Spotify und andere Streamingservices - der Tod von Tonträgern?

Daniel Ek, Spotify-Ceo hat auf X-witter einen rausgehauen:


".....with the cost of creating content being close to zero...."

Das ist nicht nur debatable, sondern schon eindeutig delusional - und Kunst als <content> zu labeln, mehr als bezeichnend.
 
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Ich mag diesen Trend nicht und ich mag auch Spotify nicht, aber so ist der Blick in der Medienbranche. Die Content-Erstellung ist nun mal sehr viel billiger geworden. Auch bei Musik. Wir hätten nicht diese Menge an Durchschnittsmusik, wenn alle noch ein richtiges Studio bezahlen müssten. Es wären uns aber auch viele Schätze entgangen, die an keiner A&R-Abteilung vorbeigekommen wären. Insgesamt gilt hier: Context counts!
 
Ich mag diesen Trend nicht und ich mag auch Spotify nicht, aber so ist der Blick in der Medienbranche. Die Content-Erstellung ist nun mal sehr viel billiger geworden. Auch bei Musik. Wir hätten nicht diese Menge an Durchschnittsmusik, wenn alle noch ein richtiges Studio bezahlen müssten. Es wären uns aber auch viele Schätze entgangen, die an keiner A&R-Abteilung vorbeigekommen wären. Insgesamt gilt hier: Context counts!
So ist das. Gerade im Underground gibt es viele interessante Bands, welche ihren Vorbildern schon seit Jahren den Rang ablaufen, aber stets belächelt werden. Die hätten ohne bezahlbare Studios und Online-Plattformen keine Verbreitungsmöglichkeit.

Jede Medaille hat halt zwei Seiten. Klingt komisch, ist aber so.
 
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Ich mag diesen Trend nicht und ich mag auch Spotify nicht, aber so ist der Blick in der Medienbranche. Die Content-Erstellung ist nun mal sehr viel billiger geworden. Auch bei Musik. Wir hätten nicht diese Menge an Durchschnittsmusik, wenn alle noch ein richtiges Studio bezahlen müssten. Es wären uns aber auch viele Schätze entgangen, die an keiner A&R-Abteilung vorbeigekommen wären. Insgesamt gilt hier: Context counts!
Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht! Jeder Streamingdienst in der Musik hat ja - gegenüber Film und Serien - das gleiche Angebot. Ist ja nicht so, dass BMG/Sony/werauchimmer nur bei Spotify exclusive ist. Das wird aber sicherlich auch irgendwann mal kommen. Vielleicht macht BMG ja einen eigenen Streamingdienst und nimmt alles von Spotify/Deezer/Tidal runter. Von Disney+ lernen heißt vielleicht auch irgendwann mal noch mehr Geld scheffeln.
 
Das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht! Jeder Streamingdienst in der Musik hat ja - gegenüber Film und Serien - das gleiche Angebot. Ist ja nicht so, dass BMG/Sony/werauchimmer nur bei Spotify exclusive ist. Das wird aber sicherlich auch irgendwann mal kommen. Vielleicht macht BMG ja einen eigenen Streamingdienst und nimmt alles von Spotify/Deezer/Tidal runter. Von Disney+ lernen heißt vielleicht auch irgendwann mal noch mehr Geld scheffeln.
Disney hat AFAIK zuletzt doch rote Zahlen geschrieben.
 
Ich mag diesen Trend nicht und ich mag auch Spotify nicht, aber so ist der Blick in der Medienbranche. Die Content-Erstellung ist nun mal sehr viel billiger geworden. Auch bei Musik. Wir hätten nicht diese Menge an Durchschnittsmusik, wenn alle noch ein richtiges Studio bezahlen müssten. Es wären uns aber auch viele Schätze entgangen, die an keiner A&R-Abteilung vorbeigekommen wären. Insgesamt gilt hier: Context counts!

Alles richtig, aber worüber ich mich geärgert habe, ist tatsächlich dieser schon fast verächtlich klingende Manager-Sprech im Kontext der Erschaffung von Kunst.
Daß sich da die monetären Kosten - im Gegensatz zu früheren Zeiten - vergleichsweise gering ausnehmen, bestreite ich ja nicht, aber was ist mit den ideellen?
Jemand wie beispielsweise @Iron Ulf hat schon zu seinen "Gut naß"- Zeiten (jetzt Gut Bass :D...) hier ausführlich sein gelebtes Kunst-Prekariat geschildert; und selbst wenn er für diese Existenz offensichtlich wie geschaffen ist und gar keine "Karriere" mit trockenem Bürojob, Reihenhäuschen, sicherer Pension und allen damit einhergehenden Klischeevorstellungen jemals angestrebt hat, ist doch die Aufgabe finanzieller Gewißheiten zugunsten von Selbstverwirklichung à la "lebe wild und gefährlich" für die meisten Menschen ein Schritt, vor dem sie zurückschrecken würden.
Sorry Ulf, es bot sich hier einfach an, dich als exemplarisches Beispiel gegen die Ekberg-These herhalten zu lassen ;) - es gibt sicher Hunderte anderer Künstler, deren Story ähnlich sein dürfte.
 
