PSYCHOTIC WALTZ

Dieses Thema im Forum "METROPOLIS - Progressive Rock & Metal" wurde erstellt von Buddy Graves, 16. August 2014.

  1. Dogro

    Dogro Till Deaf Do Us Part

    Okay.
    Ich habe nachgefragt, weil der Härtegrad bei Psychotic Waltz für mich nie ein Qualitätsmerkmal war. Geschwindigkeit ebenfalls nicht. Ich stehe auf die schleppenderen Passagen und Nummern bei Waltz sehr. Das, was Waltz weicher erscheinen lässt, ist das Klangbild. Da bin ich bei Dir. das war aber schon ab "Mosquito" wenn nicht sogar ab der "Into The Everfow" so. Das teils hackende oder schneidende Element der Songs vom Debüt ist ja eigentlich schon dem Zweitwerk weniger auffällig und selbst die härteren Nummern wie 'Tiny Streams' oder 'Out Of Sight' sind klingen "weniger hart" als ein 'Successor' oder 'I Of The Storm'.
     
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  2. hofi

    hofi Till Deaf Do Us Part

    Aber sind die Songs dann weniger "Metal", nur weil sie nicht so hart sind? Ich denke nicht.

    Aber eigentlich ist es ja auch egal. Hauptsache die Platte ist fein. Anders halt als die anderen und trotzdem PW. Aber das macht sie gerade so schön.
     
  3. Dogro

    Dogro Till Deaf Do Us Part

    Wie gesagt, ich weiß nicht so recht wie ich "mehr Metal" definieren soll. Geschwindigkeit kann es nicht sein, denn dann wäre early Candlemass null Metal, mehr Screams, hm, auch nicht, und "härtere Riffs" kann ich nicht greifen.
     
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  4. GrafWettervomStrahl

    GrafWettervomStrahl Deaf Dealer

    Das wundert mich jetzt ein bißchen, bei jemandem wie Dir! "Mehr Metal" zu definieren ist doch ganz einfach. 1. Mehr Metal = Weniger Nicht-Metal. 2. "Metal" ist ein Begriff, der ja bloß am Rande mit Musik zu tun hat. Und 3. Ein paar Anwendungsbeispiele: Ein handgenähter Lederball ist mehr Metal als ein Strandball aus Plastik. Ein Telefon mit Wählscheibe und Ringelkabel ist mehr Metal als ein Mobilphon aus China. Rotz am Ärmel ist mehr Metal als im Taschentuch. Frida ist mehr Metal als Agnetha, Drei ??? mehr Metal als Fünf Freunde, Haie sind mehr Metal als Delphine, ohne Gummi mehr Metal als mit (bei der eigenen Partnerin), mehr Metal ist auch Plattenladen anstelle von Amazon, Mountainbike statt SUV, Astrophysik statt Wirtschaftswissenschaften und Heinz Erhardt ist definitv wesentlich mehr Metal als alle heutigen Comedians zusammengenommen.

    Allerdings ist dann natürlich auch Psychotic Waltz bereits per se mehr Metal als so ziemlich alles andere auf der Welt. Insofern kann man es auch so ausrücken: Bei Psychotic Waltz mehr Metal zu verlangen, das ist, als wenn man Greta bitten würde, sie solle sich neben ihrer schulischen Karriere endlich mal um etwas gesellschaftlich wirklich Relevantes kümmern.
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. März 2020
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  5. Acrylator

    Acrylator Till Deaf Do Us Part

    :D

    Und mal etwas ernster: ich finde den Metal-Anteil beim neuen Album insgesamt deutlich höher als beispielsweise auf "Mosquito", wo es auch viel Psychedelisches, leichte Einflüsse aus der Alternative- oder Grunge-Ecke und sogar Reggae zu hören gibt.
    Auf "The God-Shaped Void" sind hingegen eigentlich alle Songs eindeutig dem Metal zuzuordnen, da gibt es ja auch nicht einmal ein komplett ruhiges Stück, wie z.B. "My Grave".
    Mir fehlen da halt lediglich mal schrägere Taktarten oder eine größere Varianz im Tempo (aber das meinte Auchentoshan ja anscheinend auch), aber "Metal" sicher nicht (und "härtere Riffs" finde ich auch recht schwammig - die gibt es für mein Empfinden auf jedem PW-Album).
     
