KAT (PL) satanischer Heavy/Speed/Thrash Metal seit den 80ern

Dieses Thema im Forum "FAST AND LOOSE - Speed Metal & Thrash Metal" wurde erstellt von Acrylator, 8. Oktober 2014.

  1. Acrylator

    Acrylator Till Deaf Do Us Part

    Neben TURBO (im anderen Sub-Forum) müssen auch die anderen polnischen Metal-Veteranen, nämlich KAT, hier mal ausführlich vorgestellt werden, auch wenn der eine oder andere sie sicher schon kennt. (Aber viele der Alben sind ja auch nicht so leicht zu bekommen, da ist eine Rezension der Alben vielleicht eine Hilfe, worauf man seine Suche konzentrieren sollte)
    Habe diese Vorstellung ebenfalls ursprünglich für das Sacred Metal Board geschrieben, würde aber gern mehr Leute damit erreichen, denn musikalisch dürfte das gerade heutzutage wieder für viele Leute interessant sein...
    Ich möchte hier auch nur auf die Musik eingehen, da ich aufgrund mangelnder Polnischkenntnisse nicht viel über die Lyrics sagen kann, die mir aber ein Mix aus Klischees und tatsächlichen Überzeugungen zu sein scheinen. Zumindest der Sänger ist meines Wissens LaVey-Anhänger, aber ansonsten war in den 80ern nach Venom ja bei vielen Metal-Bands satanische Symbolik als Schockelement/Rebellion gegen die Gesellschaft etc. an der Tagesordnung. Im erzkatholischen Polen hatte man es mit solch einem Image aber sicher viel schwerer als in vielen anderen Ländern. Die Band bekam aufgrund ihrer Titel, Texte und Symbolik im Laufe der Jahre natürlich immer wieder massive Probleme, wie z.B. Auftrittsverbote etc.


    Ca. 1979 oder 80 (habe darüber schon widersprüchliche Infos gelesen, bzw. war früher nur letzteres zu finden) in KATowice (wo sonst...) gegründet, frönte diese Band im Gegensatz zu Turbo wohl schon von Anfang an noch härteren Klängen.
    Ich bin auf die Band ca. 1994 durch Matthias Herr's Metal Lexikon aufmerksam geworden und habe dann lange nach den ersten beiden Alben gesucht. In Hamburg (bei Remedy Records, wenn ich mich nicht irre) bin ich dann irgendwann Mitte der 90er fündig geworden - Metal And Hell, die englischsprachige Version des Debütalbums. Bis ich endlich das noch heißer ersehnte Zweitwerk (und auch die polnische Version des Debüts) der Band fand, sollte noch einige Zeit ins Land ziehen, aber erst einmal der Reihe nach...

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    1985 erschien eine 7" Single in einer schlichten, nur mit dem Labelnamen bedruckten Innenhülle, deren zwei Songs rohen, in einem Fall recht schnellen und manchmal leicht düsteren Metal bilden. Davon gibt es das etwas langsamere und hymnische Ostatni Tabor nur auf dieser Single. Vor einigen Jahren wurde die Scheibe als 10" mit einer alten Zeichnung, die ursprünglich das Textblatt des Debütalbums (polnische Erstauflage) zierte, als Cover wiederveröffentlicht (siehe Abbildung oben).


