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Dieses Thema im Forum "BEERDRINKERS & HELL RAISERS - Community" wurde erstellt von RageXX, 21. März 2018.

  1. RageXX

    RageXX Till Deaf Do Us Part

    Gut Ding will Weile haben:

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    Eine neue Maiden, so ein wenig aus dem Nichts. Viel ist hier und auch andernorts geschrieben worden, das Maiden-Forum habe ich als Dauergast immer und immer wieder besucht - einfach, um zu genießen, wie es dort abgeht. Allein das "Vorspiel", noch vor der Veröffentlichung des Albums, hat mich derart angefixt, dass ich mir auch dieses Maiden-Werk schlicht und ergreifend zum Erscheinungsdatum ins Regal stellen musste.

    Wie die meisten Maiden-Alben des neuen Jahrtausends ist auch "Senjutsu" mit einer Komplexität gesegnet, die sich definitiv nicht nach 2, 3maligem Hören erschließen kann. Somit bin ich spät dran mit meiner Sichtweise zum wohl wichtigsten Metal-Album dieses Jahres.

    "Senjutsu": Ich mag dieses Drumming....großartig. In Summe löst dieser Song in mir eine seltsame Mischung aus "genial" und "zu verschachtelt" aus. Wie auch schon auf "BoS" hat man das Album nicht mit einem schnellen Song eröffnet, sondern mit einem getragenen Monster. Anders als so ab und an in der Vergangenheit verdudelt man den Titeltrack nicht, Bruce' Gesang ist nicht über die komplette Dauer zu angestrengt, der Chorus hat etwas regelrecht Erhabenes, das Riffing ist an einigen Stellen regelrecht böse, schlicht, aber absolut effektiv, die Wendung zum Ende des Songs (so ab 6:40) finde ich phantastisch und eben Maiden-typisch: wie auch schon "If Eternity should fail" ist "Senjutsu" weder ein typischer Opener, noch ein "klassicher" Maiden-Song - und genau das macht ihn aus und zeigt, dass in dieser Band noch eine Menge Kreativität steckt. Man mag darüber streiten, ob man das Grundkonzept noch düsterer, noch schwerer, noch tiefgründiger hätte umsetzen können - who cares? Eine solide Eröffnung, für sich an manchen Tagen für mich großartig, an anderen durchaus ein wenig anstrengend.

    Bei "Stratego" haben wir den maiden-typischen Galopper - und nicht selten habe ich da so meine gedankliche Parallele zu "Run to the Hills" - nur langsamer. Ich denke, in den 80ern hätte die Band (oder Martin Birch) hier einen Tritt in den (eigenen) Allerwertesten verpasst, um das Teil noch mal ein wenig zu beschleunigen. Auch hier ist auffällig, dass die Drums im aktuellen Maiden-Sound ganz augenscheinlich eine neue Rolle übernommen haben: Nicko baut hier gerade um den Chorus herum so einige Finessen ein, die schlicht effektiv an den richtigen Stellen platziert sind und dem eher so vor sich hin galoppierenden, rhytmischen Grundgerüst noch eine ordentliche Portion Würze verpassen, die Soli zum Ende des 5minüters sind wundervoll, das eher so an die 80er gemahnende Keyboard passt an dieser Stelle sehr gut. Tatsächlich ist "Stratego" am Ehesten "klassischer" Maiden-Stoff, wie man ihn vielleicht erwartet hätte. Solides Stück Musik.

    Die erste Single haut mich immer noch vom Hocker: unglaublich toller Songaufbau, hardrockig statt metallisch (was so in Summe überhaupt auf die "modernen" Maiden zutrifft und mich keinen Deut stört), dieser Refrain, dieses regelrecht staubige Feeling - ich liebe das Ding, definitiv einer der Songs des Jahres für mich. Bruce Vocals sind hier nie am Limit, die Gitarrensoli ganz genau an der richtigen Stelle, das ganze Stück hat etwas wunderbar Getragenes, Leichtes und gleichermaßen unterschwellig "Bedrohliches", bockstark. Der Chorus ist ein Ohrwurm alleroberster Kajüte und entlehnt sich so recht nicht wirklich dem üblichen Maiden-Universum.

    "Lost in a lost World" - Mann oh Mann! Maiden mit regelrecht floydeskem Einschlag, kleine Brücken Richtung Canterbury-Sound, ein wenig Heep-Feeling, sowas von geil und absolut unerwartet. Das Abbiegen in diesen dann Maiden-typischen Part (ich fühle mich immer ein wenig an "Afraid to shoot Strangers" erinnert so ab Minute 2) ist mehr als gelungen, ich liebe dieses abgehackte Riffing und den dieses Mal nicht ganz so in den Vordergrund gemischten Klackerbass von Harris. Bruce bekommt genug Raum für die Entfaltung seiner Gesangslinien, der Chorus ist dann tatächlich "No more Lies" in ruhigerer Form - und es hat ein klein wenig gedauert, bis ich mich daran gewöhnt hatte, ebenso wie an den typischen Dudelpart im direkten Anschluss des Refrains. Die wahre Überraschung ist dann der regelrecht klassisch-progressive Part, den Maiden mit ihrem ureigenen Gitarrensound vermischen: in den Ohren eines Progfans ist das genau das, was ich gerne hören mag. Ob das nun "Prog" ist oder nicht: im Sinne der Musikrichtung durchaus. Der Song endet, wie er begonnen hat: ruhig. Ich gebe zu, gerade hier hätte so ein Abgehpart à la "Hallowed be thy Name - Finale" noch mal einen draufgesetzt, aber auch so kann man schlicht festhalten: ein ebenso schöner wie auch homogen aufbereiteter Song mit vielen Maiden-Zutaten, aber auch vielen Überraschungen.

