Ich hatte, wenn man so will, zwei Initialzündungen.
Vorweg: Niemand in meiner Familie ist sonderlich musikaffin. Jeder hat so ein paar Lieblingskünstler aus Jugendtagen und dem frühen Erwachsenenalter - und von denen auch nur das Zeug aus dem prägenden Zeitraum! Im Fall meiner jüngeren Brüder Linkin Park, bei meiner Mutter waren und sind es die Stones, Queen und Joe Cocker - was sie jedoch kaum gehört hat, als meine Brüder und ich Kinder waren. Konzertgänger sind sie allesamt nicht. Mit meinen Brüdern hatte ich, schon längst metallifiziert, genau ein Konzert bzw. Festival: Rock am Ring 2007 (Ärzte, Good Charlotte, Evanscence für meine Ex-Freundin/Jetzt-Ehefrau und yep, Linkin Park waren für sie ausschlaggebend). Wäre bei Mama nicht ihr jüngster Bruder gewesen - der durch mich im Alter von 9 Jahren Onkel wurde -, hätte sie die Stones nie live gesehen. Das war die „Bridges to Babylon“ Tour. Kürzliche, anlassbedingte Anekdote meiner alten Lady: „Hätte auch nicht gedacht, dass ich vor den Stones in Rente gehe.“

… na ja, vielleicht kann ich sie 2026 überraschen. Wäre dann eine 28jährige Konzertpause bei ihr gewesen.
Mitte der 1990er hieß Musik für mich Präpubertierenden: „Radio Regenbogen“ - und ganz gräßlicher Eurodance/Kindertechno (Blümchen, Modo, der Cool-Man, Mr President, Captain Jack - eben das, was die BRAVO als angesagten Scheiß gepusht hat).
Vielleicht wird unter diesen Voraussetzungen klar, welches Erlebnis Meat Loafs „Bat out of Hell II: Back into Hell“ (Flohmarktkauf, wegen dem Radiosong „Anything for Love“) für mich war: Ellenlange, mehrteilige Songs, die so ganz anders als das Zeug aus dem Radio klangen. Diese Mischung aus Gitarrengewitter, Bombast, überbordenden Kitsch und knackigem Rock n Roll nahm mich absolut gefangen. Im CD-Schrank von Mama habe ich dann tatsächlich auch die verstaubende, erste Fledermaus-Scheibe entdeckt - und annektiert. Hat sie wahrscheinlich bis heute nicht gemerkt. Die beiden Alben liefen 1996/1997 quasi dauerhaft im Kinderzimmer. Und weil man ja nach Neuem giert und u. a. mit den Stones, Queen, Pink Floyds „The Wall“, Creedence Clearwater Revival, Rainbows „On Stage“ (warum auch immer) einige coole Sachen in Mamas Plattenschrank verstaubten, kam auch von dort einiges zum Zug. Die Musik der 1990er gab mir schlichtweg nichts - und als isolierter 13/14jähriger erfuhr man auch nichts von den guten Sachen abseits des Mainstreams.
Meinem bereits erwähnten Onkel, der in der zweiten Hälfte der 1990er zwischen 19 und 24 war, ist meine Vorliebe für rockigere Klänge nicht entgangen. Er fand allerdings, ich müsse „mal richtige Musik“ hören. Also gab es ein Mixtape (Side A: Metallicas Black Album, Side B: AC/DCs High Voltage), und ein Geschenk aus seinem CD-Schrank - weil ich das Cover geil fand: „The Hell of Steel“, ein Best-of der Atlantic-Jahre von Manowar. Ich glaube, mein Onkel wusste nicht, was er damit anrichten würde…
In der weiterführenden Schule habe ich später Leute kennengelernt, die mich tiefer in den Metal einführten - und zwei Magazine mit den Titeln „HEAVY! Oder was?“ und „Rock Hard“ trugen auch ihr Scherflein bei - aber initial gilt mein Dank Mama und dem Onkelchen. (Papa hatte leider nur Schürzenjäger zu bieten. Ist heute mit Santiano seiner gräßlichen Linie aber immerhin treu geblieben).