So, auch wieder in heimatlichen Gefilden angekommen. War wie jedes Jahr sehr cool, mal wieder ne neue Location von innen gesehen und wie üblich war wie Luftqualität so ziemlich überall vollkommen zum Kotzen, aber hey, WGT halt.
Donnerstag:
Dankenswerter Weise schon mittags Feierabend machen können ( <3 Chef <3 ), um 1 ins Auto geschwungen und dann tatsächlich auch ziemlich gut weg gekommen und kurz vor 7 in Leipsch gewesen, wo der Ruhrgebietsgteil unseres illustren Hippiekonglomerats bereits unsere Wohnung übernommen hatte. Haben im folgenden dann in kurzer Zeit mal eben das Gepäck abgeworfen, nen Supermarkt überfallen und bei guten Leipziger Herrengedeck bestehend aus Sterni und Peffi mal noch flott was gegessen. Danach an der Moritzbastei Bändchen verhaftet und eigentlich hatten wir zumindest zu zweit noch vor, uns noch auf zum Felsenkeller zur einer Runde Schwefelgelb auf der EBM-warmup-Party zu machen. Habens dann genau bis zur Straßenbahnhaltestelle geschafft, da haben wir dann Menschen getroffen und sind gemeinsam mit dem Rest des Trupps nach zwei Stunden MoBa-Terasse noch bis ich hab keine Ahnung wann im Darkflower verendet (mein Gott ist das immer gruselig da).
Freitag:
Nach auspennen und Brunch gings dann tatsächlich mal um die Wurst aka Musik.
Station Nummer 1 waren 'Besides' im wie befurchtet vollkommen überdimensionierten Kohlrabizirkus. Von den Polen gabs eine feine Stunde instrumentellen Postrock ohne sonderliche Innovation und Schnörkel, dafür aber in handwerklich extrem gut. Zur Einstimmung ganz cool, zumal trotz der Location mit ordentlichem Sound.
Anschließend gings mit Menscheneinsammel-und-Würstchenschnabulierpitstop an der MoBa zum Stadtbad. Kannte ich vorher nicht, Location ist echt schön, leidet aber, wie so viele Spielorte in Leipzig, unter einem doch eher gediegenen Lüftungsproblem. Angesagt war hier Synthiewave, zunächst aus dem Hause 'Sixth June', die aufgrund der Vocals aber nicht so mein Ding waren. Anschließend waren 'Kite' aus dem schönen Schweden dran, die trotz männlichem Vokalisten erschreckend brutal an die Landsfrau von 'Fever Ray' erinnert haben. Ziemlich düsterer Synthiekram, relativ flächig und dazu gabs ne doch recht knorke Lichtschau samt Katzenskulpturen mit Laseraugen. Killer.
Hab dann noch überlegt, mit Teile unseres Trupps Amanda Palmer zu begutachten, allerdings ist der Sound in der Agra ja im besten Falle eher so 5/10 und die Alternative hiess da Party in Form von 'Strobelight vs. Pagan Love Songs' in Noel's Ballroom und ich hatte einfach mehr Bock auf Deathrock, Wave, Postpunk und vor allem Strongbow als auf durchgeknallte Amerikanerinnen mit Klavier. Wurde dann spät. Haben die Brötchen fürs Frühstück vor dem Pennen geholt und hatte zum Glück auch noch ne Sonnenbrille in der Tasche.
Samstag:
Lange Knacken war trotzdem nicht, irgendwie hatte die Menschheit beschlossen, dass man doch jetzt mal seinen Kulturteil ableistet. Gab dann auf den frühen Nachmittag Führung im Ägyptischen Museum, war recht spannend und tatsächlich lohnend. Dank Konterpfeffi auf der Bahnfahrt zum Museum sogar Beschwerdefrei
Weiter gings dann ins Täubchental, wo mit 'Soviet Soviet' der aktuelle "heiße Scheiss in Sachen Gitarrenwave samt Brian Molko Gedächtnisstimme" (Zitat eines auf dem Sektor deutlich umfassender gebildeteren Kumpels). Hätte dann an sich auch extrem geil sein können, wenn der Sound nicht eine völlige Grütze gewesen wäre. Der Mischer hat da doch zu energisch die Gitarre im Bass absaufen lassen. Schade. Haben dann, aufgrund akuter Gewitterapokalypse noch eine Runde da rumgehangen. Hatte erwogen, 'Hamferd' und 'Spiritual Front' im Schauspielhaus zu gucken, da wäre ich personell aber sehr einsam gewesen und hab mich daher dem Gruppendruck gebeugt und es ging ab in die Agra.
Hier gabs dann erstmal 'Klangstabil' mit dem besten Sound, den ich in der Agra je auf die Ohren bekommen habe. Dazu beide Versionen von 'Math & Emotion' gespielt, sehr cool. Ich find so reinen Elektro live immer recht schwierig, aber das war definitiv nen tolles Konzert.
