Onkelz .... WTF?

Die Erinnerung aufrecht erhalten. Anstatt zur Tagesordnung überzugehen.
Aber der Weidner spielt sich als moralisches Gewissen auf. Das entbehrt nicht einer gewissen Komik.


Von rechtlicher Seite her ja, das steht außer Frage, aber von "uns" hat er genau nichts verdient.
Und wie soll man diese rechtliche zweite Chance wahrnehmen, wenn sich die Gesellschaft dazu verpflichtet fühlt, sie zu verweigern, im Sinne eines übergesetzlichen Prangers, einer excommunicatio perpetua?


Ich will gar nicht abstreiten, dass es eine Menge Unsympathen im Fanlager der Onkelz (und jeder anderen Band dieser Größenordnung) gibt. Aber auch beim auf den ersten Blick größten Onkelz-Proll wäre es ratsam, erstmal hinter die Fassade zu schauen. Just my two cents...
An der Stelle muss ich bekennen, dass ich, obwohl im Umfeld viel gehört und auch von mir musikalisch nie schlecht gefunden, es mir jahrzehntelang selbst nicht gestattet habe, mich als Onkelz-Fan zu sehen. Die Band an sich fand ich dabei nie unsympathisch, sondern mir war "die Fangemeinde" in dieser Pauschalität immer suspekt, zumindest hab ich das so empfunden. Prollig, in besonderem Maße alkoholaffin, herdenmental... alles Dinge, mit denen ich nicht besonders gut klar komme, und das obwohl einige gute Freunde Onkelz-Fans sind. Die sah ich dann eher als Ausnahme, als die netten Ausnahmen in einer stigmatisierten Gruppe. Ich habe mich tatsächlich erst in den letzten zehn Jahren selbst von dem Klischee befreit, dass man als ernsthafter Metalfan mit Anspruch die Onkelz nicht mögen darf, und mir inzwischen tatsächlich nahezu alles, was irgendwie von der Band relevant ist, nachgekauft, weil ich die Band originell finde, generell besonders gerne Bands unterstütze, die aus der Sicht anderer "gecancelt" gehören, und zudem tatsächlich im Gegensatz zu vielen anderen gerade vor Kevin Respekt habe, weil ich bemerkenswert finde, dass er sich nach dieser Krankheitsgeschichte und Versagensgeschichte noch einmal so zusammen gerissen hat, dass er wieder dort hin gekommen ist.
 
Schade, wo ich gerade frisch auf das bereits wild rotierende Jahrmarktsfahrgewerbe aufgesprungen bin. Macht aber nichts, muss nicht alles ausdiskutiert sein. Wichtig ist nur, dass nicht der Eindruck entsteht, dass es eine allgemeinverbindliche Perspektive auf den moralisch richtigen Umgang mit bestimmten Bands und Musikern gäbe.
 
tatsächlich im Gegensatz zu vielen anderen gerade vor Kevin Respekt habe, weil ich bemerkenswert finde, dass er sich nach dieser Krankheitsgeschichte und Versagensgeschichte noch einmal so zusammen gerissen hat, dass er wieder dort hin gekommen ist.

Und genau darum geht es. Aus diesem Abgrund herauszukommen und es jetzt alles besser zu machen.
Wir sind alles nur Menschen.
Es kann uns alle treffen.
 
Aber der Weidner spielt sich als moralisches Gewissen auf. Das entbehrt nicht einer gewissen Komik.



Und wie soll man diese rechtliche zweite Chance wahrnehmen, wenn sich die Gesellschaft dazu verpflichtet fühlt, sie zu verweigern, im Sinne eines übergesetzlichen Prangers, einer excommunicatio perpetua?



An der Stelle muss ich bekennen, dass ich, obwohl im Umfeld viel gehört und auch von mir musikalisch nie schlecht gefunden, es mir jahrzehntelang selbst nicht gestattet habe, mich als Onkelz-Fan zu sehen. Die Band an sich fand ich dabei nie unsympathisch, sondern mir war "die Fangemeinde" in dieser Pauschalität immer suspekt, zumindest hab ich das so empfunden. Prollig, in besonderem Maße alkoholaffin, herdenmental... alles Dinge, mit denen ich nicht besonders gut klar komme, und das obwohl einige gute Freunde Onkelz-Fans sind. Die sah ich dann eher als Ausnahme, als die netten Ausnahmen in einer stigmatisierten Gruppe. Ich habe mich tatsächlich erst in den letzten zehn Jahren selbst von dem Klischee befreit, dass man als ernsthafter Metalfan mit Anspruch die Onkelz nicht mögen darf, und mir inzwischen tatsächlich nahezu alles, was irgendwie von der Band relevant ist, nachgekauft, weil ich die Band originell finde, generell besonders gerne Bands unterstütze, die aus der Sicht anderer "gecancelt" gehören, und zudem tatsächlich im Gegensatz zu vielen anderen gerade vor Kevin Respekt habe, weil ich bemerkenswert finde, dass er sich nach dieser Krankheitsgeschichte und Versagensgeschichte noch einmal so zusammen gerissen hat, dass er wieder dort hin gekommen ist.

