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Till Deaf Do Us Part
Aosoth - IV: An Arrow in Heart
https://agoniarecords.bandcamp.com/album/iv-arrow-in-heart
Ich weiß gar nicht, wie ich darauf gekommen bin, das mal wieder auszugraben - am hässlichen Cover kann es wohl nicht liegen
. Immerhin ist es schon 12 Jahre alt und hier eine ganze Weile nicht mehr gelaufen. Zu Unrecht jedoch, wie ich wieder feststelle. Aosoth sind ein paar Franzosen aus dem Umfeld von Antaeus, VI und Merrimack, die sich im Zuge der Orthodox-BM-Welle um Deathspell Omega herausgebildet haben und naheliegenderweise den Sound der Großmeister gewürzt mit einer Prise industrieller Kälte übernehmen. Der Kopf MkM ist auch für das geschmackvolle Label Norma Evangelium Diaboli verantwortlich. Mit diesem vierten Album haben Aosoth den Höhepunkt ihres Schaffens erlangt, das nachfolgende V: The Inside Scriptures ist zwar einzeln betrachtet immer noch sehr gut, aber fällt im direkten Vergleich aufgrund seiner geringeren Dynamik etwas ab. Los geht es bereits extrem garstig mit einem betörend schrägen Riff und dem charakteristischen kehligen Gesang. Der Sound ist, insb. von Seiten des Basses und des merkwürdig klappernden Schlagzeugs aus, sehr charakteristisch, druckvoll, aber trotzdem verwaschen und lässt unzweifelhafte Parallelen zur ebenfalls äußerst großartigen De Praestigiis Angelorum, dem garstig-ras(ier)enden Schwesteralbum aufkommen. Das Schlagzeug ist, obwohl programmiert, brutal gut, möglicherweise ist der leichte Industrialeinschlag, den die Programmierung mit rein bringt, sogar ein Merkmal, was das allgemein abweisende Soundbild mit aufwertet. Die Dynamik und das Songwriting sind die Stärke des Albums, es wechseln sich mühelos schleppende Parts, die sich langsam hochschaukeln und den tollen Bass präsentieren können, mit alles wegföhnenden Blasts, hampelnden Kurzsequenzen und ruhigen wie unheilvollen Zwischenspielen ab und da haben wir den ersten Track noch gar nicht verlassen. Der Gesang ist nicht sehr variabel, aber dafür wunderbar giftig und ein bisschen außerweltlich. Im zweiten Track wird die erste Midtempo-Atmosphäre im Fahrwasser von DSO aufgefahren, zwischendurch gibt es aber immer wieder Blastgewitter mit Riffgejammer. Die Gitarren jodeln sich blutausnordig-schräg durch die Szenerie. Zwischenzeitlich gibt es auch mal kurz so etwas wie Groove. Der vierte Song rollt gemächlich an und bleibt von den Blastpassagen mal abgesehen, eher im gedrosselten Tempo, was ihn jedoch unheimlich beschwörerisch macht. Danach folgen die eher ambientösen Tracks Broken Dialogue I+II, in denen über einem repetitiven unheilvollen Gitarrenmotiv wechselnde Stimmen referieren. Der gemeine Reviewfeuilleton findet die ja mehrheitlich langweilig, aber ich finde, sie arbeiten gut auf das große Finale, den Vierzehnminüter Ritual Marks of Penitence hin. Dieser schleppt sich erstmal vier Minuten lang unheilbeschwörend dahin, bevor er in ein pfeilschnelles, aber auch irgendwie seltsam atmosphärisches Blastbeatgewitter mündet. Danach kommt ein Finalpart mit Twingitarren und wunderbar klimperigem Schlagzeugspiel, der dann in etwas reduzierterer Ausführung in schmerzhafter Länge ausgebreitet wird, bevor der letzte Blastbeat die Erlösung bringt. In Summe ist das Ganze in jeder Songphase schon sehr stark von den Großmeistern DSO beeinflusst, das tut der Großartigkeit dieses Albums jedoch keinen Abbruch. Neben dem ergänzenden Nachfolger V: The Inside Scriptures [1] sei jedem die bereits weiter oben erwähnte hektische Schwester VI - De Praestigiis Angelorum [2] ans Herz gelegt. Schade, dass sich die beiden Projekte anscheinend aufgelöst haben.
[1] https://www.youtube.com/watch?v=VnmjvFX36Pk&pp=0gcJCQYKAYcqIYzv
[2] https://agoniarecords.bandcamp.com/album/de-praestigiis-angelorum
https://agoniarecords.bandcamp.com/album/iv-arrow-in-heart
Ich weiß gar nicht, wie ich darauf gekommen bin, das mal wieder auszugraben - am hässlichen Cover kann es wohl nicht liegen
[1] https://www.youtube.com/watch?v=VnmjvFX36Pk&pp=0gcJCQYKAYcqIYzv
[2] https://agoniarecords.bandcamp.com/album/de-praestigiis-angelorum
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