Musik, Nostalgie und die Geschichten dahinter

MrPsycho

Till Deaf Do Us Part
Einen wunderschönen guten Tag, liebe Forengemeinde!

Vielleicht liegt's am Herbst, an der heraufziehenden dunklen, kalten Jahreszeit oder einfach nur daran, dass ich mich nunmehr schon über 16 Jahre mit hiesiger Musik beschäftige und dieses "Älterwerden" auch langsam in meinem Leben angekommen ist.
Jedenfalls bin ich vor kurzem mal wieder meine mittlerweile recht umfangreiche Musiksammlung, u. a. auf musik-sammler.de, durchgegangen und musste dabei feststellen, wie viel mehr doch in dieser Leidenschaft, die uns hier alle miteinander verbindet, steckt.

Soll konkret heißen: Wenn ich mir meine Sammlung so ansehe, sehe ich nicht nur Musik. Ich sehe ganze Lebensabschnitte, ich sehe Ereignisse - gute wie schlechte - und Erinnerungen aus schon fast einer anderen Welt, um es mal mit einem Albumtitel von Alcest zu umschreiben. Nahezu jedes Album oder jede Band scheint mir eine persönliche Geschichte aus meinem Leben zu erzählen.

Und gerade das ist das Wunderbare daran: Ich kenne nichts, was einen so sehr in der Zeit zurückreisen lässt wie die Töne, die man zu einem bestimmten Zeitpunkt seines Lebens vernommen hat. Sofort schießen Erinnerungen in den Kopf, ein kleiner Film, dessen Produzent man selbst war, spielt sich - schon fast unweigerlich - ab.

Sei es der extrem heiße Sommer '09, als ich mir mit der Soundtrack To Your Escape von In Flames eines meiner ersten Originalalben gekauft habe, während ich immer tiefer in diesem Strudel der härteren Musik versunken bin. Oder der eiskalte Winter '13, wo ich meine Seminararbeit bis spät in die Nacht an der Universität geschrieben habe und dann mangels Busverbindungen immer zu Fuß zur Wild Hunt von Watain im Nebel zum Wohnheim gelaufen bin. Oder die unzähligen Male, als ich zu den Alben Summonings im Frühling (ja, Summoning ist bei mir tatsächlich eine Frühjahrsband) zu den ersten warmen Abenden im Wald joggen war. Herrliche Zeiten.

Leider gilt das natürlich auch für die eher negativ assoziierte Kehrseite. So habe ich die Erfahrung machen dürfen, dass man durchaus bedacht sein sollte, welchen Soundtrack man sich zu welchem Abschnitt seines Lebens aussucht. Zum Beispiel erinnern mich seither die - eigentlich obergrandiosen - Alben Exercises In Futility von Mgla und The Scythe Of Cosmic Chaos von Sulphur Aeon immer an die schwere Zeit der Trennung von einer ehemaligen Partnerin und sehr guten Freundin. Oder die Once von Nightwish, die ich immer auf dem Weg zu den Prüfungen meines ersten Staatsexamens gehört habe - bei Nemo sehe ich mich seither immer vor der ersten Zivilrechtsklausur zittern.
Freilich tut das alles der Freude an der Musik nur selten Abbruch. Aber ein Schelm, wer behauptet, man könne den Film, der da im Kopf abläuft, mit der Zeit komplett überspielen.

Ich denke, ich habe dieses Thema schon in irgendeinem Thread vor geraumer Zeit mal angerissen. Da ich es jedoch sehr bemerkenswert - und mit zunehmender Zeit scheinbar immer bemerkenswerter - finde, welche Geschichten hinter all diesen Bands, Alben, Songs und Klängen stecken, denke und hoffe ich, dass hier mehrere so empfinden.

Erzählt Eure Geschichten, die guten wie die schlechten, die komischen wie die ernsten! Welche Band oder welches Album lässt Euch auch dann, wenn Ihr ganz unten seid, allein schon wegen Eurer individuellen Erlebnisse dahinter frohlocken? Und welche Alben habt Ihr Euch - unbewusst - vielleicht selbst schon fast verdorben?
Ich bin gespannt, welche Geschichten Eure Musiksammlung Euch erzählt und hoffe, Ihr mögt sie rege in diesem Thread teilen!
 
