[Top of the Progs - 100 Meisterwerke] - Acrylators Liste

Das mag sein. Tatsächlich finde ich, dass sich The Tower ein bisschen wie eine Mischung aus Black Sabbath und Yes anhört.
Ja, das empfinde ich aber beim Nachfolger auch so und da halt weniger klischeehaft (wobei sich das, wie gesagt, nur auf den einen Song bezieht - bei dem ich den Gesang übrigens auch relativ dominant finde und das Stück musikalisch halt gar nicht so einfallsreich).
 
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72. STEVEN WILSON - The Raven That Refused To Sing (2013)
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Dieses Album enthält wohl den klassischsten Prog, den Wilson jemals aufgenommen hat, man hört viel 70er und etwas 80er Einflüsse raus, ohne dass das ganze dabei aber wirklich „retro“ klingen würde (allerdings ist hier das oft zu hörende Mellotron wohl tatsächlich das originale von KING CRIMSON).
Jeder Song hat auch seinen ganz eigenen Charakter. Das längste Stück, „Luminal“ leitet die Scheibe mit einem langen Instrumentalintro (inklusive teils ein wenig an Geddy Lee erinnerndem Bassspiel) ein, bevor der Gesang einsetzt und wir in über 12 Minuten auf eine Reise durch verschiedene Parts und Stimmungen geführt werden. „Drive Home“ wirkt dann introvertierter, atmosphärischer und herrlich sentimental. Der Soloteil mit irgendwie fast klagendem Gitarrensound beschert mir jedes Mal Gänsehaut! Hier gibt es keine Zurschaustellung technischer Fähigkeiten, sondern pure Emotion!
„The Holy Drinker“ ist dann grooviger (und auch wieder länger) und ebenfalls ganz groß (Ausfälle gibt es auf „The Raven...“ eh nicht).
Interessanterweise gehört auf diesem Album mit „The Pin Drop“ der kürzeste Song (gut 5 Minuten) zu meinen absoluten Faves (was extrem selten ist, schlägt mein Herz doch sehr für Longtracks), er hat etwas herrlich mitreißend treibend-atmosphärisches!
Darauf folgt mit „The Watchmaker“ ein weiteres Highlight, das in fast 12 Minuten wieder einiges an Abwechslung zu bieten hat, dabei aber zurückhaltender rüberkommt, als der Opender des Albums (in der Mitte wird es aber etwas schräger, eingeleitet durch eine dezente Rush-Hommage, auch wieder mit sehr Geddy-Lee-artigem Basssound).
Abgeschlossen wird das Album sehr ruhig und atmosphärisch mit dem Titelsong, anfangs nur von Gesang und Klavier getragen (mit dezenten Keyboard-Flächen im Hintergrund), später kommen dann Streicher, sowie Bass und Schlagzeug dazu und erst im Finale ist dann auch die Gitarre (und eine Flöte) zu hören, einfach wunderschön!
Hier mal "Pin Drop":


71. ZIERLER - ESC (2015)
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Dies ist das Soloprojekt von Finn Zierler, Keyboarder und Mastermind von BEYOND TWILIGHT und stilistisch durchaus eine direkte Fortführung der Band, also oft düsterer, manchmal bombastischer Progressive Metal. Allerdings klingt "ESC" nicht exakt wie seine Hauptband, obwohl hier sogar Kelly Sundown Carpenter singt, der schon auf derem zweiten Album ziemlich beeindruckend die Nachfolge von Jørn Lande angetreten hatte (er liefert hier übrigens seine meiner Meinung nach überragendste Leistung überhaupt ab). Aber dieses Album ist teilweise noch eine Ecke härter als BEYOND TWILIGHT - fast, als hätten diese ab und zu STRAPPING YOUNG LAD mit im Studio gehabt (selbst gesanglich erinnern mich manche Parts ein wenig an Devin Townsend, wobei die alle vom zweiten im Bunde, Truls Haugen, gesungen sind).
Die gelegentlichen Chöre lassen übrigens auch Erinnerungen an SYMPHONY X aufkommen.
Mit von der Partie sind hier außerdem noch Gitarrist/Bassist Per Nilsson (SCAR SYMMETRY, MESHUGGAH, NOCTURNAL RITES etc.) und Schlagzeuggott Bobby Jarzombek (FATES WARNING, RIOT, JUGGERNAUT, HALFORD, SPASTIC INK etc.). Gerade letzterer liefert hier teilweise auch beeindruckend harte und komplexe Rhythmen, fast, als dürfe er sich hier noch mal so richtig austoben!
So, ich glaube, ich habe noch nie in einem Review soviel Namedropping betrieben...
Die Musik ist hier eigentlich auch trotz meiner Vergleiche und der ganzen weiteren Betätigungsfelder der involvierten Musiker extrem eigenständig! Außerdem klingt kein Song wie der andere, obwohl alles ganz organisch fließt, sodass man manchmal fast das Gefühl hat, einer einzigen metallischen Suite zu lauschen. Mit dazu beitragen tun auch die häufigen orchestralen, soundtrack-artigen Momente, wie z.B. in "Evil Spirit". Wie schon gesagt, die Grundstimmung ist meist düster, allerdings gibt es auch fast schon lustige Momente, wenn sich z.B. im selbstreferenziellen "No Chorus" über die Langweiligkeit von konventionellen Songstrukturen etc. ausgelassen wird, oder in "Married To The Cause", mit der vielleicht längsten und kompliziertesten, wiederkehrenden Melodielinie, die ich je in einem Metalsong gehört habe (auch noch unisono von Gitarre und Keyboard gespielt!) und mich ein wenig an Korsakovs "Hummelflug" erinnert!
Ein wenig zu lang ist das Album vielleicht mit seinen gut 72 Minuten geraten, aber dafür ist es eigentlich erstaunlich kurzweilig, weil immer so viel passiert (ich wüsste auch nicht, welche Songs ich da weglassen sollte)!
Hier mal eines der härtereren/düstereren Stücke:
(aber hört am besten mal in alle Songs rein, da die doch eine recht große stilistische Bandbreite bieten)