    Ich liebe diese kurzen Maiden-Rocker - und dieses mehr simpel-rockige Riff nach dem Mini-Intro von "Days of Future Past": zigfach in leicht abgewandelter Form auch von zig anderen Bands schon verarbeitet behält es für mich wohl für die Ewigkeit einen ganz speziellen Reiz, der meinen Fuß wippen lässt. Rund 4 Minuten edelster Hardrock im Maiden Gewand, man kann mäkeln, dass man so in Sachen Chorus mittlerweile eine Art Rezept auf "Senjutsu" finden kann: Tempo raus vorher, dann den Chorus möglichst prägnant und deutlich halten. Bruce ist hier so knapp an seiner derzeiten Höhengrenze, aber trotzdem wirkt es nicht so angestrengt wie auf einigen Tracks er Vorgängeralben. Auch bei "Days..." schleicht sich bei mir immer wieder so der Gedankengang ein, dass man dieses Ding garantiert in "alten Zeiten" auch gern noch mit ein wenig mehr Geschwindigkeit ausgestattet hätte.

    "The Time Machine" war eine echte Herausforderung: eingangs habe ich mich ein klein wenig schwer getan mit diesem Song, es gab sogar die Zeit des Skippens - allerdings war diese nicht von langer Dauer. Bruce' nahezu beschwörender Gesang zu Beginn, der hat mir schon einiges abverlangt und wirkte tatsächlich ein wenig bemüht auf mich. Der Dreh, den das Ganze dann aber nimmt, hin zu einer fast folkigen Melodieführung, gepaart mit diesem wunderbaren Chorus....eine Wohltat. Das ganze Stück. Wie konnte ich das skippen? Allein diese permanent marginal variierenden Gitarren, die sich so zunächst gar nicht in den Vordergrund drängen, aber den Anstrich des ganzen Songs ausmachen, brillant dabei, die Akustische sogar in den Vorderrgund zu stellen - einfach schön. So ab 3:15 dann der Maidengalopper, ein wenig "zahm", aber im Grunde ist das ein Trademark der Band, das ich nicht und niemals missen möchte - zumal es bislang auf "Senjtusu" in Summe nicht überpräsent war und es viel "Neue Maiden" zu entdecken gab. Des Weiteren verzichtet man auch darauf, innerhalb eines Songs zu sehr auf das "Galopper"-Motiv zu setzen, ab 4:40 linsen die Kollegen von Dream Theater sehr (!) offensichtlich um die Ecke, vom Break bis hin zum hochmelodisch-verfrickelten Solo, das dann wieder in den Galopp wechselt. "Time Machine" ist ein echter "Grower", der Chorus ist ein ganz besonderer Leckerbissen.

    Knall auf Fall: "Darkest Hour" ist die beste (!) Maiden-Ballade ever! Dagegen nimmt sich ein eher peinliches "Blood Brothers" oder ein schon ambitionierteres "Wasting Love" wie Ausschussware aus. Das Stück wirkt auf mich eher wie ein Überbleibsel aus den Chemical-Wedding/Tyranny-Sessions von Mr. Dickinson, was primär an den Verses liegt. Der Chorus weckt im Ansatz schon Assoziationen an das bereits erwähnte "Wasting Love" ist aber "mehr zu Ende gedacht", gleiches gilt für den Übergang in Hauptthema. Die Keys "streicheln" ein wenig, der Gesang von Bruce...der ist hier derart großartig, dass es einem eine Gänsehaut verpasst.

    Tja, das vielgescholtene "Death of the Celts" - ich denke, es sollte eigentlich die Erwartungshaltung eines jeden Bandjüngers erfüllen und ist doch der scheinbar am kontroversesten diskutierte Song des Albums. Mit einer Länge von über 10 Minuten ist es mir ein wenig zu ausufernd geraten, Harris versucht, alle seine Lieblingselemente des Songwritings zu verarbeiten. Ab von der Länge allerdings finde ich keinen Grund, mit dem Song wirklich zu hadern. Man kann gern argumentieren, dass es in dieser Bauart mit "Where the Wild Wind Blows" oder dem grandiosen "Paschendale" größere Werke gibt - und doch sehe ich weit und breit keine Band in klassisch-metallischer Ausrichtung, die überhaupt derartig detaillierte Epen raushaut - von daher ist das völlig in Ordnung so. Das Keyboard allerdings so ab 6:30...das tut mir ein klein wenig weh und bringt einen in meiner Welt überflüssigen "Billigepiktouch" ein.

    Ich hatte mich eigentlich auf den nächsten "Death of the Celts" eingestellt - aber "The Parchment" ist irgendwie anders: die Openingsequenz hat irgendwie eher was von Dio als von Maiden, obgleich mir auch "Alexander..." und der Mariner in den Kopf kommen - und doch wird das Bild nicht rund. Maiden arbeiten hier ganz offensichtlich mit eher ungewöhnlichen Instrumentarien, auch, wenn der Grundaufbau bis zum Abgehpart (mit Golden-Earring-Gedächtnispart!) durchaus keine andere Band vermuten lässt als die Irons. "The Parchment" setzt einen tollen Spannungsbogen, "leider" habe ich ohnehin ein Faible für diese "orientalischen" Sounds, das Verfrickelte (Zerfahrene) in der Gitarrenarbeit läuft mir super rein und ist - ja, tatsächlich mutig, denn im Grunde hätte Mr. Harris seinen Baukasten ja auch ohne Wenn- und Aber komplett ausräumen können. Ein spannendes Stück, ein großartiges Stück. Und: für mich trotz der Länge nicht überzogen.

