaut pur bei Holmes' Gitarrenabfahrt zwischen hoch emotional und metallisch-riffend. Dieser Song ist nicht von dieser Welt und das Variieren zwischen hart und zart ist einfach herrlich und gerade in Sachen Gitarrenspiel Holmes Meisterstück.
"The Wake" ist unzerstörbar und heizt die Stimmung noch mal an und ich frage mich manchmal, ob der Band anno '85 bewusst war, wie nah man hier an einem Sound zwischen Doom und der NWoBHM agiert hat. Nicht selten erwische ich mich dabei, mir den Song mal in schneller und mit einer 2. Gitarre vorzustellen...
Egal, ab jetzt hatten sie mich - wieder mal und wie auf allen Konzerten zuvor auch. Der Stimmung in der Halle nach zu urteilen ging es wohl nicht nur mir so...
Warum Metal-Fans IQ mögen? "Rise" vom "Resistance"-Album gibt die Antwort: der Song passt perfekt hinter "The Wake" und ist live schon fast metallisch heavy! Ich lächle und staune über Mike Holmes, der mir einem Mal fast im Stile eines Hardrockgitarristen posiert - im weißen Hemd und mit Studentenbrille.
"Far from Home", der 2. Song vom "Dominion"-Album heute, wird von den Fans aufgenommen wie ein Klassiker. Unfassbar, so ein Ding im Herbst der Karriere zu veröffentlichen, Kinnladen klappen herunter und man sieht der Band auf der Bühne an, wie sehr sie die Resonanz von "vor der Bühne" genießt. Was - für - ein - Song! Mir fehlen die Worte, DANKE für diese Göttergabe, DANKE für diese Livedarbietung.
Es gibt so Songs, die man irgendwie nicht auf dem Zettel hat, "Closer" vom "Frequency"-Album ist so einer: das Ding beginnt überraschend "modern", ja, fast schon "alternativrockig" - und schwenkt zum Ende hin in wunderbar floydigen Prog um. Ganz feines Ding.
Für "The Road of Bones" gehört die Bühne Peter Nicholls: was für eine Darbietung! Gesanglich alles reingelegt, die instrumentale Eruption zum Ende hin galaktisch, das Publikum...gefesselt und fasziniert. Ein schlicht unfassbarer Song, Morbidität und Beklemmung in Tönen.
Noch nichts von "Ever"? Na denn mal los: "Further away" beendet den regulären Set, "Darkest Hour" eröffnet den Zugabeteil. Band und Publikum im Einklang, Peter kämpft hier und da ein wenig mit den Höhen, improvisiert bisweilen - ist zu diesem Zeitpunkt scheißegal, Band und Publikum sind längst eins.
"Ten Million Demons" beschließt den Abend nach rund 135 Minuten. Untermalt mit Fragmenten aus FgtH "Relax" hat sich dieses Stück von der "Road of Bones"-Bonus-CD wohl peut à peut zu einem Mini-Live-Classic gemausert: die Fans lieben das Stück - und ich auch (ach so, bin ja Fan...). Irgendwie..."New-Wave-Prog", aber geil halt.
IQ sind zurecht eine Prog-Institution - das hat dieser Abend erneut unterstrichen. Besser geht einfach nicht...nur die Sache mit "Subterranea", die bleibt (womöglich aber auch nur für mich Erbsenzähler) ein kleiner Mini-Makel. Nach dem tollen Abend mit den Brüdern unlängst und Leprous vor etwas länger unlängst bleibt die Erkenntnis: Prog is fuckin' alive!