Anschließend gabs dann 'VNV Nation'. Man kann sagen was man will: Klebrig, technoid, in Sachen Songwriting ziemlich eindimensional. Stimmt alles. Auch hier wieder. Aber: Abreißen können die. Es lag sicher auch daran, dass ich mir vorsichtshalber vorher bei 'Klangstabil' und in der Umbaupause noch ordentlich einen reingestellt hab, aber hat Bock gemacht. Waren anschließend nochmal für nen Abstecher in Noel's Ballroom (ich mag den Laden einfach), haben dann aber gegen halb 3 doch beschlossen, dass ein wenig mehr Schlaf nicht schaden würde.
Sonntag:
Nach ausführlichem Brunch (ab 13 Uhr ^^) und einer gediegenen Runde Nichtstun gings dann schon wieder in die Agra. Die Damen wollten bitte gerne irgendwo Geld weg tragen, sind allerdings weitestgehend gescheitert (Haben es zu dritt auf ganze zwei T-Shirts gebracht). Um das Klischee zu vervollständigen, hat sich die Herrenfraktion derweil am Bowlestand vergnügt. Verdammte Knallbowle, immer wieder ein Abenteuer. Solide angeschossen gabs dann übrigens auch noch Mucke: 'She Past Away' waren so an sich ganz geil, allerdings hätte denen nen echter Drummer gut zu Gesicht gestanden.
Anschließend kam dann der Teil der kompletten Veranstaltung, auf den ich mich doch am meisten gefreut hab, der überaus großartige Volkspalast war angesagt. Nach den aufgrund des völlig dröhnigen Sounds leider eher bescheidenen 'Soft Kill' in der Kuppelhalle, gabs kurz die völlig irrelevanten 'Desperate Journalist' in der Kantine. Klang nach den Cranberries, die von einer Horde wütender Quietscheentchen vergewaltigt werden. Haben uns dann recht zügig wieder rüber in die Halle abgeseilt, weil wir noch bekannte getroffen hatten. Bier und Quatschen war da doch die sinnigere Alternative.
Es folgten: Eine meiner Lieblingsbands in der m.E. geilsten WGT-Location. 'Alcest' boten jede Menge von 'Kodama' und 'Ecaille de lune', garniert mit ein wenig 'Voyages de l'ame' und 'Delivrance' als rausschmeisser. Sound gut, Band gut drauf, Publikum toll. Die anwesenden rund 400 Menschen habes dann auch tatsächlich geschafft, die Band mit ausdauerndem Beifall nochmal auf die Bühne zu bewegen, noch nen Song durften se allerdings nicht spielen. Dennoch: Überragend gutes Konzert mit tollem Sound in wunderschöner Location.
Danach dann flott die Bahn geentert, 'Skinny Puppy' standen noch auf dem Programm. Wer die Herren schonmal gesehen hat weiss: Es war wirr. Aber hat auch Bock gemacht, auch wenn die Mucke für mich immer mal wieder Längen hat. Unsere beiden Mädels, die dringend hin wollten, waren aber schwer begeistert.
Anschließend haben wir dann in Connewitz auf dem Heimweg noch mit nem Haufen uns bis dahin unbekannter Menschen zwei Flaschen Peffi an der Tramhaltestelle (passender weise Pfeffinger Straße) platt gemacht und sind dann seeligst in der Dämmerung ins Bett gefallen.
Montag:
...war musikalisch sehr übersichtlich. Waren den Tag über noch in Leipzig unterwegs (Stadtfest war ja dankenswerter Weise Montag nicht mehr), noch in Ruhe mit diversen Freunden gemütlich Essen und sind anschließend ins Alte Landratsamt.
Hier gabs zuächst Gitarrenwave mit 'Drab Majesty' aus den US of A. War ganz nett, allerdings auch nix besonderes und ein wenig dröhnend. Es folgten 'Kelz.e' die ich einfach mal ohne weiter drauf einzugehen mit "Beschissener deutschsprache Cure-Klon mit zu vielen schlechten Tocotronic-Einflüssen" bestempeln wollen würde. Haben dann mit Bier und nem Flachmann vor der Tür gestanden. War eindeutig unterhaltsamer.
Die eigentliche Motivation fürs Landratsamt waren 'B-Movie', die vermutlich jeder zumindest mit 'Nowhere Girl' schonmal in irgendeiner Gruftidisse wahrnehmen musste. Die inzwischen doch recht alten Herren können zum Glück deutlich mehr und hatten auch echt Bock. Und ganz nebenbei wie wir feststellen mussten ein erschreckend gutes aktuelles Album. Insgesamt konzerttechnisch ein guter Abschluss.
Anschließend waren wir dann noch viel zu lange in der MoBa, sodass sich die Pläne, "diesmal echt nicht so spät loszufahren" wieder solide in den Nachmittag des folgenden Dienstags geschoben haben. Aber egal, war geil
Insgesamt wie üblich wieder ein sehr cooles WGT, wieder viel Neues gesehen, viele Menschen getroffen, viel gequatscht, viel getanzt und zu viel Pfeffi getrunken. Nächstes Jahr dann wieder.