    Die Hölle auf Erden beginnt eben so, wie gefühlt 200 Maiden aus der Harris-Feder beginnen und setzt sich auch in ähnlicher Form fort: da ist er wieder, der Galopper, die Gitarren, die sich zwischen harmonisch und leicht widerborstig präsentieren, der Gesang von Bruce...."Hell on Earth" aber brettert derart charmant-klassisch um die Ecke, dass man es locker in meine (persönliche) Lieblingsecke neuerer Harris-Großtaten einsortieren kann. Erneut fällt auf, dass Maiden dem Drum(sound) einen neuen Stellenwert verpassen, irgendwie fällt es mir gerade hier noch einmal in ganz besonderem Maße auf. Den Chorus kann man sich im Übrigen sofort aus tausenden von Kehlen gegrölt live vorstellen....Womöglich wird das nun kein zweites "Fear of the Dark" oder "Hallowed be thy Name" (dafür fehlt ein wenig der Biss), aber mal im Ernst: kann man solch ein Stück überhaupt noch besser in Szene setzen....? Ein Melodiefeuerwerk par Excellence.

    Strich drunter: "Senjutsu" macht mir unglaublich viel Spaß - Spaß, der in Teilen ein wenig von den doch sehr sterilen und vor allem eintönig gesetzten Keys ein klein wenig getrübt wird, zumal sie in jedem (!) Song in mehr als ähnlicher Form verwendet, gottlob allerdings nicht überstrapaziert, werden - freundlich ausgedrückt. Da wäre mehr drin gewesen - oder man hätte sie einfach weggelassen. Ein Keyboard erlaubt weit mehr als nur atmosphärische Tupfer aus dem Baukasten, das wirkt bisweilen gar ein wenig uninspiriert.

    Maiden sind zahmer geworden, nicht selten wünscht man sich ein wenig mehr Tempo, ein wenig mehr Treibendes - aber, hey, wir sind im Jahr 2021 und haben es mit "alten Männern" zu tun, deren Anspruch offenbar primär darin zu bestehen scheint, großartige Songs zu schreiben, die einem gewissen Anspruch aus eigener Sicht zu genügen. Unter diesem Gesichtspunkt unterstreicht "Senjutsu" mehr als eindrucksvoll, welch großartige Songschreiber und Musiker in dieser Band stecken. Man mag die Rezpetur seit spätestens "AMOLAD" gerne bemängeln, mal besser, mal schlechter finden, was man den Jungs aber nie wird absprechen können ist schlicht ein Händchen für großartige Songaufbauten und Melodien.

    Harris & Co. haben sich niemals verbogen, man erkennt diese Band sofort - und trotzdem gelingen Wundertüten wie "The Parchment", "The Time Machine", "Darkest Hour" oder "Lost in a Lost World". Keine Ahnung, wie sich das Album für mich als nicht absolutem Maiden-Die-Hard-Maniac entwicklen wird, derzeit ist es die Momentaufnahme einer Band, die sich im Hier und Jetzt verortet - und ein in sich absolut homogenes Werk erschaffen hat, das eine Ausnahmestellung einnimmt - zu zwingend ist das Songmaterial auf Album Nr. 17.
     
    Zuletzt bearbeitet: 30. Oktober 2021
  2. RageXX

    RageXX Till Deaf Do Us Part

    Mal traditionell:

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    Ich würde mich definitiv nicht als "klassischen" Kürbisfan bezeichnen: schon immer hatten Helloween teils zu zuckersüße Melodien - macht es für mich, der ich eher in Richtung Melancholie und Düsternis tendiere, ein wenig knifflig. Heutzutage ist es eher selten, dass ich mir "klassischen" Power-Metal anhöre (so man diese Richtung noch so bezeichnen darf), aber nun, das ist ja rein subjektiv und darin begründet, dass sich Vieles einfach in Summe zu gleichförmig darstellt für meine Lauscher.

    Dann haben wir eben dieses Werk: zum Einen klassisch Helloween, nach einem kurzen Intro namens "Beyond the Portal" brettert es mit neoklassischer Untermalung übergangslos in "Mr. Torture". Songaufbau und Strophen sind hervorragend, der Chorus fräst sich unmittelbar in die Gehörgänge - viel besser kann man es nicht machen. Helloween zeigen hier allen möglichen Nachahmern klar, wie es zu klingen hat, dazu kommt, dass der Gesang von Andi - vom Refrain abgesehen - tatsächlich fies und mal nicht in Eierkneiflagen angesiedelt ist. Abgehpart und Solo sind über jeden Zweifel erhaben, genau richtig platziert - somit: der eigentliche Opener ist keine Überraschung, wohl aber ein hervorragendes Genrestück, das durch die "Geigentupfer" noch mal ein kleines Extra erhält. Prima, noch heute gut für meine Ohren bei entsprechender Stimmung.

    "All over the Nation" ist einfach Helloween, wie Helloween klingen sollten, der Gesang wirkt ein wenig schräg und schief, gerade so zu Beginn. Doublebass-Schlagzeug durchlaufend, kaum Zeit zum Luft holen. Der Chorus ist stadiontauglich - durchaus gut. So ab Strophe 2 wird es mir persönlich dann doch ein wenig zu anstrengend in Sachen Gesang....kann man nach wie vor gut hören, ein klein wenig Pathos darf es auch sein in diesem Fall.

    "Escalation 666" ist definitiv Futter für meine Ohren: tief gestimmte Gitarren, atmospährisch eingesetzte Keys mit dunkler Klangfarbe. Der Chorus ist erneut unwiderstehlich, passt aber gerade in diesen düsteren Kontext hervorragend. Gerade dieses Ding hat mich schon bei Erscheinen des Albums umgehauen - und ja, ist für mich heute noch groß und einfach wunderbar ungewöhnlich für Helloween. Das Solo ist im Positiven unerwartet, kein Highspeed-Gegniedel, einfach passend für den Song gesetzt, zum Finale hin kommt noch mal eine Schippe an Dramatik drauf - geiles Stück Musik. Düster steht den Weenies doch auch mal hervorragend.