Zum Thema "Onkelz darf man als Metal Fan nicht hören". Man kann man die Onkelz gerne hören und auch gut finden. Das ist reine Geschmackssache. Muß ja nicht von mir oder anderen gut gefunden werden, sondern von dem Hörer selbst. Ich selbst kann die Onkelz überhaupt nicht ab. Das hat hier nichts mit Ihren Fans zu tun, sondern mit den Jungs und ihren Widersprüchen an für sich in den letzten 20 Jahren (besonders nach dem Split).
 
Zum Thema "Onkelz darf man als Metal Fan nicht hören". Man kann man die Onkelz gerne hören und auch gut finden. Das ist reine Geschmackssache. Muß ja nicht von mir oder anderen gut gefunden werden, sondern von dem Hörer selbst. Ich selbst kann die Onkelz überhaupt nicht ab. Das hat hier nichts mit Ihren Fans zu tun, sondern mit den Jungs und ihren Widersprüchen an für sich in den letzten 20 Jahren (besonders nach dem Split).

Nur der Klarstellung halber: Mein jüngeres Selbst hatte nicht das Gefühl, dass mir jemand oder "die Szene" verböte, die Onkelz zu hören. Es passte schlicht nicht zu meiner stilistischen Selbstverortung als Metalhead, mich näher mit den Onkelz zu befassen. Waren halt "nicht Metal enough" für das, was ich meinte zu sein. Diese primär stilistische Selbstbeschränkung bröckelt ein wenig, spätestens seit ich 40 bin. Man wird halt doch (ein bisschen) erwachsen und lernt auch damit umzugehen, wenn Bands über Alkohol, Drogen und Sex singen. Auch wenn sich diese Songs immer noch ein bisschen, nun ja, "undersophisticated" anfühlen. Zu offensichtliche Real-Life-Bezüge in Texten sind eh nicht so das meine.
;)
 
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Man kann ja von den Onkelz halten was man will.Egal ob man sie mag oder hasst.Fakt ist das diese zweifehalfte Anfangszeit der Band ihnen genau zu diesem Status verholfen hat den sie heute haben.
Natürlich sind damals einige Texte verfasst worden die absolut nicht gehen,aber was sie damit auslösen sollten war denen sicher nicht bewusst.
 
Bei mir is so, dass die Band nach 2 unglaublich starken Scheiben sehr schnell eher unterwältigend wurde. 'Es ist soweit' finde ich schon lahm.

Letzte für mich akzeptable Platte war 'E.I.N.S.' samt der Buchveröffentlichung 'Danke für Nichts'. Das wäre insgesamt imo noch ein starker Abschied gewesen!

Heute rückblickend können bei mir nur noch 'Onkelz wie wir' und 'Kneipenterroristen' bestehen. Dafür aber richtig!

Insbesondere die Opferrolle der Band und die Diskrepanz zwischen real Life und aufgebautem Image gehen für mich gar nicht.
 