    Zuletzt bearbeitet: 24. März 2020
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  6. CimmerianKodex

    CimmerianKodex Till Deaf Do Us Part

    Besser kann man es wohl nicht ausdrücken:jubel::jubel::jubel:
     
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  7. Acrylator

    Acrylator Till Deaf Do Us Part

    Es klingt doch eh jede PW anders als die anderen...:D
     
  8. hofi

    hofi Till Deaf Do Us Part

    Das ist ja das schöne. :D
     
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  9. GrafWettervomStrahl

    GrafWettervomStrahl Deaf Dealer

    Sehe ich auch so.

    Habe vorhin nochmal die erste LP gehört, also bis "Spiders spin". Wenn man nur mal "Stranded" nimmt, da ist soviel Binnenvarianz, sind soviel Rhythmuswechsel und knapp hinter dem Takt gespielte Grooves, daß ich jedem nur nochmal empfehlen kann, sich auf das Abenteuer Detailebene einzulassen. Da passiert so vieles, was mir hier evtl. nicht genügend gewürdigt wird.

    TGSV ist sehr weit davon entfernt eine Mainstream-Metal-Platte zu sein. Wirklich sehr weit. Die Differenz zur 4/4-Takt-Humta-Humta-Tätärä-Fraktion im Metal-Sektor ist ganz gewiß nicht so auffällig wie bei anderen Prog-Metal-Bands, aber sie ist deshalb nicht weniger vorhanden. Zumindest ist das meine Wahrnehmung, die natürlich nicht jeder teilen muß.

    Ich kann verstehen, daß Dir weiter ausgreifende Tempowechsel u. dergl. fehlen, lieber Acry, aber diese Kunst der Komprimierung ist bei Waltz ja so neu nicht. Sie haben sich nunmal Anfang/Mitte der 90er dazu entschlossen, künftig nicht mehr gleichsam ausgestellte Progressivität zu fabrizieren (wie u.a. die auch hier im Thread vielzitierten DT), sondern zurückhaltendere. Und das machen sie quasi in ihrer eigenen Liga.

    Für manche klingt das dann evtl. ein wenig gesetzter. Traditioneller sogar. Und vielleicht ist es das am Ende auch. Ob ich noch einmal ein extremeres Album von Waltz haben wollen würde, eines, das mehr in Richtung "Social Grace" ginge, weiß ich nicht. Ich glaube, das würde heute ziemlich aufgesetzt wirken. Der Prog-Metal muß sich eben auch mit seiner eigenen ca. 35-jährigen Geschichte auseinandersetzen. Die Antworten darauf fallen verschieden aus.

    Petrucci hat in einem Interview sinngemäß gesagt, niemand könne heute mehr so leicht etwas tatsächlich Neues machen, auch DT nicht. Wenn das stimmen würde, stellte sich allein die Frage, wie damit umzugehen ist. Bei Waltz stand ja niemals Virtuosität als Selbstzweck im Vordergrund. Wenn sie etwas beizutragen gehabt hat, war Virtuosität sicherlich willkommen, aber meiner Empfindung nach hat die Band von Anfang an ihren Fokus auf den Hörer gelegt, was wahrscheinlich erstmal gewisse Selbstbeschränkungen mit sich bringt, immerhin waren alle Prog-Metal-Bands der ersten Generation zunächst mal ein paar ungestümte Kids , die im Proberaum loslassen wollten. Keiner von denen hat, wie heutige jüngere Musiker oft, mit YT-Videos und Tutorials diszipliniert und durchgetaktet auf sein Ziel hingelernt.

    Die haben das damals alles aus der Taufe gehoben, und Waltz waren eine weitere Stimme im Spektrum, neben Fates, Queensryche, Watchtower, Dream Theater & Co. Da mußte man sich irgendwann halt fragen, welche Existenzberechtigung haben wir jetzt? Wer wird das wohl hören wollen? DT haben zwischen ihren ersten beiden Alben genau diesen Cut gemacht, Waltz entweder von Anfang an oder bis heute nicht (je nach Sichtweise). Sie haben nie auf den Maistream geschielt, sich andererseits aber nach meiner Wahrnehmung immer gefragt, ob Hörer von dem wirklich berührt werden können, was sie anbieten.

