Prodigal Son blickt in sein Plattenregal - ein Reviewthread

Zurück zur…

Natur - Head Of Death (2012, Earache)

Die New Yorker sind zweimal kurz aufgetaucht, haben jeweils ein etwas kauziges, aber in beiden Fällen hochklassiges Album rausgebracht, ein paar Konzerte in den USA und insgesamt 6 Auftritte in Europa absolviert und sind dann wieder lange abgetaucht.

Das Debüt erschien noch vor Deaf Forever Zeiten, aber für mich rechtzeitig, dass ich nach Underground-Perlen gewühlt habe, dummerweise aber zu einer Zeit, als ich primär digital gekauft habe, weswegen ich nur den gekauften Download besitze.

Die Musik steht mit beiden Beinen in einer NWoBHM-Tradition, garniert mit etwas Manilla Road-artiger Kauzigkeit und dezenten Doom-Verweisen. Die Stimme von Ryan Weibust hat einen rauen, leicht punkigen Touch, ähnlich dem jungen Paul Di‘Anno. Der Sound ist roh und trocken, also alles Underground as fuck.

Der eröffnende Titelsong zieht sich verschachtelt über 8 Minuten, ohne dabei an Spannung zu verlieren, die folgenden Songs sind dann etwas kompakter und glänzen durch tolle Leads von Dino Destroyer, der seit Ende 2023 die noch großartigeren Tanith verstärkt. Konkret glänzen Goblin Shark mit der Gitarrenarbeit, Decion mit dem tollen Refrain und der Band-„Hit“ Vermin Rift.

Ein (aufgrund des mir fehlenden Vinyls) leider viel zu selten gehörtes Album, das ich locker mit 8,5 bewerte, der Nachfolger (Afternoon Nightmare) steht hier im Plattenregal und ist keinen Deut schwächer.

Mein Wunsch: nochmal ein weiteres Album und dann drei Wochen lang ausführlich in Europa live austoben.
 
Zuletzt bearbeitet:
Vor einigen Tagen musste ich auch an NATUR denken. Kenne aber nur den Nachfolger.
Fand ich seinerzeit einfach nur unfassbar gut.
Werde mir die von dir genannte auch mal reinziehen.

Danke für die Inspiration.
 
Vergeltsgott für den Tipp, Prodigal Son! Natur werd ich mir definitiv mal genauer anhören! Vielleicht werden die ein ebensolcher Insider-Liebling meinerseits wie Hell, deren beide Alben ich nach wie vor abfeiere und immer wieder rauskrame!
 
Ist irgendwie witzig, das Cover sieht eindeutig nach Doom aus, dass Logo eindeutig nach Black Metal, und die Musik ist nochmal anders ;) Hab die Alben auch bei Apple Music gefunden, falls jemand reinhören will.

Erster Eindruck: Schöne zweistimmige Gitarrenharmonien, wie ich sie liebe, manchmal etwas charmant holprig/schief. Beim ersten Überfliegen sind mir aber schon einige richtig „große“ Parts aufgefallen, so erhaben-episch (dabei ganz ohne Bombast). Dagegen irritieren die Songtitel etwas, die Musik wirkt ja eher ernsthaft, bei den Titeln weiß ich nicht so…
 
ich war Ende 2021 auf der Album Release Show im Rocket Club in Landshut
Hey da war ich sogar auch und hab mir ebenfalls das Album auf Vinyl dort gekauft. Hab es aber seitdem ebenfalls nicht mehr gehört (oder wenige Wochen danach noch), geht mir also ähnlich, auch wenn ich es handwerklich wirklich solide finde. Bemerkenswert fand ich auch, dass beim Gig „Night‘s Blood“ der letzte Song von Thulcandra war, was ich ziemlich respektabel fand, da die Band sich anscheinend bewusst ist, dass das Original dann wahrscheinlich doch unerreichbar ist.
 
Nach 1986 ist bereits vor 1996, dem Jahr das sich @Disbe diesen Sommer im History Battle vornehmen wird. Mir werden da viele Alben wieder unterkommen, die lange nicht mehr präsent waren, so wie dieses hier:



Prong - Rude Awakening (1996, Epic)

Abgespeichert als „tolles Album“, aber ich bin mir sicher, dass ich es in Gänze wohl seit dieser Zeit nicht mehr gehört habe. Was oft lief, war der Titeltrack, den ich auch noch einige Jahre regelmäßig auf Parties aufgelegt hatte, aber vom Rest war nichts mehr im Kopf.

Jetzt also quasi Erstlauschung mit bekannter Vorabauskopplung und herrje, klingt das altbacken und fremd in meinen Ohren. Die ersten beiden Tracks mehr Groove als Songs und selbst der Titelsong hört sich schaumgebremster an, als ich ihn in Erinnerung hatte. Überraschend gefällt mir das dann folgende Unfortunately ziemlich gut, könnte auch von Helmet sein, deren Alben Meantime und Betty dann doch alle paar Jahre bei mir laufen. Auch Face Value lässt mich aufhorchen, bevor es wieder ziemlich öde wird und erst am Ende mit Close The Door noch ein kleines Highlight auftaucht. Weitgehend bleibt das aber ein uninspirierter Mix aus Ministry, Biohazard und den bereits genannten Helmet, deren Alben aus dieser Zeit aber heutzutage allesamt wesentlich besser reinlaufen, wie auch von Prong selbst das thrashige Beg To Differ oder der wesentlich songdienlichere Vorgänger Cleansing.

Leider eine komplette Enttäuschung, mehr als 6,5/10 höre ich da heute nicht mehr raus und 1996 muss mehr zu bieten haben, um im Sommer eine Liste fürs History-Battle von mir parat zu haben.
 
Vor einiger Zeit ist hier im Forum irgendwo auf die Leipziger Division Speed verwiesen worden und ich war verwundert ob deren Herkunft, für mein durcheinandergewürfeltes Hirn waren die als Japaner abgespeichert und zwar felsenfest. Als ich das Album rauskramte und auflegte, war es mir klar.

Natürlich saß ich einem massiven Irrtum auf, ich hatte da zwei Alben gedanklich vermischt, recht wenig gemeinsam haben. Die Japaner, die ich wirklich meinte sind:



Significant Point - Into The Storm (2021, Dying Victims)

Das weiß ich seit heute, als mir das Album zufällig auf den Teller und mir es wie Schuppen von den Augen fiel. Scheinbar hab‘ ich zu viel Musik hier? Ich wusste nur noch, dass das Speed Metal ist (richtig gemerkt) und man deutlich hört, dass es Japaner sind (besonders beim Titelsong). Wieder eines dieser Alben, die seit dem Kauf eingesaugt und nicht wieder ausgespuckt wurden von meinem Regal.

Zu hören ist klarer Speedmetal in bester 80er Jahre Tradition, Schlagzeug und Bass galoppeln nach vorne, die Gitarren surren und pfeifen, dass es eine Freude ist und der Sänger singt hoch und klar, alle miteinander treffen sie nicht jeden Ton, aber doch einige. Macht große Laune, erstaunlicherweise (weil dann doch wenig Variation ist) immer mehr im Verlauf des Albums. Die wären sicher eine Bereicherung gewesen für KIT, Trveheim oder Flos eigene Veranstaltungen, aber irgendwie gab es da 2021 nicht so viele davon.

Ist jetzt kein Klassiker, aber ein launiges flottes Album, das sich redlich um die 8/10 bemüht.
 
Zurück
Oben Unten