DEAF FOREVER - die fünfundfünfzigste Ausgabe

Ich habe mir noch einmal Gedanken darüber gemacht, warum in der Top-200-Songs Liste kaum etwas aus dem letzten 20 Jahren auftaucht. Und ich denke, ich habe einen plausiblen Erklärungsansatz gefunden.

Wenn ich in meinem metal-affinen Freundeskreis nachfrage, ob jemand meine neuesten Favoriten kennt, welche die im DF durchaus als heißer Scheiß gelten (Riot City, Sonja, Visigoth, Uada, Chapel of Disease, was auch immer), dann kennen die meisten davon KEINE dieser Bands, geschweige denn könnten sie einzelne Songtitel nennen. Aber JEDER von denen kennt die Klassiker von Maiden, Priest, Slayer, Annihilator, Metal Church, Helloween etc.

Was folgt daraus: Wenn man sich auf ein Best-Of einigen will, wird man zwangsläufig auf Klassiker zurückgreifen, damit alle die entsprechenden Songs überhaupt kennen.

Mal ehrlich: Ich kenne beispielsweise von den alten Ozzy Scheiben, die ich mit 15, 16 Jahren besaß sogar die Titel in der richtigen Reihenfolge auswendig. Bei einigen meiner Lieblingsscheiben der letzten fünf bis zehn Jahre kenne ich manchmal nicht mal einzelne oder nur wenige Song-Titel auswendig. Die Masse und die Vielfalt sind einerseits großartig, lassen es aber weder zu, dass man die Übersicht behalten kann, noch dass es jemals wieder so große Bands wir Maiden oder Priest geben wird. Über die Qualität neuer Musik sagt dies aber absolut nichts aus.
 
Huch, da jubeln einige Leute nicht, wenn Iron Maiden "Alexander The Great" anstimmen? Nun, Götz, könnte es vielleicht sein, dass bei Maiden-Konzerten eventuell doch Event-Fans anwesend sind...?

:EDIT: Ah ja, und was mich auch wundern lassen hat: Vielleicht sollte bei Übersetzungen aus dem Englischen etwas sorgfältiger vorgegangen werden. Es liest sich schon seeehr blumig, wenn Janne Wirman (nicht so viele) Stratovarius-Songs "aus dem Herzen" kennt, während doch mit "by heart" lediglich "auswendig" gemeint ist. ;)
 
Zuletzt bearbeitet:
Mir persönlich hat das 200-beste-Songs-Special nicht viel gebracht. In einiges, mit dem ich bisher nicht viel anfangen konnte, habe ich dann doch noch mal reingehört, geändert hat sich daran aber nichts und Neuentdeckungen gab's so gut wie keine. Insofern schade, dass dafür aus Platzgründen die eine oder andere liebgewonnene Rubrik weichen musste. Und generell sind mir, ähm, speziellere Specials wesentlich lieber. Wenn's aber der Sache dient und jüngeres Hardrock- und Metal-Volk dadurch die Klassiker für sich entdeckt, soll's mir recht sein und will ich nichts gesagt haben ;)

Ausgerechnet mit Platz 1 kann ich übrigens gar nicht so viel anfangen und wundere mich seit jeher, was alle an dem finden. Bei vielen anderen Hochplatzierten gehe ich aber mit.

Bei den Neuveröffentlichungen ist das Atonement-Album bisher die größte Entdeckung für mich, bin aber noch nicht mit allem durch, was ich mir herausgeschrieben habe...
 
Manchmal sollten man eben doch nicht versuchen, das Unmögliche zu schaffen. Eine Nice-to-have-Liste kann nicht der Anspruch von Überzeugungstätern sein. Aber nichts für ungut!
Aber ich gebe zu, dass es eine kurzweilige Lektüre ist und willkommener Anlass, in dieses oder jenes mal (wieder) reinzuhören!
 
Mal ne Frage zum Vorwort...."Orchid in der Versenkung verschwunden". 2018 sind die nochmals überraschend auf dem Stoned from the Underground in Erfurt aufgetaucht und haben einen Weltklasse-Headliner-Gig gespielt. Gibbet die noch? Vergelt´s Gott!
 
Die Band scheint es noch zu geben. Auf Facebook haben sie 2019 bekannt gegeben, dass sie an neuen Songs arbeiten und 2022 nochmal ne Info, dass die Arbeit weiter läuft. 2018/19 ist der Baker ausgestiegen, weil er nicht mehr professionell Musik machen wollte. Inwieweit die anderen sich zusammen raufen können und ein neues Album machen werden, keine Ahnung. Und inwieweit NB noch Interesse an der Band hat oder sie unterstützt, frage ich mich auch. Götz hat da ja was angedeutet... Die große Welle an Retro-Rock/Doom scheint ja auch irgendwie vorbei, zumindest was das Interesse großen Labels an solchen Bands angeht. Die Goldgräberstimmung ist um und dann gibt's auch keine Unterstützung. Klar, auch die Pandemie wird einige Pläne der Band kaputt gemacht haben. Anyway, Orchid sollten zurück zu Church Within und ein zweites Capricorn schreiben. Würde mich extremst freuen.
 
