Non-Metal-Jahreshochlichter, habe ich auch ein paar zu bieten.
Apoptose - Die Zukunft
Das fünfte Album des Klangkünstlers würde ich als sein fragilstes bezeichnen. Mit jedem Album hört man eine deutliche Weiterentwicklung in Sachen Soundkreation.
Waren auf den Vorgängern die Einflüsse aus Folk, Industrial, Minimal, Ambient und perkussiven Elementen deutlich wahrnehmbar, zerfliessen sie hier zu einer unheimlichen,
unterschwellig bedrohlichen Einheit, wobei die Folk Elemente und die harten perkussiven Passagen verschwunden sind, was jedoch kein Makel ist.
Eines seiner Markenzeichen (Kinderstimmen), daß die intensive dystopische Atmosphäre trägt und formt ist natürlich wieder vorhanden und spiegelt für mich die Zerbrechlichkeit der Zukunft, angesichtst des Zustands der Menschheit, immer wieder in den Vordergrund.
Auch die Stimme des Kontratenors Daniel Sans und die Art und Weise wie er hier wirkt, gestalten diese Zerbrechlichkeit.
Mit dem ersten Track "Just Two Hours" wird einem der Einstieg leicht gemacht, ist aber auch ein Hammer-Song. Danach muß man etwas Zeit investieren und mit jedem Durchlauf erkennt man neue, spannende Facetten in seinem Klangkosmos und begreift worum es dem Künstler hier geht.
Treffend auf den Punkt gebracht durch eine Kinderstimme: "Wir sitzen in unseren Zimmern und draußen wird unsere Zukunft zerstört."
Ashram - Human And Divine
Ein Album aus dem Neoklassik (hauptsächlich) / Darkwave (in Spurenelementen) Bereich. Hauptsächlich Gesang, Violine und Klavier. Mag vllt. einigen zu pathetisch daherkommen, doch finden sich hier wunderschöne Melodien zu denen man einfach mal runterkommen kann. Mag ich nicht immer hören und auch nicht nebenbei, doch wenn man mal eine melancholische Ruhephase braucht / hat, bietet diese Musik einen schönen Rahmen dazu.
Auch hier gibt es wieder Songs die einem sofort ins Ohr gehen und andere, die ihre Faszination erst nach einigen Hörgängen offenbaren.
Das Video zum u.a. Song hat leider in der heutigen Zeit wieder viel zu viel Relevanz und ich deute die Musik dazu als Antithese zum dargestellten Geschehen.
https://www.youtube.com/watch?v=gO6Xb5NZzqY
Inade - The Nine Colours Of The Threshold
Nach fast 10 Jahren gibt es endlich wieder Kost der beiden Dark-Ambient Ausnahmekünstler.
Trotz der langen Zeitspanne, wirkt hier nichts, aber absolut gar nichts zu lange ausgearbeitet und damit verschlimmbessert. Im Gegenteil, sie liefern hier eines ihrer
stärksten Werke ab, das zu einer spannenden Reise abseits von Raum und Zeit einlädt.
Abgesehen von den beiden ersten Songs, die mich etwas an das Nebenprojekt Circular eines der Protagonisten erinnert, bekommt man den typischen Inade Sound, ohne
daß es wie eine Kopie ihrer selbst klingt. Wabbernde, düstere und pulsierende Klanglandschaften des Unbekannten, nicht Fassbaren. Man schwebt, hält inne, lauscht und
reist weiter ohne zu ahnen wohin, aber das ist auch egal. Man ist gefangen in der amporphen Weite der Klänge, die Bezug nehmen auf Gustav Meyrink, H.P. Lovecraft
(mal wieder H.P.L., aber warum auch nicht) und anderen aus der okkulten Ecke. Doch niemals karikieren sich Inade selbst durch zuviel Pathos oder übliches Dark-Ambient Gewummere. Ein Licht in der mehr und mehr in Gleichförmigkeit endenden Dark-Ambient Szene.
Kopfhörer auf, Augen zu und abheben.
https://www.youtube.com/watch?v=qckNM23FJ50
Pterygium - Concealing The Past
Ein Mann Projekt, der geschickt Noise, Industrial, Dark-Ambient und Power Electronics zu einem schmackhaften Ganzen vermengt.
Ist sein CD-Debut, von ein paar Tape VÖ abgesehen. Muss leider gestehen, daß ich hier den Sound höre den ich so in etwa selber machen wollte. Diese Melange aus den genannten Stilen passt. Vergleichbar vllt. mit Prurient's "Frozen Niagara Falls", doch hat hier jeder Song für mich eine tragende Grundlage aus einem der o.g. Stile,
die dann ergänzt werden. Das ergibt sicherlich kein homogenes Album, aber eine abwechslungsreiche Reise, ein Hindernissritt der Spaß macht und stets kurzweilig bleibt.
Ein gelungenes Debut, dessen einziger Kritikpunkt für mich ist, daß manche Songs einfach zu kurz sind um sich darin zu verlieren.
Hier kann und möchte ich keine Hörprobe angeben, da die Songs doch zu unterschiedlich sind. Wer sich angesprochen fühlt, möge das Orakel der Tube befragen und
sich durchhören.
Riversea - The Tide
Nun sind wir in der Schublade Prog-Rock gelandet. Man darf hier keine Innovation erwarten, was mich an diesem Album so fasziniert ist die Ruhe und Unaufgeregtheit dieses
Albums. Hier gibt es keine herausragenden Höhepunkte in den Songs und genau das fasziniert mich. Es sind wunderschöne, melodische Songs, begleitet durch einen warmen,
fragilen, leicht rauen, melancholischen Gesang mit einer für mich wunderbaren Stimmfarbe. Man geniesst die Ruhe, welche die Songs ausstrahlen, man kann einfach mal zu schönen Melodien abschalten und sich treiben lassen. Es ist eine homogen Einheit von Anfang bis Ende, ohne Wellen. Hier wird nichts neu erfunden, es wird einfach nur
schöne entspannte Musik gemacht.
https://www.youtube.com/watch?v=FTya9kZfTpY
Twelfth Night - Sequences
Es ist nur ein Song, den die Band hier veröffentlicht, allerdings in drei Versionen.
Die erste Version (23:24 min) ist die, wie die Band ihn ursprünglich haben wollte aber nie veröffentlichen durfte, jaja die Plattenfirmen.
Die zweite Version (23:22 min) ist rein instrumental, es fehlt also nur der Gesang und 2 Sekunden.
Die dritte und weitaus kürzere Version (9:56 min) wird durch das Piano bestimmt und ist für mich der kleine Geheimtip im Bandkosmos, da hier die Melodie nochmal auf ein anderes Level transportiert wird.
Irgendwo weitestgehend im Prog-Sektor verortet, gibt es hier einen wunderbaren Anti-Kriegs-Song, angelehnt an eine persönliche Geschichte eines Kriegsveterans aus dem I. Weltkrieg (soviel ich weiss), der sehr facettenreich ist. Geführt von tollen Melodien, Drehungen und Wendungen, sowohl insstrumentell als auch gesanglich.
Allein der Anfang der Piano-Version lässt mein Haare Spalier stehen.
Da ich leider die neuen Aufnahmen nicht im Netz gefunden habe, hier die VÖ auf der Live Scheibe der Band aus dem Jahre 1984, der deutlich macht wohin die Reise geht.
Für mich einer der emotionalsten und besten Songs ever.
https://www.youtube.com/watch?v=kqqykA0QzSI
Hoffe für irgendjemand ist etwas interessantes dabei.
Falls nicht, Danke das ich Euch langweilen durfte.
