Sentinels Classic Reviews - Neuauflage

Dieses Thema im Forum "BEERDRINKERS & HELL RAISERS - Community" wurde erstellt von Sentinel, 25. Oktober 2020.

  1. HellAndBack

    HellAndBack Till Deaf Do Us Part

    Gott was freue ich mich darauf! Durch dich habe ich damals Secrets Of The Sky-Pathway und Harakiri For The Sky-Trauma kennen und lieben gelernt. Beides absolut großartige Alben in ihrem Stil, die fast unerreicht sind. Leider kann ich bei deinen alten Reviews nicht helfen :(
     
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  2. Sentinel

    Sentinel Till Deaf Do Us Part

    Danke! :) Ich hoffe einfach, dass es ein guter, neuer Thread werden wird.

    Das mit Harakiri For The Sky hast du irgendwo schon mal geschrieben - was lustig ist, denn sooo toll fand und finde ich die gar nicht. ;) Song 1 und 2 waren großartig und die Intensität und Eindringlichkeit der Lyrics einfach nur genial - aber davon ab ist leider gar nicht viel bei mir hängengeblieben bzw. hat die Zeit überdauert. Ich habe mir auch nie angehört, was die Band danach veröffentlicht hat...

    Aber mal schauen, wie die Reviews zum neuen Album ausfallen werden. Sollten das Jubelarien werden, dann greife ich bestimmt zu. ;)
     
  3. HellAndBack

    HellAndBack Till Deaf Do Us Part

    Ich finde ausnahmlos jedes andere Album der Band weit schlechter und langweiliger. Nur die Trauma ist super. Jedoch ist der neue Track - I, Pallbearer - nicht von schlechten Eltern. Wird jedoch davon überschattet, dass die Band für das neue Album mit einer sehr sehr sehr weit rechts draußen-stehenden Dame nen Feature machen wollte. Bin daher nicht so gewaltigst gespannt auf kommende Sachen. :hmmja:
     
  4. Sentinel

    Sentinel Till Deaf Do Us Part

    Das habe ich noch gar nicht mitbekommen. Aber wie geschrieben, bin ich ohnehin kein Fan. ;)

    Secrets Of The Sky habe ich schon ewig nicht mehr gehört - um auf die andere von dir eingangs genannte Band zu sprechen zu kommen. Das sollte ich demnächst unbedingt mal wieder machen. "Pathway" war wirklich eine gute Platte.
     
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  5. HellAndBack

    HellAndBack Till Deaf Do Us Part

    Pathway ist großartig! Die andere Platte fand ich dann leider eher enttäuschend, aber da war ich auch vom Experimentier-Wahnsinn der Pathway verwöhnt.
     
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  6. Sentinel

    Sentinel Till Deaf Do Us Part

    Dafür hat sie - immerhin! - das bessere Cover. :)
    Jenes von "Pathway" finde ich (leider bis heute) unglücklich gewählt.
     
    Zuletzt bearbeitet: 31. Oktober 2020
  7. HellAndBack

    HellAndBack Till Deaf Do Us Part

    Im Vergleich dazu, auf alle Fälle. Allgemein finde ich diese "Art" von Cover wie die Pathway, aber auch die letzte Paradise Lost, irgendwie ... mir gefällts nicht so ganz dieser Stil.
     
  8. Sentinel

    Sentinel Till Deaf Do Us Part

    Das geht mir GANZ genau so - naja, bei der aktuellen Paradise Lost passt das Cover wenigstens zum Inhalt: lieblos, fantasielos, langweilig. :hmmja:
     
  9. Sentinel

    Sentinel Till Deaf Do Us Part

    (...und deshalb direkt zu einem der großartigsten Cover des vergangenen Jahrzehnts: ;) )

    Sulphur Aeon – Gateway To The Antisphere
    VÖ: 03.04.2015

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    1. ...To Drown This World 01:56
    2. Devotion To The Cosmic Chaos 05:40
    3. Titans 05:00
    4. Calls From Below 04:22
    5. Abysshex 05:25
    6. Diluvial Ascension - Gateway To The Antisphere 05:52
    7. He Is The Gate 05:34
    8. Seventy Steps 05:20
    9. Onwards... Towards Kadath! 05:50
    10. Into The Courts Of Azathoth 04:18
    11. Conclusion... 02:30


    Cthulhu entsteigt den Tiefen des Meeres. Die versunkene Stadt R'lyeh hinter sich lassend, entfesselt er ein ozeanisches Beben ungeahnten Ausmaßes, ehe seine massiven Tentakel die peitschende Meeresoberfläche durchbrechen und auf Erden nichts anderes hinterlassen als Schutt und Asche.