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    Das Debütalbum 666 war wohl zu dem Zeitpunkt auch schon aufgenommen, kam aber (zumindest auf Vinyl) erst 1986 auf den Markt (bei der mit einem anderen Cover versehenen und Metal And Hell betitelten, englischsprachigen Version bin ich mir nicht ganz sicher, ob sie vorher oder nachher veröffentlicht wurde).
    Irgendwo in der Schnittmenge von EXCITER, der ersten RUNNING WILD, MOTÖRHEAD, VENOM, ACCEPT, der ersten METALLICA und ganz viel Eigenständigkeit in den Melodien ist das Album stilistisch zu verorten. Das aber nur als grober Anhaltspunkt, denn der teils düstere Heavy/Speed Metal auf dieser Scheibe klingt eigentlich wie von keiner anderen Band, auch wenn meist die NWOBHM und früher Speed Metal durchklingen.
    666 (Metal And Hell hat eine andere Songreihenfolge) wird vom pfeilschnellen Metal I Piekło eingeleitet - damals vielleicht einer der schnellsten Songs überhaupt, wenn auch längst nicht so brachial wie z.B. Slayer, Kreator etc., sondern eher an Exciter auf Speed (ja, das geht) erinnernd und von positiverer Stimmung (aber kein Melodic Speed!) - es wird aber auch mal vom Gas gegangen - ein düsterer Midtempoteil beendet das Stück. Diabelsky Dom (Part 1) ist dann ein hymnischer Midtempostampfer, der die meisten Fans des 80er Heavy Metals begeistern sollte (einziger Knackpunkt könnte der gewöhnungsbedürftige Gesang sein, was auch für den Rest des Albums gilt), während bei Morderca wieder höhere Geschwindigkeit regiert - hier auch noch genial mit epischen Chören kombiniert und mit zwar nicht ganz so schnellem Anschlag im Gitarrenspiel wie beim Opener, dafür aber düsterer und mit einer genialen, zweistimmigen Gitarrenmelodie in der Mitte. Maszmnie Wampirze ist dann wieder in gemäßigter Geschwindigkeit und für mich das unspektakulärste Stück der Scheibe, wenn auch absolut nicht schlecht. Noch langsamer beendet Czas Zemsty die A-Seite, mit ruhigem, düster-atmosphärischem Anfang, steigert sich der Song zu einer wahren Hymne!
    Beim bereits von der Single bekannten Noce Szatana geht's dann wieder deutlich schneller zu, die Riffs erinnern mal stark an MOTÖRHEAD, mal bieten sie Speed-Metal-Standard (was jetzt nicht negativ zu werten ist). Diabelsky Dom Part 3 (Part 2 wurde erst auf dem zweiten Album veröffentlicht) drosselt das Tempo wieder und übertrifft Part 1 noch mit einem tollen Solo und seinem noch tolleren, emotionalen Gitarrenduett kurz vor Ende. Bei Wyrocznia wird die Stimmung wieder düsterer und der sonst im Midtempo gehaltene Song schlägt etwa in der Mitte völlig unerwartet in rasenden Speed Metal um. Der Titelsong ist wieder hymnischer gehalten und mit tollen Gitarrenmelodien versehen. Czarne Zastepy beendet das Album dann gleichzeitig speedmetallisch wie hymnisch (einen düsteren Midtempopart gibt's auch wieder).
    Übrigens würde ich - wie immer bei polnischen Bands - zur polnischsprachigen Version raten, da diese gesanglich emotionaler und ungezwungender wirkt. Außerdem hat die polnischsprachige Variante hier das bei weitem coolere Cover und dazu sogar noch eine zusätzliche Fantasy-Zeichnung auf dem Textblatt (welche, wie oben bereits erwähnt, auch das Cover der Wiederveröffentlichung der ersten Single ziert). Die polnische Version ist allerdings auch noch schwieriger aufzutreiben als die englischsprachige Metal And Hell (die sowohl in Polen als auch mit vereinfachtem schwarz/weiß/rotem Cover in Belgien veröffentlicht wurde). Es gab 1996 allerdings einen CD-Release mit anderem Cover und 2011 noch einmal einen als Doppel-CD und Doppel-LP mit dem Original-Cover.


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    Obwohl die Band bereits (wahrscheinlich alle) Songs für das zweite Album geschrieben hatte, erschien 1987 erst noch eine Live-Scheibe, 38 Minutes Of Live welche zwar nicht schlecht ist, auf der den Stücken aber durch das Fehlen der zweiten Gitarre einiges an Power abhanden kommt.
    Ich werde hier darum nur auf die Studioalben eingehen.
    Das Album wurde übrigens 1996 mit neu gemaltem Cover (von Jerzy Kurczak, der auch alle anderen Cover der Band ab dem zweiten Studioalbum, sowie überhaupt die der meisten polnischen Metalscheiben der 80er und frühen 90er gemalt hat) als CD veröffentlicht und dann 2006 noch einmal mit dem Original-Cover.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. März 2019
  2. Acrylator

