Prodigal Son blickt in sein Plattenregal - ein Reviewthread

@Prodigal Son : Review ist wie immer sehr schön und ich stimme der Wertung auch zu.
Kennst Du die frühen Aufnahmen? Ich kannte die schon recht lange und war zumindest überrascht, wie anders das dann klang.
Mich würde Deine Meinung dazu interessieren. Irgendwie sehe ich beide Inkarnationen als unterschiedliche Bands, was angesichts der langen Zeit dazwischen ja auch okay ist.
 
@Prodigal Son : Review ist wie immer sehr schön und ich stimme der Wertung auch zu.
Kennst Du die frühen Aufnahmen? Ich kannte die schon recht lange und war zumindest überrascht, wie anders das dann klang.
Mich würde Deine Meinung dazu interessieren. Irgendwie sehe ich beide Inkarnationen als unterschiedliche Bands, was angesichts der langen Zeit dazwischen ja auch okay ist.

Ja, ich habe die „Sorcerer“ DLP von Hammerheart Records, die alle Demoaufnahmen der Frühzeit (außer dem Stargazer Cover) enthält. Die haben für mich einen viel stärkeren Candlemass-Einschlag und sortieren sich etwas hinter den Genregrößen dieser Zeit ein, während In The Shadow… eine Variante des Epic Doom reinbrachte, die ich so ähnlich in dieser Qualität nur auf der Headless Cross auch noch höre. Diese Gratwanderung konnten sie gerade noch auf der The Crowning Of The Fire King auf der Doom Seite halten, danach wurde es ein Stückchen schwülstiger.
 
Ja, ich habe die „Sorcerer“ DLP von Hammerheart Records, die alle Demoaufnahmen der Frühzeit (außer dem Stargazer Cover) enthält. Die haben für mich einen viel stärkeren Candlemass-Einschlag und sortieren sich etwas hinter den Genregrößen dieser Zeit ein, während In The Shadow… eine Variante des Epic Doom reinbrachte, die ich so ähnlich in dieser Qualität nur auf der Headless Cross auch noch höre. Diese Gratwanderung konnten sie gerade noch auf der The Crowning Of The Fire King auf der Doom Seite halten, danach wurde es ein Stückchen schwülstiger.
Für mich hat die Mischung sogar nur noch auf der "In The Shadow..." gepasst (die ich super fand und eine große Überraschung darstellte). Schon mit dem Nachfolger bin ich nicht recht warm geworden. Da war wohl meine persönliche Schwulstgrenze schon erreicht.
 


The Cult - Sonic Temple (1989, Beggars Banquet)

Jahrelang war für mich klar: Sonic Temple ist das Magnum Opus von The Cult, dicht gefolgt von Electric und dann Love.
Nach längerer Zeit liefen zuletzt alle drei wieder, heute also die Sonic Temple und irgendwas stimmt nicht.
Entweder mit meinen Ohren oder mein Geschmack hat sich massiv verändert? Beides trifft wohl zu.

Primär ist es der Sound der mich stört, die Produktion von Bob Rock ist so viel flacher als die von Rick Rubin beim Vorgänger. Die Rhythmusgitarre bleibt oberflächlich, die Drums klingen etwas dünn, der Bass ist weit im Hintergrund, alles konzentriert sich auf die beiden Hauptelemente: Ian Astburys Gesamg und die Leadgitarre von Billy Duffy. Viel zu unausgewogen im Gesamtbild und viel zu glattpoliert.

Daneben ist diese Art von Hardrock bei mir gar nicht gut gealtert. Wie altbacken Fire Woman auf einmal rüberkommt, ebenso Edie (Ciao Baby). Da wurden auch kompositorisch ein paar Ecken zu viel abgeschliffen und ein bisschen zu viel Kleister drübergeschüttet, damit es MTV gefällt. Klar, das bleiben gute Songs, aber auf eine Tanzfläche hüpfen wie damals würde ich jetzt nicht (dabei könnte ich wieder auf Tanzflächen hüpfen wie damals, wenn ich wollte und es noch Tanzflächen gäbe).
Ein Highlight gibt es aber, welches bei mir neben den großen Hits früher etwas unterging: das erhabene Soul Asylum ist natürlich eine glatte 10. Daneben mit Soldier Blue und Wake Up Time Freedom noch ein paar Diamanten zum Ende hin, aber auch einige Füller wie New York City oder Automatic Blues.

