Subjektiver Reviewthread für aktuelle und vergangene mehr oder weniger kleine Ode

avi

Till Deaf Do Us Part
Ich spiele schon lange mit dem Gedanken, mal einen Thread aufzumachen, um lose meiner spontanen Begeisterung für mehr oder weniger bekannte, ältere oder aktuellere Alben nachzukommen.
Vorweg, ich bin nicht sonderlich geübt im Reviewschreiben, Musik oder Stimmungen verschriftlichen, deswegen wird das hier wmgl. knapp und auch je nach Laune sehr unregelmäßig werden. Wer möchte, soll sich gern mit seinen eigenen Ergüssen zu den besprochenen oder eigenen (musikalisch halbwegs passenden) Alben beteiligen!

Ascend towards the Moon - Ilmestys/At The Heart Of All Beauty Lies Something Inhuman
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https://ascendtowardsthemoon.bandcamp.com/music

Auch wenn der Titel etwas finnisch anmutet - hierbei handelt es sich um eins der drei Projekte des indischen Solokünstlers S.R., der insb. unter dem Banner Raat einen Lauf an atmosphärischem Lofi Black Metal mit psychedelisch bunten Landschaftscovern rausballert.
Ansonsten liegt man mit der Assoziation zu dem wegweisenden finnischen Rotmantel-Album gar nicht mal so falsch, zumindest wenn man ein Bild für den Sound haben will. Der liegt so etwa auf der Verwaschenheitsskala bei Stufe Silver Knife, dazu gibt es textlos klingende hohe Höhlenvocals, die sich random wie ein Schleier über das Fundament der Instrumentalfraktion legen. Obwohl das alles schon grundsätzlich eher wie eine Wand anmutet, gibt es doch immer mal wieder den ein oder anderen Break in Form von Tempowechseln, DSBM-igen Cleangitarrensoli, Midtempo- und Galopppassagen nach finnischer Art, plötzlichem in den Vordergrund treten des Schlagzeugs, um tänzelnde Figuren zu übernehmen und subtil schrägem Lowtempo auf den Gitarren. Black Cilice Jüngern ist ein Hör empfohlen, und denen, die das nach der Beschreibung zu rumplig finden, sei dann der Schwenk zu der deutlich shoegazigerigen Raatseite nahegelegt.
https://raat.bandcamp.com/music
 
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Brzask - Der Wanderer im Riesengebirge
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https://brzaskbm.bandcamp.com/album/der-wanderer-im-riesengebirge

Ein aktuelles Album aus diesem Jahr und das Debut der polnischen Black Metal Band Brzask (dt. Dämmerung). Thematisch beschäftigt sich das Album mit den Sagen des Sudetenlands, dem namensgebenden Riesengebirge und dem dort wohnenden Rübezahl. Das sagt zumindest der Waschzettel, denn die Texte versteht man bei dem energischen Geschrei des Sängers natürlich nicht. Musikalisch ist auffällig, dass trotz einer unverkennbaren polnischen Note mit großer Gitarrenarbeit über furios rasenden oder auch mal ungewohnt stampfenden Passagen das Album vom Sound, der Stimmung und dem Gesang her sehr modern und etwas corelastig klingt. Insbesondere den Bass- und Schlagzeug-Sound finde ich leider auch den Schwachpunkt des ganzen Albums, da wäre eine weniger djentig-fette Produktion dem Genre sehr viel dienlicher gewesen. Davon abgesehen besticht das Album aber mit stringenten und gleichzeitig abwechlungsreichen Songs, die durch Akustikparts und den variablen Gesang oder auch mal Spoken Word aufgelockert werden. Vielen Dank an Vendetta Records für die Ausgrabung!
 