    Man muss schon immer und immer wieder hinschauen, um alle Details des hier vorliegenden, unfassbaren Cover-Kunstwerks in sich aufzusaugen – überladen ist es, ja; und auch über die Farbwahl mag man eventuell streiten. Doch je länger man sich auf die Reise in diese fremde Welt einlässt, umso mehr verfällt man ihr mit Haut und Haaren. Dann wirkt auch schließlich jedes einzelne Detail, man entdeckt ungeahnte Feinheiten und versteckte Geheimnisse, man mag gar nicht mehr wegschauen – und weghören sowieso nicht.

    „That is not dead which can eternal lie / And with strange aeons / Even death may die“ – Zeilen aus dem Necronomicon (wir sind ja schließlich mitten drin im Cthulhu-Mythos!), welche auch auf dem Cover von Iron Maiden's „Live After Death“-Album zu erheblicher Prominenz gelangt sind. Und seltsame Zeitalter („stranger aeons“) durchleben wir fürwahr – wer hätte jemals ernsthaft geglaubt, dass der beste Death Metal irgendwann in Deutschland geschmiedet werden würde? Gemeinsam mit Venenum und Chapel Of Disease sind Sulphur Aeon zweifelsohne die erhabene Dreifaltigkeit der New Wave Of German Death Metal.

    Vielleicht mag man aber auch von Cthulhu-Death Metal sprechen – und dies liegt nicht nur an der Stringenz der bisherigen Covergestaltungen von Sulphur Aeon, sondern es ist auch der in der Musik zu fühlende Druck ungeheurer Wassermassen, die vertonte Beklemmung und Furcht vor dem Bösen, dem in verborgenen Tiefen lauernden Grauen. Und der wahnsinnigen Faszination, dem morbiden Zauber, den diese visuell-akustischen Details auslösen... gleich einem finsteren Zauber aus den tiefsten Tiefen – „Abysshex“.

    Bei diesem Song, welcher im Mittelteil den unglaublichen Höhepunkt des Albums darstellt, wird der Druck von Cthulhu's Tentakeln um die Brust des Zuhörers maximal erhöht. Doch im Angesicht des drohenden Niedergangs schaltet das Gehirn das eigene Schmerzempfinden ab und tröstet sich stattdessen mit Visionen einer besseren Welt, voll von Wärme und überirdischer Verzückung – willkommen in diesem schier unwiderstehlichen Strudel!

    Die geballte Macht der prachtvollen, aus dunkelsten Tiefen entkommenen Riffungeheuer auf „Gateway To The Antisphere“ ist beeindruckend, nahezu beklemmend. Eine hypnotische Wirkung wie kaum ein zweites Death Metal-Album der Neuzeit ausstrahlend, fräst sich dieses Werk kompromisslos in das Bewusstsein, gleich einem den dunklen Wogen entstiegenen Großen Alten.

    Summa Summarum: Cthulhu hat das Meer verlassen – mit Macht, mit Nachdruck, mit einem Beben, welches nicht ignoriert werden kann – jeder Death Metal-Fan muss dieses Album haben.