Das klingt jetzt alles etwas negativer als es ist, denn auch aus heutiger Sicht ist das eine 8,5, aber der Überklassiker, als den ich das Album abgespeichert hatte, ist Sonic Temple jetzt nicht.
 
Sehr gute Scheibe, sicher.
Dennoch teile ich die Ansicht, DER Klassiker der Band ist das sicher nicht.
Da haben das bereits erwähnte "Electric" oder die immer gerne übersehenen/unterschätzten "Ceremony" und
"Beyond Good and Evil" mehr zu bieten.
 
Auf dem HoH habe ich unter anderem die (noch) aktuelle LP von Zerre erworben und seitdem ausführlich goutiert. Als ich sie gerade in mein Regal einordnen wollte, fiel mir zu meiner großen Überraschung auf, dass in direkter Nachbarschaft beim Buchstaben „Z“ zwei Alben der 80er Jahre Chicago-Thrasher Zoetrope stehen, die ich wohl während meines Kaufwahns in der Covid-Zeit zugelegt hatte und die seitdem vergessen rumstauben.

Also gleich mal


Zoetrope - Amnesty (1985, Combat, hier: 2018, Floga)

aufgelegt und am kurzen, wie kurzweiligen Thrash/Speed der 2. Reihe aus den 80ern erfreut. Die Songs sind roh, ungeschliffen und alles andere als perfekt gespielt, insofern haben sie eine gewisse Punk-Attitüde. Aber stilistisch ist das ein bisschen zwischen den Stühlen: für Speed Metal zu wenig (also gar kein) Gekreische, für Thrash-Metal etwas zu wenig Schärfe in den Riffs, für Hardcore-Punk zu melodisch. Eigentlich fast schon Rock‘n‘Roll im motörheadschen Sinne, was ja bekanntlich eine der besten Referenzen überhaupt ist.

Aber egal, das halbe Stündchen macht unglaublich Spaß und ich weiß jetzt wieder, warum ich mir die Scheibe geholt habe, auch wenn das kein 9+/10-Punkte Klassiker ist, wie so viele andere Alben aus Mitte der 80er, sind es immerhin solide 8 und die Empfehlung, das Album (und den Nachfolger A Life Of Crime) mal anzuchecken, wenn man auf (Proto-)Thrash Metal und Motörhead steht.
 
Wie man ein Album neu entdeckt, das schon seit über 10 Jahren im Plattenregal steht oder…



Apollo Ra - Ra Pariah (1989, No Remorse Re-Issue 2015)

Schande über mein Haupt, aber da verstaubte ein wahres Kleinod im CD-Regal, was vor allem dem Umstand geschuldet ist, dass ich kurz nach dem Kauf des Tonträger meinen Fokus wieder voll in Richtung Vinyl verschoben habe.

Den geneigten Spezialisten in diesem Forum dieses Album näher zu beschreiben, hieße Metal nach Athen zu tragen, aber für alle, die Apollo Ra nicht so auf dem Schirm haben: die Band aus Baltimore gehört zur zweiten Welle des klassischen US-Power Metal und steht technisch und kompositorisch den Vorbildern Jag Panzer, Liege Lord oder Sanctuary in nichts nach. Ihr Problem war, dass sie keinen Vertrag bekamen und das Album/Demo lediglich in Tapetrader-Kreisen zirkelte. Ich habe von der Existenz der Band erst erfahren, als dieser ReRelease rauskam.

Die Songs sind meist im Mid-Tempo, einen Hauch progressiv und doch ordentlich nach vorne gehend, meist mit richtig eingängigen Refrains, ohne jemals auch nur einen Hauch cheesy zu sein. Sänger Daniel John Miller brilliert mit einer tollen, hohen Stimme irgendwo zwischen Dane, Midnight und Halford. Die Gitarren solieren und Riffen, dass es eine wahre Freude ist. Da sitzt jeder Song, als Tipps nur exemplarisch das flotte Creating Zero, den Titelsong Ra Pariah und Coming Of Age/Rukkus genannt.