Durch die technologische Demokratisierung der Produktionsmittel ist es tatsächlich so, dass der reine Akt der Produktion deutlich günstiger ist, als in der Vergangenheit. Dennoch geht eine Band, die ihr Schaffen ernst nimmt, immer noch eher ins Studio, anstatt selber im Proberaum zu produzieren (wobei das natürlich vollkommen legitim ist und sensationelle Ergebnisse zeitigen kann), sie wird immer noch einen Künstler engagieren, um ein Artwork zu erschaffen, das immerhin ein Teil des Werkes ist und ganz von alleine und vor allem gratis pressen sich LPs auch nicht, ebensowenig, wie das Merch vom Himmel fällt.

Dies, plus die Kosten, die auflaufen, bis man überhaupt erstmal so weit ist, Musik zu machen (Unterricht, Proberaummieten, Gear, Fahrtkosten, und nicht zuletzt auch die Zeit, die all das kostet), ganz zu schweigen von den ideellen Investitionen, die du erwähnst, @LiveEvil, werden von den reinen Streaming-Verwertern, die Künstler bei minimalem Aufwand maximal ausbluten, gerne negiert. Es ist leider genauso, wie @Seehawk schreibt: Das reine Produkt zählt. Scheißegal, was hineingegeben wurde oder ob es überhaupt einer gewissen Qualität entspricht.
 
Es ist leider genauso, wie @Seehawk schreibt: Das reine Produkt zählt. Scheißegal, was hineingegeben wurde oder ob es überhaupt einer gewissen Qualität entspricht.
Es gibt einen Unterschied: Streaming Services in Video brauchen den Content und den neuen Content, um die Leute bei Stange zu halten. Netflix, Amazon, Disney, Apple und Co. sind in direkter Konkurrenz zueinander und alle brauchen Content um ihre Kataloge zu füllen und die Leute bei Laune zu halten. Daher hast Du Netflix eigene Serien, Apple eigene Filme und Dokus.

Bei Musik-Streaming ist das nicht so. Alles ist direkt da, da haben Tiktok und Instagram eher noch Vorteile, weil sie eine Plattform für Video und die Community bieten. Das hat sich geändert gegenüber vorher: Musiker sind im eigenen Marketing unterwegs und Musik entsteht aus diesen Plattformen. Ich habe leider die Namen all dieser Künstler vergessen, die für meine Kids und deren Freunde relevant sind und waren.

Das klassische Musikerlebnis ist anders und Spotify ist eine Folge, aber nicht die Ursache. Wir haben hier immer noch die Sicht auf Alben und Cover und 12 Lieder pro 2 Jahre. Ich finde, wir sind wieder eher bei den 50er und 60er Jahren als irgendwo in den 70er bis 2000er Jahren - was die Albumidee und die Musikvermarktung angeht.
 
Wir haben hier immer noch die Sicht auf Alben und Cover und 12 Lieder pro 2 Jahre. Ich finde, wir sind wieder eher bei den 50er und 60er Jahren als irgendwo in den 70er bis 2000er Jahren - was die Albumidee und die Musikvermarktung angeht.

Das ist eine Entwicklung, die ich ebenfalls sehr interessant finde und aufmerksam beobachte. Es ist wirklich wie eine Rückkehr zu einem Musikmarkt, der vornehmlich auf Kurzformaten aubaut. Allerdings auch mit der, jedem Trend bereits eingeschriebenen Gegenbewegung, zumindest in den konservativeren Genres wie etwa Metal, Jazz und, ironischerweise Prog, die nach wie vor stark über das Albumformat definiert sind. Eine Nische, die nicht zuletzt von vielen jungen Bands und Fans bedient wird.

Im Grunde leben wir somit ja wirklich im Schlaraffenland, denn alles, aber auch alles ist in sämtlichen denkbaren Formaten verfügbar und abrufbar. Aus Musikersicht kann ich nur sagen (und dir beipflichten), dass Streamingdienste vor allem Marketing-Tools sind. Je nach Publikum, das man musikalisch bedient, können dies sogar recht mächtige Tools sein. Für das, was ich so mache, ist es eher ein Service am Fan, der unsere Musik eben unterwegs oder sonstwo streamen mag.
 