    In Interviews mit Devon kommt das sehr, sehr deutlich raus. Underground, in Ordnung, aber nicht um den Preis der Unverständlichkeit oder der Selbstreferenzialität. Ich denke, das Ergebnis solcher oder ähnlicher Überlegungen hören wir auch auf der neuen Platte. Mir ist das nicht zu wenig von irgendwas. Nicht zu wenig Metal, nicht zu wenig Komplexität, nicht zu wenig Abwechslungsreichtum und damit auch nicht zu wenig Herausforderung für den Hörer. Im Gegenteil, ich entdecke weiterhin immer etwas Neues, wie z.B. die Tatsache, daß der kleine Passus "Blame it on the bad men..." ganz stark zum Chorus des folgenden Songs hinleitet: "We are the fallen".
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. März 2020
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  10. c0nn0r

    c0nn0r Deaf Dealer

    Ich kann und möchte da nicht mit dem Kopf an die Platte. Das Ding ist für mich einfach eine Herzangelegenheit. Devils and Angels kam raus, als mein Vater im Krankenhaus war und seine Krebsdiagnose bekommen hat, "All The Bad men" wurde released, eine Woche nachdem er gestorben war. Die Tracks haben mich in einer scheiß Phase begleitet und als Höhepunkt wurde am Tag seines 78 Geburtstags ein Album veröffentlicht, wie ich es mir nicht hätte erträumen können. Eine Platte voller traumhafter Melodien, melancholischen Momenten und Aufbruchsstimmung.

    Ich mag jedes einzelne Waltz-Album. Für mich ist jedes einzelne essentiell und ich bin sehr froh darüber, dass sie keine Screams drin haben oder dieses 0815 Metalgeschrubbe.
     
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  11. Acrylator

    Acrylator Till Deaf Do Us Part

    Das tut mir leid zu hören, aber schön, wenn das Album dir da beim Verarbeiten geholfen hat/hilft!
    Ich kann ja auch jedem etwas abgewinnen und dem neuen sogar mehr als den beiden Alben um die Mitte der 90er (zumindest eindeutig viel mehr als "Mosquito"), was für sich schon fast einem Wunder gleichkommt (dass sie an "Bleeding" vorbeiziehen würde, hätte ich vorher niemals für möglich gehalten).
    Hier läuft die Scheibe auch gerade wieder und ich höre sie immer noch sehr gerne. Teilweise bin ich sogar ergriffen ("The Fallen", "Demystified", "Sisters of the Dawn", "In the Silence" und eigentlich bei allen zweistimmigen Gitarrenmelodien aus allen Songs) aber die Kritikpunkte, die ich von Anfang an hatte, haben sich verfestigt. Das bedeutet bei mir aber nicht viel, da ich selbst in meiner persönlichen Sammlung von Tonträgern wohl maximal 5% der Scheiben als perfekt oder nahezu perfekt empfinde (die ersten beiden PW gehören dazu).
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. März 2020
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  12. c0nn0r

    c0nn0r Deaf Dealer

    @Acrylator Danke! Deine Ausführungen habe ich auch nicht als befremdlich wahrgenommen. Musik packt mich halt oder packt mich nicht. Das hat erstmal nichts mit dem Kopf zu tun.
    Ich verstehe "Snob-Meinungen" nicht und hab das auch nie verstanden. Was bringen mir verschachtelte Taktarten und Verschiebungen, wenns mich nicht kickt und anstrengt. Diesen Elitarismus hab ich bei Progfans nicht verstanden. Die erste PW kickt mich, obwohl sie sehr Prog ist, weil auch die mich zu berühren und bewegen weiß. Es gibt aber auch technische und progressive Bands, da passiert das nicht, weil die Seele fehlt und das Können in den Vordergrund rückt.
     