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Genevieve Beaulieu - Augury
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https://genevievebeaulieu.bandcamp.com/album/augury

Die Kanadierin ist bis dato vor allem durch ihre nasalen hypnotischen Gesangsbeiträge in Kollaboprojekten wie den schlurfend noisigen Menace Ruine oder dem psychedelic Medieval Folk Projekt Preterite bekannt - wenn man die Bandcampseite des eigenen Labels Union Finale mal etwas tiefer durchforstet, findet man ihre Stimme aber auch auf abgedrehter Musik, die ich mangels einer passenderen Beschreibung als Electrothrash bezeichnen würde, desweiteren ist sie bei Projekten wie Mamiffer und L'Acephale als Gaststimme von der Partie. Im letzten Jahr hat sie aus einer Waldhütte mit Katzen und Akustikgitarre heraus ihr Soloalbum (resp. den ersten Teil davon, weitere Songs sollen wohl schon geschrieben sein) herausgebracht. Vorweg sei gesagt, dass das nicht ansatzweise an die Vertracktheit aller bisherigen Projekte herankommt, wer also etwas in der Richtung erwartet, der biegt lieber bei den mannigfaltigen Ambient- und Krachspielwiesen ihrer Kollegen ab, die sich auch zuhauf auf den Bandcampseiten von Union Finale und Keraunograph finden. Dafür findet man hier eine Handvoll Songs wunderbar hypnotischen Apocalyptic Folks, der eine leichte Celtic-Schlagseite hat und neben der tonangebenden Gitarre und gelegentlichen Synthflächen aus dem Menace-Ruine-Restbestand, die mal wie Windpfeifen oder Dudelsack aus der Dose klingen vor allem von dem einnehmenden Gesang GBs getragen werden. Auch wenn das ganze Album derart reduziert daherkommt und zudem recht kurz ist, fräsen sich die Zutaten enorm ein und ich komme nicht umhin, die Scheibe wiederholt aufzulegen und in den hypnotischen Welten, die dort aufgespannt werden zu versinken.

https://unionfinale.bandcamp.com/
https://menaceruine.bandcamp.com/music
https://preterite.bandcamp.com/
https://keraunograph.bandcamp.com/
 
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Thanatorean - Ekstasis of subterranean currents
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https://thanatorean.bandcamp.com/album/ekstasis-of-subterranean-currents

I, Voidhanger ist ja schon seit längerem als Qualitätslabel bekannt, in diesem Jahr kommen von dort aber ungewöhnlich viele gute Sachen - oder wahrscheinlich bin ich dieses Jahr auch einfach nur mehr dort unterwegs, man muss ja schon auch eine gewisse Grundstimmung für den Roster mitbringen. Hier handelt es sich um das Debut der polnischen Band Thanatorean, die aus Leuten von u.a. Ars Magna Umbrae besteht. Aufmerksam gemacht darauf hat mich der allseits geschmackssichere @Fire Down Under und bei einer Beschreibung, die mit Einflüssen von Negative Plane und Cultes des Ghoules hantierte, hatte das Album natürlich sofort einen großen Stein im Brett bei mir.
Hier geht es dann auch ordentlich höhlenmenschig-ranzig zu. Der Grundtenor ist rasend, die Gitarrenarbeit ein bisschen avantgardistisch, aber dabei nie anstrengend, die Vocals sind außerweltlich mit gelegentlichen Ausflügen in Mark-of-the-Devilsche Verrücktheit, und die Drums humpeln sich wunderbar durch schnelle und getragenere Passagen. Bei all der Raserei gibt es zwischendrin immer auch mal schmissige oder midtempo-Passagen, z.B. das wunderbar mäandernde Gitarrensolo in den letzten zwei Minuten des Albums. So entsteht ein songwritingtechnisch interessantes, enorm kurzweiliges, aber trotzdem sehr kompaktes Debut, das einen zur Stimmung passenden Sound aufweist und sich immer wieder in den Player einnistet.
 
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Trest - Sorginak
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https://trest-parish.bandcamp.com/album/sorginak