70. ARK - Burn The Sun (2001)
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Nun also zum zweiten Album dieser Band von Ausnahmemusikern!
„Burn The Sun“ ist, verglichen mit dem Debüt, tatsächlich eine Ecke zugänglicher und kompakter im Songwriting - dabei aber keineswegs weniger komplex!
Der Einstieg ist mit „Heal The Waters“ recht brachial, vor allem das Finale (kurz vorm letzten Refrain) ist auch noch richtig dramatisch und düster, Hammer Opener!
„Torn“ kommt gemäßigter rüber, hat aber einen sehr interessanten Gesangsstil zu bieten, der mich tatsächlich manchmal ein klein wenig an Björk erinnert (ansonsten klingt Jørn Lande hier ja eher wie eine Mischung aus David Coverdale und Sammy Hagar, bietet also klassischem, oft kraftvoll-rauhen, blues-beeinflussten Hard-Rock-Gesang).
Nach dem wieder etwas härteren Titelsong tauchen in „Resurrection“ dezente Flamenco-Einflüsse auf, was man ja schon vom Debüt und von Conception kennt (hier allerdings noch „rockiger“ umgesetzt). „Absolute Zero“ ist dann vielleicht der ungewöhnlichste Song auf dem Album, wechselt gekonnt zwischen atmosphärischen und brachialen Parts, wobei der Gesang in den ruhigeren Momenten hier noch mehr an Björk erinnert, als schon bei „Torn“ und dabei von einem Drum'n'Bass-artigen Rhythmus begleitet wird (und sogar Bläser gesellen sich dann noch dazu) - super originell und gleichzeitig unglaublich mitreißend! Mit „Just A Little“ gibt es noch ein fast reines, überwiegend recht ruhiges Flamenco-Stück (mit allerdings geradezu hyperaktivem Schlagzeugspiel und einem rockigen Ausbruch gegen Ende, auch genial)!
Danach geht es wieder mit zwei härteren Stücken weiter, bevor mit „Feed The Fire“ eine eigentlich klassische Hard-Rock-Nummer folgt, die einen ziemlich klischeehaften Text hat und eigentlich auch sonst ganz schön kitschig wirkt, aber irgendwie einfach gute Laune verbreitet. „I Bleed“ ist wieder „ernsthafter“ und fürs große Finale, „Missing You“ wird noch mal alles aufgefahren, was die Band ausmacht: Dynamik (ruhig/hart im Wechsel), Dramatik und stilstisch eine Bandbreite zwischen Hardrock-Halbballade und Prog-Power Metal!
Die Produktion des Albums stellt übrigens einen riesigen Fortschritt zum Debüt dar, sehr brachial und „modern“, ohne steril zu wirken. Ich liebe diese Scheibe!
 
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Guck an. Ich hab mich die Tage noch sehnsüchtig gefragt wann es hier wohl weitergeht.

72. STEVEN WILSON - The Raven That Refused To Sing

Alles richtig, was du schreibst, nur die Platzierung ist falsch :D
Für mich tatsächlich All Time Top 10 Material und wenn ich so darüber nachdenke, fällt mir kein Album ein, das danach erschienen ist und eine ähnliche Wirkung auf mich hat.

71. ZIERLER - ESC

Mal wieder, was komplett unbekanntes für mich was ich ändern werde. Klingt spannend

70. ARK - Burn The Sun

Da muss ich unbedingt nochmal ran. Steht sicher 15 Jahre im Regal aber mehr als 10x habe ich die nicht gehört.
 
Guck an. Ich hab mich die Tage noch sehnsüchtig gefragt wann es hier wohl weitergeht.
Hehe, danke, ich werde ab jetzt wieder weniger Zeit für die nächsten Reviews brauchen!
72. STEVEN WILSON - The Raven That Refused To Sing

Alles richtig, was du schreibst, nur die Platzierung ist falsch :D
Für mich tatsächlich All Time Top 10 Material und wenn ich so darüber nachdenke, fällt mir kein Album ein, das danach erschienen ist und eine ähnliche Wirkung auf mich hat.
Bei Erscheinen hätte ich die auch noch höher platziert, war damals sogar aus dem Stand mein Lieblingsalbum des Jahres, obwohl ich vorher mit Wilson/Porcupine Tree nicht wirklich viel anfangen konnte.
Im klassischen Prog ist es sicher mit das beste, was in den letzten 15 Jahren oder so erschienen ist, aber mich packen manche abseitigeren oder härteren Sachen einfach noch mehr und bei klassischem Prog geht für mich gar nichts über die frühen 70er und späten 60er.

Die anderen beiden von mir besprochenen Alben solltest du dir wirklich (noch) mal anhören!
 
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69. AYREON - The Human Equation (2004)
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Für viele ist wohl „Into The Electric Castle“ das Meisterwerk von Mastermind Arjen Lucassen, für mich waren es aber schon immer zwei andere Alben, eines davon ist dieses, inzwischen auch schon über 20 Jahre alte Werk.
Die mit Wahrnehmung, Erinnerungen und Realität spielende Geschichte dieses Konzeptalbums ist an sich schon kreativ, aber die Umsetzung ist einfach phänomenal!
Allein die Riege der etwas bekannteren Sänger sollte jeden Prog-Fan bereits aufhorchen lassen:
Devon Graves (/Buddy Lackey), Mikael Åkerfeld, Eric Clayton, Devin Townsend, Mike Baker und, ja, auch James LaBrie. Die restlichen Sänger*innen machen ihren Job ebenfalls großartig.
Meine persönlichen Gesangs-Highlights stammen hier von Eric Clayton (was für ein Charisma - hier für mich sogar noch mehr als bei SAVIOUR MACHINE!), Devin Townsend, Devon Graves und vom mir vorher unbekannten Magnus Ekwall!
Aber das wichtigste ist natürlich das Songwriting und das hier absolut großartig!
Härter/düsterer als die ersten drei Alben aber ebenso mit enormer Vielseitigkeit - da stehen elektronische Spielereien wie selbstverständlich neben folkigen Elementen, Pink-Floyd-artigen Momenten, Metal-Riffs, Growls und engelsgleichem Gesang - und alles ist im Fluss und stimmig.
Einzelne Songs will ich hier daher nicht hervorheben, da das Album trotz der Länge (Doppel-CD/Triple-Vinyl mit über 100 Minuten Spielzeit!) am Stück gehört werden sollte.
Zu meinen Lieblingsmomenten gehören aber die doomigen Passagen mit Eric Clayton (und die mit den Growls von Mikael Åkerfeld, sowie die Parts von Magnus Ekwall) in „Day Twelve: Trauma“ und die irrwitzige Performance von Devin Townsend im Finale von „Day Sixteen: Loser“!
(ab 3:20 wird's düster und richtig großartig!)