    Der eher düstere Anstrich bleibt auch bei "Mirror, Mirror" erhalten: war die 666 Eskalation noch eher ein wenig episch, so ist es hier ein für Helloween-Verhältnisse eher schon rockig. Erneut unerwartet, Ablauf Strophe-Refrain mustergültig, bleibt im Ohr. Seltsam, aber: es tut gut, mal 2 x hintereinander eher wenig gute Laune auf einem Helloween-Album zu vernehmen.

    "If I could fly" war seinerzeit die erste Singlauskopplung aus dem Album: statt auf Nummer sicher zu gehen geben sich die Kürbisse hier erstaunlich experimentiell und erneut läuft man nicht Gefahr, im Powermetaldschungel zu versanden. Das Solo ist ein Knaller, einfach geil, eher rockig-bluesig denn mit Highspeed rausgehauen, das Pianothema, das sich durch den kompletten Track zieht ist erzeugt einerseits eine gewisse Disharmonie, ist aber ein perfektes Beispiel dafür, wie man einem Song eine bestimmte Richtung verpassen kann, der ansonsten vielleicht eher vor sich hin geplätschert wäre. In Summe bis heute eine meiner liebsten Helloween-Singles, vielleicht einfach, weil sie so unerwartet ist.

    Zunächst tönt "Salvation" dann wieder sehr typsich "helloweenig" - so ein wenig ein Abziehbild von "All over the Nation", wenn auch mit einem netteren Haken im Refrain. Aufgrund der Tatsache, dass mit den 3 Vorgängerstücken eher Ungewöhnliches zu vernehmen war passt diese Hymne an dieser Stelle hervorragend - und wenn man mal so ganz ehrlich ist kommt einem da schon der freifliegende Adler in den Sinn, allerdings mal nicht im Negativen: die eigene Signatur einfach modernisiert, nicht überzogen oder zu flach kopiert - starkes Powermetalstück (ach ja....Powermetal....).

    "The Departed" ist der großartigste Helloween-Song, der je geschrieben wurde, Punkt. Etwas mehr als viereinhalb Minuten mit einem markanten, dunklen Riff gefüllt, der Refrain hat immens 70's Feeling, so in Summe ist das fast kompakter Krautrock der 90er. Andi kann hier seine Qualtität als Sänger voll ausspielen und muss nicht in die Quiekecke, dazu aber Feeling und Leidenschaft in die Strophen gepackt, das Solo hebt nicht in den Orbit ab, Gleichförmigkeit kann sich unglaublich geil anhören - so, wie bei "The Departed" halt. Dazu diese kleinen, feinen Percussion/Schlagzeugspielereien - hat bis heute seinen Reiz, naja, halt der großartigste Helloween-Song überhaupt.

    Eher dunkel und vor allem mit Bass (!) geht es weiter in "I live for your Pain": nochmal tief gestimmte Klampfen, hat wenig mit Metal zu tun, dafür aber ein immens gelungener Hardrocksong und erneut steht Andi einfach dieser eher dunklere Gesang um Längen besser als die astronomischen Höhen. Hut ab, so ein schneidiges Ding, die Soli sitzen, die Stimmung, die der Song transportiert - Hardrock der feinsten und fiesesten Sorte und ein neuer Klangtupfer auf einem bislang ebenso ungewöhnlichen, wie auch abwechslungsreichen Helloween-Werk.

    Mit "We damn the Night" ist man wieder fix unterwegs: ein weitere bandtypische Hymne? Speziell der Beginn des Songs läuft mir gut rein und auch die Keys im Mittelteil nebst Stratovarius-Gedächtniskeyboard sitzen, dazu fast schon progressives Gegniedel - wäre man am Ende nicht unnötigerweise dieser typische "Wohohhohoooo"-Part reingebastelt worden, es wäre eine Referenz als die "etwas andere" Powermetalhymne.

    Bei "Immortal" ist dann mal wieder Fehlanzeige in Sachen Metal - gut so, gut für das Album. Man darf das Ding gern "angepoppt" nennen, schadet das? Ein klein wenig zu dominant wirken die Keys, wenn man den Song 2, 3 x hintereinander hört, ansonsten hat das schon Anlehnung an Queen, irritierenderweise mit Accept-Chören im späteren Verlauf - doch selbst die passen da irgendwie prima rein, zumal das Gitarrensolo prima reingeht. Dazu der erneut absolut beseelte Gesang, die kleineren neuen Akzente in jeder neuen Strophe - well done. Kann an manchen Tagen Gänsehaut verursachen. Ein großer Song, fürwahr.

    Der Titeltrack fungiert als Rausschmeißer und kratzt an der 9 Minuten-Grenze: auffällig, dass man streckenweise wieder auf die Spoken-Word-Zutaten von "The Departed" zurückgreift. Ich gebe zu: wenn der Refrain nicht wieder so obertypisch Helloween wäre, ich glaube, das Ding würde mir um Längen besser munden. Innerhalb der Laufzeit aber passiert nämlich ansonsten so Einiges: erneut Keys, die Spannungen unterstreichen, dazu der Maiden-Gedächtnispart, der so ab Minute 4:30 zunächst eine Überleitung in den Mittelteil des Songs bastelt und recht schnell von der Akustischen abgelöst wird, ehe dann der allseits bekannte Baukasten für leicht symphonischen Power-Metal geöffnet wird: virtuoses Solo, Abgehpart, übergang in ruhiges Outro mit epischem Gesangschor als Unterbau und dann der Fade-Out. Doch, das Teil macht schon Spaß.