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Aus Musikersicht kann ich nur sagen (und dir beipflichten), dass Streamingdienste vor allem Marketing-Tools sind. Je nach Publikum, das man musikalisch bedient, können dies sogar recht mächtige Tools sein. Für das, was ich so mache, ist es eher ein Service am Fan, der unsere Musik eben unterwegs oder sonstwo streamen mag.
Ich weiß jetzt nicht, ob ihr bei einem Label seid. Ich sehe die Zahlen der Musikindustrie und der gehts ja scheinbar richtig gut. Riesig Umsatz, steigt Jahr für Jahr, viel über Streaming.

Man verdient Geld damit, irgendwo bleibt es hängen. Und es ist mehr Geld im BVMI Markt als noch vor 12 Jahren. Es ist - was vorher geschroben wurde - die Schere, die auseinanderklafft. Aber nochmal: Ich schreibe das nur zum Teil dem Streaming zu. Die Vermarktung und der Vertrieb, der Industrieanteil ist grausamer geworden.
a) Es ist viel mehr Musik im Markt (ubiquitär durch das Streaming),
b) es ist viel mehr Geld im Markt aber auch
c) es gibt dadurch viel mehr Schattengebiete, wo kein Licht hinfällt, so dass man da Geld verdienen könnte. Das konzentriert sich auf einige wenige Sonneninseln.

edit: Spotify und Co. haben eine große Macht zu entscheiden, was hochgespült und gespielt wird. Es würde mich aber wundern, wenn das eine Kultur-Redaktion macht. Es würde mich wundern, wenn das ein Random-Algorithmus geht. Ich würde mich nicht wundern, wenn das einfach nach dem Geld geht, was reingepumpt wird.
 
Ich weiß jetzt nicht, ob ihr bei einem Label seid. Ich sehe die Zahlen der Musikindustrie und der gehts ja scheinbar richtig gut. Riesig Umsatz, steigt Jahr für Jahr, viel über Streaming.

Alle meine Bands sind bei unterschiedlichen Labeln unter Vertrag. Wir bedingen uns allerdings aus, die Streamingrechte nicht abzutreten bzw. in Eigenregie zu verwalten. Das hat weniger finanzielle Gründe (die für Bands unseres Genres beim Streaming ohnehin vernachlässigbar sind), als vielmehr ideelle.

Eine kleine Schnurre am Rande: Mich begleitet das Thema "Einkommenseinbußen durch das Internet bei gleichzeitiger Maximierung der Reichweite" schon seit den ganz zarten Anfängen des Filesharing. Um die Jahrtausendwende arbeitete ich für einige Jahre unter anderem als Comic-Autor für verschiedene Independent-Verlage in den USA. Die Titel liefen wirklich gut und wir Zeichner und Autoren waren recht zufrieden, bis einer unserer Verleger einmal gegenchecken ließ, in welchem Umfang unsere Titel per Piraterie geteilt wurden. Und es waren unfassbare Zahlen. Wohlgemerkt musste sich damals noch jemand die Mühe machen, jedes Heft Seite für Seite einzuscannen und als pdf zum Download hochzuladen. Wären alle Hefte, die sich auf den damals gängigen Plattformen zum kostenfreien Download fanden, gekauft worden, wären wir morgens mit dem Porsche in die Redaktion und abends mit dem Lamborghini wieder nach Hause gefahren. Zugleich hat es uns enorm weitergebracht, da durch das intensive Filesharing größere Verlage auf uns aufmerksam wurden und sich weitere Arbeitsmöglichkeiten ergaben. Irgendwie war es für Kreative schon immer Fluch und Segen zugleich, dieses Internet da...!
 
Alle meine Bands sind bei unterschiedlichen Labeln unter Vertrag. Wir bedingen uns allerdings aus, die Streamingrechte nicht abzutreten bzw. in Eigenregie zu verwalten. Das hat weniger finanzielle Gründe (die für Bands unseres Genres beim Streaming ohnehin vernachlässigbar sind), als vielmehr ideelle.

Eine kleine Schnurre am Rande: Mich begleitet das Thema "Einkommenseinbußen durch das Internet bei gleichzeitiger Maximierung der Reichweite" schon seit den ganz zarten Anfängen des Filesharing. Um die Jahrtausendwende arbeitete ich für einige Jahre unter anderem als Comic-Autor für verschiedene Independent-Verlage in den USA. Die Titel liefen wirklich gut und wir Zeichner und Autoren waren recht zufrieden, bis einer unserer Verleger einmal gegenchecken ließ, in welchem Umfang unsere Titel per Piraterie geteilt wurden. Und es waren unfassbare Zahlen. Wohlgemerkt musste sich damals noch jemand die Mühe machen, jedes Heft Seite für Seite einzuscannen und als pdf zum Download hochzuladen. Wären alle Hefte, die sich auf den damals gängigen Plattformen zum kostenfreien Download fanden, gekauft worden, wären wir morgens mit dem Porsche in die Redaktion und abends mit dem Lamborghini wieder nach Hause gefahren. Zugleich hat es uns enorm weitergebracht, da durch das intensive Filesharing größere Verlage auf uns aufmerksam wurden und sich weitere Arbeitsmöglichkeiten ergaben. Irgendwie war es für Kreative schon immer Fluch und Segen zugleich, dieses Internet da...!
Thanks for sharing this :)
 