    (März 2015)

    Anmerkung: Oh Gott, ich erinnere mich gerade (durchaus auch schuldbewusst...) daran, wie ich dieses Album seinerzeit – lange vor seiner tatsächlichen Veröffentlichung – ständig im „Was läuft gerade?“-Thread gepostet habe, weil ich es für das Erstellen dieses Reviews bereits vor seiner regulären Veröffentlichung da hatte. Schade, dass auch diese Postings nunmehr nur noch digitaler Müll, also nicht mehr existent ist – es würde mich rückblickend wahnsinnig interessieren, was ich wohl dazu geschrieben habe, während ich mich selbst noch in der Erkundungsphase befand. Ich erinnere mich auf jeden Fall gerne daran, wie der eben genannte Thread seinerzeit förmlich explodiert ist, nachdem „Gateway To The Antisphere“ endlich erschienen war und in der Folge unaufhörlich dieses grandiose Cover gepostet wurde. Es war eine schöne Zeit – und dieses Album war für einige Wochen und eventuell gar Monate so etwas wie der absolute Forumsliebling; jedenfalls meiner Wahrnehmung nach.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Juli 2021
  10. Jens

    Jens Till Deaf Do Us Part

    Was hältst Du denn vom Nachfolger?

    Ich bin ja nicht so der DM-Aficionado, aber den fand ich tatsächlich unterhaltsam. Gateway To The Antisphere wollte ich mir ob des Covers immer schönhören, hat aber nicht geklappt.
     
  11. Sentinel

    Sentinel Till Deaf Do Us Part

    Der erschien für mich offen gestanden zur Unzeit, weil ich Ende 2018 einen ziemlichen Durchhänger im Hinblick auf neue Metal-Alben hatte. Ich habe gerade mal nachgeschaut - ich habe nur 75 Alben aus diesem Jahr (zum Vergleich: aus 2015 und 2016 etwa habe ich jeweils über 300... was natürlich einfach nur Overkill und sogar mit ein Grund für meinen Rückzug aus dem Forumsleben Anfang 2017 war), und bin mir auch ziemlich sicher, fast die Hälfte davon erst in diesem Jahr 2020 gekauft (und noch nicht gehört) zu haben. Lange Rede, kurzer Sinn: 2018 war für mich DAMALS der musikalische Tiefpunkt des Jahrzehnts. Mittlerweile sehe ich das etwas anders, da gerade Ende 2018 viel großartiges erschienen ist - aber seinerzeit war exakt da mein Interesse deutlich abgeflacht. Tatsächlich traf das auch auf Sulphur Aeon zu - zwar habe ich mir wie beim Vorgänger (zum Glück) rechtzeitig die Lavish-Edition gekrallt, aber richtig Muse für das Album konnte ich seinerzeit dennoch nicht aufbringen und habe mich folglich nur sehr oberflächlich damit beschäftigt - mehr als zehn Mal werde ich es sicher kaum gehört haben. Lustigerweise aber lief es gerade heute Mittag einmal wieder - als ich am Überlegen war, ob ich diesen Thread hier mit "Gateway To The Antisphere" starte. Frag mich also am besten in ein paar Wochen noch einmal, denn im Moment wäre mein Eindruck vor dem Hintergrund der damaligen Zeit getrübt und wenig aussagekräftig. ;)
     
  12. Jens

    Jens Till Deaf Do Us Part

    Oha, mit Ende 2018 verbinde ich Chapel Of Disease, The Wake von Voivod und die Idle Hands-EP. Drei Hochkaräter der letzten Jahre.
    Was die Anzahl der Platten angeht: Selbst an 75/Jahr komme ich nicht ran, stehe kurz vor 50 und habe das Gefühl, ich hab das Zeug viel zu wenig gehört. Ergo tendiere ich fast zum Kaufstop.
     
  13. Sentinel

    Sentinel Till Deaf Do Us Part

    Versteh mich nicht falsch: ich fand selbst 2018 vieles gut und nur wenig schlecht - aber leider kaum etwas "sehr gut", geschweige denn "großartig". Es fühlte sich für mich verdächtig so an wie exakt 20 Jahre zuvor - 1998 war auch ein eher durchwachsener Jahrgang. Die drei von dir genannten habe ich natürlich auch und finde nichts davon schwach - habe ja auch oben geschrieben, dass ich gerade im Rückblick mit dem späten 2018 versöhnt bin. ;) Dennoch: in meiner hypothetischen Dekadenendabrechnung läuft dieses Jahr eindeutig unter "ferner liefen". Aber ich habe auch jenseits der Musik auf Anhieb kaum Erinnerungen an dieses Jahr: Autokauf, Konzerte, ein paar Wochen Berlin sowie einige Wochenenden in Baden-Baden, mehr fällt mir da irgendwie nicht ein - und selbst darüber musste ich gerade extrem nachdenken. Wobei: das ist natürlich immer noch mehr als 2020. :D
     
