Paradise Lost

Chapeau: Zielsicher die drei schnarchigsten Song herausgepickt! Ich sehe, du verstehst dein Geschäft. ;)
Echt?

Ich hab ja auch ein leicht zwiespältiges Verhältnis zu der Scheibe. Mich machen halt eher die heftigen Tracks an. Der permanente Wechsel zwischen Gegrunze und Host will bei mir nicht so recht zünden. Daher diese Wahl. Was stört Dich denn bzw. welche Phase triffst bei Dir am ehesten?
 
Was stört Dich denn bzw. welche Phase triffst bei Dir am ehesten?

Uff. Eigentlich liegt es mir fern, Sachen die mir nicht gefallen, ausschweifend zu kritisieren. Ich muss vielleicht vorwegschicken, dass PL für meine Metal-Sozialisation eine wahnsinnig wichtige Band waren, da Icon mein Einfallstor in die härtere Musik abseits von MTV, Metallica und Guns N' Roses war. Mein Schlüsselmoment war tatsächlich das Intro zu "Embers Fire" und dann ... Bäm! Sowas hatte der junge Zoid noch nicht gehört!

Draconian Times
war dann das erste Album, auf dessen Veröffentlichung ich sprichwörtlich hingefiebert habe (und ich wurde nicht enttäuscht). Die Sachen vor Icon stellten für mich die ersten Berührungspunkte mit "extremen" Gesang dar und auch diese Alben genießen bei mir weiterhin einen sehr hohen Stellenwert. Die Entwicklung über One Second bis Host war für mich zwar überraschend, aber durchaus nachvollziehbar. Auch hier bin ich (wenn zunächst auch zähneknirschend) mitgegangen. Tolle Songs haben die Jungs ja schließlich weiterhin geschrieben.

Believe In Nothing war dann für mich die erste richtige Enttäuschung. Die Band schien orientierungslos, ausgebrannt, uninspiriert. Das war leider vertonte Langeweile. Symbol Of Life enthielt dann wieder ein paar ordentliche Songs, aber auch hier wollte sich nicht mein geliebtes altes PL-Feeling einstellen. Danach habe ich das Schaffen der Band mit maximal einem halben Ohr verfolgt. Regelmäßig war die Rede von der Rückbesinnung auf die Wurzeln und regelmäßig vernahm ich beim reinhören die gleichen lahmarschigen Versuche, die mich Anfang der 2000er der Band den Rücken haben kehren lassen.

Und irgendwie schien sich alle Welt einig, dass es mit dem diesjährigen Album jetzt aber wirklich back to the roots gehen würde. Nur leider machen ein paar Grunzpassagen noch keine guten Songs. Das wirkt für meine Ohren immer noch einfallslos geschrieben, ohne jegliche Verve im Studio eingespielt und dann formelhaft mittels Sequencer am Computer zusammengeschoben, dass es mich einfach nur traurig macht.

Es freut mich wirklich für jeden, der hieran seine Freude hat und vielleicht etwas von seinem PL-Feeling wiederfindet. Nur mich berührt es leider kein bißchen.

Ist jetzt doch länger geworden, als ich wollte. Aber wenn man über seine alte Liebe spricht, gerät man schonmal ins schwafeln. ;)

EDIT: Will trotz meines euphorischen Promotextes echt keiner das neue Album für umme haben?
 
Zuletzt bearbeitet:
Und irgendwie schien sich alle Welt einig, dass es mit dem diesjährigen Album jetzt aber wirklich back to the roots gehen würde. Nur leider machen ein paar Grunzpassagen noch keine guten Songs. Das wirkt für meine Ohren immer noch einfallslos geschrieben, ohne jegliche Verve im Studio eingespielt und dann formelhaft mittels Sequencer am Computer zusammengeschoben, dass es mich einfach nur traurig macht.

Hm, ich verstehe ja, wenn jemand den frühen 2000er-Paradise-Lost-Alben ein bisschen mangelndes Feuer - oder vielleicht besser gesagt: eine gewisse Unentschlossenheit - vorwerfen mag. Aber spätestens seit "Faith Divides Us ...", "Tragic Idol" und erst recht auf "The Plague Within" hört man doch, dass die Jungs wieder Bock haben. Klar, der Geist der "Gothic"- oder "Icon"-Jahre lässt sich natürlich nicht mehr heraufbeschwören, aber das ist ja schließlich auch 20-25 Jahre (!!!) her. Dafür jedoch, dass die Herrschaften jetzt Mitte 40 sind, hören sich Lieder wie "An Eternity Of Lies", "Beneath Broken Earth" oder "Return To The Sun" doch wirklich sehr beseelt an. Zumindest ich persönlich habe kein Paradise Lost-Album seit "One Second" so oft gehört wie "The Plague Within". Und ich bin extrem gespannt, was Paradise Lost als nächstes tun.
 
Uff. Eigentlich liegt es mir fern, Sachen die mir nicht gefallen, ausschweifend zu kritisieren. Ich muss vielleicht vorwegschicken, dass PL für meine Metal-Sozialisation eine wahnsinnig wichtige Band waren, da Icon mein Einfallstor in die härtere Musik abseits von MTV, Metallica und Guns N' Roses war. Mein Schlüsselmoment war tatsächlich das Intro zu "Embers Fire" und dann ... Bäm! Sowas hatte der junge Zoid noch nicht gehört!