Alle meine Bands sind bei unterschiedlichen Labeln unter Vertrag. Wir bedingen uns allerdings aus, die Streamingrechte nicht abzutreten bzw. in Eigenregie zu verwalten. Das hat weniger finanzielle Gründe (die für Bands unseres Genres beim Streaming ohnehin vernachlässigbar sind), als vielmehr ideelle.

Eine kleine Schnurre am Rande: Mich begleitet das Thema "Einkommenseinbußen durch das Internet bei gleichzeitiger Maximierung der Reichweite" schon seit den ganz zarten Anfängen des Filesharing. Um die Jahrtausendwende arbeitete ich für einige Jahre unter anderem als Comic-Autor für verschiedene Independent-Verlage in den USA. Die Titel liefen wirklich gut und wir Zeichner und Autoren waren recht zufrieden, bis einer unserer Verleger einmal gegenchecken ließ, in welchem Umfang unsere Titel per Piraterie geteilt wurden. Und es waren unfassbare Zahlen. Wohlgemerkt musste sich damals noch jemand die Mühe machen, jedes Heft Seite für Seite einzuscannen und als pdf zum Download hochzuladen. Wären alle Hefte, die sich auf den damals gängigen Plattformen zum kostenfreien Download fanden, gekauft worden, wären wir morgens mit dem Porsche in die Redaktion und abends mit dem Lamborghini wieder nach Hause gefahren. Zugleich hat es uns enorm weitergebracht, da durch das intensive Filesharing größere Verlage auf uns aufmerksam wurden und sich weitere Arbeitsmöglichkeiten ergaben. Irgendwie war es für Kreative schon immer Fluch und Segen zugleich, dieses Internet da...!
Spanende Geschichte. Aber ich glaube, dass Streaming werden wir nicht mehr los. Ich kann nur für mich sprechen, aber ich sehe das Ganze auch als Chance für kleinere Bands.
 
Daniel Ek, Spotify-Ceo hat auf X-witter einen rausgehauen:

".....with the cost of creating content being close to zero...."

Das ist nicht nur debatable, sondern schon eindeutig delusional - und Kunst als <content> zu labeln, mehr als bezeichnend.

Ich will gar nicht relativieren was hier in den letzten Posts über Spotifys Kommodifizierung von Kunst gesagt worden ist und der Tatsache, dass die Plattform kleine Künstler über Gebühr ausnimmt, aber: wenn der CEO von „content“ auf seiner Plattform spricht, dann meint er auch (und vor allem) Podcasts.

Spotify schreibt seit jeher rote Zahlen und hat vor einiger Zeit versucht, das Ruder mit einem starken Fokus auf Podcasts rumzureissen. Manche erinnern sich vielleicht an die absurden Gagen für die Obamas etc. Wer die App nutzt weiß, wie sehr Podcasts gepusht werden.

Unterhalb der Preisklasse der Obamas bekommt Spotify pro ausbezahltem Euro aber einfach ein Vielfaches an Spielzeit bei Podcasts im Vergleich zu Musik. Und der durchschnittliche Podcast ist meiner Meinung wirklich oft nur content und hat wenig bis keine Mehrwert - geschweigedenn einen künstlerischen.
 
In anderen Underground-Genres gibt es nach meinem Eindruck den Trend, neue Musik nur noch digital oder auf Vinyl zu veröffentlichen. Auch wenn das der Marktentwicklung entspricht: Ein Graus für mich als CD-Sammler und hoffentlich nichts, was sich auch im Metal ausbreitet. :hmmja:

Ich bin als auch-Hip Hop-Hörer extrem angepisst, dass ein paar Releases, die ich schon fast als moderne Klassiker bezeichnen würde, nur als 256 kbps MP3 (!!) Download käuflich zu erwerben sind. Wie wenig kann man seine eigene Musik respektieren? Und das, obwohl Hip Hop eine sehr ausgeprägte Vinyltradition hat(te) und einige sehr bekannte Mailorder - HHV zum Beispiel - ihr Business darauf aufgebaut haben.
 
Eigentlich nicht überraschend, aber Spotify umgeht offenbar sehr gezielt Tantiemen-Zahlungen. Es ist traurig:

 
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