Auf dieses Album bin ich tatsächlich durch einen reinen Zufall gestoßen, auch wenn mir das im Nachhinein die konsequenteste Entdeckung der letzten Jahre sein dürfte. Hin und wieder lese ich mich so durch aktuelle oder ältere Jahreslisten und da kam es im Spätsommer 2023 vor, dass ich auf einer Nennung der Ordalium/Chambre Ardente hängenblieb. Auf Bandcamp reingehört, oh, das klingt interessant, oh, es ist ein neues Album angekündigt, mal im Auge behalten. Als die Sorginak dann veröffentlicht war, habe ich wie immer den Bandcampstream angeworfen und bin instant weggeblasen worden. Zunächst hatte ich die noch unterbewusst für Franzosen gehalten, sei es wegen dem EP-Titel oder der namentlichen Nähe zu SVEST - erst als mich meine Bandcampbestellung von einer seltsam vertrauten Postadresse erreichte und ich einen näheren Blick auf die - trotz Black Metal Fundaments - doch recht charakteristische kompositorische und Vokalarbeit warf, dämmerte es mir, dass es sich hier um einen deutschen Musiker handeln musste, für dessen Schaffen ich schon seit langem genreübergreifend eine große Schwäche habe ;) Obwohl das Album eher dem raw Black Metal zuzuordnen ist, inkl. arg rumpligem Bassdrumsound, sind die Songs voll von ins Mark gehenden Riffs und Melodien, a la Polen oder Ukraine, behalten dabei aber trotzdem immer eine subtile Dissonanz und Höhlencharme. Die zuweilen punkigen Drumlinien setzen einen guten Kontrapunkt zu den Blastbeatpassagen. Der Gesang ist so knurrig, dass man kein Wort vom Text versteht, ja eigentlich nicht mal eine Sprache ausmachen kann. Texte sind auch nicht abgedruckt, aber angesichts des allgemeinen thematischen Überbaus und der Kapitelisierung der Songs, wie sie auch schon auf der Ordalium/Chambre Ardente gehandhabt wurde, ist anzunehmen, dass sich jeder Song der Geschichte einer titelgebenden baskischen Hexe widmet. Es gibt auch ein paar vereinzelte ätherisch-hymnische Klargesangspassagen, die dem Grundsound des Albums folgend stark verhallt und in den Hintergrund gemischt wurden. Von dem Zeitpunkt der ersten CD-Rotation an hatte mich das Album (und später auch das noch etwas weniger zugängliche Debut und eine der Vorgängerplatten, die ich sogar schon unbekannterweise im Schrank hatte, haha) hartnäckig an den Eiern und ist monatelang bis weit in die folgenden Jahre hinein auf Dauerrotation gewesen, ohne etwas von seiner geradezu transzendentalen Wirkung einzubüßen, obwohl songschreiberisch eigentlich gar nicht mal so viel passiert. Auch die Energumen knüpft wieder nahtlos an diese Großartigkeit an. Vielen Dank dafür an den Urheber! :verehr:
 
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Verval - Wederkeer + Beeldenstorm
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https://verval.bandcamp.com/

Diese beiden Alben habe ich aufgrund ihrer enorm schönen Cover mal irgendwo bei Bandcamp ausgegraben und dort jahrelang in meiner viel zu überladenen Wishlist verstauben lassen. Erst dieses Jahr bin ich im Zuge eines Benelux-Atmo-BM-Schubes wieder darauf zurückgekommen. Was diese Alben von einem Großteil des (zweifellos großartigen, aber auf Dauer und in Summe auch etwas höhepunktarmen) atmosphärischen Käse-BM abhebt, sind nicht nur die dezent eingeflochtenen Instrumente wie Streicher, Bläser und Akustikgitarren, sondern auch das abwechslungsreiche Songwriting, was zwar immer noch dem Kern des Atmospheric BM entspricht, allerdings statt einer sich kaum verändernden Wand, mit abgegrenzten Motiv- und Dynamikwechseln aufwartet und dabei immer songdienlich und mit mitreißenden Melodien versehen ist. Damit macht das ganze auch über die beiden Alben hinweg langfristig großen Spaß. Schade, dass es das Projekt nicht mehr gibt, auch wenn hollandtypisch natürlich die Mitglieder in anderen Bands (z.B. Laster) weiter musizieren.
 
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Top, das geht ja schon gut los. Ich freue mich auf einige Geheimtipps und Obskuritäten und werde das hier mit Freude verfolgen.
 
Ellorsith - Triumphant Nothingness
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https://ellorsith.bandcamp.com/music