    Acrylator Till Deaf Do Us Part

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    1989 (bzw. auf Kassette bereits 1988) veröffentlichen KAT das wohl von den meisten (einschließlich mir selbst) als ihr bestes Album angesehene Oddech Wymarłych Światów (das übrigens bereits Ende 1987 aufgenommen wurde), auf dem die Band sowohl deutlich härter, als auch eine Ecke abwechslungsreicher und technisch gereifter agiert. Mir ist - außer vielleicht TURBOs Ostatni Wojownik - tatsächlich kein Album aus den 80ern bekannt, welches gleichzeitig so extrem hart und doch an vielen Stellen so melodisch ist.
    Die Produktion ist insgesamt eine ganze Ecke klarer und wuchtiger als auf dem Debüt, wobei der Gitarrensound hierzu in krassem Gegensatz steht - der klingt nämlich ziemlich übersteuert (auf der 96er CD-Version sogar noch etwas stärker) und kratzig, was mir aber gerade gut gefällt und nicht zuletzt dem Album die nötige Härte und noch mehr Eigenständigkeit verleiht. Die Riffs gehen nun überwiegend in Richtung EXODUS und METALLICA, wobei der Aufbau einiger Stücke auch an letztere erinnert, ohne dass jedoch deren Stil kopiert wird. Dafür klingen viele Melodien auch zu eigenständig und sind wohl von polnischer Folklore beeinflusst.
    Die schiere Power vom Opener Porwany Obłędem haut mich immer wieder aus den Socken, der Song wird sogar durch einen - für diese Art von Metal untypischen, aber bereits vom Debüt bekannten - epischen Chor bereichert, bevor wieder aufs Gaspedal getreten wird und einen die Double-Bass-Attacke förmlich verprügelt. Śpisk Jak Kamień fällt danach deutlich hymnischer aus und ist eher dem stampfenden Power Metal als dem Thrash zuzuordnen. Den Schluss bildet hier ein sehr emotionaler ruhiger Akustikgitarrenpart mit ebensolchem Gesang (auch wenn er an einer Stelle für mich immer leicht unfreiwillig komisch klingt). Der dritte Song wiegt einen dann mit ebenfalls ruhigen Klängen am Anfang in Sicherheit, bevor sich langsam ein Sturm zusammenbraut, der sich, eingeleitet durch eine Metallica-artige, zweistimmige Gitarrenmelodie in purer Raserei bahnbricht. Der Gesang von Roman Kostrzewski ist hier sehr extrem für die damalige Zeit, fast schon wie im Death Metal, aber dabei dennoch völlig eigenständig. Aufgelockert wird das Geprügel durch einen coolen Midtempopart in dem Roman sogar wieder kurz richtig singt.
    Mit Diabelsky Dom Pt. 2 wird's wieder hymnischer, aber dabei deutlich düsterer und härter als auf dem Debüt (auch wieder mit sehr extremem Gesang, der mich manchmal an einen aggressiv bellenden Hund erinnert). Komplett überraschend und ohne Vorwarnung wird in der Mitte auf einmal (beginnend mit einem irrsinnigen Schrei) das Tempo deutlich angezogen und geknüppelt was das Zeug hält, worauf noch einmal die Strophe und der hymnische Refrain folgen. Mag - Sex darauf wird von an Metallica erinnernden, ruhigen Gitarrenklängen eingeleitet um dann mit einem Hammerriff und irrsinniger Double Bass wieder auszubrechen und gleichermaßen abwechslungsreichen wie harten Thrash Metal zu bieten, in dem teilweise auch völlig geile, hohe aber rauhe Schreie gebracht werden, die ansonsten eher untypisch für den Sänger (und so leider nur auf diesem Album zu hören) sind. Mit Głosz Z Ciemnoścy folgt auf diese Gewaltorgie sogar noch eine großartige Halbballade oder Power-Ballade (halt ein hymnischer, ruhig beginnender und sich dann steigernder Midtemposong).
    Den Abschluss dieser einzigartigen Scheibe bildet Mit Bramy Żądz ein zwar auch überwiegend im Midtempo gehaltener, aber wieder deutlich brachialerer Song mit mal extremem, mal melodischem Gesang. Anfangs wirkte er auf mich eher unspektakulär, aber der spitze Schrei, der dann im letzten Drittel den unerwartet schnellen Teil einleitet, gehört mit zu den geilsten Momenten in meiner Sammlung, da bekomme ich jedes Mal Gänsehaut! Danach wird's sogar wieder melodischer und von der Gesangsmelodie her folkloristisch, was in diesem musikalischen Kontext auch einzigartig klingt!

    Das Album ist als LP und Original-CD (und natürlich auch als Kassette) nur sehr schwer zu finden, wurde aber 1996 (wie alle anderen bis dahin veröffentlichten Alben der Band) mit leicht abgeändertem Cover offiziell auf CD wiederveröffentlicht (die Version hatte ich mir kurz nach Erscheinen gekauft) und auch zehn Jahre später noch einmal auf Metal Mind rereleased (als Digipak und im Jewel Case). Achtung, es existieren auch noch Bootlegs von diesem Album auf CD!