    Kurzum: in Summe ist "The Dark Ride" wahrscheinlich mein Helloween-Lieblingsalbum. Das liegt in erster Linie daran, dass man hier Wagnisse eingegangen ist und zwar solche, die in meinen Ohren überaus gelungen sind. Die Tatsache, dass nicht ein wirklicher Ausfall zu verzeichnen ist unterstreicht indes die songwritischeren Qualitäten des deutschen Metal-Flaggschiffs. Mir hätten ein paar Alben mehr mit derartigen Wagnissen gut gefallen - auch auf dem diesjährigen Reunionwerk.
     
    Skullface, Vauxdvihl und Thunderhead gefällt das.
  3. RageXX

    RageXX Till Deaf Do Us Part

    Mehr aus Deutschen Landen:

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    Tja, als "Savage Amusement" erschien war ich im Grunde noch kein "Metaller". Natürlich gab es so vereinzelte Sachen wie die ersten drei Metallica-Alben oder auch die Standardwerke von Maiden, die mir in Gänze ein Begriff waren, wohl aber auch manchmal eher "Krach" für meine Ohren (so unverständlich mir das auch aus heutiger Sicht erscheinen mag....) darstellten.

    Von den Scorps erbte ich seinerzeit über einen Freund meines Bruders sowohl die "Blackout", als auch die "Love at first Sting". Natürlich waren aus dem Radio die Überballaden "Holiday" und "Still loving you" ebenfalls geläufig, gerade aber "Blackout" empfand ich seinerzeit in Sachen Härtegrand schon eher grenzwertig (was mir aus heutiger Sicht nur noch unverständlicher ist).

    Seinerzeit gab es die SWR3-Hitparade - und die stellte "The Rhythm of Love" vom dann "neuen" Scorpions-Album vor - und ich besorgte mir das Ding auf Tape. Machte die Sache für mich in Summe einfacher, da ich für Cassetten nicht den Plattenspieler meines Vaters (auf der stets eine James-Last-Platte zu finden war...) oder meines Bruders (meist blockiert durch irgendeine 12" Compilation aus den 80's, Modern Talking inclusive) bemühen musste. Ich selbst hatte damals einen klassischen Ghetto-Blaster, frisch vom Weihnachtsmann bekommen.

    Kurz: Cassette im hiesigen Supermarkt (!) gekauft - und daheim direkt aufgelegt. Eigentlich wollte ich ja direkt zur angesprochenen Hitsingle, nur - oh je - da hätte ich j a spulen müssen! Also laufen lassen - und bis heute ist der Opener in Form von "Don't stop at the Top" einfach ein absoluter Motivations- und Gute-Laune-Song. Knapp 4 Minuten Melodie ohne große Schnörkel, Bridge und Chorus wandern ohne Umwege ins Ohr - was will man mehr? Und so hatte ich nach nur einmaligen Hören direkt einen neuen Fave auf "Savage Amusement".

    Der Rhytmus der Liebe folgte auf dem Fuße und setzt die Formel des Openers fort, wobei ich - wie schon angesprochen - durchaus der Meinung bin, dass eben Jener letztlich in meinem persönlichen Universum die Nase vorn hat. Heute muss ich sowohl über den Song als auch den Text (nuja....) ein wenig schmunzlen und doch unterstrichen die Scorps mit eben diesem Ding ihre Vormachtsstellung als internationale Hardrockmacht (auch, wenn ich das früher glatt noch unter "Metal" einsortiert hätte...)

    Wenn mich mein Gedächtnis nun nicht all zu sehr trügt war Song Nr. 3, "Passion rules the Game", auch die 2. Singlauskopplung: nochmal Scorpions im Stadionrockgewand (in den sie sich ja zumeist in dieser Phase kleideten), gut gelungen, die Soli aus heutiger Sicht vielleicht nicht mehr ganz so formidabel wie seinerzeit aufgefasst und doch: gleich 3 Treffer hintereinander auf einem Album. Kurzweil pur.

    "Media Overkill" hat so ein klein wenig "Zoo"-Attitüde, ohne natürlich die Atmospähre des gleichnamigen Bandklassikers zu erreichen, auch geht es ein wenig flotter zur Sache. Nach dem eher seltsamen Beginn finde ich bis heute das Eingangsriff einfach perfekt für einen Hardrocksong - und erneut sind Meine, Schenker & Co. auf Kurs, was das Songwriting angeht: ich behaupte einfach mal, diese 4 Songs liegen auf einer einzigartig-großartigen Songwritinglinie, sie wirken gleichermaßen frisch wie hungrig und sind bis heute unverbraucht. Starkes Teil.

    Die breite Masse nimmt die Hannoveraner ja eher ihrer Balladen wegen wahr (wobei ich ausdrücklich darauf verweise, dass für mich das unsägliche "Wind of Change", seiner textlich mehr als positiven Message zum Trotz, schon bei der Veröffentlichung von "Crazy World" ein absoluter Schwachpunkt auf dem Album war) - und hier ist dann auch "Walking on the Edge" (gleichermaßen der letzte Song auf der A-Seite des Tapes) schon solide Kost - nur bin ich eben kein Freund der eher standardisierten Balladen. Sind sowohl "Holiday" als auch "Still...." große Ausnahmen in dieser "Mainstreamballadenwelt", so ist "Walking...." nun nicht unbedingt der Kracher vor dem Herrn: tut nicht weh, aber auch nicht gut, der Übergang in die Soli ist ganz akkurat und nett, aber dennoch: von mir wegen hätte es keine Ballade gebraucht.