Zuletzt bearbeitet:
Schöner Thread, Musik kann bei mir auch innerhalb von Sekunden Stimmungen, Gerüche, Gefühle etc hervorholen und versetzt einen dann auch sehr schnell in eine sentimentale, weil erinnerungsbehaftete Zeit. Spontan fällt mir da Tori Amos´ Under The Pink ein, ein großartiges Album mit ganz eigener Atmosphäre, sehr reduziert, da Tori hier oft nur mit Piano agiert. Auf TA hat mich meine damalige Freundin (und jetzige Frau) gebracht, das war zu der Zeit, als ich eigentlich ausschließlich Black Metal gehört habe ein unerwartet andersartiges musikalisches Universum. Insbesondere bei Under the Pink sitzt ich sofort wieder im Auto und fahre Pizzen aus. Das war zwischen Zivi und Studium damals mein (sehr cooler) Job zum Geldverdienen und UtP lief damals regelmäßig auf meinen Fahrten in die Umgebung. Damals gab es bei uns im Unkreis nur einen Pizzaservice, dementsprechend groß war das Einzugsgebiet und entsprechend lang die Fahrten. Gerade spätabends fand ich es immer sehr schön durch die Pampa zu düsen, Pizzageruch in der Nase zu haben und dieses großartige Stück Musik zu hören. Gerade der Schlußtrack Yes, Anastasia verursacht immer noch Gänsehaut.
Ich finde ja, die meisten dieser Assoziationen hat man mit der Musik seiner Jugend. "The White Goddess" von Atlantean Kodex jedoch habe ich damals bei Erscheinen regelmäßig während des Lernens auf die Facharztprüfung gehört. In den Lernpausen immer im Booklet geblättert, während draußen der Herbst Einzug hielt. Damals wohnten wir noch woanders, gelernt wurde im Obergeschoß. Beim Hören sitze ich sofort wieder dort oben mit meinen Unterlagen. D

Sehr negativ behaftet ist The Gatherings "How to measure a planet?", erschien zu einer Zeit großer Umwälzungen und privater Krisen. Daher kann ich dieses Album heute nur ganz selten hören, obwohl es großartig ist.
 
Schöner Thread. Tatsächlich kann nichts in meiner Welt Stimmungen und Emotionen so stark verstärken oder Transformieren wie Musik, die einem, Oh Gott ich muss mittlerweile auch leider Jahrzehnten sagen..., in die eigene DNS übergegangen ist.

Natürlich verbinde auch ich mit zahlreichen Alben und Titeln Highlights und sicherlich auch eher unerquicklische Episoden meines Lebensfilmes.

Es muss aber auch nicht immer so spezifisch sein. Gerade heute habe ich eher unbewusst auf der Heimfahrt von der Arbeit die perfekte Musikauswahl getroffen. Hintergrund war, daß ich mich kurz vor Feierabend mal wieder mit "Frau Mahlzahn" aus dem Einkauf rumgeärgert habe. Na ja, eigentlich stresst sie immer rum und ich bleibe da eher smart und unverbindlich, denn man ändert die Leute ja nun mal nicht mehr und meine Energie ist mir zu schade, um sie an Kleingeistern zu vergäuden. Dennoch lief mir das ordentlich nach und hat mich auch tierisch gefuchst. Auf dem Rückweg donnerte dann die "Louder Than Hell" in entsprechender Lautstärke, und zwar bis zu 'Number 1' , da stand ich dann vor unserer Garage. Aber die Scheibe ist ja auch genau bis zu diesem Punkt makellos und hat mich mit dieser jugendlichen Unsterblichkeit, Zuversicht und ja, auch dämlicher Überheblichkeit geflutet! Ebenso, wie ich 1996 war und nie wieder sein würde. Hat gut getan. Eigentlich muss ich "Frau Mahlzahn" dafür sehr dankbar sein! :D
 
Sehr coole Threadidee! Ich kann genau nachvollziehen, was du meinst und habe auch fast immer zu bestimmten Alben bzw. Songs einzelne Szenen und Erinnerungen im Kopf.

"A Blaze in the Northern Sky" und "Under a Funeral Moon" hab ich damals als ultracooler 8-Klässler oft morgens im Schulbus gehört. Ist mir heute unbegreiflich, wie man auf diese Art zwei so finstere Black Metal Alben genießen kann, aber so hab ich damals Darkthrone kennengelernt. Apropos Darkthrone - es hat nicht lange gedauert, bis ich mir zu der Zeit natürlich auch "Transilvanian Hunger" geholt hatte. Den Titelsong hab ich mir zuvor aus dem Netz gezogen, allerdings wurde der mit komplett falscher Abspielgeschwindigkeit aufgenommen - es klang einfach nach sehr dunklem, sehr fiesem Doom, weil der Song viel zu langsam ablief. Wusste natürlich nicht, dass das so nicht richtig ist und dachte "Wow, das ist einfach die böseste Musik auf diesem Planeten, kein Wunder, dass Darkthrone als so trve gilt". Das Album zum ersten Mal komplett hab ich tatsächlich im Discman auf dem Parkplatz eines Supermarktes gehört, als ich mit meiner Mutter einkaufen war... :D

"In the Nightside Eclipse", "Storm of the Light's Bane" und "Slaughter of the Soul" verbinde ich immer mit dem Griechenland-Urlaub mit meiner Familie 2001. Kurz zuvor ist mein Opa gestorben und wir waren gemeinsam mit meiner Oma in Griechenland, um dort seine Wohnung und sein Segelboot zu verkaufen, um das Kapitel abzuschließen. Das war alles ziemlich traurig und mies und im Nachhinein kann ich die emotionale Lage meines Vaters damals komplett nachvollziehen. Dafür fehlte mir zur der Zeit als 14 Jähriger einfach ein gewisses Maß an Empathie und Reflektionsvermögen. Die drei Alben haben mir da irgendwie durch geholfen, weil ich abseits der tragischen Umstände die Möglichkeit hatte, dadurch für kurze Zeit in eine andere Welt abzutauchen.