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    Mit Bastard kam 1991 ein Nachfolger, der abermals total anders klingt als sein Vorgänger (aber auch wieder im Thrash Metal anzusiedeln ist). Einerseits noch technischer und weniger melodisch, jedoch für mein Empfinden keineswegs härter (zumindest, was die härtesten Momente auf beiden Alben angeht). Das Schlagzeug ist hier im Mix recht dominant, die Gitarren dafür nicht mehr so brachial wie auf Oddech Wymarłych Światów. Die ruhigeren Momente und Einleitungen wie auf dem letzten Album sind hier im Grunde komplett verschwunden, was die einzelnen Songs etwas gleichförmiger und weniger prägnant erscheinen lässt (und wohl auch der Grund dafür ist, dass dieses Album nicht allzu beliebt ist. Ich mag‘s jedoch ziemlich gerne). Einzig das atmosphärische Łza Dla Cieniów Minionych am Schluss des Albums bricht komplett aus dem (teils midtempolastigen) Techno-Thrash-Schema aus. Es beginnt sehr ruhig mit Akustikgitarre und Gesang, dann kommen nach und nach eine E-Gitarre nach der anderen hinzu, bis die vierte eine simple aber ergreifende Melodie spielt, die bis zum ausgeblendeten Schluss des Stückes weitergeht - am Ende sogar zweistimmig - also sind hier dann insgesamt 5 Gitarren auf einmal zu hören, was allerdings weniger überladen klingt, als man meinen könnte, da die drei Gitarren, die keine Melodie spielen, diese lediglich auf zwar unterschiedliche aber recht einfache Art rhythmisch begleiten. Außerdem baut es sich ja langsam auf (und die Geschwindigkeit bleibt auch weiterhin getragen). Leider ist das Stück dann immer viel zu schnell (nach viereinhalb Minuten) schon wieder vorbei, ich könnte der hypnotisierenden Melodie noch Minuten länger lauschen und in der Atmosphäre schwelgen...
    Die CD wurde 1996 mit neuem Cover (wieder von Jerzy Kurczak, oben zu sehen) offiziell wiederveröffentlicht und ist außerdem auch als Bootleg-LP zu finden (Vinyl gab's von den Alben ab den 90ern nicht mehr offiziell).


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    Ballady von 1993 (1995 mit obigem Cover wiederveröffentlicht) ist alles andere als ein “Kuschelrock”-Sampler, auch wenn der Titel durchaus seine Berechtigung hat. Denn das Album präsentiert die eher etwas sanftere Seite der Band, wenn auch nicht gerade durchgehend ruhig. Ich würde hier eher von Halbballaden und ruhiger beginnenden Midtemposongs sprechen, die aber größtenteils durchaus auch einiges an Härte zu bieten haben, wenn auch in gedrosseltem Tempo (manches wirkt dafür fast schon doomig).
    Enthalten sind jeweils der ruhigste Song der drei ersten Alben, sowie 6 weitere Stücke, die zwar teilweise schon Jahre vorher geschrieben, aber nur auf diesem Album veröffentlicht (und wohl, bis auf die drei Albumsongs, alle in einer einzigen Session aufgenommen) wurden und somit den Kauf absolut rechtfertigen (zumal die meisten davon Überlänge haben).
    Den Einstieg bildet das neuneinhalbminütige Legenda Wyśniona, das von ruhigen Klavierklängen eingeleitet wird und sich dann langsam aufbaut. Nicht in der Art wie z.B. Fade To Black von METALLICA, sondern eher so, dass teilweise oft das gleiche Thema immer wieder gespielt wird, sich aber immer mehr Instrumente oder Variationen im Spiel hinzugesellen.
    Dieser Song repräsentiert das Album schon ganz gut, wobei es auch noch ein kurzes Instrumental gibt und in Delirium Tremens ein sehr langer Orgelpart die Mitte dominiert, bei der Roman nur mit ruhiger Stimme drüberspricht. Unvermittelt geht der Song dann nach mehreren Minuten plötzlich weiter, was sehr merkwürdig wirkt, irgendwie aber auch einen eigentümlichen Reiz auf mich ausübt. Jedenfalls kann ich mich meist gut auf die Atmosphäre des fast zwölfminütigen Stücks einlassen. Wer die Band mag und auch ohne Speed und Thrash Metal leben kann, sollte der Scheibe jedenfalls definitiv eine Chance geben!
     