Ach das Image der Band ....
Ich für meinen Teil höre die Onkelz sehr gerne, nehme das aber auch alles nicht so ernst. Viele Onkelz-Hörer (sicher nicht alle, aber eben genügend) sind schon etwas beschränkt. Ich war auf 8 Onkelz-Konzerten bisher und maße mir das daher einfach mal so an. Man sieht dort schon allerlei Leute, um die man sonst wohl eher nen Bogen machen würde. Auch genügend politische inakzeptable Tattoos sieht man leider immer noch. Der Weidner betreibt auf Grund seines Publikums (das er sehr gut kennt) eben ganz genaue Zielgruppen-Pflege. Ob "Wir gegen den Rest der Welt", "Wir sind eine Familie", "Wir alle sind Opfer" usw. ... die Liste ist da lang. Ich für mich selbst blende das aus und lass den Weidner da labern. Unterm Strich tut er auch keinem damit weh, auch wenn ich es oft peinlich finde. Und das Repertoire der Band bietet genug Alben und Songs, wo man doch auch um diese Themen rum kommt. Ich feier die Musik und sie macht mir Spaß und ist auch ne Jugenderinnerung, wo man selbst auch genug Songs mit nem Schmunzeln hört. Was auf jeden Fall auch lustig ist bei dieser Band sind die vielen Leute, die Zeit verschwenden ihren Hass und ihre Abneigung auszudrücken. Also wenn ich etwas scheisse finde - was auch auf mich keine Auswirkung hat - dann beschäftige mich ich doch schlichtweg nicht damit bzw. nicht in so einem Umfang.
Und zu dem leidigen Thema Kevin muss man leider sagen, der Typ ist und bleibt eine Katastrophe. Bei allem, was er angestellt hat ist es schon gut, dass man das auch nicht vergisst. Wie oft man das dann wieder erwähnen muss sei mal dahingestellt. Kevin ist auf jeden Fall auch der Grund, wieso die Onkelz nie nen Platz auf meiner Kutte haben würden. Das sind dann immer so diese Sachen, wo auch jeder für sich selbst ausmachen sollte ....
 
Natürlich sind damals einige Texte verfasst worden die absolut nicht gehen

2 Texte auf den Demos, wobei T r sogar noch als Punktext mit Augenzwinkern verstanden werden kann, ansonsten gab es da nie etwas was nicht gang und gebe im Oi/Metal/Punk gewesen wäre.

'Es ist soweit' finde ich schon lahm.

Jep, ich werde nie verstehen warum die und ihr Nachfolger so gut ankommen, für mich begann da der langsam aber sichere Abstieg in Richtung Deutschrock. Was aber nicht bedeutet, dass sie danach nicht noch gute Platten rausgebracht haben.

Insbesondere die Opferrolle der Band und die Diskrepanz zwischen real Life und aufgebautem Image gehen für mich gar nicht.

Jep, ernstnehmen kann man da gar nichts.
 
Das ist jetzt ne interessante Formulierung.
Haben sie das Genre nicht eigentlich erst "geschaffen"?

Nein, das Genre gibt es, je nach Auslegung, schon viel länger.

Edith: Es sei denn du beziehst dich auf die ganzen Bands die im Onkelzfahrwasser mitschwimmen und im Endeffekt nur deren Stil kopieren, da gehe ich aber nicht mit und halte es für viel zu engstirnig für eine Bereich, den es schon vor den Onkelz gab.
 
Nein, das Genre gibt es, je nach Auslegung, schon viel länger.
Für mich hat Deutschrock ,so wie ich ihn interpretiere (also nicht deutschsprachige Rockmusik), in der Tat damals (scheiße ich bin alt:D) erst mit den Onkelz angefangen.
Welche Bands packst du den da noch vor ?
Vielleicht hab ich da ja nen Denkfehler.
 
Zuletzt bearbeitet:
Und zu dem leidigen Thema Kevin muss man leider sagen, der Typ ist und bleibt eine Katastrophe. Bei allem, was er angestellt hat ist es schon gut, dass man das auch nicht vergisst. Wie oft man das dann wieder erwähnen muss sei mal dahingestellt. Kevin ist auf jeden Fall auch der Grund, wieso die Onkelz nie nen Platz auf meiner Kutte haben würden. Das sind dann immer so diese Sachen, wo auch jeder für sich selbst ausmachen sollte ....

Danke für diesen Post. Das ist was für viele Onkelz Fans (auch natürlich bei anderen Fans von anderen Bands oft, aber bei Onkelz besonders) auf Grund blinden Fanatismus über alles hinweg gesehen wird.
 
Scheint wirklich ne Frage der Interpretation zu sein.

All die genannten Bands laufen bei mir eher unter deutschsprachiger Rockmusik.
 
Deutschrock haben die Hosen schon vor den Onkelz fabriziert;)
Ansonsten sehe ich da BAP, Westernhagen, Grönemeyer und wie sie alle heißen auch als Vorreiter. Warum das immer mit den Onkelz assoziiert wird, verstehe ich auch nicht so ganz. Vielleicht wollte man da halt eine Nische zwischen Metal und Punkrock schaffen, da man es nicht stilfest einordnen konnte. Und wahrscheinlich ist auch das wieder eine Journalisten-Floskel, die irgendwann übernommen wurde.
 
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