Den Namen habe ich schon ein paar Mal empfehlungstechnisch gelesen, aber wie das immer so ist, irgendwie nie die Gelegenheit gehabt reinzuhören. Deswegen sollte ich diese Kleinode erst weit nach ihrer Veröffentlichung kennenlernen. Auf der Compilation Triumphant Nothingness wurden die bis dato erschienenen drei EPs Orbhàis, 1959 und Jérome zusammengefasst. Da die alle einen gemeinsamen Sound fahren, ist das durchaus konsequent. Zu erwähnen ist inhaltlich noch, dass sich die 1959 mit dem in ebenjenem Jahr zugetragenen Djatlovpass-Unglück [1] im Ural beschäftigt, bei dem neun erfahrene Wanderer unter mysteriösen Umständen ums Leben kamen und den Behörden angehängt wird, die Ermittlungen dazu vorschnell mit Verweis auf höhere Gewalt ("Compelling Natural Force") beendet zu haben, was zu einer Reihe abenteuerlicher Theorien zum Unglückshergang führte. Musikalisch bekommt man hier eher schleppenden Black/Death zu hören, der naheliegenderweise in einer Split mit den großartigen Landsleuten von Abyssal mündete, auch wenn hier das progressive Element nicht so ausgeprägt ist. Wie im Blackened Death üblich, nimmt der tiefe röchelnde Gesang mehr die Rolle eines Fundaments ein, über dem die großartigen Gitarren schwirren, wunderbar schräg mäandern und immer mal wieder progressiv holpern, ein bisschen so, als würden Ulcerate im Moor feststecken. Das Tempo wechselt von den erwähnten langsam schlurfigen psychedelischen Doompassagen über mitreißendes Midtempo bis hin zu Blastbeats mühelos hin und her. Es fällt auf, dass sich die Spielart spürbar auch in puristischeren Black Metal Veröffentlichungen und sogar Non Metal Platten in meiner Sammlung niederschlägt - wahrscheinlich ist diese merkwürdige Rückwärtsvertrautheit der Alben ein Grund dafür, dass mir das so gut reinläuft.

[1]https://de.wikipedia.org/wiki/Unglück_am_Djatlow-Pass
 
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Hull of Light - Gilded Liminal Shrines
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https://hulloflight.bandcamp.com/album/gilded-liminal-shrines

Hierbei handelt es sich um eine einmalige(?) Kollaboration von Musikern, die sonst in verschiedenen Projekten quer übern großen Teich hinweg musizieren, mir sagen von der Aufzählung auf der Bandcampseite nur Sleepwalker 夢遊病者 was. Das sollte als Grund zum Reinhören allerdings vollkommen genügen. Die vier Tracks dieser EP kommen zwar nur auf etwa zwanzig Minuten Spielzeit, allerdings fühlt sich das gar nicht so an. Hier schafft man es gekonnt, interessant viel passieren zu lassen, dabei aber trotzdem einer Linie zu folgen und es weder zerhackstückt noch anstrengend werden zu lassen. Die musikalische Grundrichtung könnte man wohl grob mit Psychedelic Post Punk beschreiben. Die Produktion ist verwaschen, der Bass turnt bereits im ersten Song großartig über dem Rest des Ensembles hin und her, die Vocals klagen und krächzen aus einem fernen Irgendwo und begeben sich über dem tanzbaren Fundament des ersten Songs in die erste Rage. Dazu kommen dann bereits in der ersten Bridge weirde schiefe ostasiatische Instrumente. Der zweite Song karrt mit gemächlicherem Tempo die erste große Fuhre Psychedelia an, nicht ohne aber kurz vorm Ende noch einen kurzen Pensees Nocturnes Gedächtnisblastbeat einzulegen. Im dritten Song geht es weiter mit den psychedelischen Gitarrenjams und random Vocal- und Synthgejodel, vielleicht ist aber auch irgendwo ne Katze dazwischen. Und/oder ein gequetschtes Saxophon. Im letzten Song wird die Psychedelia erst loungiger, um sich dann zu so etwas wie einem Finale hoch- und wieder runterzuschrauben und unter schönen Gitarrenläufen auszufaden. Das klingt jetzt anstrengender, als es eigentlich ist, denn wie gesagt, sind die Zutaten eher hintergründig zusammengemischt und gehen einwandfrei ineinander über.
 