Bei "Kruzifixxion" (Katharsis) und "Desecration of the Holy Kingdom" (Black Witchery) muss ich immer an die Autofahrten um 2002/2003 rum zu meiner damaligen Französisch Nachhilfe Lehrerin denken (auf die ich natürlich scharf war). Ich besaß damals beide schon auf Vinyl und hab sie mir auf Kasette überspielt und die dann im Walkman gehört. Irgendwann waren die Tapes so ausgeleiert (hatte zweimal in der Woche Nachhilfe :D ), dass sich v.a. "DotHK" auf dem Tape einfach nur noch ulta brutal anhörte. Wenn ich das Album heute mit "normalem" Sound höre, kommt es mir total lasch vor :D Ein paar Jahre später kamen dann beide Tapes ins Deck meines Corsas mit dem ich dann zur Berufsschule gegurkt bin.

Katharsis haben zum Glück auch ihr drittes Album "VVorld VVithout End" zum absolut perfekten Zeitpunkt released. Müsste Sommer 2006 gewesen sein und meine damalige Freundin hat mit mir Schluss gemacht. Das war damals ein herber Rückschlag für mich, aber nur 2-3 Wochen später kam tatsächlich "VVVVE" raus und war genau dieser Hassbrocken, den ich zum Verarbeiten dieses Debakels gebraucht habe (war alles nicht so toll von ihr über die Bühne gebracht). Beim Hören von "VVVVE" war an Herzschmerz gar nicht zu denken, das Ding ist von vorne bis hinten ein Schlag in die Fresse, den ich gebraucht habe, um mich wieder wach zu rütteln.

Gibt noch ganz viele solcher Momente. Bspw. seh ich mich beim Hören von Funeral Mist's "Salvation" auf dem Sofa im Wohnzimmer meiner Oma hocken, weil ich das damals im Walkman mal so bei ihr gehört habe. Oder das Debüt von Taake hab ich zum ersten Mal stilecht beim Winterspaziergang im tiefsten Schnee am nahegelegenen Wald meiner Eltern erlebt. "Climax" von Beastmilk ist eines meiner liebsten Alben überhaupt, aber ich kann es heute auch nur noch schwer hören, weil es mich vor ein paar Jahren durch eine unschöne Krise begleitet hat.
 
Super Idee auf jeden Fall! Ich bin eh Vollzeit-Nostalgiker und um ehrlich zu sein kein besonders vorwärtsgewandter Mensch. Musik erzählt ja eh immer eine Geschichte aus dem eigenen Leben. Tut sie das nicht, dann war sie nicht lang oder intensiv genug bei einem.
Ich hab' heute mal wieder ein Album aufgelegt, das unmöglich näher an mir sein könnte. Ist nichts aus dem metallischen Spektrum, was so oder so aber keinen Unterschied macht.
Die "Red Eart & Pouring Rain" von Bear's Den. Mein Soundtrack zum blitzschnellen Aufkeimen und dahinkriechenden Verglühen einer großen Liebe und einer verlorenen Freundschaft.
(Das wird ein bissl ausschweifend, wahrscheinlich hat's auch seine Längen. Haha naja, ihr wisst ja was man so sagt über Erlebnisse: "Da hättest du dabeisein müssen!") Ich hab' das Album halt tatsächlich heute am Vormittag mal wieder gehört, wahnsinnig oft mache ich das ja auch nicht mehr. Und da hat sich das dann jetzt einfach so seinen Weg gebahnt.

Allerdings beginnt die Geschichte anderthalb Jahre, bevor das Album überhaupt veröffentlicht wurde. OK? OK.