68. KHAN - Space Shanty (1972)
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Frühe Zusammenarbeit von Gitarrist Steve Hillage (später bei GONG und dann Veröffentlichung vieler Solo-Alben) und Keyboarder Dave Stuart (URIEL/EGG), wobei beide bereits in der frühesten Version von URIEL zusammen gespielt hatten und unter Pseudonymen das Album von ARZACHEL (1969) mit einspielten.
Für mich ist "Space Shanty" das beste Album, das unter Mitwirkung von Steve Hillage erschaffen wurde (sein erstes Soloalbum, "Fish Rising" ist in den besten Momenten noch ähnlich gut). Klassischer Prog-Rock mit einigen psychedelischen Momenten, aber ebenso etlichen Ausflügen in Jazz, bzw. Fusion-Gefilde, dabei aber immer mit viel Atmosphäre!
Der Opener beginnt dabei noch mit Gesang und einem griffigen Gitarrenriff, das noch nicht zwingend auf Prog schließen lässt, aber im weiteren Verlauf gibt es komplexe Orgel-/Gitarren-Arrangements und viele verschiedene Parts. Die Stimmung ist auf diesem Album, bis auf die etwas schrägeren/improvisiert klingenden Parts oft recht entspannt bis verträumt, vor allem in "Stranded" oder auch in großen Teilen von "Mixed Up Man On The Mountain", dass bei bei ca. 4:40 noch einem einen quasi-Instrumental-Part mit lautmalerischem Gesang hat, der mich sehr an NEKTAR erinnert, aber gegen Ende gibt's auch noch einen wilderen, rockigen Ausbruch. Der mit fast neuneinhalb Minuten längste Song, "Driving To Amsterdam" hat sehr ausgedehnte Instrumentalpassagen (auch hier erinnern mich kurze Momente etwas an NEKTAR) und viele Gitarrensoli (teils auch mit Overdubs mit zweiter Gitarre). "Stargazers", das mit gut fünfeinhalb Minuten einzige Stück des Albums, das unter 7 Minuten lang ist, fängt recht hektisch an und erinnert mich da ein wenig an ELP, nach ca. 50 Sekunden klingt es aber wieder, wie nur KHAN klingen.
Das Finale (des regulären Albums - es gibt noch spätere Auflagen mit einem kürzeren Bonustrack) hört auf den Namen "Hollow Stone" und wechselt wieder gekonnt zwischen ruhigen, verträumten Momenten, epischen Passagen und auch härteren Momenten, das ganze wieder mit recht wenig Gesang, bis gegen Ende sich alles in Chaos aufzulösen scheint - toller Abschluss!
Hier mal der dritte Song:


67. HAKEN - Vector (2018)
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Ich hab diese Band erst vor knapp 2 Jahren kennengelernt, aber so intensiv gehört, dass ich sie auf jeden Fall hier unterbringen wollte! Zumal ihr Progressive Metal einerseits oft wie ein "Best-Of Prog" (einzelne Momente erinnern mich - je nach Album und Song - an so unterschiedliche Bands wie OPETH, DREAM THEATER, LEPROUS, TOOL, AYREON, YES oder BETWEEN THE BURIED AND ME), und andererseits sehr eigenständig klingt.
"Vector" ist dabei härter und "moderner" als seine Vorgänger, hat aber z.B. im Opener (nach dem Intro "Clear") auch deutliche (Art-)Pop-Einflüsse mit leichter (modernisierter) 80er Soundästhetik. Noch eine Ecke besser finde ich dann allerdings die drei folgenden Stücke: das ruhig beginnende, dann sehr vertrackte und von sehr harten Rhythmusgitarren getragene "Puzzle Box", das in der Mitte noch einen ruhigen Teil mit elektronischen Spielereien hat, bevor es wieder mit Power weitergeht!
Das längste Stück der Scheibe, "Veil", das ebenfalls ruhig, nur mit Klavier und mehrstimmigem Gesang beginnt, dann aber auch wieder mit Riffgewalt fortgeführt wird. Auch hier gibt es viel Dynamik, sodass die zwölfeinhalb Minuten wie im Fluge vergehen. In der Mitte kommt unvermittelt ein leiserer, schräger Jazzpart, nach einigen Sekunden geht es aber hart weiter und dann kommt eine unerwartete Pause und ein ruhiger "Neuanfang" (Anfangs, wenn ich nicht auf das Display meines CD-Players geachtet hatte, hielt ich das tatsächlich schon für das nächste Stück - allerdings taucht dann im weiteren Verlauf der Refrain von der ersten Hälfte wieder auf). Gegen Ende gibt's noch mal die volle Instrumentalpower und ein brachiales Riff beendet das Stück.
Stilistisch daran anschließen tut dann das knapp 7-minütige Instrumental der Scheibe, ebenfalls recht hart und "modern", aber mit mehr elektronischen Spielereien.
"Host" ist dann der Ruhepol des Albums, ziemlich verträumt, der Klangkosmos wird durch ein Flügelhorn bereichert und erst gegen Ende wird es mit post-rockigen Gitarren etwas eindringlicher.
Den Abschluss bildet mit "A Cell Divides" ein (für Band-Verhältnisse) direkterer, etwas kürzerer Song - wie alles auf dem Album ohne Schwäche!
Hier mein Lieblingsstück der Scheibe:
 
Die Ayreon ist cool, die Khan göttlich, Haken haben mich nach ihrer Zweiten etwas verloren. Insgesamt ein starker Dreier.
Oh, nicht einmal "The Mountain" magst du? Finde, das ist von den ersten drei die beste, quasi wie eine deutlich abwechslungsreichere Fortsetzung des Stils von "Visions" (wenn auch mit kürzeren Stücken).
 