    Seinerzeit war "We let it rock - you let it roll" ein Knaller, heute finde ich das Ding ein wenig platt - also, abseits des etwas dämlichen Textes, fast ein wenig wie Onkelz-Pathos im Scorps-Kontext. Macht jetzt so in Summe nichts: natürlich ist das Teil flott und im Wesentlichen gibt es daran nichts auszusetzen, doch aus heutiger Sicht durchaus ein leichter Abfall zu den ersten 4 Songs von "Savage Amusement".

    Mit "Every Minute, every Day" setzt sich der Negativtrend dann doch eher fort: diese seltsam verfremdeten Elemente haben für mich damals (und heute auch nicht, mag ein jeder auf AC/DC und Motörhead schimpfen wie man mang) einfach nichts zu suchen. Ein Stampfer, der nicht weh tut, der Refrain ist ziemlich Scorps-typisch (diese Art, Refrains zu bauen, haben die Hannoveraner scheinbar gepachtet), aber...nun ja. "Nett" eben.

    "Love on the Run" hat etwas motörheadiges - empfand ich damals glatt wie "Speed Metal". Geht auch gut nach vorne. Nur: höre ich mir das heute an, dann ist zum Einen der Text irgendwie...ähm. Lassen wir. Hinzu kommt, dass hier explizit auffällt, dass Meines Stimme einfach nicht zu so fixen Dingern passt - und mich tatsächlich auch ein wenig nervt.

    Mit "Believe in Love" kommt dann zum Abschluss so ein klassischer "Bed-of-Roses-geht-gar-nicht"-Rausschmeißer nach rund 38 Minuten Laufzeit. Puh. Zum Thema Balladen dieser Bauart an sich hatte ich ja schon was geschrieben, es ist unglaublich schwer, mich in diesem Bereich zu packen (geht schon, aber ist eben sehr selten) - und "Believe...." ist da nun so gar nicht mehr meine Baustelle.

    Inspiriert durch den doch spannenden neuen (Vorab-)Track der Scorps habe ich "Savage...." heute nach Urzeiten mal wieder aufgelegt bei der Büroarbeit: das Ding läuft in sich nach wie vor gut rein, bei einer Punktevergabe wäre ich irgendwo so Richtung 6-7, Tagesformabhängig, den Nostalgiebonus außen vor gelassen. "Savage Amusement" ist ein gutes Hardrockalbum, da beißt die Maus keinen Faden ab, der Opener zaubert mir auch heute noch direkt ein Lächeln ins Gesicht. Für meine musikalisch-geschmackliche Entwicklung kann die Band nichts, unterstreicht aber auch mit diesem Album (das oft irgendwie unter dem Radar läuft), dass man durchaus zurecht zur Speerspitze des Hardrock gehört. Es ist komisch: eigentlich habe ich selten das Bedürfnis, die Scorps aufzulegen und doch stellt sich ein gewisses Wohlbefinden ein, sobald ich die Band höre. Nur mit dem Näseln des Herrn Meine, da habe ich so auf Albumdistanz heutzutage meine Probleme.
     
    Zuletzt bearbeitet: 5. November 2021
    Stahlprophet, Skullface und Vauxdvihl gefällt das.
  4. RageXX

    RageXX Till Deaf Do Us Part

    Mal was Anderes, weil ein wenig "aus dem Blauen": Ich habe mir gestern und heute einfach bei der Büroarbeit mal meine "Spotify-Vorschlagsliste" angehört. Ich verlinke das Ding mal:

    https://open.spotify.com/playlist/6xbEPQW2WtE9yEk1GkbCTx

    Und hier die "Einzelkritiken" Song by Song, war mal eine spannende Geschichte:

    Saga - Детка играй (SOBOL Remix):
    Hat mit „meinen“ Saga nix zu tun. Tut in den Ohren weh und entweder ist der Upload daneben oder das Ding soll wirklich so, klingt wie in einer Verlangsamung gespielt. Perfektes Beispiel für „Musikgeschmack am Namen der Band verfolgt“ – für den Knallroten.

    Annihilator – Downright Dominate (2021 Version with Stu Block, Dave Lombardo)
    Annihilator gehen immer, Block singt fies und damit absolut passend für einen Annihilator-Song. Über das Schlagzeugspiel braucht man keine Worte zu verlieren – Lombardo eben. Eine meiner liebsten Thrash-Bands, nettes Re-Recording mit mehr Dampf als beim Original.

    Magnum – I won’t let you down
    Solide Magnum-Kost, allein der Refrain ist großartig, man könnte gar von “massenkompatibel” sprechen, wenn Melodien in dieser Welt auf breiter Basis noch ein Kriterium wären. Passt irgendwie zum Abba-Comeback, warum mir dieser Vergleich in den Kopf kommt weiß ich auch gerade nicht so recht. Gottlob ist eine kommende Magnum-Tour (so Corona sie zulässt) zumindest ohne Avatare zu erwarten.

    Asia – Heat of the Moment (Live at Kleinhans Music Hall, Buffalo 1982)

    Womöglich zähle ich zu den Wenigen, die Asia speziell in der Phase „Aqua“ bis „Silent Nation“ am spannendsten fanden. Somit: nette, bootleggige Version eines Klassikers – braucht man aber nicht, gibt es schon zigfach - und natürlich war auch John Wetton ein ganz, ganz Großer.

    Everybody Suspect – Opp Hunting
    Knapp 2 Minuten „Gangsta-Rap“ oder wie immer man das nennen mag. Kaum eine Musikrichtung finde ich widerlicher zum Hören. Erstaunlicher „Vorschlag“…

    Megadeth – Holy Wars…the Punishment Due (Live at Obras Sanitarias, Argentina 2005)
    Instrumental natürlich erste Kajüte, über den Song als Solchen braucht man auch keine weiteren Worte zu verlieren – „meine“ Art von Thrash Metal von einem der großartigsten Genre-Scheiben ever.