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Amphisbaena - Rift
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https://i-voidhangerrecords.bandcamp.com/album/rift

Weiter geht es mit einer empfehlenswerten Ausgrabung von I, Voidhanger. Die Kanadier Amphisbaena setzen sich zur Hälfte aus Mitgliedern von Antediluvian zusammen und haben zwischen ihrer ersten EP und dem vorliegenden Debüt zehn Jahre verstreichen lassen. Dort widmen sie sich Avantgarde Black Death, allerdings auch hier wieder dem von der Sorte, der sich weniger durch auffällige Abgedreht- und Vertracktheit, sondern durch subtil progressive Gitarrenarbeit und unvorhersehbare, aber dabei dennoch erstaunlich flüssige Songaufbauten auszeichnet. Besonders schön finde ich immer die fas-ite-igen ausladenden Zwischensequenzen auf der Cleangitarre, die vor dem nächsten Krachblock eine gleichzeitig entspannende wie auch irgendwie unheimlich herannahende Stimmung aufbauen. Dazu gibt es psychedelische Gitarrenläufe, spontane Tempowechsel, Doom bis Blastbeat, ausschweifende tribalistische Interludes, typische in hohen Sphären mäandernde Gitarren, von Imha Tarikat bis hohe Harsh Vocals changierende Vocals, plötzliche tinnituserzeugende Synthies und sogar auch mal das ein oder andere Solo. Für ein Album ist die Scheibe mit 7 Titeln und 30 Minuten sogar ziemlich kurz, aber bei einer Musik, wo es nur einen presstechnischen Unterschied macht, ob die Musik auf einem oder fünf Titel aufgeteilt wird, ist das nicht so relevant (wahrscheinlich hat man eine hohe Titelzahl gewählt, um mehr antikosmische Buzzwords in der Tracklist unterbringen zu können :cool:) und bei dem Anstrengungslevel, den diese Art von Musik für gewöhnlich so mit sich bringt, finde ich den Verzicht auf Überlänge oft genug gar nicht mal so schlecht, es passiert auch so genug, um zufriedengestellt zu werden ;)
 
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Джуна - Мания
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https://dzhuna.bandcamp.com/

Nach all der anstrengenden Musik mal etwas Indie. Vor so etwa fünf Jahren war ich recht intensiv in der Sovietwave-Welle drin und habe alle Releases des darauf spezialisierten Petersburger Labels Sierpien Records inhaliert. Vieles davon hat sich nicht in die heutige Zeit gerettet, aber eine Band hat sich (neben Blind Seagull) trotz ihrer (schätze ich mal) geringen westlichen Bekanntheit einen Stein in meinem Brett erspielt. Das damals aktuelle Werk Тюрьма wie auch die davor veröffentlichten EPs beinhalteten tlw. etwas poppigen Indie / Shoegaze / Post Punk mit toller weiblicher Stimme und unverschämt vielen Ohrwürmern. In den letzten Jahren habe ich diesbzgl. etwas den Faden verloren, deswegen habe ich erst kürzlich mitbekommen, dass es zwischenzeitlich was neues gab. In Summe finde ich die alten Sachen zwar besser, weil sie noch mehr Post Punk Sound und Spirit haben - auf dem neuen Album schrammen insbesondere die Keyboards teilweise schon hart an der Grenze zum Stadionrock vorbei. Dennoch denke ich, ich werde das Release für dieses Jahr mal im Auge behalten!


Noch ein Kleinod btw:
https://sierpienrecords.bandcamp.com/album/ep-singles
File under: Heppner singt russisch bei Motorama, aber haut dabei ein paar fiese Banger raus.
 
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Ostots - Madarikazioa
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https://ostots.bandcamp.com/album/madarikazioa

Das Album bzw. die Band habe ich vermutlich auch zufällig aus irgendner Liste aufgeschnappt, das weiß ich spontan gar nicht mehr. Auch wenn ich immer ein gewisses Grundinteresse an Raw BM habe (nicht wegen des Sounds, der ist oft sogar eher der Schwachpunkt mE), ist die Fülle an Heuhaufen in dem Genre, durch die man sich auf der Suche nach den Nadeln wühlen muss, immer etwas abschreckend, zudem man sich wie gesagt auch erstmal auf den Sound einlassen muss, bevor man sich der Musik widmen kann. Deswegen laufen wahrscheinlich ein Großteil der guten Releases an mir vorbei. Aber hin und wieder verfängt sich doch mal eins, auch auf längere Sicht, so wie dieses hier. Die Musik auf diesem Album ist zwar auf den ersten Hör gleichförmig und ungerichtet, unter dem Mantel kommen aber großartige Gitarrensequenzen hervor, die zwar keinen direkten Ohrwurmcharakter haben, aber sich irgendwie trotzdem subtil ins Mark fräsen und in einem Guss durch das ganze Album führen. Wahrscheinlich sorgt die Nähe zu einer meiner langjährigen Lieblingsplatten aus dem Genre [1] dafür, dass mir das konstant gut reinläuft, auch meine ich eine Prise von den großartigen Evilfeast, minus dem Keyboardoverload, zu vernehmen. Dazu gibt es noch einen Exotikfaktor oben drauf, was bei mir ja immer verfängt. Die älteren Sachen sind nicht minder schlecht, allerdings teilweise wirklich noch sehr lofi produziert.