    Zuletzt bearbeitet: 7. Dezember 2019
  3. Acrylator

    Acrylator Till Deaf Do Us Part

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    1996 wurde mein vielleicht zweitliebstes, wenn auch streitbares Album mit dem für Nichtpolen wohl unaussprechlichen Titel ...Róże Miłośco Najchętniej Przymują Się Na Grobach veröffentlicht (soll übrigens soviel heißen wie "die Rosen der Liebe gedeihen am besten auf den Gräbern").
    Stilistisch gibt es auch diesmal wieder gravierende Veränderungen (vielleicht die gravierendsten bis dahin) und dennoch auch Bekanntes zu hören. So bietet der geile Opener Odi Profanum Vulgus noch am ehesten etwas wie den von der Oddech Wymarłych Światów bekannten Power/Thrash Metal, wenn auch noch etwas technischer (dabei aber irgendwie viel prägnanter als alle vergleichbaren Stücke von Bastard).
    Doch bereits das zweite Stück ist dann schon ganz anders und erinnert sogar entfernt an das schwarze Album von Metallica, jedoch unzugänglicher, interessanter und düsterer. Vor allem die mit Sitar (oder einem ähnlich klingenden Instrument) beginnende, ruhige, aber sich immer mehr steigernde Einleitung ist fantastisch!
    mit dem dritten Stück wird es dann sogar sehr "doomig", was man so von der Band auch noch nicht kannte. Man merkt spätestens hier: Atmosphäre wird auf diesem Album - trotz aller Technik - vor allem im Gegensatz zum (bis auf den letzten Song) recht kühlen - aber beileibe auch nicht schwachen - regulären Vorgängeralbum groß geschrieben. Der Gesang ist teilweise auch sehr außergewöhnlich und abwechslungsreich, aber immer zur düsteren Stimmung des Stücks passend.
    Stworzyłem Piękne Rzecz bietet dann wieder etwas bewährteren Power/Thrash Metal, der allerdings diesmal deutlich unspektakulärer daherkommt als der Opener und durch nervige Geräusche/wahnsinniges Gerede im Mittelteil etwas gestört wird - für mich dadurch insgesamt der schwächste Song des Albums.
    Mit Slodki Krem wird's dann wieder außergewöhnlicher und düsterer. Vor allem der Aufbau ist sehr spannend und unheilverkündend und auch sonst ist es ein mehr als guter Mix aus Doom, Power und (Midtempo-)Thrash Metal.
    Danach folgt mit Wierzę ein zehminütiges Stück, das mal doomig (BLACK SABBATH lassen im Riffbereich teilweise deutlich grüßen), mal groovig klingt und trotz der Länge und durchgehendem Midtempo auch nicht langweilig wird. Vor allem das stimmungsvolle Solo in dem ruhigen Part, der ins Finale (mit METALLICA-Gedächtnis-Lead) überleitet ist ganz groß!
    Das vorletzte Stück beginnt dann mit einem heftigen Gitarrenriff in bester ICED EARTH Manier (Night Of The Stormrider-Phase) und bietet wieder technischen Thrash mit mehr Geschwindigkeit, die allerdings im Refrain immer wieder gedrosselt wird. Dieses Stück klingt (ähnlich wie der Opener und Track Nr. 4) noch am ehesten wie eine modernisierte Version des Stils des großartigen zweiten Albums.
    Zum Abschluss bekommt man dann noch mal über neun Minuten lang etwas ganz anderes zu hören: eine ruhige, sehr lange Einleitung gipfelt tatsächlich in einem Death-Doom-Stück!

    Bleibt zu sagen, dass dies sicher nicht das zugänglichste Album der Band ist, aber vielleicht das interessanteste und eigenständigste, sicher aber das letzte richtig gute.
    Wer eine gewisse stilistische Offenheit besitzt und sich die Mühe macht, sich mit diesem düsteren Werk auseinanderzusetzen, wird es nicht bereuen!


    Noch im selben Jahr gab es eine Maxi-CD, Bądż Wariatem - Zagraj Z Katem (ebenfalls als Kassette veröffentlicht), die jedoch komplett überflüssig ist. Enthalten sind lediglich eine gekürzte Version von Płacz Skrtobójzy vom Vorgängeralbum, sowie langweilige Industrial-Remixes von selbigem und Wierzę (ebenfalls ursprünglich vom 96er Album). Einzig neuer Song ist hier das ruhige und kurze Trzeba Zasnąc, das aber in anderer Form auch ans Ende des folgenden Albums gepackt wurde. CD und Tape liegen übrigens noch Extra-Booklets mit Spiel auf der Rückseite bei. Trotzdem kann ich hier nur sagen (falls überhaupt mal gesichtet): Finger weg!


