Kreator 2025 - 3 Klubshows mit Rotting Christ + Warbringer

Ich fand's großartig gestern in "Oberstraubing", wie Mille in seiner ersten Ansage den Ort des Geschehens nannte. Später verbesserte er sich dann zu "Obertraubling", um dann doch beim schlichten "Regensburg" zu landen ("das klingt besser, ähhmm, ich meine, ich kann das besser sprechen" - klassiche Fettnäpfchenvermeidungsstrategie?).
Aber egal, er und auch die anderen drei hatten scheinbar richtig Lust, bewegten sich viel und strahlten ehrliche Spielfreude aus. Die Halle dankte es ihnen und gab die 85 Minuten über Vollgas. Endlich mal wieder ein Konzert, bei dem es richtig eng und schön kuschlig war ganz vorne in der ersten Reihe. Die Leute um mich herum und ich selbst haben es genossen. Die Security im Graben hatte ab Betrayer zwar einen schweren Stand, aber sie haben sehr gut gearbeitet, was in dieser Halle leider nicht immer der Fall war.
Zwar hätte ich es begrüßt, wenn Kreator ihren Show-Firlefanz (Feuer, Konfetti, usw.) weggelassen und einfach nur eine Thrash-Show am Bühnenrand geliefert hätten, aber aus Bandsicht gehört dieser mittlerweile wohl einfach fix dazu. Die Setlist war in den ersten 60 Minuten ein Traum, der Rest dann in Ordnung. Klar hätte ich noch gerne Toxic trace oder Blind faith (von der Terrible Certainty gab's leider gar nichts zu hören), Some pain will last, Terror zone eine Komplettversion von Awakening of the gods oder, oder, oder gehört, aber dass sie den Mut hatten, normalerweise absolut gesetzte Songs eben nicht zu spielen (etwa Pleasure to kill oder Phobia etc.) fand ich klasse. Dass mir der souverän trommelnde Ventor am Ende noch sein Armband zuwarf, war dann natürlich das Tüpfelchen an dem Abend.
Im Vergleich fand ich zwar die beide Shows von Sodom 2023 (110 Minuten) und 2024 (100 Minuten) an gleicher Stelle noch einen Hauch stärker, weil sich deren Attitüde noch etwas direkter, ehrlicher anfühlte. Aber dass Kreator dem gestern so nahe kamen, hat mich positiv überrascht.

Stark waren auch Warbringer (30 Minuten), deren Thrash für mich immer wieder etwas (zu) eintönig klingt, die ohne Basser auskommen mussten, weil der Flieger überbucht war und insbesondere Rotting Christ (45 Minuten), die genau die richtige Mischung aus hart, schnell und episch zelebrierten. Die Griechen zauberten damit eine schon unglaublich tolle Stimmung in die Halle. Vor allem der Bassist Kostas war ein absoluter Blickfang, wie er so über die Bühne tobte und bangte, und mich in seiner Intensität an Frank Bello von Anthrax erinnerte. Absolut herausragend!

(Letzte Anmerkung: In der Umbaupause nach Warbringer gab es Flash of the blade zu hören. Mensch Steve, wann schenkst uns Du diese Perle endlich einmal live?)
 
Mit der Setlist dürfen Kreator gerne nächstes Jahr beim Rockhard Festival auftreten. Oder von mir aus auch gerne in der Grugahalle Essen. Und ja die beiden Gods of Violence Songs dürfen auch gerne ausgetauscht werden. Und Mille der alte Öko-Veganer soll mal über die Gas- und Papierverschwendung bei so einem unnötigen Pipapo mit Feuer und Konfetti nachdenken.
 
Was für ein schöner Abend gestern im Kaminwerk in Memmingen! Die Halle war voll, und alle Bands haben mehr als amtlich abgeliefert.

Warbringer waren kurz, aber schnörkellos. Zudem Sänger mit Schwert auf der Bühne, immer geil. Verhält sich wie bei "big sunglasses". Hat als Opener meiner Meinung nach so bestens funktioniert.

Anschließend endlich mal wieder Rotting Christ gesehen, das erste Mal seit dem 2013er Metal Invasion. Und es war ein Déjà-vu. Ich habe nichts von ihnen auf Platte (außer der ersten Sakis Tolis), aber die Herren aus Hellas rühren im Laufe der Show einen derartigen Mahlstrom aus gefühlt warmem Black Metal an, dem man sich nicht mehr entziehen kann. Großartig!

Kreator zum großen Finale waren dann auch einfach nur groß, vor allem im Ambiente einer eher kleineren Halle. Meiner Meinung nach eine geile Setlist quer durchs eigene Gesamtwerk, gute Stimmung verbreitet, top Sound, cooler Bühnenaufbau mit der nötigen Portion von irgendwie schon "a bisserl drüber", Feuersbrünste und der Widmung des Abends an Ozzy Osbourne. Mille dazu: "Lasst uns das Leben feiern, so lange wir es noch können."
Dem war und ist nichts mehr hinzuzufügen.
 
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Memmingen war gut.
Warbringer fand ich jetzt nicht so spannend, bin aber auch nicht sonderlich Thrash affin. war ok für die halbe Stunde, schon deutlich schlechtere Vorbands gesehen. Einzig das Schwertgeschwinge hat für mich nicht zur Musik gepasst. Spielzeit ca. 30 Minuten.

Rotting Christ hat mir dann ein wenig besser gefallen, auch wenn mir das für meinen persönlichen Geschmack zu wenig Raserei bietet und sich zu sehr zwischen den Genren bewegt. Mal höre ich Blackmetal, mal Deathmetal, dann kam noch ein Song der verdächtig nach Thrash klang. Wenn Fokus nur auf Blackmetal in Verbindung dem klerikalen/okkulten Input, könnte mich die Band deutlich mehr begeistern. Spielzeit ca. 45 Minuten.

Kreator dann mit ordentlich Spaß und guter Setlist. Die paar neueren Songs haben mich jetzt nicht gestört. Konfettiregen, Feuer, Bühnendeko und Fackelkinder sind wohl eher für größere Bühnen konzipiert, haben aber auch im Kaminwerk zur Stimmung beigetragen und mir gefallen. Da es eines der größten Konzerte der letzten Jahre für mich war, bin ich auch von Showelementen nicht übersättigt und kann mich an diesen erfreuen. Spielzeit ca. 80 Minuten.
Bei der Ansage von wegen Ozzy gedenken von Mille dachte ich erst gar nicht, dass dieser gestorben ist, sondern erfuhr das erst später in den sozialen Medien. Dachte er nahm Bezug auf die Abschiedsshow...
 
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