Madder Mortem

Gut, ich denke, wir sind einfach mit ganz unterschiedlichen Ansätzen und Erwartungen an "Red..." und die Band überhaupt gekommen. Ich kannte zwar recht vieles, aber so richtig ernsthaft habe ich mich das erste Mal bei "Marrow" mit den Norwegern beschäftigt und das, obwohl ich "Deadlands" im Schrank stehen hatte und da mit 'Necropol Lit' und 'Rust Cleansing' auch großartige Songs drauf waren. Aber insgesamt war mir das bei "All Flesh is Grass" und eben "Deadlands" zu sperrig und zu düster. Daher habe ich die Phase von "Desiderata" bis "Red..." erst einmal ausgelassen. Wenn man die Band dann so wirklich erst mit "Marrow" und aktuell "Old Eyes..." kennenlernt, dann ist 'Red..." nicht mehr "seichter, eingängiger und weniger düster".

Mir fehlen noch immer "Desiderata" (habe ich aber gerade zu einem okayen Preis gefunden & bestellt" und "Eight Ways", dann mache ich sicher auch mal eine Liste. Derzeit aber wäre meine Top3 aber wohl "Old Eyes", "Marrow" und "Deadlands".
Okay, das ergibt natürlich Sinn. "Red..." ist vom Songwriting her tatsächlich etwas näher an "Marrow" (das ich trotzdem wieder ne Ecke besser fand) und dem neuen Album, als an dem, was die Band davor gemacht hat. Ja, gerade die Phase von "Deadlands" oder vielleicht schon "All Flesh Is Grass" bis "Eight Ways" ist etwas "sperriger", aber stilistisch auch noch vielseitiger/einfallsreicher (gerade die beiden dir noch unbekannten Alben) und mit teilweise überraschenderen Songverläufen. Seit 2016 ist die Band schon merkbar straighter unterwegs.
Ich würde "Red..." auch definitiv nicht als schlechtes Album bezeichnen, aber ich fand die Sachen davor halt spannender (ich hab "Red" ein wenig als das wahrgenommen, was das schwarze Album für METALLICA war).
 
Ich habe das aktuelle Album im "Was läuft gerade" Thread so halb aus Versehen auseinander genommen und kopiere das mal hier rüber.

Würde mich sehr interessieren ob ihr meine Gedanken nachvollziehen könnt:


Madder Mortem - Old Eyes New Heart

Erstkontakt zu der Band und erst der zweite Spin

Erster Spin so nebenbei: geile Stimme aber alles etwas gleichförmig und eher langweilig

Spin 2 (Also grade Live):

Coming From The Dark:
Meine Fresse was ein Hit! Den Refrain bekomm ich wahrscheinlich nie wieder aus dem Hirn..

On Guard:
Was ist das denn für eine geiler Song? Fühlt sich für mich wie klassischer Blues Song mit etwas kaputten Tom Waits Vibes an und dann gibt es immer wieder Gesangsmelodien die mich an Primordial erinnern.

Master Tongue:
wieder was ganz anderes. Harter, moderner Metal. Erinnert mich am ehesten an die späten Nevermore. Schwächer als die Songs davor aber besonders Live sicher eine Granate

The Head That Wears The Crown:
fängt mit einem Melo Death Riff an und dann kommen plötzlich folkige Gesangsmelodien die dann wieder einen Nevermore Gedächtnis Part umschlagen. Das geht dann so weiter und der Refrain fräst sich wieder umgehend ins Hirn

Cold Hard Rain:
Das passt dann am ehesten zum Begriff Gothic den ich oft im Zusammenhang mit der Band gehört habe. Die Sängerin ist wieder großartig aber der Song etwas langweilig. Dürfte gerne 2 Minuten kürzer sein.... wobei ganz am Ende bekommt er mich dann doch wieder. Wenn dieses Doom Riff einsetzt und es sehr nach MDB klingt.

Unity:
AM Anfang ein paar Elektronik Spielereien (zumindest klingt es für mich so) Dann eine Gesangslinie die mich irgendwie an guten, klassischen US Metal erinnert. Danach wird der Song für mich relativ schwer zu greifen. Was mir aber auffällt sind immer wieder auftauchende Melodien die für mich einen orientalischen Touch haben. Braucht noch ein paar Durchläufe das potenzial ist aber groß.

