Liebes Tagebuch, das waren drei sehr schöne Tage. Meine Eindrücke zu Tag 1 hab ich ja bereits ausführlich hier niedergeschrieben, jetzt vertreib ich mir mal die Zugfahrt mit den weiteren Tagen.
Es war das Festival der starken Opener. Was passiert, wenn man reichlich Thin Lizzy und frühe Maiden hört und sich einen Schnauzbart wachsen lässt, demonstrieren Amethyst immer wieder eindrucksvoll. Live immer eine Freude, wie schon beim KiT und dem Rising.
The Night Eternal hab ich in den vergangenen Jahren vielleicht etwas zu oft gesehen, so dass die Vorfreude bei mir eher moderat ausfiel. Dann schwächelte der Sound noch, was das Ganze für mich eher zu einem durchschnittlichen Auftritt machte. Einige Songs packen mich dann doch trotzdem jedes Mal.
The Gems waren im Vorfeld als Pausenband eingeplant, da aus der Konserve für mich nicht überzeugend. Um so schöner zu sehen, dass Musik und Perfomance live sehr wohl funktionieren. Würde mir zwar keine Tonträger kaufen, aber sie mir gerne nochmal anschauen.
Dool dann mit der ersten Offenbarung des Tages. So dicht, so tight, so intensiv. Die Band ließ mich aufgewühlt und zufrieden zurück. Bockstark!
Threshold dann komplett verquatscht und es sekundengenau noch aufs Forumsfoto geschafft, inklusive sehr nettem Anschlussplausch. Der Rest von Nile war dann nicht meine Kragenweite.
Ganz anders dann Crimson Glory - mit hohen Erwartungen beladen ging's in die vorderen Reihen. Beim KiT Rising hatten sie durchaus Startschwierigkeiten, wirkten nervös. Heute hingegen großartig, musikalisch wie emotional. Mein Tages-Highlight!
Zum Abschluss dann Dismember. Machtdemonstation. Abriss. Brutal. Nennt es wie ihr wollt, alles trifft zu. Was für eine brachiale Wand. Groß!
Tag 3 dann bereits um 12 Uhr mit einem erstaunlich vollen Amphi, und das absolut berechtigt. Tailgunner geben Vollgas, als ob es kein Morgen gibt. Ein Quantensprung zum Auftritt von 2023 in Würzburg, so souverän, als ob sie schon 10 Jahre über die Bühnen der Welt toben.
Bei Hiraes zog es uns auf der Suche nach einem trockenen Plätzchen vor die Bühne. Eine gute Entscheidung. Keine Ahnung, wo die Frau die Stimme herholt. Ich bin schon nach einem Manowar-Konzert drei Tage vom Mitsingen heiser. Beeindruckender Auftritt!
The Crypt verlieren danach gegen die Kombination aus Guinness und Cassis. Komplett verpasst, genau wie die erste Hälfte von Deserted Fear, die einer Pommes zum Opfer fiel. Die zweite Hälfte musikalisch nicht meins, dafür sehr sympathische Menschen mit unterhaltsamen Ansagen zwischen den Stücken. Man möchte sie herzen.
Victory unterhalten mich danach sehr gut vom Sitzplatz aus, die Stücke der Temples of Gold wecken schöne Erinnerungen. Zu Myrath geht es danach in die vorderen Reihen. Vor wenigen Wochen noch völlig unbekannt für mich, hat mich das Reinhören sehr neugierig gemacht. Klasse Sänger und sehr stimmige Performance, allerdings nicht mit dem besten Sound vorne. Die Rhythmussektion macht mit seiner Lautstärke das Keyboard größtenteils platt, wodurch gerade die tollen orientalischen Enflüsse flöten gehen. Das Ende mit Believer dafür erste Sahne, inklusive Sing-along-Part.
Dirkschneider dann mit einem sehr starken Auftritt, Udo und Peter mit richtig viel Spaß dabei, das Publikum ebenfalls. Balls to the Wall als Opener ist dabei natürlich auch ein Pfund, um die Meute sofort mitzunehmen. Zum Ende hin dann auch noch mit Überraschungen. Kein "Fast as a shark", kein "Metal Heart", dafür "Burning". Top, hätte gerne noch länger gehen dürfen!
Auf W.A.S.P. hab ich mich im Vorfeld mit Abstand am meisten gefreut. So'n bisschen Wundertüte ist dann ja schon dabei. Worst case wäre eine arrogant-gelangweilte Vollplayback-Show mit peinlichen Ansagen und Trump-Worshipping gewesen. Geliefert wurde aber stattdessen eine fantastische Rock'n'Roll-Show ohne großen Schnickschnack, agil und druckvoll, bei der selbst die wenigen Ansagen sympathisch rüberkamen. Ich hätte mir zwar die eigentlich angekündigte Greatest Hits-Show gewünscht, aber auch die Album One Alive-Setlist lässt wenig Wünsche offen. Besonders Real Me, Wild Child und Blind in Texas bilden ein wunderbares Ende für dieses RH-Jahr und zeichnen dafür verantwortlich, dass meine Stimme bereits vor mir die Heimreise angetreten hat.
Das RH ist und bleibt mit seiner musikalischen Bandbreite, der einzigartigen Location und den vielen netten Begegnungen einfach ein großartiges Festival. Nächstes Jahr hoffentlich dann gerne wieder.