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    Bereits im Folgejahr kam Syderzce Zwierczadło raus, welches im Opener zwar instrumental noch sehr geil beginnt, aber hier vom Gesang her oft nervt, was aber zum Teil wohl auch daher kommt, dass der Gesang auf dem Album insgesamt viel zu weit in den Vordergrund gemischt ist und die Gitarren (auch dadurch) etwas weniger druckvoll als noch auf dem Vorgänger wirken.
    Ich habe auch deshalb wirklich ewig gebraucht um mit dem Album klarzukommen, habe damals wochenlang versucht, es mir schönzuhören und so ganz hat das nie geklappt. Inzwischen mag ich es aber. Bis auf einige Gesangspassagen und die Tatsache, dass der Gesang auch noch zu laut ist, bekommt man hier abermals guten, eigenständigen Metal serviert, nur sind die Stücke im Aufbau oft weniger spannend als auf dem 96er Album oder den früheren Scheiben. Im dritten Song gefallen mir die irgendwie folkloristischen Gesangslinien immerhin sehr gut, die es in dieser Form wohl nur von KAT gibt, und auch instrumental weiß das Stück zu gefallen (der Opener ja auch schon). Mit lauter abgemischten Gitarren wäre die Wirkung aber noch deutlich besser (der Gitarrensound an sich ist geil). Auch der sehr düstere und ebenfalls extrem eigenständige, schon recht abgedrehte Titelsong weiß (bis auf das erwähnte Soundmanko) zu gefallen. Ein ruhiges, kurzes Instrumental (hätte glatt auf Ballady stehen können) bildet außerdem noch einen weiteren der Lichtblicke auf dieser Scheibe. Oczy Stońc ist, wenn man den Gröhlgesang im Strophenteil ignoriert, auch noch ein sehr cooler Song. Das abschließende Trzeb A Zasnąć ist in der ersten (schönen) Hälfte wohl der ruhigste Song der Bandgeschichte, dann kommt noch mal das Intro des ersten Songs, welches sich mit ruhigen Passagen und Schweinegrunzen abwechselt und den zwiespältigen, merkwürdigen Charakter dieses Albums ganz gut repräsentiert.
    Für Fans, die von der Band nicht genug bekommen können, noch empfehlenswert, aber für mich bis dahin dennoch das schwächste Album von KAT.


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    Das bisher letzte Lebenszeichen hört auf den Namen Mind Cannibals (2005) und muss leider ohne Originalsänger Roman Kostrzewski auskommen. Außerdem gab es noch weitere Besetzungswechsel, sodass von den Vorgängerscheiben nur noch Piotr Luczyk und Krzysztof Oset übrig geblieben sind (und somit nur noch ein Originalmitglied).
    Musikalisch hat das Album selbst mit dem direkten Vorgänger nur noch marginal etwas zu tun und ist deutlich grooviger, kommerzieller und weniger eigenständig ausgefallen. Bei (den trotzdem eher mittelmäßigen) Light Or Hell und Puppets On The Strings hört man, vom Gesang (vor allem in den eingängigen Refrains) mal abgesehen, noch ein wenig den Stil der Band (von den beiden vorherigen Alben) heraus, ansonsten ist das hier eine komplett andere Band, die sich zwar auf den meisten vorherigen Alben auch schon deutlich gewandelt, aber immer eine große Eigenständigkeit bewahrt hatte.
    Ich werde hier nicht auf einzelne Songs eingehen, da ich das Album als Zeitverschwendung betrachte. Uninvited Guest und (die nette Halbballade) I've Been Waiting könnte man noch hervorheben, als Komplettist kann man sich die Stücke durchaus geben, wenn man dabei nicht an die Highlights der Band (oder überhaupt an deren sonstige Veröffentlichungen) denkt. Überwiegend regiert hier aber teils recht melodischer, kompetent dargebotener und dennoch irgendwie total austauschbarer und langweiliger Power/Groove Metal.
    Wirklich nur für absolute Komplettisten!


    Der Originalsänger macht seitdem übrigens zusammen mit dem Originaldrummer unter KAT & ROMAN KOSTRZEWSKY weiter, hat bisher aber nur ein reguläres Album, Biało - Czarna, veröffentlicht (2011) und tritt meines Wissens vor allem live in Erscheinung.
    Die Stücke kann man sich komplett auf Youtube anhören, sind zwar besser als Mind Cannibals, aber der Sound (vielleicht auch nur auf Youtube) macht es einem nicht leicht. Dennoch wohl im Moment bei weitem die besseren KAT! Den Sänger erkennt man aber leider auch nur teilweise wieder. Wer die Scheibe dennoch haben will, bekommt sie im Moment noch günstig (7,99 Euro) im Amazon Marketplace.
     