Oh, nicht einmal "The Mountain" magst du? Finde, das ist von den ersten drei die beste, quasi wie eine deutlich abwechslungsreichere Fortsetzung des Stils von "Visions" (wenn auch mit kürzeren Stücken).
Oh doch, das ist eine tolle Band, und ich hab alle Scheiben hier. Aber nach dem (damals für mich) sensationellen Debüt verpuffte der "Eine neue geile Band, die zwar modern ist, aber hier und da wie viele alte geile Truppen klingt!!" Effekt mehr und mehr. Das hat nichts mit der Qualität der Truppe und ihrer späteren Scheiben zu tun, das ist einzig meinem "komischen" Geschmack geschuldet. Und ja, mir wurde das mit der Zeit zu modern, im Sinne von sauber klingend. Ich bin da wahrscheinlich eigen, ich mag es knistern, unperfekt und "echt" klingend.
 
Oh doch, das ist eine tolle Band, und ich hab alle Scheiben hier. Aber nach dem (damals für mich) sensationellen Debüt verpuffte der "Eine neue geile Band, die zwar modern ist, aber hier und da wie viele alte geile Truppen klingt!!" Effekt mehr und mehr. Das hat nichts mit der Qualität der Truppe und ihrer späteren Scheiben zu tun, das ist einzig meinem "komischen" Geschmack geschuldet. Und ja, mir wurde das mit der Zeit zu modern, im Sinne von sauber klingend. Ich bin da wahrscheinlich eigen, ich mag es knistern, unperfekt und "echt" klingend.
Kann ich vom Grundsatz her irgendwie nachvollziehen, finde aber nicht, dass "The Mountain" wirklich sauberer oder nennenswert "moderner" klingt, als die beiden Vorgänger (die modernere Ausrichtung wurde eher mit "Affinity" eingeleitet).
Hatte übrigens lange überlegt, ob ich hier "Vector" oder "Visions" aufführe, die Entscheidung ist dann doch knapp für erstere ausgefallen, weil die einfach deutlich vielseitiger ist. Das Zweitwerk packt mich vom Songwriting her locker genauso, aber da finde ich, dass sich viele Songs untereinander von den Melodien/Harmonien (manchmal auch vom Aufbau) her sehr ähneln, dafür ist es dann etwas lang geraten (auch wenn ich nicht sagen würde, dass ich da irgendwo was weglassen könnte, ohne dass mir was fehlen würde).
 
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66.6 ABIGOR - Time Is the Sulphur In The Veins Of The Saint (2010)
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Hier haben wir es mit einem krass fordernden und kompromisslosen Konzeptalbum der österreischischen Black-Metaller und ihrem eindeutig progressivsten (und für mich auch besten) Werk zu tun (progressiver selbst als vieles, was gemeinhin unter Progressive Rock oder Progressive Metal läuft).
"Thesis: The devil, great consumer of martality, appears as the destroyer of cause and effect, and of God's linearity. Hence man can be merged in his infinity"
Nach dem Ticken einer Uhr und dieser gesprochenen Einleitung erwartet uns eine einzige, knapp 40-minütige Komposition in zwei Parts, die auf ungeübte Hörer vielleicht wie vertontes Chaos wirken könnte, die einem aber als offenen Musikhörer (mit Vorliebe für komplexere Klänge) so viel bieten kann und dabei einiges an beeindruckender Musikalität offenbart, vor allem aber eine spannende, kompositorische Unvorhersehbarkeit, die irgendwie trotzdem auf ihre Art stringent/passend im Ablauf ist.
Einige Parts hatten mich gleich beim ersten Durchlauf, andere erschlossen sich erst nach mehrmaligem Hören. Was mir immer auffällt, ist die geniale Übereinstimmung von Text und Musik, alles wurde perfekt passend vertont, wie z.B., als die Textzeile "...a time to keep and a time to throw away, a time to tear apart and a time to sew together, a time to be silent..." kommt und dann plötzlich absolute Stille folgt, oder wenn nach einem relativ melodischen Part und dem Ausruf "Tabula Rasa" auf einmal plötzlich wahnsinniges Geknüppel mit schrägen, sich nicht gleich erschließenden Gitarrenläufen folgt und gefühlt alles hinwegfegt!
Das Album fühlt sich an, wie eine Reise durch ein chaotisches und größtenteils lebensfeindliches Universum, hat aber auch epische und ruhigere Momente und teilweise auch richtig geile Melodien (der verzerrte Bass erinnert mich außerdem an ein paar kurzen Stellen ein wenig an ganz alte Manowar), an anderen Stellen Industrial-artige, elektronische Spielereien (die Produktion wirkt hier aber bei weitem nicht so klinisch wie beim Vorgänger "Fractal Possession"). Vom Tempo her ist von schleppend bis absolut rasend auch alles dabei, außerdem neben Black-Metal-typischen Gekrächze/Gekreische auch mal melodischer Gesang, epische Chöre und beschwörendes, heiseres Flüstern (das mich durchaus manchmal an KING DIAMOND erinnert).
Wenn mir mal gerade fast alles zu eingängig ist, ich aber trozdem Lust auf Musik habe, die nicht wie zufällige Geräuschkulisse klingt und die trotz häufiger aggressiver Ausbrüche enorm vielseitig/abwechslungsreich (und eben nicht durchgehend "Vollgas") ist, ist dieses Album genau das richtige und begeistert mich jedes Mal!


