Aber der Weidner spielt sich als moralisches Gewissen auf. Das entbehrt nicht einer gewissen Komik.
Und wie soll man diese rechtliche zweite Chance wahrnehmen, wenn sich die Gesellschaft dazu verpflichtet fühlt, sie zu verweigern, im Sinne eines übergesetzlichen Prangers, einer excommunicatio perpetua?
An der Stelle muss ich bekennen, dass ich, obwohl im Umfeld viel gehört und auch von mir musikalisch nie schlecht gefunden, es mir jahrzehntelang selbst nicht gestattet habe, mich als Onkelz-Fan zu sehen. Die Band an sich fand ich dabei nie unsympathisch, sondern mir war "die Fangemeinde" in dieser Pauschalität immer suspekt, zumindest hab ich das so empfunden. Prollig, in besonderem Maße alkoholaffin, herdenmental... alles Dinge, mit denen ich nicht besonders gut klar komme, und das obwohl einige gute Freunde Onkelz-Fans sind. Die sah ich dann eher als Ausnahme, als die netten Ausnahmen in einer stigmatisierten Gruppe. Ich habe mich tatsächlich erst in den letzten zehn Jahren selbst von dem Klischee befreit, dass man als ernsthafter Metalfan mit Anspruch die Onkelz nicht mögen darf, und mir inzwischen tatsächlich nahezu alles, was irgendwie von der Band relevant ist, nachgekauft, weil ich die Band originell finde, generell besonders gerne Bands unterstütze, die aus der Sicht anderer "gecancelt" gehören, und zudem tatsächlich im Gegensatz zu vielen anderen gerade vor Kevin Respekt habe, weil ich bemerkenswert finde, dass er sich nach dieser Krankheitsgeschichte und Versagensgeschichte noch einmal so zusammen gerissen hat, dass er wieder dort hin gekommen ist.