    Zuletzt bearbeitet: 6. Dezember 2019
  4. Ravenpride

    Ravenpride Till Deaf Do Us Part

    Von KAT bekommt man ja noch schwerer etwas als von Turbo!:hmmja: Da hab ich leider nur die Oddech Wymarłych Światów.
     
  5. Black Pearl

    Black Pearl Till Deaf Do Us Part

    ACRYLATOR, hortest Du Deine Megathreads, um sie dann binnen Stunden ins Forum zu knallen? Nach dem Motto ''so, jetzt gibbes auf die Fresse, Burschen''? :D KAT wäre dann die zweitbeste polnische Metal-Band. Du arbeitest Dich also von oben nach unten. Auch ein Plan.

    Ich wüsste jetzt auch nicht, ob mir die ''Oddech...'' von KAT oder die ''Ostatni...'' von TURBO besser gefällt. Stehen beide bei mir felsenfest verankert als Must Haves für JEDEN Metalhead, fest eingemeißelt in meinen Marmortafeln des Metal. Bin wie Du der Meinung, dass man generell osteuropäische Platten, wenn es zwei Versionen gibt, in deren Originalversion erwerben sollte. Die harte UND emotional wirkende Aussprache passt optimal zu Power/Speed/Thrash und entwickelt eine vollkommen andere Dynamik, als das vergleichsweise weiche Englisch.

    Bei KAT habe ich einiges nachzuholen. Denn mich hat die ''Bastard'' ziemlich abgeschreckt. Zu gleichförmig und ... sorry ... auf den modernen Zeitgeist abgeschmeckt kamen mir die Kompositionen vor. Ich muss jedoch hinzufügen, dass ich schon intolerant sein kann, wenn eine Band sich in ihrem Soundbild geringfügig verändert. War evtl. zu hart und ich müsste mich mit den folgenden Scheiben beschäftigen. Denn (sehr) gute Songschreiber sind die Jungs und es kann schon ein Fehler gewesen sein, die Flinte so früh ins Korn geworfen zu haben. Ja, aber sie haben die Latte, eine Parallele zu TURBO, bis 1988 eben verdammt hoch gelegt. Die ersten drei Scheiben sind eben so gut, dass man verwöhnt war.
     
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  6. Acrylator

    Acrylator Till Deaf Do Us Part

    Hehe, "horten" tue ich natürlich nichts, hatte nur die Bandbeschreibungen zu Turbo, Kat und weiteren (ja, da kommt noch was, aber kein polnischer Metal mehr...:D) schon seit Jahren geplant und dann in unregelmäßigen Abständen im Sacred Metal Forum gepostet. Teilweise konnte ich dafür auch schon auf meine Reviews (z.B. bei Musiksammler) zurückgreifen, wobei ich die im Turbo-Thread ja einfach nur verlinkt und im Gegensatz dazu hier komplett mit eingebaut habe (hatte zum Zeitpunkt des Schreibens der KAT-History wohl mehr Zeit und auch Bock, ausführlicher zu schreiben, obwohl TURBO für mich die konsistentere Diskografie haben, da es von KAT eigentlich nur je nach Standpunkt drei bis fünf richtig gute Studioalben gibt)
    Bei KAT sind die stilistischen Unterschiede (trotz des bis vorm letzten Album stets selben Sängers) zwischen den einzelnen Alben ja ähnlich groß wie bei TURBO, darum kann man auch nicht unbedingt davon ausgehen, dass jemand, der z.B. das zweite Album liebt, mit anderen Scheiben der Band ebenso glücklich wird.
    Ich würde es an deiner Stelle aber noch mal mit der "Bastard" versuchen, die Stücke sind nicht so gleichförmig, wie es den Anschein hat und stecken voller technischer Finessen. Und der stilistische Sprung vom zweiten zu jenem Album war auch nicht größer als zwischen den ersten beiden. Außerdem ist mit dem letzten Song ja eine absolute Hymne drauf, die man als Fan der Band einfach haben muss! Meiner Meinung nach sind aber die schnelleren Songs des 96er Albums mit dem elend langen Namen noch am ehesten das, was man wohl als Fan der "Oddech Wymarłych Światów" von der Band erwarten dürfte (wenn man bedenkt, dass immerhin ca. 8 Jahre dazwischen lagen), aber es ist mit dem Nachfolger zusammen wohl insgesamt auch die abgefahrenste und forderndste Scheibe. Hat aber dennoch mehr prägnante Momente als "Bastard", gerade auch von den Gesangsmelodien her.
     