65. STRAPPING YOUNG LAD - The New Black (2006)
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Ich scheine relativ allein damit zu sein, aber dieses Album ist für mich das beste, was SYL, oder überhaupt Devin Townsend veröffentlicht haben.
Stilistisch enorm vielseitig und dabei oft extrem mitreißend!
Wie kann man das jetzt für Neulinge stilistisch beschreiben/benennen? Progressive Melodic Industrial Extreme Metal?
Der Opener ist recht melodisch, aber hat trotzdem gut Dampf. In "You Suck" wird dann richtig losgeknüppelt (Gene Hoglan ist aber auch ein Gott am Schlagzeug!), dazu gibt es trotz ziemlich dramatischer Stimmung einen recht albern-lustigen Text. Nach nicht einmal drei Minuten ist der Spaß schon wieder vobei. In "Anti Product" geht's dann erstmalig gemäßigter zu, der Song groovt im Midtempo und hat sogar einen Bläserpart. "Monument" ist wieder etwas flotter aber eher stoisch-stampfend als rasend, auch hier gibt es Bläser(samples) zu hören, aber die Stimmung ist ganz anders, vor allem im Instrumentalpart, auf den noch ein anderer Part mit Gesang folgt - coole Atmosphäre!
Bei "Wrong Side" wird das Gaspedal wieder ordentlich durchgetreten, dazu gibt es hammermäßiges Gitarrengedudel über epischem Gesang im Refrain, (ansonsten viel Gebrüll). Bei ca. 1:50 wird es (trotz gleichbleibend hoher Geschwindigkeit) richtig episch-dramatisch, mit fast soundtrackartiger Atmosphäre. Hope ist erstmal wieder grooviger, dabei recht unmelodisch, gegen Ende steigert es sich dann aber in krasses Geknüppel. "Far Beyond Metal" ist wieder zugänglicher und mitreißender (gibt auch nen Gastauftritt von Oderus Urungus von GWAR), mit einem fast schon kitschigen Refrain. "Fucker" fällt für mich dann als einziger Song deutlich ab - ist zwar eingängig, aber schon beinahe zu sehr auf Groove und Massentauglichkeit getrimmt, mit für mich teilweise recht nervig-nöligem Gastgesang. Na ja, ganz nette Unterhaltung. Mit "Almost Again" folgt dann allerdings mein Lieblingssong (bzw. das gesamte Abschluss-Triple ist mein Highlight), soetwas hatte ich vorher nie gehört - einerseits hat der Song eine fast schon entspannte, Ambient-artige Atmosphäre, dabei aber gleichzeitig beinahe hektisches Schlagzeugspiel und teilweise sogar Blastbeats (im epischeren Part) - völlig einzigartig und ich bekomme immer Gänsehaut bei dem Stück!
Auch das düster-atmosphärische "Polyphony" kann mich begeistern, ist aber weniger ein eigenständiger Song, als vielmehr eine Überleitung zum Finale, das mit dem Titelsong auch großartig ausgefallen ist - episch, komplex, sich langsam bedrohlich aufbauend und am Ende Raserei.
Insgesamt ist das Album sehr kurzweilig (nur gute 42 Minuten lang) und die Songs auch alle eher "normal" lang bis kurz, aber die große stilistische Bandbreite und Komplexität rechtfertigen hier die Einordnung "Prog" meiner Meinung nach trotzdem.


64. JANNICK TOP - Infernal Machina (2008)
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Dies ist das zweite Soloalbum (eigentlich das erste "richtige", eigenständige) des ehemaligen MAGMA-Bassisten (spielte in den 70ern auf den Klassikern "Mekanik Destruktiw Kommandöh", "Wurdah Itah", "Köhntarkösz" und "Üdü Wüdü") - und was für eins!
Einerseits emanzipiert er sich mit diesem Konzeptalbum von seiner früheren Hauptband, andererseits verarbeitet er hier auch noch mal ein paar Parts, die er Mitte der 70er für MAGMA geschrieben hatte und liefert dabei ein Album, das überhaupt nicht "retro", oder nach uninspiriertem Spätwerk eines alternden Musikers klingt, sondern frisch, kreativ und durchaus innovativ! (Für MAGMA-Kenner könnte man sagen, es klingt ein wenig wie eine metallische Magma-Variante mit Ethno-Elementen - es gibt auch Gastauftritte von diversen damals aktuellen und ehemaligen MAGMA-Bandmitgliedern)
Die Einleitung ist schon ungewöhnlich: ein (kleiner) Bulgarischer Frauenchor erzeugt eine außerweltliche Atmosphäre (und bei mir auch Gänsehaut), meines Wissens hat vorher noch niemand sowas mit Rock verbunden!
Die einzelnen Stücke haben übrigens keine Titel, sondern sind einfach durchnummeriert.
Man muss das Album eigentlich am Stück hören, da die einzelnen Stücke teilweise nahtlos ineinander übergehen und das Ganze wie eine einzige, sich sehr langsam aufbauende Komposition wirkt, die einen auf eine Reise mitnimmt! Man braucht aber durchaus viel Geduld, da der Aufbau - entgegen aktueller Hörgewohnheiten - extrem langsam erfolgt.
Im dritten Teil tauchen immerhin erstmals (durchaus harte) Gitarren auf, die nach einer Weile wieder von den bulgarischen Sängerinnen begleitet werden.
Die Parts V und VI basieren auf dem prägnantesten (sich langsam beschleunigenden) Teil des (von Top komponierten) MAGMA-Stücks "De Futura", allerdings mit zusätzlichen Parts abwechselnd und teilweise weiterhin von den Sängerinnen begleitet, was hier für mich sogar noch besser klingt, als die schrägen Keyboard-Sounds beim Magma-Original.
Außerdem beginnt der Teil viel langsamer gespielt, steigert sich dann aber über fast 11 Minuten bis zur etwa gleichen Geschwindigkeit, wie bei "De Futura" (das ist wahrscheinlich die langsamste Beschleunigung eines Musikstücks, die ich jemals gehört habe). Darauf folgt ein Break und eine eher fröhliche Klaviermelodie ertönt. Im weiteren Verlauf gesellt sich noch improvisiert wirkendes Schlagzeugspiel dazu (von Magma-Mastermind Christian Vander gespielt), außerdem auch einige von Magma bekannte Sänger*innen (es ertönt sogar dann eine der Hauptmelodien von "Mekanik Destruktiw Kommandöh"). Ab dem neunten Teil wird die Stimmung wieder bedrohlicher und ab hier steigert es sich stetig aufs Finale (Part XI) hin, das ich auch absolut großartig finde. Allerdings folgt dann noch ein Stück, dass erst daran anknüpft, sich dann aber gegen Ende fast wie ein Techno-Remix davon anhört. Das gefällt mir nicht so gut und ich lasse das immer weg (hat aber schon seinen Sinn, da hier wohl der Sieg der Maschinen über die Menschen vertont werden sollte - das Album hat zwar keine wirklichen Texte, sondern nur lautmalerlischen Gesang, aber eben das Konzept der die Herrschaft übernehmenden Maschinen).
Leider gibt es anscheinend die ersten vier Teile nicht auf Youtube zu hören, aber hier mal Part V und VI:


Huih, doch noch ein Post ausschließlich mit 2000er Alben (ursprünglich hatte ich statt dieser 64 allerdings noch ein Spät-60er Album drin, dass ich spontan aussortiert habe - führe ich vielleicht hinterher noch unter "Honorable mentions" auf).
 