  14. Captain Howdy

    Captain Howdy Till Deaf Do Us Part

    Oh stimmt, die hattest du mir damals auch empfohlen und lief hier Runde um Runde! Hab sie nun auch schon ne Weile nicht mehr gehört, sollte ich nochmal ändern.
    Beim Artwork sind wir aber komplett anderer Meinung - ich find das nämlich geil! :)
     
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  15. Jens

    Jens Till Deaf Do Us Part

    nochmal: Voivod? o_O
    Auf die Gefahr, dass ich mich wiederhole: Kein Jahr mit solch einer Voivod sollte unter "ferner liefen" laufen. :acute:

    Spaß beiseite: Die angesprochene Voivod halte ich nach wie vor für ein Überwerk, dass sich vor der ersten Dekade dieser Band nicht verstecken muss.
     
  16. Sentinel

    Sentinel Till Deaf Do Us Part

    Ja, ich erinnere mich - ach, wie gerne würde ich das alles noch einmal nachlesen - ich hatte so sehr gehofft, dass vielleicht irgendjemand Sicherungskopien hat, doch bislang hat sich niemand mit einer solchen Nachricht gemeldet. Okay, meine Hoffnung war ohnehin nur sehr, sehr klein, aber... :hmmja:

    Auch schade, dass es Secrets Of The Sky nicht mehr gibt. Ich hatte damals die Hoffnung, dass ein Nachfolger zu "Pathway" unter Umständen ein großes Ding hätte werden können. Potential war jedenfalls ausreichend da. :top:
     
  17. Sentinel

    Sentinel Till Deaf Do Us Part

    Von mir wirst du ganz sicher nie ein böses Wort über Voivod hören - ein kleiner Wermutstropfen existiert jedoch meiner Wahrnehmung nach hinsichtlich "The Wake": nämlich der, dass die vorangegangene "Post Society"-EP für meine Begriffe noch sehr viel besser war (die steht für mich sogar unglaublicherweise - und zwar "unglaublicherweise" deswegen, weil ich mit solch einem herausragenden Spätwerk im Leben nicht gerechnet hätte! - neben "Angel Rat", "The Outer Limits", "War And Pain" und "Killing Technology" in der Voivod-Top 5).

    P.S.: Die letzte Sulphur Aeon läuft derzeit regelmäßig und natürlich ist sie klasse. War einfach für mich nicht die richtige Zeit damals - ach so, übrigens: "The Wake" fällt nicht darunter, wenn ich von "Ende 2018" spreche, sie erschien, wie ich meine, im frühen Herbst. Ne, das waren dann eben gerade die VÖs von Chapel Of Disease, Sulphur Aeon, Them, In The Woods etc., die da reinfielen - alles Bands, die ich absolut super finde, welche aber Opfer meiner damaligen Unlust/Übersättigung/was-auch-immer wurden, gleichwohl ich die Ende 2018er-VÖs von all diesen Bands ja natürlich trotzdem wenigstens mag. Nichtsdestotrotz und unabhängig davon: es war für mich musikalisch einfach nicht so das Mega-Jahr, andere mögen und dürfen das für sich selbst natürlich diametral anders beurteilen. ;)
     
  18. Sentinel

    Sentinel Till Deaf Do Us Part

    Hail Spirit Noir – Mayhem In Blue
    Stil: psychedelischer, südosteuropäischer End-Sixties Black Metal
    VÖ: 28.10.2016

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    1. I Mean You Harm 03:55
    2. Mayhem In Blue 07:57
    3. Riders To Utopia 04:38
    4. Lost In Satan's Charms 10:52
    5. The Cannibal Tribe Came From The Sea 06:51
    6. How To Fly In Blackness 06:16