Ich war zu Jahresbeginn 2015 auf dem Geburtstag eines meiner besten Freunde eingeladen, den ich - wie fast alle meine Freunde - seit meiner Jugend kenne. Also seit dem Aufblühen der wilden Zeit damals mit 16. Was damals, als das Ganze stattfand, schon knappe 20 Jahre her war. Eine kalte Jännernacht, ich hatte mir kurz davor den Mittelfußknochen auf einem Konzert gebrochen und hatte gerade den Gips runterbekommen, war also eher schon knapp davor, dort nicht hinzugehen. Aber das Lokal in dem er die Feier vorgesehen hatte ist halt ungelogen zwei Querstraßen von meiner Wohnung weg, also bin ich dann doch hin. War halt eine größere Feier (wofür ich eh nicht so der Typ bin), quasi unser engster Freundeskreis vollzählig dort, aber auch sehr viele mir unbekannte Menschen. Hab' mir dann mal ein Bier gekrallt und mich an einen Tisch gesetzt, an dem eine mir unbekannte Frau saß. Bloss so. Bin kein wahnsinnig geselliger Typ, aber schon eher by choice, also niemand der nicht wüsste wie man mit Menschen spricht und nicht auch mal seinen Charme auspacken könnte. Mit der hab' ich mich quasi vom ersten Satz weg gut verstanden, außerdem hat die echt richtig gefunkelt und gestrahlt, das war schon sehr anziehend. Nach ein paar Stunden dort (und inzwischen hatte jeder genug intus) ist dann der harte Kern bzw. die old school Runde noch in eine Kneipe gezogen; da war sie dann auch noch dabei. Und da war sie wegen mir dabei - so doof, das nicht zu checken, hätte man gar nicht sein können. Kam dann auch so, wie es kommen musste. Die ersten paar Wochen lief das recht geil, man kennt das ja, wenn man sich head over heels so richtig schwer verliebt hat. Allerdings kam auch bald das, was wir eh von Anfang an wussten: wir passten halt überhaupt gar nicht zusammen. Ich ein zurückgezogener Eigenbrötler, der auch ziemlich gut ohne Menschen kann, sie ein hyperaktiver Partymensch der sich andauernd mit Menschen umgibt (natürlich beides ein bissl überspitzt gesagt jetzt). Wir hatten halt völlig diametral gelegene Lebenskonzepte. Beide halt verliebt bis dorthinaus; sowas gibt's ja einfach trotzdem und das hat das Ganze so schwer gemacht. Unsere Freundeskreise waren sich gegenseitig unsympathisch, usw. Da hat nix gepasst. Außer halt diesem Gefühl. Naja, kam dann wie es kommen musste: ca. ein Jahr haben wir uns gemeinsam durchgeschlagen. Krasse Ups & Downs, Leidenschaft und Streit und Liebe wie aus einem französischen Arthousefilm, halbherzige Versuche von Trennung die einem nach 24 Stunden bereits vorkamen wie ein Morphin-Entzug. Irgendwann hat's dann funktioniert, irgendwann war Schluss damit, dass ich mich dann doch wieder bei ihr gemeldet hab' oder sie um 4 Uhr morgens vor meiner Wohnung nach mir gerufen hat dass das ganze Haus davon wach wurde. Das war richtig hart, aber natürlich for the better insgesamt.
So. Bis hierhin kannte ich das Album noch gar nicht, haha.
Wie's überhaupt nicht mein Stil ist, hab' ich mich kurz danach in eine weitere Beziehung geworfen. (Also wirklich: überhaupt nicht meins normalerweise. Allein an diesem Umstand erkennt man was die Trennung mit mir gemacht hatte damals.) Seitdem verstehe ich überhaupt erst, warum manche Leute das ein Leben lang so handhaben. Meine, hmmmm... 'neue Freundin' und ich waren wohl gegenseitig irgendwie Lückenbüßer, sie war frisch geschieden, ich gerade raus aus der emotional intensivsten Beziehung meines Lebens. Zwischen uns waren 200 Kilometer und es ging nicht länger als ein halbes Jahr zwischen uns und ich hatte zumindest zu Beginn ein konstant schlechtes Gewissen, weil es sie gefühlstechnisch richtig erwischt hatte, mich aber nicht so wirklich.
Jedenfalls war das dann auch wieder rum im Spätsommer. (Inzwischen sind wir ein Jahr und 8 Monate sowas weiter als zu Beginn.) Und so oder so verbuchte meine Psyche das irgendwie als "zwei gescheiterte Beziehungen am Stück", auch wenn natürlich dieses zweite Ding kaum als gescheitert angesehen werden kann, das Ganze hatte ja auch grundlegend kaum eine Intention. So ist der Mensch halt.
Dann erstmal nix. (Aber gleich kommt das Album! Haha.)
Zu dieser Zeit bin ich wieder sehr viel mit eingangs erwähntem Freund rumgehangen; also dem, auf dessen Geburtstag ich die eine kennengelernt hatte. (Den ich wie gesagt kenne seit ich 16 war, zu diesem Zeitpunkt der Geschichte bin ich 36. Man kennt sich also gut und lange und rundum mit allen soft und weak spots.) Der hatte eine Wohnung mit seiner damaligen Freundin und zwar ironischerweise nicht nur in dem Viertel, nicht nur in der Gegend, sondern eine Straße weiter von dort, wo die ersterwähnte Frau gewohnt hat. Dort sind wir dann dauernd abgehangen, getrunken und blabla, Musik gehört, geredet, was man halt so tut. Für mich war da schon völligst offensichtlich, dass seine Freundin ihm wohl bald den Laufpass geben wird - für ihn anscheinend überhaupt nicht, wie's halt oft so ist.