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66.6 ABIGOR - Time Is the Sulphur In The Veins Of The Saint (2010)
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Hier haben wir es mit einem krass fordernden und kompromisslosen Konzeptalbum der österreischischen Black-Metaller und ihrem eindeutig progressivsten (und für mich auch besten) Werk zu tun (progressiver selbst als vieles, was gemeinhin unter Progressive Rock oder Progressive Metal läuft).
"Thesis: The devil, great consumer of martality, appears as the destroyer of cause and effect, and of God's linearity. Hence man can be merged in his infinity"
Nach der gesprochenen Einleitung und dem Ticken einer Uhr erwartet uns eine einzige, knapp 40-minütige Komposition in zwei Parts, die auf ungeübte Hörer vielleicht wie vertontes Chaos wirken könnte, die einem aber als offenen Musikhörer (mit Vorliebe für komplexere Klänge) so viel bieten kann und dabei einiges an beeindruckender Musikalität offenbart, vor allem aber eine spannende, kompositorische Unvorhersehbarkeit, die allerdings irgendwie trotzdem auf ihre Art stringent/passend im Ablauf ist.
Einige Parts hatten mich gleich beim ersten Durchlauf, andere erschlossen sich erst nach mehrmaligem Hören. Was mir immer auffällt, ist die geniale Übereinstimmung von Text und Musik, alles wurde perfekt passend vertont, wie z.B., als die Textzeile "...a time to keep and a time to throw away, a time to tear apart and a time to sew together, a time to be silent..." kommt und dann plötzlich absolute Stille folgt, oder wenn nach einem relativ melodischen Part und dem Ausruf "Tabula Rasa" auf einmal plötzlich wahnsinniges Geknüppel mit schrägen, sich nicht gleich erschließenden Gitarrenläufen folgt und gefühlt alles hinwegfegt!
Das Album fühlt sich an, wie eine Reise durch ein chaotisches und größtenteils lebensfeindliches Universum, hat aber auch epische und ruhigere Momente und teilweise auch richtig geile Melodien (der verzerrte Bass erinnert mich außerdem an ein paar kurzen Stellen ein wenig an ganz alte Manowar), an anderen Stellen Industrial-artige, elektronische Spielereien (die Produktion wirkt hier aber bei weitem nicht so klinisch wie beim Vorgänger "Fractal Possession"). Vom Tempo her ist von schleppend bis absolut rasend auch alles dabei, außerdem neben Black-Metal-typischen Gekrächze/Gekreische auch mal melodischer Gesang, epische Chöre und beschwörendes, heiseres Flüstern (das mich durchaus auch mal an KING DIAMOND erinnert).
Wenn mir mal gerade fast alles zu eingängig ist, ich aber trozdem Lust auf Musik habe, die nicht wie zufällige Geräuschkulisse klingt und die trotz häufiger aggressiver Ausbrüche enorm vielseitig/abwechslungsreich ist, ist dieses Album genau das richtige und begeistert mich jedes Mal!


65. STRAPPING YOUNG LAD - The New Black (2006)
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Ich scheine relativ allein damit zu sein, aber dieses Album ist für mich das beste, was SYL, oder überhaupt Devin Townsend veröffentlicht haben.
Stilistisch enorm vielseitig und dabei oft extrem mitreißend!
Wie kann man das jetzt für Neulinge stilistisch beschreiben/benennen? Progressive Melodic Industrial Extreme Metal?
Der Opener ist recht melodisch, aber hat trotzdem gut Dampf. In "You Suck" wird dann richtig losgeknüppelt (Gene Hoglan ist aber auch ein Gott am Schlagzeug!), dazu gibt es trotz ziemlich dramatischer Stimmung einen recht albern-lustigen Text. Nach nicht einmal drei Minuten ist der Spaß schon wieder vobei. In "Anti Product" geht's dann erstmalig gemäßigter zu, der Song groovt im Midtempo und hat sogar einen Bläserpart. "Monument" ist wieder etwas flotter aber eher stoisch-stampfend als rasend, auch hier gibt es Bläser(samples) zu hören, aber die Stimmung ist ganz anders, vor allem im Instrumentalpart, auf den noch ein anderer Part mit Gesang folgt - coole Atmosphäre!
Bei "Wrong Side" wird das Gaspedal wieder ordentlich durchgetreten, dazu gibt es hammermäßiges Gitarrengedudel über epischem Gesang im Refrain, (ansonsten viel Gebrüll). Bei ca. 1:50 wird es (trotz gleichbleibend hoher Geschwindigkeit) richtig episch-dramatisch, mit fast soundtrackartiger Atmosphäre. Hope ist erstmal wieder grooviger, dabei recht unmelodisch, gegen Ende steigert es sich dann aber in krasses Geknüppel. "Far Beyond Metal" ist wieder zugänglicher und mitreißender (gibt auch nen Gastauftritt von Oderus Urungus von GWAR), mit einem fast schon kitschigen Refrain. "Fucker" fällt für mich dann als einziger Song deutlich ab - ist zwar eingängig, aber schon beinahe zu sehr auf Groove und Massentauglichkeit getrimmt, mit für mich teilweise recht nervig-nöligem Gastgesang. Na ja, ganz nette Unterhaltung. Mit "Almost Again" folgt dann allerdings mein Lieblingssong (bzw. das gesamte Abschluss-Triple ist mein Highlight), soetwas hatte ich vorher nie gehört - einerseits hat der Song eine fast schon entspannte, Ambient-artige Atmosphäre, dabei aber gleichzeitig beinahe hektisches Schlagzeugspiel und teilweise sogar Blastbeats (im epischeren Part) - völlig einzigartig und ich bekomme immer Gänsehaut bei dem Stück!
Auch das düster-atmosphärische "Polyphony" kann mich begeistern, ist aber weniger ein eigenständiger Song, als vielmehr eine Überleitung zum Finale, das mit dem Titelsong auch großartig ausgefallen ist - episch, komplex, sich langsam bedrohlich aufbauend und am Ende Raserei.
Insgesamt ist das Album sehr kurzweilig (nur gute 42 Minuten lang) und die Songs auch alle eher "normal" lang bis kurz, aber die große stilistische Bandbreite und Komplexität rechtfertigen hier die Einordnung "Prog" meiner Meinung nach trotzdem.