Towers:
Wir starten mit viel Groove und wieder erinnern mich die Riffs an Nevermore. Solider Song aber vermutlich der schwächste bisher. Während ich ihn höre fällt mir auf, dass es bisher noch kein einziges Gitarren Solo auf dem Album gab und grade das würde dem Song hier gut tun

Here And Now:
Hier sind wir dann erstmal komplett weg vom Metal. Sehr folkiger Song mit bezauberndem Gesang. Wunderschöner Song (!)

Things I`ll Never do:
Hier geht`s direkt mit ordentlich Dampf los. Leider wird das Tempo dann relativ schnell wieder rausgenommen was mir etwas zu früh kommt und den Song unnötig ausbremst aber als er dann wieder nah vorne schiebt wird es richtig gut.... bis das Tempo wieder verschleppt wird. Hmmm nee... Das gefällt mir jetzt nicht wirklich. Vor allem im Album Kontext. Nach "Here and Now" hätte es etwas gebraucht was richtig nach vorne schiebt. Wirkt irgendwie wie eine vertane Chance. Schon irgendwie blöd, dass mir die beiden längsten Songs des Albums am wenigsten zusagen

Long Road:
Wir steigen mit einem Song aus auf dem die großartige Sängerin klar im Fokus steht und sich die Band zurücknimmt. Könnte man wohl am ehesten eine Ballade nennen. Rauscht bei mir aber grade einfach nur durch. Packt mich nicht wirklich

Okay jetzt ist das hier ein bisschen eskaliert und sprengt den Rahmen Sorry :D
Wollte eigentlich nur was zu den ersten beiden Songs schreiben und meine eigene These der "Gleichförmigkeit" widerlegen und dann hat sich das einfach verselbstständigt.

Mein Fazit wäre:
Spannendes Album dem am Ende etwas die Luft ausgeht und mit dem ich mich weiter beschäftigen werde
 
Spannende Analyse, gerade vor dem Hintergrund des Erstkontakts und zweiten Spins. Ich bin vor "Old Eyes, New Heart" auch kein großer Kenner der früheren Alben gewesen. Madder Mortem war so eine Band, die immer irgendwie präsent war, ich aber nie wirklich gewürdigt habe, obwohl die "Deadlands" z.B. seit vielen, vielen Jahren bei mir im Schrank steht (mal für 1,- bei einem Century-Media-Yardsale mitgenommen) und ich dort auch schon tolle Nummern identifiziert hatte ('Necropol Lit' und 'Rust Cleansing) und zudem die "Marrow" fürs Magazin häufiger gehört habe und wirklich, wirklich gut fand. Der endgültige Durchbruch kam aber jetzt erst mit dem neuen Album, das auch den Rest der Diskographie in meinen Fokus gerückt hat.

Gut, dass du das Empfinden des ersten Spins ("gleichförmig" und "langweilig") gleich im zweiten Anlauf revidierst. Langweilig darf man natürlich alles finden, aber gleichförmig ist hier ja nun wirklich nix. Gerade der Abwechslungsreichtum ist ja einer der großen Pluspunkte des Albums. Der etwas schwerfällige, düster-bedrohliche Opener, gefolgt von einer Lounge-Nummer, einem Metal-Kracher mit Metallica-Gedenkpassage ('Master, Master') und einem lupenreinen Hit. Das alles in einem Gewand, das immer klar macht, dass dies alles die selbe Band ist. Die Produktion ist ja eh auch wirklich super geworden, was man gerade auch an 'Cold Hard Rain' merkt, denn bei dem Song scheint es draußen immer zu regnen. Ich finde auch nicht, dass er kürzer sein sollte, denn es geht ja um diesen fiesen, ewig langen, kalten, harten Regen. Da muss dieser Part vor dem Break auch ausgewalzt werden, das macht für mich total Sinn. 'Unity' und 'Towers' sind in der Tat eher geradlinig, mag ich aber genau deshalb. Dass 'Towers' vorab als Single ausgekoppelt wurde, verstehe ich auch. Bleibt bei mir noch Stunden/Tage nach dem letzten Durchlauf im Ohr.