    Lynch Mob – Wicked Sensation (Edit, 2021er Version)
    Ein großartiger Song bleibt ein großartiger Song, dieses “Edit” wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit für das Radio gemacht. Ein sozusagen „erzwungenes“ Wiederhören mit einem alten Freund. Habe mir die Vollversion dann sehr kurzfristig im Nachgang auch angehört. George Lynch ist definitiv einer der Gitarristen, die mich immer und immer wieder zu fesseln vermögen.

    Saxon – Carpe Diem (Seize the Day)
    Saxon sind und bleiben eine Konsensband: ich kenne kaum “echte” Die-Hard-Fans, aber auch Niemanden ,der die Band – aus welchen Gründen auch immer – ablehnen würde. Hinzu kommt eine Livequalität, auf die immer Verlass ist. Das Titelstück des neuen Albums geht mächtig nach vorne, so, wie ich die Band hören möchte, schneidende Gitarren, Biffs Gesang klingt erstaunlich „unbemüht“ für sein Altern und die von ihm verwendeten Höhen. Großartiges Stück Metal.

    Scorpions – Peacemaker
    Im Grunde war ich lange Zeit durch mit den Scorps: „Wind of Change“-Hype, „Eye 2 Eye“ – letzte Tour seit zig Jahren, keine neuen Alben, dann doch zig davon – die Band war eher eine Farce als musikalisch noch relevant für mich. „Peacemaker“ kommt genau zu einer Zeit, wo ich mich der Band wieder ein wenig angenähert hatte, speziell durch deren Alben bis „Savage Amusement“. Großartiger Song, rockt wie Sau, ist dennoch eingängig – und vor allem: kein Tränentreiber aus dem Scorps-Baukasten. Positive Überraschung des Jahres.

    Deep Purple – Oh Well
    Ein großartiges Stück einer großartigen Band, gecovert vom aktuellen Deep-Purple Allstar Ensemble. Braucht man Coverversionen? Wenn sie so klingen, dann kann die Antwort nur „Ja“ lauten. Gillans Gesang habe ich in den letzten Jahren selten als so passend und angenehm empfunden – und wenn hier noch irgendjemand die Qualität des Herrn Morse in Abrede stellt, dann weiß ich auch nicht weiter (…und das spricht einer der wohl größten Blackmore-Jünger ever).

    Porcupine Tree – Harridan
    Was für eine Nachricht: Porcupine Tree sind zurück! Und „Harridan“ macht deutlich, dass wir es hier nicht mit einer halbgaren „für die Kohle“-Reunion zu tun haben. Klare „Fear of a blank Planet“-Vibes, eine Prise King Crimson – und ganz viel Melodiegespür, ganz zu schweigen von der phantastischen Rhytmusarbeit. Möglicherweise nicht mehr „wegweisend“, aber dafür schlicht „großartig“ – und das reicht mir.

    Accept – The Undertaker (live)
    Mit den „Tornillo“-Accept kann ich nichts anfangen. Liegt nicht am sympathischen Frontmann, eher an den mauen Songs, im Falle von „The Undertaker“ kann auch eine Liveversion am Niedergang einer einstiegen deutschen Metal-Institution nichts mehr ändern: was für ein Weichspüler.

    Jethro Tull – Shoshana Sleeping
    Eingangs sei bekannt: JT sind eine Riesenlücke in meiner musikalischen Welt. Der aktuelle Song klingt so, wie das mir Bekannte von JT klingt – und hat damit einfach auch authentische Seventies-Vibes. Gefällt. Und hat mich daran erinnert, dass ich mich mit der Band doch mal mehr befassen muss.

    Whitesnake – Don’t fade away (2021er Version)
    Eigentlich mag ich Whitesnake, “Restless Heart” war aber noch nie meins – und diese Form an weichgespülten US-Arena-Balladen finde ich mittlerweile nervig, weil es einfach zahllose davon gibt, die man kaum voneinander unterscheiden kann. Ist ok und tut nicht weh, brauche ich aber nicht.

    Star One – Lost Children of the Universe
    Nach dem absoluten Desaster der letztjährigen Ayreon-Veröffentlichung punktet der Meister nun mit knapp 10 Minuten feinstem Ayreon-Sound. So möchte ich Lucassen hören, weder Euro-Powermetalorientiert, noch in einer Art „Meat Loaf für Arme“ – tolle Rückbesinnung auf die alten Tugenden und der für mich großartigste Ayreon-Song seit „The Human Equitation“. Dazu 2 Sänger der Extraklasse in Form von Tony Martin und Roy Khan. Hier können nicht einmal die „Kirchenchöre“ negativ auffallen, fiel zu passend sind diese in die gesamte Dramaturgie dieses Epics eingebaut. Was für ein „Comeback“.

    Running Wild – Wings of Fire
    Der „Kasper“ ist wieder da: haben die Scorps und Saxon in gleicher Liste mit aktuellen Werken unter Beweis gestellt, wie man es macht (mit Schlagzeug zum Beispiel) zeigt der für mich größenwahnsinnigste Idiot im Deutschen Metal, wie man es auch besser nicht macht. Für mich waren Running Wild schon immer Scheiße, wenn auch akzeptabel – mittlerweile auf einer Fanverarschestufe mit Manowar. Bäh.

    Enforcer – At the End of the Rainbow
    Das ist schon irgendwie gut – und klingt doch wie schon tausendfach gehört, diese Form von Chorus kann ich mittlerweile nicht mehr haben. Live sicher ganz geil und die doch arg maidenlastige Gitarrenarbeit weiß zu gefallen. Nach dem Running-Wild-Song eine echte Wohltat (vom Refrain abgesehen….).