An einem dieser Abende kommt die "Red Earth & Pouring Rain" in mein Leben. Jetzt ist sie also da. Während ich so der CD- und LP-Nerd bin, lief bei ihm Musik halt immer von youtube und spotify. Da kam der Titeltrack und ich so: "Meine! Fucking! Fresse!" Im Gegensatz zu meinem sonstigen Naturell hatte ich mir ja quasi keine Zeit genommen, das Ganze Wirrwarr auch nur ansatzweise sauber aufzuarbeiten und es als Baustein meiner Biografie begreifen zu können. War ein bissl viel an dem Abend damals, diese one big love Geschichte, dann gleich die andere hintendran; außerdem habe ich da erstmals angesprochen, ob er das mit seiner Freundin denn nicht kommen sähe. Tat er nicht - keine zwei Wochen später kam's aber so.
Ich begann zu der Zeit auch, mich in der Arbeit nicht mehr wohlzufühlen. Hat mich nicht mehr ausgefüllt und gefordert, meine Bewerbungen um eine höhere Aussichtswarte in der Hierarchie wurden von der Geschäftsführung nicht goutiert. Dort sollte ich aber erst drei weitere Jahre später wegkommen.
Auf jeden Fall hab' ich das Album dann dauernd gehört. Also wirklich dauernd, das hatte mich derb erwischt. Man sieht ja schon am Cover, wohin die Reise geht. Ursprünglich eine Band ausm folkigen Indie-Bereich, da ging's dann ab in die Ästhetik der 80er. Und den Sound! Synthies, Saxophone. Effekte, Hall, Refrains aus einem anderen Leben. Und die kam ja erst im Sommer 2016 raus, jetzt befinden wir uns im Spätherbst 2016. Kam also eh schnell zu mir. Und ging nie wieder. Nie nie wieder.
Mein Freund war völlig fertig nach der Trennung, also richtig hart. Und ich bin die ganze Zeit mit ihm herumgehangen (in seiner damals neuen Bude) - ehrlich gesagt wirkte da mein Down-Sein dagegen vergleichsweise down to earth, das war der selbstsüchtige Aspekt an dem Ganzen. Vor allem weil ich eh eigentlich oft so low key down bin in meinem Leben, bei ihm hingegen war's eine reaktive Geschichte. Aber natürlich war ich in erster Linie für ihn da, weil er mein Freund war.
Wir haben dann kurz vor Silvester '16/'17 beschlossen, ebendieses in Prag zu verbringen. Einfach so. Prag ist von hier distanzmäßig nicht weiter entfernt als München, trotzdem bin ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie dortgewesen. Und halt noch immer "Red Earth & Pouring Rain", während ich endlich ein bissl was von dem ganzen Puzzle zusammensetzen konnte, einen Rahmen um das ganze Chaos legen, meinen Antrieb und meine Muster verstehen lernen.
Gut, da fuhren wir also hin am 31.12., blabla. Am späten Nachmittag angekommen, da wurde es auch schon dunkel, ab ins Hotel, ein paar Sturzbiere, bissl dies und das auch noch weil's uns beiden eh schon völlig wurscht war, ab in die dunklen Straßen. Und wow, das hat mich total umgehauen. Natürlich ist das nicht weit weg generell und halt mitteleuropäisch an sich von der Architektur und der Atmosphäre der Viertel hier. Die Stadt in der ich lebe ist auch nicht sehr viel anders, nur halt nicht so groß. Ich kann nicht sagen, was das war, aber da war hart Magie in der Luft. Vor allem dann dieser riesige Weihnachtsmarkt in der Altstadt, der an Silvester noch immer offen hat. Da haben wir dann mal ein paar Glühwein getrunken und uns ordentlichst einen abgelabert, natürlich über die ganzen Sachen, die Beziehungen der letzten Jahre, usw. Und ich schwöre, ich hatte dabei die ganze Zeit einen Ohrwurm von "Broken Parable" vom Album im Kopf. Natürlich: kein Wunder, ich hab' es damals ja jeden Tag gehört. Aber echt, immer wenn ich das Album oder gar den Song höre, dann nerv' ich da in der Prager Alstadt im Dunklen mit besagtem Freund herum. War in weiterer Folge ein eher härterer Abend, hat aber Bock gemacht. Und diese Querverbindung hat ihn legendär gemacht. Die Querverbindung zu dieser Stadt, in der ich die Band gar nicht gehört hab' an dem Abend und zu dieser Frau, von der ich damals ja schon fast ein Jahr getrennt war.
Ironischerweise geht die Geschichte noch ein bissl weiter. Damit das alles mit ihm und seinem Geburtstag beim Kennenlern-Setting noch ein bissl mehr Sinn macht quasi. Im Herbst 2019 sind wir beide zu einem Bear's Den-Konzert gefahren dann. Endlich mal, Wahnsinn! Wobei auch wir in diesen dazwischenliegenden zwei, drei Jahren öfter mal derber gestritten hatten. Wir waren eh immer superunterschiedlich in wirklich allem, aber: friends will be friends, was stört's uns schon. Vieles schien aber zu groß und unvereinbar zu werden. Das Konzert selbst war unfassbar! Zumal auch der Nachfolger der "Red Earth & Pouring Rain" - "So That You Might Hear Me" - ja sehr gut geworden ist, eine Schippe mehr back to the roots. Vom Impact auf mein Leben natürlich nicht ansatzweise vergleichbar; aber richtig gut. War ein tolles, tolles Konzert - die Songs von diesem meinem Lebens-Album natürlich ganz besondere Höhepunkt und ich hab' mich sehr gefreut, dass die live nicht etwa entsprechend reduziert vorgetragen wurden, sondern total opulent, ganz im Sinne des Albums und seiner Ästhetik und Atmosphäre. Beim Fortgehen danach ist dann aber mal wieder eins dieser Themen aufgeflammt, die es uns beiden schon richtig schwer gemacht haben in den Jahren davor. Und natürlich: riesiger Streit und zwar so heftig, dass im Hotel jeder in sein Zimmer ist und wir am nächsten Morgen nicht mal gemeinsam ausgecheckt haben oder so. Seitdem Funkstille. War aber auch besser so. Gibt halt so Sachen, die einen niemals loslassen und wenn's unvereinbar wird, dann muss man sich nicht quälen. Schon gar nicht nach einem Vierteljahrhundert Freundschaft.

