So, ich jetzt auch, ohne große Vorrede.
Fortune & Glory
Ein Einstieg nach Maß, würde ich sagen. Man fühlt sich als Hörer, als würde man in dieser Loren-Achterbahn unter dem Tempel des Todes herum sausen, so rasant und schwungvoll geht's hier zu. Und halt direkt auch wieder derart frisch, positiv-aufgeputscht und mit den ganzen liebevollen kleinen Schnörkeln versehen, über die ich mich bei Mega Colossus immer so freuen kann. Dass es diese Band (wenn auch natürlich nicht in gleichbleibender Besetzung) jetzt seit fast 20 Jahren gibt, erscheint mir beim Lauschen dieses Songs kaum zu glauben, ich höre hier eigentlich eher ein Rudel junger Hunde, die kaum wissen wohin mit ihrer Energie. Beim "BAM" vor der Wiederkehr des Chorus hüpft mein Herz immer mit - so glücklich kann Musik machen. Ganz groß.
Outrun Infinity
Ein sehr starker, packender und kurzweiliger Song, der einerseits extrem typisch für diese Band ist (sowohl musikalisch als auch mit seinen Sci-Fi-Lyrics), mir aber bei aller Qualität seltsamerweise ein wenig das Gefühl vermittelt, dass ich sowas in der Art auch von einer anderen Band bekommen könnte (ohne dass ich sagen könnte, von welcher genau). Möglicherweise fehlen mir hier ein wenig die besagten Schnörkel und besonderen Details? Kann eigentlich über nichts meckern, aber für die ganz große Begeisterung, die die drei besten Songs des Albums in mir auslösen, reicht es hier nicht ganz. Oder
noch nicht - vielleicht wird das ja auch so ein Fall wie damals bei "Atlas", der sich erst nach vielen Wochen als weiteres Mega-Highlight entpuppt hat.
Grab the Sun
Das isser. Der Song, auf den ich schon total gespannt war, bevor ich wusste, wie er heißt. Hab nämlich nach dem Konzert in Wien beim Plausch mit Chris erwähnt, dass mein absoluter MC-Favorit "Bug Hunt" sei, woraufhin er sinngemäß meinte, auf dem neuen Album gäb's eine Nummer von Bill, die mir dann sicher gefallen dürfte (und außerdem besonders komplex oder schwer zu spielen wäre oder sowas). War dann beim ersten Durchlauf des Albums sehr schnell klar, um welches Lied es sich handelt. Uff. Im Rahmen dieser Band fast schon als Riff-Massaker zu beschreiben, dabei mit massenhaft
Twists and Turns und tausend geilen Momenten bzw. Text-Zeilen zum Mitbrüllen. Und dann halt ab dem "These people are not things"-Part auch noch ein kleines (eigentlich großes) Melodien-Festival. Oder anders gesagt: Fünf Minuten gefletschte Zähne plus zwei Minuten feuchte Augen -
a winning combination! An "Bug Hunt" dürfte "Grab the Sun" in meiner Gunst zwar nicht ganz rankommen (besser als "Bug Hunt" wird diese 'Heavy Metal Musik' allerdings eh nur ganz, ganz selten), aber ein klarer Song-des-Jahres-2024-Kandidat für mich.
Show/Down
Wo mir "Fortune & Glory" schon ein fettes Grinsen ins Gesicht meißelt, muss ich hier aufpassen, dass sich meine Mundwinkel nicht am Hinterkopf treffen. Alles andere als ein typischer MC-Song, aber für mich ein Riesen-Spaß. Find's besonders geil, wie dem eigentlich lockeren Groove hier teils so eine Art Stakkato-Riffing ("
trt-trt-trt") hinterlegt ist - haben vermutlich tausend andere Bands auch schon so gemacht, keine Ahnung, aber dann isses hier halt besonders gut eingesetzt. Ansonsten natürlich auch besonders ein Song des Gesangs und der (herrlich bescheuerten, das ist halt auch eine Seite von "Face/Off") Lyrics, die bei mir in Kombination immer für blendende Laune sorgen. "
Hallelujah!"
Warden of the Wicked Road
Immer blöd, wenn man am Jetzt-schon-Fan-Favourite rummäkelt, aber es hilft ja nix, ich will ja ehrlich sein. Wo "Grab the Sun" ein wenig als musikalisches Sequel von "Bug Hunt" durchgeht, ist das hier dann der Nachfolger vom "Navigator" und wie schon angemerkt halt auch sowas wie die MC-Variante großer Classic-Rock-Nummern wie "Carry on Wayward Son". Wobei ich "Wicked Road" (okay, ich kürz den Titel jetzt auch so ab) aber tatsächlich gar nicht als "dunkler" als den "Navigator" empfinde, dessen schön melancholischen Touch (und leicht mystischen Text) ich hier einfach nicht so raushöre bzw. im direkten Vergleich ganz klar bevorzuge. Komplett fröhlich und ausgelassen klingt "Wicked Road" natürlich keineswegs, und über Hoffnung-spendende Lyrics beschwer ich mich ganz sicher auch nicht (die kann man ja von Tag zu Tag mehr brauchen), aber, puh, gerade der Chorus ist mir wohl einfach einen Touch zu 'schön', der löst fast eher leichte Abwehr in mir aus. Tatsächlich finde ich andere Parts des Songs ziemlich gut, und vermutlich ist das ganze Lied für das, was es halt sein soll, auch fabelhaft gelungen, aber so in Gänze ist es einfach nicht wirklich meins. Ich bin aber bereit, meinen Eindruck eher auf eigene emotionale Verkrustungen als auf die Band zu schieben.
Take to the Skies
Wo ich den sehr beliebten "Wicked Road" ein wenig schmähe, springe ich aber dafür gerne für das hässliche Entlein "Take to the Skies" in die Bresche. Sicher, zu den spektakulärsten MC-Nummern zählt der Track nicht, und wenn man den wenig eleganten Fade-Out am Ende mit der Hintergrund-Info, dass die Band wenig Zeit für das Album hatte, in Verbindung setzt, kann man schon den Eindruck bekommen, dass das Ding noch schnell fertig werden musste, um es dann am Ende der Platte zu verstecken. Und doch: Mir macht der Song viel Spaß, und wenn ich ehrlich bin, gefällt der mir aktuell sogar etwas besser als "Outrun Infinity". Ich mag's, wie die Lead-Gitarre die Flug-Bewegungen des Schweine-Piloten aus "Porco Rosso" nachempfindet, und ich mag einige Parts wie z. B. "Arrogant American / I'll show this yank what's what" - der Song hat einfach Persönlichkeit und dazu einen gewissen luftigen Drive, den ich sehr ansprechend finde. Kein Riesen-Highlight, aber eine coole Nummer.
Vorläufiges (!) Fazit zu "Showdown": Drei der sechs Songs sind für meine Ohren richtig großartig, der Rest mindestens ziemlich gut. Möglicherweise der Schnellschuss (passt ja zum
Gunslinger-Cover, haha) unter den MC-Releases, für mich aber dabei immer noch besser als alle mir bekannten 2023er-Alben (was aus meiner Sicht aber auch kein gutes Musik-Jahr war). Die beste derzeit aktive Metal-Band sind sie natürlich sowieso. Will Konzerte.