'Here And Now' finde ich gar nicht so "komplett weg vom Metal", ist aber auch für mich einer der (vielen) Höhepunkte des Albums. Gerade das Ende mit 'and then my heart breaks' könnte die Nummer glatt in den Prog-Tränen-Thread positionieren. Bei 'Things I'll Never Do' bin ich dann aber nicht bei dir. Dieses "komplett nach vorne schieben" brauche ich persönlich nicht. Für mich ist das vielleicht sogar der beste Song des Albums. Bei 'Long Road' hilft es vielleicht zu wissen, dass es ein Abschiedssong für den kürzlich verstorbenen Vater von Sängerin Agnete und Gitarrist BP ist, der zudem nicht nur für seine Kinder, sondern für die Band insgesamt eine wichtige Rolle eingenommen hat. Das Artwork ist auch eines seiner Bilder. Mit diesem Wissen ist das für mich ein echter Gänsehautsong geworden, verstehe aber, dass er sonst etwas beliebig wirken kann.

Ich empfehle unbedingt die Lektüre des sehr langen, sehr intimen Interviews mit Agnete, das auf Seite #2 des Threads gepostet wurde.

Für mich ist "Old Eyes, New Heart" damit nach "Charcoal Grace" das bislang beste Album des Jahres und wird ziemlich sicher auch am Ende von 2024 in den Top5 auftauchen.
 
Ich bin in das neue Album auch gerade ein wenig sehr verliebt.

Im Opener kann man m.E. sogar erstmalig ab 2:06 für ein paar Sekunden und später zum Schluss einen Psychotic Waltz Vibe der Marke „Spiral Tower“ ausmachen :) und v.a. bei „The Head…..“ die genialen „Hammers of Misfortune“.

Bei „Cold Hard Rain“ hat man spätestens wenn der Sprechgesang erstmalig anfängt Gänsehaut pur. Schöner kann man Melancholie nicht in Musik ausdrücken.

Und das ist dann nur die erste Albumhälfte, für eine Meinung zur zweiten Hälfte bin ich noch zu geplättet angesichts des Gebotenen.

Ganz großes Audio-Kino.
 
Spannende Analyse, gerade vor dem Hintergrund des Erstkontakts und zweiten Spins. Ich bin vor "Old Eyes, New Heart" auch kein großer Kenner der früheren Alben gewesen. Madder Mortem war so eine Band, die immer irgendwie präsent war, ich aber nie wirklich gewürdigt habe, obwohl die "Deadlands" z.B. seit vielen, vielen Jahren bei mir im Schrank steht (mal für 1,- bei einem Century-Media-Yardsale mitgenommen) und ich dort auch schon tolle Nummern identifiziert hatte ('Necropol Lit' und 'Rust Cleansing) und zudem die "Marrow" fürs Magazin häufiger gehört habe und wirklich, wirklich gut fand. Der endgültige Durchbruch kam aber jetzt erst mit dem neuen Album, das auch den Rest der Diskographie in meinen Fokus gerückt hat.

Gut, dass du das Empfinden des ersten Spins ("gleichförmig" und "langweilig") gleich im zweiten Anlauf revidierst. Langweilig darf man natürlich alles finden, aber gleichförmig ist hier ja nun wirklich nix. Gerade der Abwechslungsreichtum ist ja einer der großen Pluspunkte des Albums. Der etwas schwerfällige, düster-bedrohliche Opener, gefolgt von einer Lounge-Nummer, einem Metal-Kracher mit Metallica-Gedenkpassage ('Master, Master') und einem lupenreinen Hit. Das alles in einem Gewand, das immer klar macht, dass dies alles die selbe Band ist. Die Produktion ist ja eh auch wirklich super geworden, was man gerade auch an 'Cold Hard Rain' merkt, denn bei dem Song scheint es draußen immer zu regnen. Ich finde auch nicht, dass er kürzer sein sollte, denn es geht ja um diesen fiesen, ewig langen, kalten, harten Regen. Da muss dieser Part vor dem Break auch ausgewalzt werden, das macht für mich total Sinn. 'Unity' und 'Towers' sind in der Tat eher geradlinig, mag ich aber genau deshalb. Dass 'Towers' vorab als Single ausgekoppelt wurde, verstehe ich auch. Bleibt bei mir noch Stunden/Tage nach dem letzten Durchlauf im Ohr.