Das Poster einer Minitour mit dem Artwork des Albums hängt übrigens gerahmt an meiner Schlafzimmerwand.

Tja. So ist das, diese Platte ist für mich der Inbegriff von Finden und Verlieren, von Liebe und Trennung; davon, sich selbst nicht zu spüren und viel zu sehr zu spüren. Davon, sich selbst dauernd durchzureflektieren und dennoch nicht mehr zu wissen als jemand, der auf alles dauernd mit einem Schulterzucken reagiert und weitermacht. Und davon, dass alle Menschen im Prinzip Probleme haben, wenn man so will: chronische und akute.
Alles vergeht irgendwann und irgendwie und dieses Album war eben während einer Zeit prominent auf meinem Lebens-Soundtrack vertreten, als ich so einige Höhen und Tiefen durchtaucht hab'. Dieses Album. Und Alan Parsons Project. Und mein glorious return to Black Metal.

"There are emeralds in the moonglow
And storms raging through my mind
Just a whisper in the shadows
And I fell into the night"

Lang lebe die Musik, Alter!
 
Super Idee auf jeden Fall! Ich bin eh Vollzeit-Nostalgiker und um ehrlich zu sein kein besonders vorwärtsgewandter Mensch. Musik erzählt ja eh immer eine Geschichte aus dem eigenen Leben. Tut sie das nicht, dann war sie nicht lang oder intensiv genug bei einem.
Ich hab' heute mal wieder ein Album aufgelegt, das unmöglich näher an mir sein könnte. Ist nichts aus dem metallischen Spektrum, was so oder so aber keinen Unterschied macht.
Die "Red Eart & Pouring Rain" von Bear's Den. Mein Soundtrack zum blitzschnellen Aufkeimen und dahinkriechenden Verglühen einer großen Liebe und einer verlorenen Freundschaft.
(Das wird ein bissl ausschweifend, wahrscheinlich hat's auch seine Längen. Haha naja, ihr wisst ja was man so sagt über Erlebnisse: "Da hättest du dabeisein müssen!") Ich hab' das Album halt tatsächlich heute am Vormittag mal wieder gehört, wahnsinnig oft mache ich das ja auch nicht mehr. Und da hat sich das dann jetzt einfach so seinen Weg gebahnt.

Allerdings beginnt die Geschichte anderthalb Jahre, bevor das Album überhaupt veröffentlicht wurde. OK? OK.