    Avatar – So sang the Hollow
    Diese Band sagte mir bisher: nichts. Akustische Gitarre als Intro, schön stimmungsvoll. Der Gesang schon ein wenig gewöhnungsbedürftig…geht da jetzt noch was oder bleibt das so? Letzteres. Irgendwie hat das was und bleibt doch nicht hängen. Seltsam.

    Dynazty – Advent
    Klingt wie Edguy im Nu-Metal-Gewand. Komisches Zeug. Braucht das irgendwer? Diese „künstliche“ Härte ist mittlerweile überstrapaziert und wird hier ein einfallslosester Form eingesetzt. Will mich nicht als „irgendwer“ bezeichnen, aber ich brauche das nicht.

    Pink Floyd – Sorrow (2019 Remix)
    „A Momentary Lapse of Reason“ ist sicher nicht die großartigste aller PF-Scheiben – und doch ist allein schon dieses Stück so genial, dass es seinesgleichen sucht, was sich wohl auch der Herr Greaves mit seinem verkrüppelten schwarzen Phoenix dachte, als er das Eingangsriff in leicht modifzierter Form für den eigenen Bandklassiker „Burnt Reynolds“ nahezu 1:1 kopierte. Pink Floyd sind Magie. Und „Sorrow“ eine von zahlreichen übersehenen Perlen im bandeigenen Kosmos.

    Beast in Black – Hardcore
    Es geht schlimmer als Running Wild: das hier ist Musik, die Stimmung machen soll, bei mir aber kurioserweise Aggressionen zu wecken vermag. Ekelhaft einfallslos, Schlagermetal mit standardisiertem Solo. Haken dran, dagegen wirkt der RuWi-Song dieser Liste glatt wie ein Meisterwerk.

    Thunder – Young Man (Edit)
    Nicht gerade der Vorzeigesong auf einem „meiner“ Hardrockalben des Jahres und doch einfach großartiger Hardrock. Thunder sind einfach Meister ihres Fachs.

    Slash & Myles Kennedy – The River is rising
    War mir durchgegangen, dass da was Neues kommt….gewohnt starke Qualität vom Zylindermann mit dem großartigen Myles Kennedy an den Vocals. Im Vergleich zum jüngst vorgestellten neuen Guns’n Roses-Song haben wir es hier mit erdigem Hardrock zu tun – der speziell so zur Mitte hin um Längen mehr nach G’n’R klingt als dieses selbst – und damit meine ich die „Appetite…“-Phase. Geiles Ding.

    Death Angel – Where they lay (live)
    Für Death Angel hege ich eine ähnliche Vorliebe wie für Annihilator im Allgemeinen und Megadeth’s „Rust in Peace“ im Speziellen. Kommt gut, töftes Stück, knallt. Kurzum: hier hat Spotify mal „aufgepasst“.

    Armored Saint – Spineless (live)

    So nah waren die gepanzerten Heiligen nie am Thrash: „Spineless“ ist – wie das gesamte „Symbol…“-Album – einfach höchstmögliche Songwritingkunst. Dazu die Spielfreude einer phantastischen Band und ein John Bush, der nach wie vor zur Speerspitze der Metal-Sänger zählt. Klassiker in toller Livefassung.

    Astral Doors – Welcome to the Astral Kingdom
    Nils Patrick Johannson ist nicht ganz auf John-Bush-Niveau – aber schon recht nah dran. Schon immer klang der Mann wie eine räudigere Version von Jorn Lande (den Vergleich mit Dio, den klemme ich mir, denn für mich passt der gar nicht). Die Band habe ich mal sehr gemocht und dann aus den Augen verloren. Dieser scheinbar neue Song macht Spaß. Vielleicht müsste ich mich da mal wieder näher mit beschäftigen.

    Arch Enemy – Deceiver, Deceiver
    Ich werde irgendwie mit dieser Band nicht warm, daran ändert auch dieses Stück nichts. Ist schon „nett“, auf Länge ist mir das aber nicht zuletzt aufgrund des Gesangs einfach zu anstrengend. Dann lieber Death Angel…

    Battle Beast – Master of Illusion
    Ächz! Ernsthaft? Genauso beschissen wie Beast in Black, die Keys noch übler. Peinlichster Klischee-Möchtegern-„Metal“, erzeugt Brechreiz.

    Mastodon – Sickle and Peace
    Ich möchte diese Band ja eigentlich mögen, fällt sie doch eigentlich schon in mein Beuteschema. Auch dieses aktuelle Stück „hat schon Etwas“ – und natürlich den Pluspunkt, nach einem Rohrkrepierer wie „Battle Beast“ zu laufen, was regelrecht wohltuend ist. Ich denke, der Mastodon-Kosmos als solcher ist arg komplex, das hier erinnert mich ein wenig an Leprous (die ich auch mag) – das „Hunter“-Album (das Einzige, in dessen Besitz ich bin) hat mich nach 2 oder 3 Durchläufen seinerzeit einfach ratlos zurückgelassen…je länger das hier aber läuft…schon geil…mal sehen, was sich daraus machen lässt.

    Lillian Axe – Stop the Hate
    Die Liste endet mit einer weiteren, herausragenden Hardrockband: Lillian Axe wären in einer gerechten Welt Superstars. Das Album „Psychoschizophrenia“ wird gern übersehen, ist aber keinen Deut schwächer als ihre Vorgänger. Und „Stop the Hate“ ein Wahnsinnssong. Punkt.
     
    Skullface und Perfect Stranger gefällt das.
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