64. JANNICK TOP - Infernal Machina (2008)
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Dies ist das zweite Soloalbum (eigentlich das erste "richtige", eigenständige) des ehemaligen MAGMA-Bassisten (spielte in den 70ern auf den Klassikern "Mekanik Destruktiw Kommandöh", "Wurdah Itah", "Köhntarkösz" und "Üdü Wüdü") - und was für eins!
Einerseits emanzipiert er sich mit diesem Konzeptalbum von seiner früheren Hauptband, andererseits verarbeitet er hier auch noch mal ein paar Parts, die er Mitte der 70er für MAGMA geschrieben hatte und liefert dabei ein Album, das überhaupt nicht "retro", oder nach uninspiriertem Spätwerk eines alternden Musikers klingt, sondern frisch, kreativ und durchaus innovativ! (Für MAGMA-Kenner könnte man sagen, es klingt ein wenig wie eine metallische Magma-Variamte mit Ethno-Einflüssen - es gibt auch Gastauftritte von diversen damals aktuellen und ehemaligen MAGMA-Bandmitgliedern)
Die Einleitung ist schon ungewöhnlich: ein (kleiner) Bulgarischer Frauenchor erzeugt eine außerweltliche Atmosphäre (und bei mir auch Gänsehaut), meines Wissens hat vorher noch niemand sowas mit Rock verbunden!
Man muss das Album eigentlich am Stück hören, da die einzelnen Stücke teilweise nahtlos ineinander übergehen und das Ganze wie eine einzige, sich sehr langsam aufbauende Komposition wirkt, die einen auf eine Reise mitnimmt! Man braucht aber durchaus viel Geduld, da der Aufbau - entgegen aktueller Hörgewohnheiten - extrem langsam erfolgt.
Im dritten Teil tauchen immerhin erstmals (durchaus harte) Gitarren auf, die nach einer Weile wieder von den bulgarischen Sängerinnen begleitet werden.
Die Parts V und VI basieren auf dem prägnantesten (sich langsam beschleunigenden) Teil des (von Top komponierten) MAGMA-Stücks "De Futura", allerdings mit zusätzlichen Parts abwechselnd und teilweise weiterhin von den Sängerinnen begleitet, was hier für mich sogar noch besser klingt, als die schrägen Keyoard-Sounds beim Magma-Original.
Außerdem beginnt der Teil viel langsamer gespielt, steigert sich dann aber über fast 11 Minuten bis zur etwa gleichen Geschwindigkeit, wie bei "De Futura" (das ist wahrscheinlich die langsamste Beschleunigung eines Musikstücks, die ich jemals gehört habe). Darauf folgt ein Break und eine eher fröhliche Klaviermelodie ertönt. Im weiteren Verlauf gesellt sich noch improvisiert wirkendes Schlagzeugspiel dazu (von Magma-Mastermind Christian Vander gespielt), außerdem auch einige von Magma bekannte Sänger*innen (es ertönt sogar dann eine der Hauptmelodien von "Mekanik Destruktiw Kommandöh"). Ab dem neunten Teil wird die Stimmung wieder bedrohlicher und ab hier steigert es sich stetig aufs Finale (Part XI) hin, das ich auch absolut großartig finde. Allerdings folgt dann noch ein Stück, dass erst daran anknüpft, sich dann aber gegen Ende fast wie ein Techno-Remix davon anhört. Das gefällt mir nicht so gut und ich lasse das immer weg (hat aber schon seinen Sinn, da hier wohl der Sieg der Maschinen über die Menschen vertont werden sollte - das Album hat zwar keine wirklichen Texte, sondern nur lautmalerlischen Gesang, aber eben das Konzept der die Herrschaft übernehmenden Maschinen).
Leider gibt es anscheinend die ersten vier Teile nicht auf Youtube zu hören, aber hier mal Part V und VI:


Huih, doch noch ein Post ausschließlich mit 2000er Alben (ursprünglich hatte ich statt dieser 64 allerdings noch ein Spät-60er Album drin, dass ich spontan aussortiert habe).
Krass das mal jmd. ein Strapping Young Lad Album als Progressive Metal kategorisiert. Absolutes Novum. Ich sehe das komplett anders und für mich gehört die Musik der Band nicht zu diesem Subgenre sondern ist ganz klar Industrial Death/Thrash Metal aber bitte :D
 
Krass das mal jmd. ein Strapping Young Lad Album als Progressive Metal kategorisiert. Absolutes Novum. Ich sehe das komplett anders und für mich gehört die Musik der Band nicht zu diesem Subgenre sondern ist ganz klar Industrial Death/Thrash Metal aber bitte :D
Hab ich da ja begründet (bzw. gar nicht als Progressive Metal bezeichnet ;) ).
Ist natürlich kein klassischer Progressive Metal, aber das ist bei OPETH, DEATH, ABIGOR, MR. BUNGLE, NE OBLIVISCARIS oder BETWEEN THE BURIED AND ME ja auch nicht der Fall.
Hatte ja außerdem absichtlich den Prog-Begriff etwas weiter gefasst und das auch so angekündigt. Progressiv im Wortsinne ist das Album auf jeden Fall und einzelne Stücke (sicher nicht alle) passen auch in eine etwas größere Prog-Metal-Schublade neben oben genannte Bands (z.B. "Almost Again", "The New Black").
 
Hab ich da ja begründet (bzw. gar nicht als Progressive Metal bezeichnet ;) ).
Ist natürlich kein klassischer Progressive Metal, aber das ist bei OPETH, DEATH, ABIGOR, MR. BUNGLE, NE OBLIVISCARIS oder BETWEEN THE BURIED AND ME ja auch nicht der Fall.
Hatte ja außerdem absichtlich den Prog-Begriff etwas weiter gefasst und das auch so angekündigt. Progressiv im Wortsinne ist das Album auf jeden Fall und einzelne Stücke (sicher nicht alle) passen auch in eine etwas größere Prog-Metal-Schublade neben oben genannte Bands (z.B. "Almost Again", "The New Black").
ja gut, von mir aus:)
 
Hatte übrigens ursprünglich sogar überlegt, ob ich FAITH NO MOREs "Angel Dust" mit reinnehme - da wäre der Begriff Prog bei einigen Stücken (bzw. der generellen Stiloffenheit) auch nicht ungerechtfertigt...
 