    Zuletzt bearbeitet: 4. Juni 2016
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  7. aswang

    aswang Till Deaf Do Us Part

    Auch sehr interessant, leider sind die bis jetzt an mir vorbeigezogen. Muss ich mir mal was zulegen, die Covers schauen auch super aus. Jedenfalls wieder ein ganz toller Thread.
     
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  8. Acrylator

    Acrylator Till Deaf Do Us Part

    Wenigstens hast du damit schon die beste und gesuchteste Scheibe!
     
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  9. Ravenpride

    Ravenpride Till Deaf Do Us Part

    Ossian, Aria oder Pokolgep wäre fein!:)
     
  10. Acrylator

    Acrylator Till Deaf Do Us Part

    Keine davon, wobei ich es bei ARIJA auch schon lange überlege. Das wäre auch mal ein Anlass, mich wieder näher mit den Alben zu beschäftigen. Die einzige, die hier noch mehr oder weniger regelmäßig läuft, ist die "Krov Sa Krov". Fand die Band spätestens ab "Armageddon" allerdings nicht mehr so prall und hab sie dann auch nicht weiter verfolgt.
    Von POKOLGÉP fand ich eigentlich nur die zweite richtig gut, die anderen eher durchschnittlich/durchwachsen, bzw. haben mich manche Gesangsmelodien genervt. Kenne allerdings nur die ersten vier, die hatte ich mal alle als Vinyl. Von OSSIAN hab ich bisher nur sehr wenig gehört, vielleicht ändere ich das beizeiten mal...
     
  11. kilmister666

    kilmister666 Deaf Dealer

    Kat sind der hammer , saugeil - Oddech is def einer meiner ultimativ faves ! aber nur gut mit roman am mikro !
     
  12. Höllenhorst

    Höllenhorst Till Deaf Do Us Part

    Das ist ja echt ein superausführlicher Seziertisch!

    Hört sich auch interessant an. Blöd nur, dass man die Platten nicht so gut bekommt.
     
  13. Matty Shredmaster

    Matty Shredmaster Till Deaf Do Us Part

    Gibt Re-Releases vie Metal Mind:

    http://metalopolis.pl/1,szukaj,en.html
     
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  14. Acrylator

    Acrylator Till Deaf Do Us Part

    Krass, das dürfte dann schon die vierte Wiederveröffentlichung vom zweiten und die fünfte vom ersten Album sein!
    Aber Finger weg von Mind Cannibals, die "braucht" man wirklich nur als Komplettist.
     
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  15. Ravenpride

    Ravenpride Till Deaf Do Us Part

    Die Metal And Hell bekommst du um rund 8€ in Polen. ;)

    http://www.ebay.at/itm/CD-KAT-Metal...237880?hash=item2ef021ba78:g:0HQAAOxylpNTTsUN

    Ich hab mir die Beiden vorher dort bestellt.

    http://forum.deaf-forever.de/index....postmann-2x-klingelt.3733/page-49#post-649239
     
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  16. Matty Shredmaster

    Matty Shredmaster Till Deaf Do Us Part

    Ich bin glücklicher Besitzer der 1985-2005-Box. Da ist alles drin, was ich brauche :)
     
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  17. Höllenhorst

    Höllenhorst Till Deaf Do Us Part

    Ok, dann steht meinem KAT Interesse ja erfreulicherweise doch nichts mehr im Wege. Und ich werde mir in Kürze die wichtigsten Werke zulegen.

    Den Anfang wird voraussichtlich Oddech Wymarłych Światów machen!
     
  18. Matty Shredmaster

    Matty Shredmaster Till Deaf Do Us Part

    Gute Wahl, alleine der Opener bläst alles weg!
     
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  19. Acrylator

    Acrylator Till Deaf Do Us Part

    Hier läuft gerade mal wieder die "Ballady" - echt eine sehr gute Scheibe, auch ohne Speed und Thrash!
    Für mich (nach den ersten beiden und dem 1996er Album) das viertbeste Album der Band, da hier der beste Song von "Bastard" auch enthalten, und das Songwriting beim Rest besser als auf jenem Album ist.
     
    Zuletzt bearbeitet: 20. Juni 2016
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  20. Rotfuchs

    Rotfuchs Till Deaf Do Us Part

    Metal and Hell :jubel:
    Tolle Band, aber genauso wie bei Turbo fehlt mir da noch so gut wie alles.
     
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