Stand in awe of the feather and claw - Der OWLBEAR Thread

Dr. Pepe

Till Deaf Do Us Part
Keine Ahnung, ob das allgemeine Forums-Interesse an der Band einen eigenen Thread rechtfertigt, aber meine aktuelle Freude an der Musik reicht mir jetzt einfach mal als Begründung. Und auch wenn es sich hier bestimmt um keinen super-obskuren Geheimtipp mehr handelt, fliegt der Eulenbär für mein Gefühl doch noch etwas tiefer unter dem Radar als verdient. Ich glaube, im Deaf Forever kam die Band auch noch nicht groß vor, oder? (Im DF-Archiv konnte ich jedenfalls keinen Eintrag finden.)

Wenn man ohne Reinzuhören nur liest, was man so im Internet findet, könnte man verwirrt sein, denn die Stil-Beschreibungen reichen von hartem US-Power-Metal bis stark europäisch geprägtem Kinderlied-Melodie-Metal. Gecovert hat man auf einer nur digital veröffentlichten EP Cirith Ungol und Manilla Road (Bonuspunkt dafür, dass es mal nicht "Necropolis" ist), in Interviews nennt man aber gerne auch Helloween und Running Wild als Einflüsse. Wirkt ja für den Kenner der Materie fast schon etwas widersprüchlich. Eule oder Bär? Feather? Claw? Na watt denn nu?

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Die größten Highlights des Debüt-Albums "Chaos to the Realm" sind für mich in jedem Fall die ersten und die letzten beiden Songs - der eingefleischte Kauz-Metaller könnte sich zwar vielleicht bereits beim Chorus des Openers "Fiend of Fire" erschreckt abwenden, verpasst dann aber so Einiges. Neben den unwiderstehlichen Ohrwurm-Refrains gibt's hier nämlich noch eine satte Dosis Power, Wucht, Drive und Frische plus absolut großartigen Gesang und einen immer wieder coole Akzente setzenden Bass, der hier ganz definitiv nicht nur am Start ist, weil man als Metal-Band halt auch dieses Instrument verwendet. Die vier erwähnten Songs sind für mich schon mal absolute Hits, dazwischen findet sich auch viel Schönes, allerdings auch ein zum Glück einzelner Tiefpunkt, denn der Schunkel-Chorus von "The Voyage of the Wraith" geht für mich gar nicht, da bin ich raus (die Strophen sind aber cool, weswegen ich die Frage "skippen oder nicht" doch wieder etwas schwierig finde).

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Beim Nachfolger "Feather & Claw" aus dem letzten Jahr hat sich das stilistische Spektrum deutlich erweitert, ebenfalls konnte man sich beim Songwriting noch mal deutlich steigern. Die ersten beiden Songs bieten (in toller Qualität und kompakter Form) noch ungefähr das, was man von der Band erwarten konnte, doch dann kommt vieles anders: "Crawl from the Carcass" ist ein cooler Midtempo-Groover mit 'wir wiederholen den Songtitel ganz oft'-Chorus. Letzteres ist nun eigentlich eher kein von mir besonders geschätztes Stilmittel, aber bei einer Band, deren Refrains sonst meist seeehr umfangreich ausfallen, wirkt das durchaus als netter Farbtupfer. Das erste ganz große Highlight des Albums folgt darauf mit "Altar of Earth": Hartes Galoppel-Riffing plus herrlich fieser Keif-Gesang trifft auf einen vergleichsweise soften Chorus mit - natürlich - Ohrwurm-Qualität. Als nächstes gibt's dann wieder zwei Songs mit der bewährten Mischung aus Drive und Melodie, wobei besonders der Refrain von "Hawkriders of the Wastes" schon hart zuckrig daher kommt, jeglichen Widerstand meinerseits aber mühelos überwindet. Ich kann nix machen, es ist so schön.

So, und dann kommen die beiden Songs, wegen denen ich den ganzen Thread eigentlich überhaupt erst eröffnen musste, denn die haben mich in den letzten Tagen so hart gekickt wie kaum was Anderes in den letzten paar Monaten. Ganz sicher ist es auch kein Zufall, dass die hier unbedingt mitzulesenden Lyrics mal nicht aus dem Fantasy-Bereich stammen, sondern deutlich persönlicher wirken. In jedem Fall empfinde ich "Wild Shape" als Selbstverwirklichungs- und Durchhalte-Hymne sondergleichen, dessen unbändige Wucht gegen Ende noch in einen herrlich eskalierenden Instrumental-Part mündet. Ganz groß. Das bitter-melancholische Gegenstück dazu folgt direkt darauf in Form von "Devastation Be My Name", das nach balladesk-angetäuschtem Beginn das nächste Riff-Brett mit Gott-Refrain ist und inhaltlich von (selbst)zerstörerischen Beziehungen zu handeln scheint. (Bin etwas scheu, hier als Cis-Typ intensiv auf die Lyrics einer Trans-Frau einzugehen, aber die sind bei beiden Songs so gut, dass ich mir in Zukunft fast weniger Fantasy-Thematik von der Band wünschen würde.)