72 - egal
71 - top Album, das ich leider nur digital habe und sich physisch kaum mehr auftreiben lässt. Steht aber auf dem Einkaufszettel
70 - Überschneidung
69 - Überschneidung
68 - nie von gehört
67 - jo, sehr gut, warum es nicht für mehr reicht, haben wir ja im Bandthread schon mal diskutiert
66 - ist mir zu böse
65 - jo, das Album finde ich auch top, aber die Devin-Schwemme hat irgendwie nicht gut getan.
64 - auch nie von gehört. vielleicht teste ich Magma mal an.

So, fertig. Kann weiter gehen.
 
63. TOOL - Lateralus (2001)
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Eigentlich wurde ich auf diese Band schon 1993 aufmerksam, und zwar durch ihre düster-surrealen Musikvideos auf MTV, die mich völlig in ihren Bann zogen! Musikalisch sagte mir das damals nicht ganz so zu, auch wenn ich es schon nicht schlecht fand. Aber ich war damals eher auf dem Underground-Metal-Trip und wollte von aktuell "angesagten" Bands nichts wissen. Aber ihr Alternative Metal (so wurde das erste Album und die EP davor noch kategorisiert) übte auch da schon durchaus einen gewissen Reiz auf mich aus.
Mit den folgenden Alben wurden Tool dann progressiver ("Lateralus" ist bereits das dritte Album der Band) und entwickelten einen ganz eigenen Stil mit langen, aber vordergründig gar nicht so komplexen Songs, die es jedoch rhythmisch in sich haben!
Dabei merkt man das gar nicht so sehr, denn die Stücke fließen immer und können einen schon fast in Trance-artige Zustände versetzen.
Sehr auffällig finde ich auch den teilweise mit viel Hall versehenen Bass, sowas gab's vorher meines Wissens nicht.
Aber was soll ich hier noch Worte über diese bekannte Band verlieren, wer sie tatsächlich noch nicht kennt, hört sich mal "Parabola" an:


62. ANEKDOTEN - From Within (1999)
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Diese Band gehört neben ÄNGLAGÅRD zu den schwedischen Bands, die bereits Anfang der 90er kurioserweise den Prog Rock der 70er wieder aufleben lassen haben. Dabei waren gerade ANEKDOTEN aber alles andere als eine reine Retro-Veranstaltung. Das 93er Debüt klang zwar noch sehr stark nach KING CRIMSON (vor allem 74er Phase), aber bereits auf ihrem Zweitwerk „Nucleus“ ließen sie damals moderne Einflüsse aus dem Alternative Rock zu. Dennoch hörte man auch auf dem Album noch an allen Ecken KING CRIMSON raus.
Mit „From Within“ schwamm sich die Band dann allerdings stilistisch endgültig frei, hier hören wir einen sehr eigenständigen Stil der sehr durch repetitive Elemente geprägt ist, das Schlagzeug klingt teils jazzig, aber die Stimmung ist hier fast durchgehend düster bis melancholisch, besonders im dramatischen „Hole“, dass mich jedes Mal völlig fertig macht!
Mit „The Sun Absolute“ gibt‘s auch ein Instrumental, das weniger durch komplexe Frickeleien, als viel mehr durch viel Atmosphäre und einen vordergründig einfach wirkenden, aber eigentlich recht abgefahrnen Polyrhythmus besticht (während es 3 Schläge auf dem Becken gibt, zupft der Bassist gleichmäßig zweimal, und das die meiste Zeit durchgehend, was eine fast hypnotische Wirkung erzeugt).
Im Mix sind die Instrumente (E-Gitarre, E-Bass, Schlagzeug + Mellotron, sowie gelegentlich weitere Keyboards, Cello und Vibraphon) relativ gleichberechtigt, was ja nicht so häufig vorkommt, Gitarre und Bass klingen außerdem oft krass verzerrt und sehr krachig, was im Prog Rock auch nicht die Regel ist.
Einzigartig!
Hier mein Lieblingssong:


61. UNIVERS ZERO - Heresie (1979)
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Ein deutlich neueres Album der Belgier hab ich euch bereits vorgestellt, hier also nun das zweite (auch das zweite in ihrer Diskografie). Als die Band in den 70ern anfing, gab es eigentlich nichts Vergleichbares, auch nicht im experimentellen Progressive Rock, dem man dieses avantgardistische Album fast nicht mehr zuordnen kann (es gab damals eine kleine Bewegung von sehr experimentellen Bands namens "Rock in Opposition", der auch Univers Zero angehörten).
Ohne Schlagzeug und den E-Bass (sowie noch seltener E-Gitarre) würde man hier auch definitiv nicht von Rock sprechen, nicht einmal von Prog Rock. Zu avantgardistisch war die Musik, die ansonsten durch Instrumente wie Oboe, Orgel, Fagott, Violine und Harmonium geprägt wird, und durchaus einen starken Einfluss aus der modernen Klassik des 20. Jahrhunderts erkennen lässt. Dabei klingt das ganze oft wie ein Soundtrack zu einem richtig finsteren Lovecraft-Film!
Ich würde sogar so weit gehen, zu sagen, dass dieses Album das düsterste mir bekannte Album der 70er Jahre ist, dagegen klangen auch BLACK SABBATH fast schon nach fröhlichem Hardrock (zu der Zeit sowieso).
Hört euch mal das 25-minütige "La Faulx" an, in dem statt Gesang (die Musik der Band ist meist rein instrumental) teils etwas zu hören ist, das wie die Beschwörung der Großen Alten klingt ! (Das folgende "Jack The Ripper" ist dann vielleicht sogar noch düsterer)
 
Zuletzt bearbeitet:
63 - Überschneidung, meine #57
62 - von den Anekdoten kenne ich die ersten beiden Alben sowie die Kompilation "Chapters". Der etwas biedere Gesang und das sehr dominante Mellotron haben mich beide immer etwas gestört. Einzigartig, ja, aber nicht auf eine Weise, die ich dauerhaft hören möchte.
61 - deine Beschreibung klingt abschreckend und interessant zugleich. Mal schauen, ob ich mich da rantraue.
 
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