Tja, da entgeht mir ja mal in Abwesenheit fast das Finale, aber ich versuch's kurz zu machen. Kurios übrigens, dass wir hiermit dann vier (und wohl bald fünf...) Titelsongs in einer Reihe haben. Das gab's bei Maiden nicht, wa?
Minstrel In The Gallery: Knapp gescheitert auf Platz 24. Die "Problematik", die dieses Album bei mir hat, hatte ich ja schon bei "Baker St. Muse" beschrieben, aber dieser Song ist natürlich zugänglicher und ausgewogener, wodurch eigentlich alle Aspekte - die Hymnik des Anfangs, die Power des galoppierenden Mittelteils und die Eingängigkeit des Schlussteils - gut zum Zug kommen. Die Dramatik von Stücken wie "Cold Wind To Valhalla", "Hunting Girl", "My God" oder fehlt mir hier aber, irgendwie ist die Stimmung des Stücks fast durchgängig unverändert und einseitig.
Songs From The Wood: Steht bei mir auf der 7. Ist eigentlich nicht so viel anders ausgerichtet als "Minstrel...", aber um einiges kleinteiliger, wendungsreicher, dynamischer und detaillierter arrangiert - ein Treffer von Anfang bis Ende. Dass es mehr oder weniger dieser Song und "Hunting Girl" waren, die mich zum Fan gemacht haben, dürfte aus meinen früheren Ausführungen wohl hervorgegangen sein. Und vielleicht spielt hier auch mit rein, dass diese Verspieltheit gut an meine damalige (und natürlich auch heute noch bestehende) Begeisterung für Gentle Giant anknüpfen konnte.
Heavy Horses: Meine Nummer 4. Kurioserweise als Titelsong fast das genaue Gegenstück zu seinem Vorgänger - es ist von Anfang an sehr flüssig und wie aus einem Guss komponiert, geht dabei aber dennoch keine simplen Wege. Die anfangs schon mit Flöte vorgestellte Refrainmelodie ist einfach nur zum Dahinschmelzen schön, und die nur mit Strophe beginnende Strophe fügt sich da nahtlos an. Auch der filigrane Galopp in der Mitte ("
Standing like tanks on the brow of the hill") kickt das Ganze zusätzlich, und zu den Streicherarrangements von Dee Palmer wird wohl auch niemandem hier je im Traum einfallen, dazu "Kitsch!" zu rufen (anders als noch beim "Too Old To Rock 'N' Roll"-Titeltrack, gell?). Ja, sowas von toll.
Aqualung: War tatsächlich der erste Song der Band, den ich überhaupt gehört habe, aber über Platz 82 ist der halt nicht hinausgekommen. Das schleppende Hauptriff zieht sich zu sehr, und dass sich die Gesangsmelodie einfach daran entlanghangelt, ist auch nicht gerade elegant - das ist ein bisschen wie bei "Iron Man" von Black Sabbath. Der B-Part mit diesem Dee-Dee-Dee-Dee ist dann auch etwas zu wehleidig geraten - aber diese Manier zu singen scheint sich Anderson danach auch abgewöhnt zu haben. Bemerkenswert finde ich heute eigentlich nur noch, dass der Instrumentalpart danach später von Blue Öyster Cult zwar auf anderen Instrumenten, aber melodisch fast 1:1 in "Astronomy" übernommen wurde - für den dortigen B-Part ("
Four winds at the four winds bar...") und das folgende Solo.
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Und was jetzt noch kommt? Tja, die Spatzen pfeifen es wohl schon von den Dächern. Insofern wäre es wohl schon sehr scheinheilig, wenn ich hier "Lasse ich mich mal überraschen..." schriebe. Na ja, vielleicht hatja tatsächlich "European Legacy" das Rennen gemacht, oder zumindest "From A Dead Beat To An Old Greaser".