    Hail Spirit Noir sind eine Band, die zur Speerspitze der aktuellen Metal-Welt zählt – zwar nicht, wenn es um Popularität und Bekanntheitsgrad, wohl aber, wenn es um Innovation und Erneuerung geht. „Mayhem In Blue“ ist ihr drittes Werk nach „Pneuma“ (2012) und „Oi Magoi“ (2014), es wird sicherlich wieder mehr oder minder unter dem Radar einer breiteren Öffentlichkeit durchfliegen, eigentlich aber hätte es maximale Aufmerksamkeit verdient.

    Black Metal ist hier nur eine äußerst vage Umschreibung, doch auch die beiden Vorgänger waren sicher grenzsprengend genug. Griechenland ist nun ohnehin dafür bekannt, immer mal wieder erfrischend andere Perspektiven auf den Black Metal zu eröffnen; in der Tat schmeckt man aus vielen der dort erdachten Notenfolgen die Sonne und Reben Hellas' anstelle frostklirrender Nordnächte. Hier nun, bei Hail Spirit Noir, wird das Bouquet vollmundig abgerundet durch die komplette als auch kompetente Verquickung mit südeuropäischen Zigeuner- (der Begriff soll hier nicht abwertend, sondern in seiner romantisierten Lesart aufgenommen werden) und Karnevalstaumeln, querbeet durchgeorgelt und beschwingt durch den Fleischwolf gedreht. Sämtliche Synapsen stimulierend, massierend sowie in keinster Weise abweisend-komplex, verwirrend oder gar sinnfrei. Ein Gedankenspiel: dies hier könnte Proto-Black Metal sein, das erste Black Metal-Album der Welt, in einem Paralleluniversum zu Zeiten von Psychedelia und Krautrock veröffentlicht. Ansonsten könnte es auch der Soundtrack zu einem cineastischen Leckerbissen irgendwo zwischen „Schöne Isabella“ und „Die Nacht der reitenden Leichen“ sein. Und wenn man schon diesen hypothetischen Film niemals zu Gesicht bekommen wird, so ist es allemal eine Offenbarung, wenigstens der vermeintlichen Musik dazu lauschen zu können.

    „Mayhem In Blue“ ist ein verschrobenes, verqueres, spinnertes und wahnsinnig erfrischendes, kreatives und verwunschenes Zauberwerk, das zeigt, dass da draußen doch noch nicht zwangsläufig alles gesagt sein muss, auch wenn die Inhalte an und für sich natürlich alle schon einmal dagewesen sind. Dieses Album ist wie ein bizarrer Ritt auf dem Hexenbesen über zerklüftete Felsküsten, mit einer Buddel Rum an den Lippen – während sich an den Gestaden die Hexen von Shakespeare gemeinsam mit Satyrn und Kobolden ein Stelldichein geben, alldieweil sich durch die verwunschenen Küstenwälder ein obskurer Karneval voll Magie und Schabernack nähert und Wesen mit Pestmasken dazu begierig die Galgenglocken läuten.

    Die Stimme klingt immer mal wieder nach einem spritzigen Mix aus A Forest Of Stars und Aldrahn, bereits die Titel der Lieder machen Lust auf das, wovon sie hier erzählt: über die Meere daher segelnde Kannibalenstämme, ein Flug durch die Schwärze, das Unterwegssein nach Utopia, schwarzmagische Beschwörungszauber des Satans, in welchen man sich verliert... Wenn das nicht das musikalische Äquivalent zur womöglich trashigen, in den Augen einer breiten Öffentlichkeit unter Umständen trivial-unnötigen, tatsächlich jedoch aus tiefstem Herzen kommenden, beseelt-romantischen Fabulierkunst der Sechziger und Siebziger ist, Grusel in üppigem Technicolor – „Mayhem In Blue“ sei der neueste Soundtrack dazu.