Die Band scheint es noch zu geben. Auf Facebook haben sie 2019 bekannt gegeben, dass sie an neuen Songs arbeiten und 2022 nochmal ne Info, dass die Arbeit weiter läuft. 2018/19 ist der Baker ausgestiegen, weil er nicht mehr professionell Musik machen wollte. Inwieweit die anderen sich zusammen raufen können und ein neues Album machen werden, keine Ahnung. Und inwieweit NB noch Interesse an der Band hat oder sie unterstützt, frage ich mich auch. Götz hat da ja was angedeutet... Die große Welle an Retro-Rock/Doom scheint ja auch irgendwie vorbei, zumindest was das Interesse großen Labels an solchen Bands angeht. Die Goldgräberstimmung ist um und dann gibt's auch keine Unterstützung. Klar, auch die Pandemie wird einige Pläne der Band kaputt gemacht haben. Anyway, Orchid sollten zurück zu Church Within und ein zweites Capricorn schreiben. Würde mich extremst freuen.
Danke für Deine Mühe!
 
Nachtrag zu Orchid. Scheinen noch zu existieren. Im heute versandten Roster (yeah!) der MTA-Booking-Agentur werden sie aktuell beworben:

400959017_1380161759458821_3582653614119589473_n.jpg
 
Bin leider aufgrund privater Umstände erst jetzt dazu gekommen, mich ausführlicher mit der Ausgabe und dem neuen SULPHUR AEON Album zu beschäftigen. Vielen Dank an @kingrandy für die großartige und umfassende Story. Tolle Arbeit und tiefgründige Fragen (u. a. auch zu der Person Lovecrafts). Chapeau!

Mein Senf zum sehr interessanten Thema der Benotungen, das hier aufkam: Da ich selbst hin und wieder Reviews verfasse, weiß ich um die Schwierigkeiten, die ein solches Benotungssystem birgt. Die Größte ist wohl, dass man oft nur ein paar Wochen (im Print-Bereich vermutlich manchmal nur ein paar Tage) Zeit hat, sich für eine faire Note zu entscheiden. Sprich: Der Langzeittest bzw. die Langzeitwirkung eines Albums fehlt. Manchmal realisiert man erst nach vielen Monaten oder einem Jahr, dass eine Platte wirklich Klassikerpotenzial hat und deshalb 9 oder 10 Punkte verdient hat. Bei anderen Scheiben war die anfängliche Euphorie manchmal ein bisschen zu hoch und man merkt, dass das Album nicht gut altert und daher vielleicht doch eher eine 8 oder 7 ist.

Im Falle SULPHUR AEONs hat mich jetzt besonders die Bewertung der Qualitätsentwicklung im Deaf Forever interessiert, daher hab ich spaßeshalber mal Noten und Reviews verglichen. Andy Schulz gab der GTTA 9 Zähler. TSOCC bezeichnete er im Review damals als „klar beste“ Platte der Band und gab 9,5 Punkte. Nun sieht er bzgl. SCASS eine erneute Qualitätssteigerung, gibt aber wieder 9,5 Punkte.

Genau das zeigt doch die Schwächen eines solchen Bewertungssystems: Wie will man die Unterschiede von Platten wirklich adäquat herausstellen, wenn man sie einerseits besser als den - bereits äußerst hochwertigen Vorgänger - findet, andererseits aber der Meinung ist, das eventuell noch eine Nuance zum Klassikerstatus und somit der Höchstbenotung von 10 Punkten fehlt? Das ist eigentlich nicht möglich.

(Ich bewerte die SCASS daher mit 10 Punkten, da ich sie z. B. besser finde als GTTA, die aber auch nicht schwächer als 9 Punkte ist und ich darüber hinaus keine Möglichkeit zu 0,5-Schritten habe.)

Es macht deshalb vermutlich am meisten Sinn, Noten nicht allzu strikt zu sehen und eher als grobe Einordnung zu lesen. Ob eine Platte jetzt 8,5 oder 9, 9,5 oder 10 Punkte bekommt, spielt doch für Kauf oder Nicht-Kauf keine Rolle. Zumal man heutzutage ohnehin zur Absicherung online mal ein paar Testdurchläufe machen kann. Es handelt sich bei Noten zwischen 8 und 10 wohl definitiv um empfehlenswerte Musik - und allein das soll ja vermittelt werden.
 
Zuletzt bearbeitet:
Zurück
Oben Unten