Draconian Times
war dann das erste Album, auf dessen Veröffentlichung ich sprichwörtlich hingefiebert habe (und ich wurde nicht enttäuscht). Die Sachen vor Icon stellten für mich die ersten Berührungspunkte mit "extremen" Gesang dar und auch diese Alben genießen bei mir weiterhin einen sehr hohen Stellenwert. Die Entwicklung über One Second bis Host war für mich zwar überraschend, aber durchaus nachvollziehbar. Auch hier bin ich (wenn zunächst auch zähneknirschend) mitgegangen. Tolle Songs haben die Jungs ja schließlich weiterhin geschrieben.

Believe In Nothing war dann für mich die erste richtige Enttäuschung. Die Band schien orientierungslos, ausgebrannt, uninspiriert. Das war leider vertonte Langeweile. Symbol Of Life enthielt dann wieder ein paar ordentliche Songs, aber auch hier wollte sich nicht mein geliebtes altes PL-Feeling einstellen. Danach habe ich das Schaffen der Band mit maximal einem halben Ohr verfolgt. Regelmäßig war die Rede von der Rückbesinnung auf die Wurzeln und regelmäßig vernahm ich beim reinhören die gleichen lahmarschigen Versuche, die mich Anfang der 2000er der Band den Rücken haben kehren lassen.

Und irgendwie schien sich alle Welt einig, dass es mit dem diesjährigen Album jetzt aber wirklich back to the roots gehen würde. Nur leider machen ein paar Grunzpassagen noch keine guten Songs. Das wirkt für meine Ohren immer noch einfallslos geschrieben, ohne jegliche Verve im Studio eingespielt und dann formelhaft mittels Sequencer am Computer zusammengeschoben, dass es mich einfach nur traurig macht.

Es freut mich wirklich für jeden, der hieran seine Freude hat und vielleicht etwas von seinem PL-Feeling wiederfindet. Nur mich berührt es leider kein bißchen.

Ist jetzt doch länger geworden, als ich wollte. Aber wenn man über seine alte Liebe spricht, gerät man schonmal ins schwafeln. ;)

EDIT: Will trotz meines euphorischen Promotextes echt keiner das neue Album für umme haben?
Das erinnert mich doch deutlich an mein Eingangsposting. Bin halt mit Gothic eingestiegen, bis Host begeistert gewesen und fühlte mich nach Symbol Of Life eingeschläfert. Erst Tragic Idol hat mich wieder begeistert. Zählst Du diese denn zu den schnarchigen 2000er-Alben?
 
So, um mal @Sentinel s 2016-Review-Thread nicht weiter zu terrorisieren muss ich mich hier mal über die Ignoranz der Welt im Allgemeinen und der einiger an dieser Stelle diplomatischerweise nicht zu nennender Nutzer im Speziellen aus**tzen. Ihr merkt, ich bin verstimmt.

Kernproblem ist die nicht enden wollende Ignoranz, dass das weichgespülte 'Icon'-Plagiat (gerne auch 'Draconian Times' genannt) dem verkannten Highlight 'Shades Of God' über sei. Ich höre Euer erstauntes Gelächter? Ja natürlich, solche Leute gibt es wirklich.

Die Fakten bei Draconian Times:
1. Enchantment
2. Hallowed Land
3. The Last Time
4. Forever Failure
5. Once Solemn
6. Shadowkings
7. Elusive Cure
8. Yearn For Change
9. Shades Of God
10. Hands Of Reason
11. I See Your Face
12. Jaded

Ich kann nicht leugnen, eine gefällige Platte. Leider kein wirklich bahnbrechender Schritt (so wie man sie in dieser Phase von der Truppe gewohnt sein konnte), aber ich gestehe eine gewisse Weiterentwicklung zu. Der Schlagzeugerwechsel hat der Band gut getan. Lee Morris spielt deutlich variabler als sein Vorgänger. Aber was hat sich noch getan? Ist der Sound besser? Nun ja, ich empfinde ihn als weichgespült. Das Songwriting? Hmmmm, ich entdecke hier drei, vielleicht vier wirkliche Klassiker (Hallowed Land, Forever Failure, Once Solemn und meinethalben Enchantement), aber ansonsten haben wir hier gute, aber keine spektakulären Tracks. Die damalige Kritik an der ersten Single The Last Time unterschreibe ich voll und ganz: Ein wenig zuuuu cheesy. Die wohlwollende Rechnung mit vier Tracks ergibt eine Ausbeute von einem Drittel.
Besonders gegen das wirkliche Highlight Icon geht diese Scheibe baden. Icon hat die besseren Riffs und den knalligeren Sound.