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  13. Acrylator

    Acrylator Till Deaf Do Us Part

    Geht mir im Grunde ähnlich, wobei ich schon sehr, sehr viel Progressive Rock und Metal höre. Aber Komplexität und/oder Virtuosität waren bei mir nie der Grund warum mich Musik begeistert (wenn auch ersteres nicht selten einer von mehreren Faktoren ist, die mir das wiederholte Genießen auch nach Jahren noch ermöglicht). Was mir allerdings mit zunehmender Musikliebhaberei und immer größer werdender Tonträgersammlung immer wichtiger wird, damit ich noch von neuer Musik begeistert werden kann, ist ein gewisses Maß an Eigenständigkeit (wobei mir das schon immer recht wichtig war).
    Bands/Alben, die klingen, wie dutzende oder gar hunderte andere zuvor, interessieren mich inzwischen gar nicht mehr, selbst, wenn das gut gemacht ist und eigentlich voll in mein "Beuteschema" passt. Aber ich denke dann immer "warum sollte ich mir die Scheibe kaufen, wenn ich schon viel ähnliches habe, das genauso gut oder noch besser ist?".
    Das hat natürlich mit Psychotic Waltz jetzt nicht wirklich viel zu tun, da auch "The God-Shaped Void" vor allem nach ihnen selbst und eben nicht wie etliche andere Bands klingt. Allerdings höre ich hier erstmals auch so einige stilistische Elemente und Melodien, die ich dann doch gefühlt schon (teils oft) woanders gehört habe und das ging mir auf den früheren Scheiben (vor allem den ersten beiden) nie so.
    Aber das ist natürlich alles "Meckern" auf sehr hohem Niveau und wenn die Band irgendwann noch ein weiteres, zu "The God-Shaped Void" qualitativ gleichwertiges Album, veröffentlicht, bin ich absolut zufrieden. Tolle Musik bleibt tolle Musik und gerade diese Unmengen an magischen Gitarrenharmonien von Rock/McAlpin suchen wirklich ihresgleichen im gesamten Metal-Sektor (und die fehlten auf "Mosquito" ja nahezu komplett).
     
    Zuletzt bearbeitet: 25. März 2020
  14. Auchentoshan

    Auchentoshan Deaf Dealer

    Es fehlt einfach das Fiese, die Angepisstheit der ersten zwei Alben.
    Zitat:

    "Look ar all those little people,
    Happy living little lives
    When they wake up
    With perfect make up
    They make me sick!"

    Das verstehe ich unter Metal.
     
  15. Dogro

    Dogro Till Deaf Do Us Part

    Offensichtlich hast Du komplett andere Rezeptoren bei der waltz'schen Musik als ich. Angepisstheit habe ich da nie wahrgenommen.
     
  16. GrafWettervomStrahl

    GrafWettervomStrahl Deaf Dealer

    Ich bei mir auch nicht.
    Bei mir sind auch nur die ersten beiden in der Alltime-Top10. Die TGSV ist entweder auf Rang 2 oder 3 der Alben dieses Jahrhunderts. Zu den Kritikpunkten - tut mir leid, daß sie sich verfestigt haben, ich habe Dich ja nun genügend genervt mit meinen Anregungen, das Ohr ggflls. nachzujustieren ;), deswegen bleibt nun nichts mehr als mein Bedauern über Dein nicht vollständiges Hingerissensein zu bekunden. :D

    Nochmal: Ich kann nachvollziehen, was Du meinst, und ich hatte selbst erst diesen Eindruck (auch wenn ich ihn im Thread nirgends zu Protokoll gegeben habe), aber ich habe für mich die Erfahrung gemacht, daß auch dieses Album wuchs (wie man so gerne sagt) und zwar besonders in puncto "versteckter Progressivität". Einzelheiten habe ich noch und nöcher schon erzählt. Das Werk ist in meiner Achtung dadurch umso höher gestiegen, als ich dieses lässige Understatement mehr und mehr begreifen lernte. Und zwar nicht nur verkopft, sondern ebenso total durchemotionalisiert. :jubel:
     
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  17. Auchentoshan

    Auchentoshan Deaf Dealer

    Ist schon ein sehr gutes Album. Nicht so genial wie die ersten zwei Scheiben, aber für mich auf einem Level mit Bleeding und Mosqiito (welche auch sehr geil ist. Bekifft, aber geil).
     
  18. Iqui

    Iqui Till Deaf Do Us Part

    Also für mich ist die neue Platte schon ganz großes Kino! Ich will das momentan aber doch noch nicht einordnen in das Gesamtwerk der Band. Das soll heißen ich bin mir noch nicht sicher, welchen Status die Platte gegenüber dem Frühwerk hat. Solange erfreue ich mich einfach an ca. 1er Stunde genialer Musik.. :)
     
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  19. JAYMZ

    JAYMZ Deaf Dealer

    Endgültiges Fazit: Sehr gutes, stimmiges Album mit teilweise herausragendem Songwriting und genialen Gesangsmelodien. Wird hier denke ich in regelmäßigen Abständen laufen und als eines der Jahreshighlights ins Ziel laufen.
     
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  20. Auchentoshan

    Auchentoshan Deaf Dealer

    OK das Album ist erstaunlich stark gewachsen in den letzten Tagen! Wirklich grandiose Melodien, gefällt mir echt gut. Die beiden Schlusstracks :verehr:
     
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