Für solche Erlebnisse bin ich wohl tatsächlich zu jung...puhh
Mein leider einzigens und sehr spätes Slayer-Konzert, war aber auch in Stuttgart. 2019 - letzter Gig in Europa.
The Final World Tour – Stuttgart, Schleyer-Halle (21.07.2019)
Dass ich Slayer hier zum ersten und letzten Mal sehen durfte, war von Anfang an ein klares Highlight.
Geplant war ursprünglich zu zweit. Am Ende waren wir zu dritt unterwegs, alles entspannt über Tickettausch geregelt. Schon auf dem Weg zur Halle war klar: Das hier wird kein normaler Abend.
Vor der Halle: Eskalation vor dem ersten Ton
Vor der Halle war die Stimmung längst auf Anschlag. Überall „SLAAAAAYEEEER“-Rufe, Leute im Dauer-Adrenalin, als würde gleich etwas entschieden werden. Das war kein Warten mehr – das war kollektives Hochfahren.
Und dann kam direkt der erste Realitätscheck: Organisation auf Kante genäht.
Ursprünglich Balingen, dann kurzfristig Schleyer-Halle. Dazu noch die Leute vom abgebrochenen Kiss-Konzert. Rein logisch war klar: Das wird eng. Rein praktisch: es wurde schlimmer.
Die Security irgendwo zwischen Überforderung und Improvisation. Abläufe eher Vorschlag als Regel. Und das Publikum hat sehr schnell angefangen, selbst zu „lösen“, was nicht erklärt wurde.
Dann das Highlight: Bändchen-System.
Zwei Farben. Zwei Bereiche. Klingt simpel.
In echt: sozialer Experiment-Modus.
Denn natürlich gab es Leute, die ihre Bändchen
einfach umgedreht haben, sodass aus „Mitte“ plötzlich „Front“ wurde. Und das Verrückte: Es hat irgendwie… funktioniert. Oder es hat einfach niemand mehr ernsthaft kontrolliert. Irgendwo dazwischen.
Slayer
Und dann kamen Slayer.
Und ab da war alles davor irrelevant.
Der Sound? Egal.
Weil was da kam, war kein Konzertstart – das war ein Einschlag.
Reiner Druck. Keine Diskussion.
Setlist-technisch eigentlich schon fast unverschämt - mein Nacken hätte sich am nächsten Tag am liebsten eigenständig zum Wertstoffhof. begeben und in den Schrottcontainer gelegt: „Mandatory Suicide“, „Postmortem“, „Seasons in the Abyss“, „War Ensemble“, „Black Magic“, „Hell Awaits“, „South of Heaven“, „Raining Blood“, „Angel of Death“…
Das war kein Gig. Das war eine komplette Bandhistorie im Zeitraffer, einmal durch den Körper gejagt – ohne Pause, ohne Erbarmen, ohne Atem.
Jeder Song hat gesessen. Jeder einzelne.
Und über allem dieser Abschiedston. Kerry King: unbeweglich wie ein Verstärker, der einfach nur läuft. Tom Araya dagegen sichtbar emotional, als würde er jeden Song ein Stück weiter loslassen.
Als er am Ende als Letzter von der Bühne ging, war das nicht „Show vorbei“. Das war: "Kapitel zu". Nun...zumindest für ein paar Jahre
Der letzte Moment danach
Und dann dieser Moment, der nur bei solchen Abenden passiert.
Irgendwo von der Bühne fliegt ein Drumstick mit gefühlt 300 km/h ins Publikum. Kein Wurf. Eher ein letzter Abschiedsreflex der Band in die Menge.
Und bevor überhaupt irgendwer denkt, geht’s schon los.
Vorne bricht das komplette Beutechaos aus. Hände überall. Instinkt statt Logik. Slayer eben.
Ein Typ kriegt den Stick tatsächlich zu fassen… und genau in dem Moment passiert das Gegenteil von Gier:
Er gibt ihn einfach weiter...
...an einen kleinen Jungen auf den Schultern seines Vaters, der wahrscheinlich seit einer Stunde genau darauf gewartet hat.
Und plötzlich ist mitten im Chaos so ein kurzer, stiller Moment. Kein Lärm. Kein Kampf. Nur: passt.