Nach diesen beiden Über-Highlights fallen die letzten beiden Songs dann fast schon zwangsläufig etwas ab, aber sowohl das US-metallische "Bloodsilver" als auch der elegisch-epische Abschluss "The Fall of Netheril" bieten Aspekte, die die Band vorher noch nicht gezeigt hat (und kommen komplett ohne jegliche Form von Tralala-Melodien aus). Nicht verschweigen mag ich den echt bedauerlichen Umstand, dass mir der Sound von "Feather & Claw" allerdings nicht wirklich zusagt, den empfinde ich nämlich (gerade auch im Vergleich zum Debüt) als viel zu laut, undynamisch und meine alten Ohren schnell ermüdend. Kann hier allerdings nur über die CD-Version sprechen, und da ich diesbezüglich sonst noch keine großen Beschwerden (abseits eines einsamen Kommentars bei YouTube) gelesen habe, stört's entweder nur mich oder es gibt auch noch einen anderen Mix (den ich dann bitte ganz dringend bräuchte).

Da mich die Band in letzter Zeit echt beschäftigt hat, könnte ich hier noch deutlich mehr schreiben, aber ich belasse es jetzt erst mal bei der Feststellung, dass es sich bei Owlbear um sehr viel mehr als nur um eine Fantasy-Nerd-Band mit lustigem Namen handelt. Für Diskussionen darüber, ob sich die Zeile "deus vult yourself into the afterlife" im herrlich angepisst klingenden "Fall on your Blade" vielleicht schon auf das Tattoo von Pete Hegseth beziehen könnte oder ob "Crawl from the Carcass" vom finalen Kollaps des Raubtier-Kapitalismus handelt, stehe ich aber jederzeit zur Verfügung. :)
 
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"Voyage of the Wraith" ist doch ein Brecher vor dem Herrn. Bestes Running Wild Lied der letzten 30 Jahre, das Rolf selbst nicht geschrieben hat. Muss man wissen. :)
Debüt vom Eulenbären läuft mir aber besser rein, als das neue Zweitwerk "Feather and Claw".
 
"Voyage of the Wraith" ist doch ein Brecher vor dem Herrn. Bestes Running Wild Lied der letzten 30 Jahre, das Rolf selbst nicht geschrieben hat. Muss man wissen. :)
Nichts gegen den Song, der ist ganz ok. Aber das Gitarrensolo ist echt abenteuerlich. So viele falsche Töne in einem Solo unterzubringen ist eine starke Leistung!
Mir biegt es bei jedem Hör die Zehennägel hoch.
 
Nichts gegen den Song, der ist ganz ok. Aber das Gitarrensolo ist echt abenteuerlich. So viele falsche Töne in einem Solo unterzubringen ist eine starke Leistung!
Mir biegt es bei jedem Hör die Zehennägel hoch.
Würdest du deine Zehennägel schneiden, stellte sich das Problem gar nicht :)

Ich höre heute Abend noch mal ganz genau hin....Mir kamen doch noch nie antimelodischen Töne in meine Lauscherchen....

Edit sagt:
gerade via DeineTube reingehört und ich hörte nun keine falschen Töne.....
 
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Würdest du deine Zehennägel schneiden, stellte sich das Problem gar nicht :)

Ich höre heute Abend noch mal ganz genau hin....Mir kamen doch noch nie antimelodischen Töne in meine Lauscherchen....

Edit sagt:
gerade via DeineTube reingehört und ich hörte nun keine falschen Töne.....
Normalerweise kann ich mich auf deine Lauscherchen blind verlassen, bürgen sie doch für Qualität.
Aber im Falle von OWLBEAR bin ich raus. Das ist nichts für mich.
 
Coole Vand mit zwei starken Alben. Finde die Produktion der "Feather & Claw" auch arg ballerig, da taugt mir der Sound vom Debüt mehr. Aber auf jeden Fall zwei schöne Scheiben zwischen US und Euro Power Metal.
 
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