[1]https://svartrit.bandcamp.com/album/likpsalm
 
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Grey Aura - Svart Vierkant + Slotstuk
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https://greyaura3.bandcamp.com/

Ersteinmal sind das schon wieder großartige Cover. Ich habe keine Ahnung von (abstrakter) Kunst, aber irgendwie passen die Cover zur Musik. Abstrakt, abgedreht, 387 Farben, aber trotzdem noch in den Einzelelementen halbwegs erfassbar. Ähnlich geht es musikalisch auf diesen beiden großartigen Alben der verrückten Holländer zu. Musikalisch ist das schwer zu beschreiben, Black Metal schon irgendwie in Ansätzen, mit Post- und Holland-Präfix, aber dabei gleichzeitig sehr viele jazzige und loungige Figuren inkl. üppigem Saxophoneinsatz. Ved Buens Ende lassen in der ein oder anderen Passage grüßen, sei es bei den immer etwas random wirkenden Blastbeatsalven oder dem gelegentlichen dezent leiernden Cleangesang. Dazwischen wird das Album von langsameren psychedelischen Passagen durchzogen, dann wieder irgendwelche abgedrehten Improsachen und Könnensdemonstrationen der Rhythmusfraktion, aber auch erstaunlich viele schmissige Sequenzen werden hier versammelt, sodass das Album im Gegensatz zu ähnlichen Vertretern wie z.B. Imperial Triumphant nicht ganz so schwer im Magen liegt. Bei all der Abgedrehtheit klingt das aber dennoch alles wie aus einem Guss und nicht so zerfasert, wie man bei einer Aneinanderreihung der aufgezählten (und vieler weiterer) Elemente annehmen könnte.
Thematisch widmen sich die Alben dem Roman 'De protodood in zwarte haren' von Ruben Wijlacker. Näheres zur Story hier: https://forum.deaf-forever.de/index.php?threads/benelux-bm.16607/page-7#post-3561281
Ich habe die beiden Alben schon unzählige Male gehört und dennoch fühlt es sich bei jedem Mal aufs Neue an, als hätte man seinen ersten Durchgang vor sich und ich entdecke immer noch was neues. Das muss man als Künstler auch erstmal schaffen. Ich verneige mich!
 
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Secret Shame - Dark Synthetics
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https://secretshame.bandcamp.com/music

Dieses Album habe ich auch schon länger, ich schätze so etwa 5 Jahre, in der Sammlung und kann es mir immer wieder anhören. Secret Shame sind eine Punkband aus North Carolina, die auf ihrem Debut Einflüsse des Batcaverevivals verarbeitet, wie es seit den 2000ern insb. von den großartigen und leider irgendwie vom Erdboden verschluckten Cinema Strange mitgestaltet wurde. Es gibt die typischen stark hallenden „gläsernen“ und/oder hohen Gitarren, einen charakteristischen Bass, und treibende Rhythmen. Der Sound ist nicht ganz so dreckig unterproduziert wie auf den Demos einiger Genrevertreter. Die Melodien sind genretypisch hoch, hampelnd und immer so ein bisschen an der Tonleiter vorbei. Über all dem agiert sehr prominent und genretypisch abgedreht der großartige weibliche Gesang, der stark an überdrehte Desperate Journalist erinnert, sich überschlägt und immer mal so ein bisschen abrutscht, ich liebe das ja. Das folgende Album Autonomy ist etwas ruhiger und normal-post-punkiger - nicht minder schlecht, aber ich vermisse so ein bisschen den Gitarren- und Basssound des Debuts.
 
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Du kannst keine Reviews schreiben? Das wäre mir aber aufgefallen. Sehr schöner Thread, erhabene Auswahl bisher. Wobei ich doch einiges nicht kenne, aber fast alles klingt so, dass man man zumindest mal reinhören müsste.
 
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