Ich war zu Jahresbeginn 2015 auf dem Geburtstag eines meiner besten Freunde eingeladen, den ich - wie fast alle meine Freunde - seit meiner Jugend kenne. Also seit dem Aufblühen der wilden Zeit damals mit 16. Was damals, als das Ganze stattfand, schon knappe 20 Jahre her war. Eine kalte Jännernacht, ich hatte mir kurz davor den Mittelfußknochen auf einem Konzert gebrochen und hatte gerade den Gips runterbekommen, war also eher schon knapp davor, dort nicht hinzugehen. Aber das Lokal in dem er die Feier vorgesehen hatte ist halt ungelogen zwei Querstraßen von meiner Wohnung weg, also bin ich dann doch hin. War halt eine größere Feier (wofür ich eh nicht so der Typ bin), quasi unser engster Freundeskreis vollzählig dort, aber auch sehr viele mir unbekannte Menschen. Hab' mir dann mal ein Bier gekrallt und mich an einen Tisch gesetzt, an dem eine mir unbekannte Frau saß. Bloss so. Bin kein wahnsinnig geselliger Typ, aber schon eher by choice, also niemand der nicht wüsste wie man mit Menschen spricht und nicht auch mal seinen Charme auspacken könnte. Mit der hab' ich mich quasi vom ersten Satz weg gut verstanden, außerdem hat die echt richtig gefunkelt und gestrahlt, das war schon sehr anziehend. Nach ein paar Stunden dort (und inzwischen hatte jeder genug intus) ist dann der harte Kern bzw. die old school Runde noch in eine Kneipe gezogen; da war sie dann auch noch dabei. Und da war sie wegen mir dabei - so doof, das nicht zu checken, hätte man gar nicht sein können. Kam dann auch so, wie es kommen musste. Die ersten paar Wochen lief das recht geil, man kennt das ja, wenn man sich head over heels so richtig schwer verliebt hat. Allerdings kam auch bald das, was wir eh von Anfang an wussten: wir passten halt überhaupt gar nicht zusammen. Ich ein zurückgezogener Eigenbrötler, der auch ziemlich gut ohne Menschen kann, sie ein hyperaktiver Partymensch der sich andauernd mit Menschen umgibt (natürlich beides ein bissl überspitzt gesagt jetzt). Wir hatten halt völlig diametral gelegene Lebenskonzepte. Beide halt verliebt bis dorthinaus; sowas gibt's ja einfach trotzdem und das hat das Ganze so schwer gemacht. Unsere Freundeskreise waren sich gegenseitig unsympathisch, usw. Da hat nix gepasst. Außer halt diesem Gefühl. Naja, kam dann wie es kommen musste: ca. ein Jahr haben wir uns gemeinsam durchgeschlagen. Krasse Ups & Downs, Leidenschaft und Streit und Liebe wie aus einem französischen Arthousefilm, halbherzige Versuche von Trennung die einem nach 24 Stunden bereits vorkamen wie ein Morphin-Entzug. Irgendwann hat's dann funktioniert, irgendwann war Schluss damit, dass ich mich dann doch wieder bei ihr gemeldet hab' oder sie um 4 Uhr morgens vor meiner Wohnung nach mir gerufen hat dass das ganze Haus davon wach wurde. Das war richtig hart, aber natürlich for the better insgesamt.
So. Bis hierhin kannte ich das Album noch gar nicht, haha.
Wie's überhaupt nicht mein Stil ist, hab' ich mich kurz danach in eine weitere Beziehung geworfen. (Also wirklich: überhaupt nicht meins normalerweise. Allein an diesem Umstand erkennt man was die Trennung mit mir gemacht hatte damals.) Seitdem verstehe ich überhaupt erst, warum manche Leute das ein Leben lang so handhaben. Meine, hmmmm... 'neue Freundin' und ich waren wohl gegenseitig irgendwie Lückenbüßer, sie war frisch geschieden, ich gerade raus aus der emotional intensivsten Beziehung meines Lebens. Zwischen uns waren 200 Kilometer und es ging nicht länger als ein halbes Jahr zwischen uns und ich hatte zumindest zu Beginn ein konstant schlechtes Gewissen, weil es sie gefühlstechnisch richtig erwischt hatte, mich aber nicht so wirklich.
Jedenfalls war das dann auch wieder rum im Spätsommer. (Inzwischen sind wir ein Jahr und 8 Monate sowas weiter als zu Beginn.) Und so oder so verbuchte meine Psyche das irgendwie als "zwei gescheiterte Beziehungen am Stück", auch wenn natürlich dieses zweite Ding kaum als gescheitert angesehen werden kann, das Ganze hatte ja auch grundlegend kaum eine Intention. So ist der Mensch halt.
Dann erstmal nix. (Aber gleich kommt das Album! Haha.)
Zu dieser Zeit bin ich wieder sehr viel mit eingangs erwähntem Freund rumgehangen; also dem, auf dessen Geburtstag ich die eine kennengelernt hatte. (Den ich wie gesagt kenne seit ich 16 war, zu diesem Zeitpunkt der Geschichte bin ich 36. Man kennt sich also gut und lange und rundum mit allen soft und weak spots.) Der hatte eine Wohnung mit seiner damaligen Freundin und zwar ironischerweise nicht nur in dem Viertel, nicht nur in der Gegend, sondern eine Straße weiter von dort, wo die ersterwähnte Frau gewohnt hat. Dort sind wir dann dauernd abgehangen, getrunken und blabla, Musik gehört, geredet, was man halt so tut. Für mich war da schon völligst offensichtlich, dass seine Freundin ihm wohl bald den Laufpass geben wird - für ihn anscheinend überhaupt nicht, wie's halt oft so ist.
An einem dieser Abende kommt die "Red Earth & Pouring Rain" in mein Leben. Jetzt ist sie also da. Während ich so der CD- und LP-Nerd bin, lief bei ihm Musik halt immer von youtube und spotify. Da kam der Titeltrack und ich so: "Meine! Fucking! Fresse!" Im Gegensatz zu meinem sonstigen Naturell hatte ich mir ja quasi keine Zeit genommen, das Ganze Wirrwarr auch nur ansatzweise sauber aufzuarbeiten und es als Baustein meiner Biografie begreifen zu können. War ein bissl viel an dem Abend damals, diese one big love Geschichte, dann gleich die andere hintendran; außerdem habe ich da erstmals angesprochen, ob er das mit seiner Freundin denn nicht kommen sähe. Tat er nicht - keine zwei Wochen später kam's aber so.
