So, das war mal wieder ein fantastischer Abend mit MYSTERY.
Das Rind in Rüsselsheim ist ein kleiner, schmucker Laden, der vielleicht so 300 Leute fasst. Die Bühne ist dafür recht groß, der Saal eher angenehm breit, nicht so tief. Und wenn es wie heute ausverkauft ist, kann man sich immer noch gut bewegen und bekommt keinen Backflash zur "Turbinenhalle".
Negative Überraschungen gab es ja im Vorfeld schon, da gewisse Herren sich nicht frühzeitig um Tickets gekümmert habe und am Ende mit leeren Händen dastanden. Ich selbst bin gleich um 19.00 Uhr vor der Location, in der Hoffnung, dass es beim Merch dieses Mal tatsächlich auch Shirts in 4XL gibt, wie bei der letzten Tour versprochen. Und so ist es tatsächlich und ich bin ein Shirt reicher. 30,- Euro sind nicht günstig, aber noch im Rahmen. Daneben hat die Band wieder ihre (fast) komplette Diskographie mit dabei. Lediglich das Live-Dokument "Caught in the Whirlwind of Time" fehlt und just das wird bei mir angefragt, mitzubringen. Doof, aber kann man nix machen.
Um Punkt 20 Uhr steigt die Band dann mit 'This Is How The Story Ends' vom letzten Album "Redemption" in den Gig ein. Klar, einen 20-minüter zum Start kann man schon machen. Live finde ich das auch noch stärker als auf dem Album, nur ein Break zwischen zwei Teilen macht mir immer etwas zu schaffen, aber das ist eine Klenigkeit. Mit 'Travel Through The Night' folgt ein Kracher von "Beneath the Veils of Winter's Face" und so sind nach zwei Songs schon eine halbe Stunde um. Mit 'Superstar' von "The World is a Game" folgt eine kleine, feine Überraschung. Auf 'Behind the Mirror' konnte man da schon eher tippen, ist aber auch eine fabulöse Nummer vom noch aktuellem Album "Redemption". 'How Do You Feel' wird einer Freundin gewidmet, die auf einem guten Weg nach einer schweren Zeit ist, bevor der Viertelstünder 'Shadow of the Lake" vom "Destiny?"-Werk den ersten Set nach 65 Minuten beschließt und die Band sich für eine 20-minütige Pause verabschiedet.
Der zweite Set ist dann das komplette "Delusion Rain"-Album, das auch mein Favorit von Mystery ist. Vor allem bei 'Delusion Rain', dem 20-minüter 'The Willow Tree' und dem Übersong 'A Song for You' werden dann auch die Stimmbänder deutlich beansprucht. Doch auch bei den anderen drei Songs gibt es keine schwache Note. Ich denke, das sehr lange nicht gespielte 'The Last Glass of Vine' dürfte in Zukunft häufiger mal im Set anzutreffen sein, wenn man die Zuschauerreaktion als Maßstab nimmt. Maßstäbe setzt einmal mehr die Band. Egal, ob Gitarrist Michel St-Pere oder sein kongenialer Counterpart Sylvain Moineau, Schlagzeugtier Jean Goyette, Bassungeheuer Francois Fournier oder Sänger, Flötist und Frontmann Jean Pageau. Selbstd der Aushilfskeyboarder macht einen fantastsichen Job.
Die Uhr zeigt mittlerweile 22.35 an als die erste Zugabe kommt. Diese widmet Jean Pageau seiner heute(!) verstorbenen Schwiegermutter. 'Through Different Eyes' ist nicht mein favorisierter 20-minüter der Band, aber vor allem textlich passt der Song heute Abend (leider) wie Faust aufs Auge. Auch so gewinnt die Nummer deutlich. Gerade der 'So Far Away'-Part ist ganz fantastisch. Um wenige Minuten vor 23 Uhr wird der Song dann übergeleitet in den standesgemäßen Abschluss 'Preacher's Fall', der noch einmal komplett das erschöpfte Haus rockt. Dann ist nach drei Studen brutto und 160 Minuten netto Schluss. Vollbedienung nennt man das.
Alles in allem also ein einmal mehr grandioser Abend mit einer fantastischen Band.