Die Fakten bei Shades Of God:
1. Mortals Watch The Day
2. Crying For Eternity
3. Embraced
4. Daylight Torn
5. Pity The Sadness
6. No Forgiveness
7. Your Hand In Mine
8. The Word Made Flesh
9. As I Die

Paradise Lost im Umbruch. Eigentlich ist hier von Death Metal nichts mehr zu spüren, auch der gotische Einfluss hat sich deutlich reduziert. Was ist geblieben? Haben wir es mit einer Doom-Platte zu tun? Vielleicht ist es einfach nur Paradise Lost in Reinkultur, kaum zu kategorisieren. Und das mit der dritten Platte. Bevor sie sich dem 'einfachen Metal' zuwandten und weit bevor es einen (aus meiner Sicht) etwas langweiligen Einheitssound gab. Die Tracks? Kracher an Kracher. ;) Ich mag Platten, die nicht übermäßig viele Tracks bieten. Allein das Eröffnungstrio ist wohl schon brillant: Der Uptempo(höhö)-Opener und danach mit Crying For Eternity das erste längere Monster. Die Eröffnungsstrophe (Lying here alone and cold / And I'm waiting for the dawn / Laughter at my every move / As if crippled by my thoughts / And I'm burning cold, burning cold) , die Bridge (oder andere Strophe, wasweissdennich) und dann: All the more! Danach wird mit Embraced ein wahrer Kracher (Take away our world, thrown into the stars / Take away our world, worship all that's ours) nachgeschoben. Ich könnte mich dranhalten. Aber ich bemühe mich, mich kurz zu fassen: ein weiterer Longtrack und danach ein wahres Songwriting-Highlight der Frühphase: Pity The Sadness (Mooooooor-ning, da datdadadada) direkt gefolgt von No Forgiveness! :jubel: Da bin ich ja schon bei fünf Highlights und hab noch nicht mal die Hälfte der Platte rum (Edith sagt, da stimmt was nicht - aber egal, relativ gesehen weit, weit besser). Und es geht glorreich weiter. Die Sause endet bei As I Die, ein Track, den hier wohl viele zu schätzen wissen. Für mich jedoch sogar fast der schwächste Track der Platte.
Noch ein Wort zum Sound: Hier knallt es natürlich noch nicht aus den Boxen, wie man es kurze Zeit später von den überproduzierten 90ern gewöhnt war. Hier haben wir es mit einem basischen Sound zu tun, bei dem wirklich alle Instrumente gut hörbar sind und die Gitarren einem regelrecht durchs Hirn fräsen. Das ist kein Matsch sondern Gourmet-Verzerrung. :D

So, nehmt dies! :cool:






:feierei:
 
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Sehr schön geschrieben, und ich stimme dir in vielem zu. Auch, wenn ich mich bezüglich des Drittwerkes zu gerne mit dir kabbele, so muss ich doch immer wieder betonen: es gibt kein schlechtes Paradise Lost-Werk aus den Neunzigern. Zwar halte ich "Shades Of God" darunter für das am wenigsten zwingende, aber das ergibt in der Summe dennoch alles andere als ein schwaches oder gar schlechtes Werk.

Einspruch aber bei deiner Einschätzung zu "Draconian Times". Natürlich war das fast schon "Icon Part 2". Aber eben nur fast. Die Songs waren leichter, die Produktion luftiger. Ich sehe beide Alben als zusammengehörig und doch auch als hinreichend verschieden. Gerade die vermeintliche "Leichtigkeit" der Platte hat sie in der Langzeitwirkung sehr stark gemacht - das Songwriting muss sich hinter keinem aufgeblasenen Machismo, hinter keiner schützenden Mauer verstecken. In deiner Aufreihung der Klassiker dieser Ära fehlen eindeutig "Shadowkings" und "Yearn For Change". Aber die Wahrheit ist: kein einziger der Songs fällt ab. Zur damaligen Zeit hat das - auch nach meiner Einschätzung - für "The Last Time" gegolten, doch der Song ist mit der Zeit eindeutig gewachsen. Was damals "cheesy" angemutet hat, das war die gefühlt tausendfache Erwähnung des Titels im Refrain - heute erinnert es mich an bessere Zeiten und macht mich auch ganz unabhängig von solch emotionalem Ballast einfach glücklich. Sowieso: wenn man das bei einer Platte aus dem Backkatalog sagen kann, dann ist definitiv "Draconian Times" die "laid back-Wohlfühlplatte" aus der Geschichte dieser großartigen Band.

"Shades Of God" dagegen ist bei aller unzweifelhaften Güte phasenweise etwas unflexibel und schwerfällig. Ich mache hier drei unsterbliche Klassiker aus: "Mortals Watch The Day", "Pity The Sadness" und "As I Die". Als viertes würde ich mit Abstrichen noch "Your Hand In Mine" nennen. Der Sound ist, wie von dir beschrieben, absolut großartig. Darauf sollten sich etliche der heutigen Bands besinnen.
 
Und das mit der dritten Platte.
Öhh für mich ist die Shades Of God die zweite Platte :o

Einspruch aber bei deiner Einschätzung zu "Draconian Times". Natürlich war das fast schon "Icon Part 2". Aber eben nur fast. Die Songs waren leichter, die Produktion luftiger. Ich sehe beide Alben als zusammengehörig und doch auch als hinreichend verschieden.
/unterschreib
 
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