'Here And Now' finde ich gar nicht so "komplett weg vom Metal", ist aber auch für mich einer der (vielen) Höhepunkte des Albums. Gerade das Ende mit 'and then my heart breaks' könnte die Nummer glatt in den Prog-Tränen-Thread positionieren. Bei 'Things I'll Never Do' bin ich dann aber nicht bei dir. Dieses "komplett nach vorne schieben" brauche ich persönlich nicht. Für mich ist das vielleicht sogar der beste Song des Albums. Bei 'Long Road' hilft es vielleicht zu wissen, dass es ein Abschiedssong für den kürzlich verstorbenen Vater von Sängerin Agnete und Gitarrist BP ist, der zudem nicht nur für seine Kinder, sondern für die Band insgesamt eine wichtige Rolle eingenommen hat. Das Artwork ist auch eines seiner Bilder. Mit diesem Wissen ist das für mich ein echter Gänsehautsong geworden, verstehe aber, dass er sonst etwas beliebig wirken kann.

Ich empfehle unbedingt die Lektüre des sehr langen, sehr intimen Interviews mit Agnete, das auf Seite #2 des Threads gepostet wurde.

Für mich ist "Old Eyes, New Heart" damit nach "Charcoal Grace" das bislang beste Album des Jahres und wird ziemlich sicher auch am Ende von 2024 in den Top5 auftauchen.

Vielen Dank für deine Anmerkungen. :)

Kann ich soweit alles nachvollziehen. Ich hatte heute leider noch keine Gelegenheit das Album nochmal in Ruhe zu hören (und was unaufmerksames nebenbei hören manchmal verursachen kann sieht man bei meinem Fazit nach dem ersten Spin) und das ganze abzugleichen.
Werde ich aber noch machen.

Ob es für mich auch ein Top 5 Kandidat ist kann ich natürlich noch nicht sagen aber eine super spannende Entdeckung ist es mal mindestens und ich bin angefixt genug um die anderen Alben auf die Einkaufsliste zu setzen.
 
Hab nicht mehr ganz auf dem Schirm, was du sonst noch von der Band hast, aber nachdem ich "Deadlands", "Desiderata" und "Eight Ways" damals hatte, war "Red In Tooth And Claw" für mich eine leichte Enttäuschung. Das war "more of the same" in seichter, eingängiger und weniger düster. Die Vorgänger fand ich allesamt viel einfallsreicher und packender (ein paar Songs auf der "Red..." mag ich aber auch sehr gerne, aber im Prinzip hätte man für mich ne EP draus machen können).
Das Debüt ist natürlich stilistisch nicht vergleichbar, finde ich für den Stil aber besser als das 2016er Album für den seinen.

Meine Rangfolge wäre wahrscheinlich ungefähr so (wobei ich auch sagen muss, dass ich die letzten drei noch nicht so oft gehört habe):

  1. Desiderata
  2. Eight Ways
  3. All Flesh Is Grass
  4. Marrow
  5. Old Eyes New Heart
  6. Deadlands
  7. Mercury
  8. Red In Tooth And Claw
Nachdem ich die Alben in letzter Zeit mal wieder alle gehört habe, muss ich meine Reihenfolge etwas korrigieren:

  1. Desiderata
  2. All Flesh Is Grass
  3. Marrow
  4. Eight Ways
  5. Old Eyes New Heart
  6. Mercury
  7. Deadlands
  8. Red In Tooth And Claw
"Deadlands" ist doch etwas abgesackt, obwohl es innerhalb der Banddiskografie eh nie so besonders hoch in meiner Gunst stand. Vor allem das von Vauxdvihl erwähnte "Necropol Lit" mochte ich nie besonders, ist für mich irgendwie emotional nichtssagender Groove-Metal. Der Rest des Albums gefällt mir aber schon - nur eben nicht so sehr, wie viele andere Alben der Band.
Das neue Album könnte evtl. auch noch "Eight Ways" überholen, dass ich letzt auch nicht mehr so großartig fand, wie ich es in Erinnerung hatte.
Beim Hören des Debüts fällt mir übrigens gerade auf, dass da durchaus deutliche Einflüsse von atmosphärischem/Symphonic Black Metal zu hören sind, aber das ganze halt in einem Gothic-Doom-Gewand. Echt völlig anders, als alles, was sie ab dem zweiten Album gemacht haben, vor allem von den Gitarren-Riffs her (das Bassspiel und teilweise der Gesang hingegen haben durchaus schon Ähnlichkeit zum späteren Stil).
Wobei "Remnants" schon recht progressiv klingt und da erinnern mich die "quietschenden" Gitarren im härtere Teil sogar kurz an PSYCHOTIC WALTZ (zur "Into The Everflow")!
 
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