Was bin ich für ein Idiot, dass ich diese Scheibe so lange verstauben habe lassen, rein musikalisch ist das nahe an der Perfektion (9,5 Punkte), leichte Abzüge gibt es leider für den dünnen Sound, macht im Endergebnis eine grandiose 9/10.

Mittlerweile gibt es auch eine von Patrick W. Engel remasterte Version bei HRR, LPs sind vorrätig. Wer das Album noch nicht kennt: zuschlagen!
 
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Davon habe ich diese Version abzugeben:

Ist ein Bootleg mit dem o. g. dünnem Sound, aber sonst in sehr gutem Zustand. Gibt es für einen 5er.

Habe mir mittlerweile den Remaster mit Bonus-CD zugelegt, der deutlich besser klingt. Patrick Engel kann auch kein Wein aus Wasser machen, aber eine gute Schorle ist es geworden. Oder so.
 
Auch so ein Album, dass ich mir seit Ewigkeiten anhören wollte. Gabs da nicht sogar mal ein Review im Rock Hard?
 
Aus gegebenem Anlass (am Freitag werden sie beim Metalheadz Open Air auftreten) habe ich mal das einzige Album aufgelegt, das ich von ihnen habe:



Vengeance - We Have Ways To Make You Rock (1986, CBS)

Ich kann mich erinnern, dass dieses Album (und auch die beiden Nachfolger) damals in der Metalpresse hochgelobt wurde, im Hammerjahr 1986 war es im Mai sogar Soundcheck-Sieger im damals noch (weitgehend) kompetenten Metal Hammer.

Aus historischer Sicht (und die haben wir ja, das entsprechende History Battle ging erst kürzlich zu Ende) eine komplette Fehleinschätzung. Weder bei mir, noch bei Euch ist dieses Album im Rückblick in Erscheinung getreten und ich habe die LP nur, weil mir vor ein paar Jahren ein Freund seine Sammlung überlassen hat, aktiv darum bemüht hätte ich mich nicht wirklich.

Was gibt es also zu hören: sehr, sehr biederen, angesleazten melodischen Heavy Rock amerikanischer Machart, technisch hervorragend dargeboten von 5 Niederländern. Gitarrist Arjen Lucassen wurde später mit Ayreon progressiv und brilliert hier, Sänger Leon Goewie hat eine kraftvolle Stimme, irgendwo zwischen Mike Tramp und David Lee Roth und genau da siedelt sich auch die Musik an: in der Schnittmenge zwischen White Lion und Van Halen, also viel seriöser als die ganzen schrecklichen Haarspray-Bands aus den USA, aber (und das ist leider der entscheidende Punkt), kompositorisch doch deutlich hinter diesen beiden. Das Album lief einfach durch, immer angenehm klingend, aber kein einziger Song blieb da hängen. Trotz der hohen technischen Qualität langt das nur zu 7,5/10 und würde bei meinen heutigen strengen Kaufkriterien somit durchfallen.

Am Freitag könnte das trotzdem eine nette Nummer werden: lauer Frühsommerabend, schon leicht angeheitert, ein bisschen Party, aber auch hier gibt es ein Aber: der Wetterbericht sorgt für trübe Aussichten.
 
Ich mag sowohl die Scheibe als auch die Band. Sicher bei weitem nicht so stark wie die bereits von Dir erwähnten amerikanischen Mitstreiter, aber sowohl Stimme als auch Gitarre reißen so einige Makel in Sachen Songwriting raus. Eindeutig stärker finde ich da schon den Nachfolger "Take it or Leave it" ( 1987), auch "Arabia" ( 1989 ) hat so einige Knaller zu bieten.

Du solltest Dich auf das Konzert freuen, selbstredend hoffe ich auf einen Bericht:D
 
Apollo Ra ist eine Göttergabe, allein schon "Crimson Streets" ey!!!!



Es ist mir ein Rätsel was da in Nordamerika von Mitte der 80er bis Anfang der 90er im Wasser gewesen sein muss, dass da dutzendweise solche Bands das Licht der Welt erblickten. Auch Apollo Ra ist so ein Beispiel dafür warum gerade diese Art von Musik bei mir so "tiefe Spuren" hinterlassen hat - einfach nur endgeil.



Die Vengeance Sachen bis "Arabia" gehören alle mal (am besten vom gleichen Label) vernünftig re-released!
 
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