Von mir auch dasselbe wie jedes Mal:
Was soll daran denn ironisch sein? So groß und erfolgreich wie Wacken wird ein Festival nur, wenn es in besonders hohem Maße Produkt ist. Aus ökonomischer Perspektive kann man davor nur den Hut ziehen. Aus Heavy Metal Perspektive finde ich es 100% legitim, es scheiße zu finden - und trotzdem darüber zu reden, wenn es stattfindet.
Für mich ist das ein ganz ähnliches Gefühl wie bei der Umweltaktivistin, die mal in den Urlaub fliegt, oder beim Kapitalismus-Kritiker, der sich ne Hose von Kick holt. Ist verdammt einfach, diesen Leuten dann Inkonsequenz und Doppelmoral vorzuwerfen. Ist halt die Frage, ob man derjenige sein will, der anderen ihre teils vielleicht etwas naiven Ideale um die Ohren haut.
Jau. Will ich. Wieso auch nicht?
Die meisten Leute machen es sich doch genauso einfach. Da wird man mit etwas Gegenrede schon klar kommen.
Ich sags auch immer wieder: Man soll das Festival gerne kritisieren. Das mache ich selber mehr als genug. Aber manches ist völlig unsinnig, oder einfach falsch.
Ich verstehe auch nicht, warum das gesamte Festivalgelände nicht endlich mal anständig erschlossen wird. Landwirtschaftlich genutzt werden die Flächen ja schon längst nicht mehr zwischen den Veranstaltungen, da sollte es an sich kein Problem sein, die Hauptwege zu asphaltieren und Campingflächen und vor allem das Infield mit Kies, Sand oder was auch immer stellenweise ein wenig zu befestigen. Flächenmäßig größer werden kann das Festival ja auch nicht mehr, daher sollte es auch eigentlich kein Problem sein, das ganze in Sachen (Infra-)struktur zu fixieren. Wahrscheinlich wird es aber aus Gründen der Gewinnmaximierung nicht gemacht, und so lange es halt noch gut geht...
Das hier ist so ein Beispiel:
Klar! Es kann ja nur die Gewinnmaximierung sein und könnte nicht daran liegen, dass man das schlicht nicht darf.
Das komplette Infield wurde mit einer unterirdischen Drainage zum Abfluss und einer Bierpipeline versehen, damit es nicht von LKWs kaputt gefahren wird. Alles für teuer Geld. Soll am Ende natürlich auch den Gewinn maximieren, weil zufriedene Kunden und so. Aber die Idee, dass man kein Geld in die Hand nehmen wollen würde und die Leute aus Raffgier im Matsch ersaufen lassen würde, ist Quark. Allein der Punkt wie unfassbar viel weniger Stress die hätten, wenn die das einfach fest machen könnten..
Und Nein, man kann das auch nicht mal eben mit etwas Kies, Sand, oder Mulch fest machen. An den Stellen wo das geht, wird das gemacht. An den anderen schwimmt das weg. Platten die im See versinken, bringen einem auch nicht viel.
Die hatten schon Bodenforschungs-Teams und alles mögliche da. Es ist einfach nicht so einfach, wie mancher sich das gerne mal vorstellt.
Bei all der Kommerzdiskussion darf man wie jedes Jahr anmerken, dass der Ticketpreis relativ ist … wenn man sich von Mittwoch bis Samstag Bands anschaut, dann lohnt sich das durchaus. Die Bands auf Tour einzeln zu sehen, würde vermutlich in der Summe mehr kosten.
Dass mit dem medialen Wacken-Bild auch das allgemeine Bild von Metal in der Öffentlichkeit geprägt wird, lässt sich ob der Größe und dem ‚Aushängeschild‘-Charakter (über das Festival wird halt inzwischen weltweit in den Medien als größtes Metalfest im winzigen Dorf berichtet und es steht als deutsches Kulturevent inzwischen auf einer Stufe mit dem Oktoberfest) nicht vermeiden. Dabei kann man Vieles als Ausverkauf kritisieren und sich auch darüber ärgern, dass musikalisch weniger anspruchsvolle oder gänzlich unmetallische Gruppen durch das Festival riesengroßen werden und als die Metal-Topact gelten.