    Einen Song möchte ich am Ende dieser Besprechung noch gesondert herausheben, es ist der letzte von insgesamt sechs, allerdings auch der untypischste daraus: „How To Fly In Blackness“, eine lodernde, üppige, regelrecht progressiv-romantische Ballade mit großartigen Akustikgitarren und fast schon kitschigem, die Grenze dahin jedoch nicht überschreitendem Schwelgen im Hintergrund – großartig!

    Man darf gespannt darauf sein, was das andere zeitgenössische „Anarcho“-Black Metal-Kommando aus Griechenland – Aenaon – in ein paar Wochen mit seinem ebenfalls neuen Album an bewusstseinserweiternden Momenten zur Thematik und Stilistik beizutragen hat. „Mayhem In Blue“ jedenfalls sollte man kennen – und als physische Reliquie im Plattenschrank stehen haben.

    (Herbst 2016)

    Anmerkung: Dies ist mir persönlich von all meinen Reviews tatsächlich eines der allerliebsten, denn ich liebe die Bilder, welche es in meinem Kopf erschafft - was natürlich völlig verrückt ist, denn ursprünglich waren es ja eigentlich Bilder, welche in meinem Kopf durch das Hören von „Mayhem In Blue“ sowie dem Betrachten des Covers entstanden sind. In den Folgejahren, also nach 2016, entstanden sie dann jedoch durch das schiere Denken an dieses Review oder natürlich noch verstärkt beim tatsächlichen Lesen davon.

    Ich habe kein Problem mit dem neuen Weg, welchen die Band auf ihrem aktuellen Album „Eden In Reverse“ eingeschlagen hat, doch offen gestanden gefielen mir Hail Spirit Noir davor besser. „Mayhem In Blue“, das preise ich auf jeden Fall noch heute gänzlich unverändert zu meiner Wahrnehmung von vor vier Jahren an. Für altmodische Menschen (wie mich) eine verschroben-kauzig-wohlige Erinnerung an längst vergangene Zeiten, welche so wie oben im Review geschildert natürlich weder tatsächlich existiert haben, noch dass man sie auf eine andere Art und Weise als im Inneren des eigenen Geistes jemals hätte kosten dürfen.
     
    Zuletzt bearbeitet: 3. Juli 2021
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  19. Jens

    Jens Till Deaf Do Us Part

    Das sehe ich anders - die EP war sicherlich sehr gut. Aber eben nur eine EP, ein Häppchen halt. The Wake war dagegen ein komplettes Album (komplett im Sinne von mehr als nur eine Sammlung von Songs). Es hat einen klaren Aufbau und Spannungsbogen. Und kulminierte in einem fabelhaften Longtrack, der das Album beschließt und noch einmal rekapituliert. Glatte 10.
     
  20. Sentinel

    Sentinel Till Deaf Do Us Part

    Echt, die Höchstpunktzahl? Wow, das finde ich super - für Voivod und für dich, das freut mich also. :)

    Bei mir pendelt "The Wake" zwischen 8,5 und 9, "Post Society" erhält von mir 9,5 Punkte. Im Gegensatz zu "The Wake" möchte ich hier keine Sekunde missen, während ich beim Alben doch ab und an ein paar Stellen gekürzt hätte - was aber nur ein minimaler Einwand ist - du siehst es ja an meinen Punkten.

    Einspruch aber: was du schreibst, klingt ja fast so, als ob "Post Society" ein beliebiges Potpourri zufällig aneinander geklatschter Songs wäre - das lasse ich so nicht stehen. ;) Für mich hat die EP einen packenderen Spannungsbogen, sie nimmt mich von Anfang bis Ende gefangen, ohne, dass ich gedanklich abschweife. "The Wake" schafft das bei mir nicht. Und ich käme auch nie auf den Gedanken, diese EP als Häppchen zu bezeichnen - "Reign In Blood" und hunderttausend andere, "echte" Alben sind kürzer... :D Und "satt" macht "Post Society" mich auch (im Gegensatz also zu einem Häppchen). Ich sehe es als Hauptgang, welcher mir alles bietet, was Körper, Geist und Seele brauchen. Für mich waren Voivod nach 1993 nie besser als auf dieser EP. :verehr:
     
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