Das ändert aber nichts daran, dass da jedes Jahr auch eine ganze Legion sehr guter Bands aufspielt, die mir viel bedeuten. Und wenn ich die Chance habe, die Auftritte dieser Bands im Stream oder noch lange Zeit in der Mediathek zu sehen - was ja auch echt ein super Luxus ist -, dann bin dafür auch einfach mal sehr dankbar.
Ich kann mich noch an das Jahr erinnern (1999 od. 2000?) als es arg regnete und das Rock Hard sich ob der schwachen Orga danach vom Festival distanziert hat. Damals war es bei Weitem mit dem Schlamm und dem Boden nicht so heftig wie heutzutage. Das mag vielleicht auch an mehr Regen liegen (Klimawandel). Aber inzwischen laufen da eben auch viermal so viele Leute rum, was sicher auch Einfluss auf die Beschaffenheit hat.
Was da auch extrem rein spielt, ist dass die Leute inzwischen schon am Sonntag anreisen und vor allen Dingen mit immer mehr Autos. Wo vorher 4 Leute in einem Auto waren, sind es heute eher 2-3 mit mehr Gepäck und großen Camps.
Das könnte man übrigens auch alles regulieren und unterbinden, was glücklicherweise nicht gemacht wird.
Ich war jetzt schon 7 Jahre nicht mehr dort, mein Empfinden ist eben aber auch dass an der Anzahl der großen Headliner gespart wird. In Wacken war es nicht immer so, dass 1 großer Name obendrüber steht und als Zugpferd genutzt wird. Wenn ich mir z.B. das Graspop anschaue, die hatten vor ein paar Jahren Maiden, Scorpions und Priest - im selben Jahr wohlgemerkt. In Wacken würde das mittlerweile für 3 Jahre reichen. Auch da wird meiner Meinung Gewinnmaximierung betrieben... was ihr gutes Recht ist. Aber ich finde schon, dass sie da etwas aufbessern könnten bei dem Geld was sie verlangen... dann würd ich mir vielleicht auch mal wieder überlegen hinzufahren.
Auch das hat weniger mit Gewinnmaximierung zu tun, als mit den Tourterminen von großen US Bands. Die meisten großen europäischen Festivals finden im Juni/Juli statt und genau deshalb sind dann auch die ganzen Touren in diesem Zeitraum.
Im August muss man da kreativer werden, oder eine ganze Menge mehr Geld in die Hand nehmen. Darum konnte sich ein kleines Festival wie das Reload letztes Jahr zum Beispiel auch Korn leisten. Man schmeißt quasi zusammem.
Kann bei vielen großen Namen und Touren sehr doof sein, aber dafür hatte bisher kein Graspop, oder Hellfest die völlig abgefahrene und weltweit einzigartige Savatage/TSO Doppelshow.
Bin sehr froh, die gesehen zu haben!
Graspop zählt die Besucher an jedem Tag zusammen, das sind also auch „nur“ gut 50.000 gleichzeitig.
Mehr Einnahmen werden dadurch trotzdem generiert, weil man entsprechend für die jeweiligen Tage nochmal einen höheren Preis nimmt, als für das Kombiticket.
Auch das ist ein zweischneidiges Schwert. Durch Tagestickets wissen die Leute relativ zeitig, wann was spielt.
Ich persönlich finde es angenehmer, wenn alle voll da sind. Und dadurch, dass man etwas freier im bestätigen von Bands ist, gab es beim Wacken die ein oder andere Buchung, die man so nicht gekriegt hätte, wenn alles schon kurz nach dem Festival bestätigt würde.