Ich begann zu der Zeit auch, mich in der Arbeit nicht mehr wohlzufühlen. Hat mich nicht mehr ausgefüllt und gefordert, meine Bewerbungen um eine höhere Aussichtswarte in der Hierarchie wurden von der Geschäftsführung nicht goutiert. Dort sollte ich aber erst drei weitere Jahre später wegkommen.
Auf jeden Fall hab' ich das Album dann dauernd gehört. Also wirklich dauernd, das hatte mich derb erwischt. Man sieht ja schon am Cover, wohin die Reise geht. Ursprünglich eine Band ausm folkigen Indie-Bereich, da ging's dann ab in die Ästhetik der 80er. Und den Sound! Synthies, Saxophone. Effekte, Hall, Refrains aus einem anderen Leben. Und die kam ja erst im Sommer 2016 raus, jetzt befinden wir uns im Spätherbst 2016. Kam also eh schnell zu mir. Und ging nie wieder. Nie nie wieder.
Mein Freund war völlig fertig nach der Trennung, also richtig hart. Und ich bin die ganze Zeit mit ihm herumgehangen (in seiner damals neuen Bude) - ehrlich gesagt wirkte da mein Down-Sein dagegen vergleichsweise down to earth, das war der selbstsüchtige Aspekt an dem Ganzen. Vor allem weil ich eh eigentlich oft so low key down bin in meinem Leben, bei ihm hingegen war's eine reaktive Geschichte. Aber natürlich war ich in erster Linie für ihn da, weil er mein Freund war.
Wir haben dann kurz vor Silvester '16/'17 beschlossen, ebendieses in Prag zu verbringen. Einfach so. Prag ist von hier distanzmäßig nicht weiter entfernt als München, trotzdem bin ich bis zu diesem Zeitpunkt noch nie dortgewesen. Und halt noch immer "Red Earth & Pouring Rain", während ich endlich ein bissl was von dem ganzen Puzzle zusammensetzen konnte, einen Rahmen um das ganze Chaos legen, meinen Antrieb und meine Muster verstehen lernen.
Gut, da fuhren wir also hin am 31.12., blabla. Am späten Nachmittag angekommen, da wurde es auch schon dunkel, ab ins Hotel, ein paar Sturzbiere, bissl dies und das auch noch weil's uns beiden eh schon völlig wurscht war, ab in die dunklen Straßen. Und wow, das hat mich total umgehauen. Natürlich ist das nicht weit weg generell und halt mitteleuropäisch an sich von der Architektur und der Atmosphäre der Viertel hier. Die Stadt in der ich lebe ist auch nicht sehr viel anders, nur halt nicht so groß. Ich kann nicht sagen, was das war, aber da war hart Magie in der Luft. Vor allem dann dieser riesige Weihnachtsmarkt in der Altstadt, der an Silvester noch immer offen hat. Da haben wir dann mal ein paar Glühwein getrunken und uns ordentlichst einen abgelabert, natürlich über die ganzen Sachen, die Beziehungen der letzten Jahre, usw. Und ich schwöre, ich hatte dabei die ganze Zeit einen Ohrwurm von "Broken Parable" vom Album im Kopf. Natürlich: kein Wunder, ich hab' es damals ja jeden Tag gehört. Aber echt, immer wenn ich das Album oder gar den Song höre, dann nerv' ich da in der Prager Alstadt im Dunklen mit besagtem Freund herum. War in weiterer Folge ein eher härterer Abend, hat aber Bock gemacht. Und diese Querverbindung hat ihn legendär gemacht. Die Querverbindung zu dieser Stadt, in der ich die Band gar nicht gehört hab' an dem Abend und zu dieser Frau, von der ich damals ja schon fast ein Jahr getrennt war.
Ironischerweise geht die Geschichte noch ein bissl weiter. Damit das alles mit ihm und seinem Geburtstag beim Kennenlern-Setting noch ein bissl mehr Sinn macht quasi. Im Herbst 2019 sind wir beide zu einem Bear's Den-Konzert gefahren dann. Endlich mal, Wahnsinn! Wobei auch wir in diesen dazwischenliegenden zwei, drei Jahren öfter mal derber gestritten hatten. Wir waren eh immer superunterschiedlich in wirklich allem, aber: friends will be friends, was stört's uns schon. Vieles schien aber zu groß und unvereinbar zu werden. Das Konzert selbst war unfassbar! Zumal auch der Nachfolger der "Red Earth & Pouring Rain" - "So That You Might Hear Me" - ja sehr gut geworden ist, eine Schippe mehr back to the roots. Vom Impact auf mein Leben natürlich nicht ansatzweise vergleichbar; aber richtig gut. War ein tolles, tolles Konzert - die Songs von diesem meinem Lebens-Album natürlich ganz besondere Höhepunkt und ich hab' mich sehr gefreut, dass die live nicht etwa entsprechend reduziert vorgetragen wurden, sondern total opulent, ganz im Sinne des Albums und seiner Ästhetik und Atmosphäre. Beim Fortgehen danach ist dann aber mal wieder eins dieser Themen aufgeflammt, die es uns beiden schon richtig schwer gemacht haben in den Jahren davor. Und natürlich: riesiger Streit und zwar so heftig, dass im Hotel jeder in sein Zimmer ist und wir am nächsten Morgen nicht mal gemeinsam ausgecheckt haben oder so. Seitdem Funkstille. War aber auch besser so. Gibt halt so Sachen, die einen niemals loslassen und wenn's unvereinbar wird, dann muss man sich nicht quälen. Schon gar nicht nach einem Vierteljahrhundert Freundschaft.

Das Poster einer Minitour mit dem Artwork des Albums hängt übrigens gerahmt an meiner Schlafzimmerwand.

Tja. So ist das, diese Platte ist für mich der Inbegriff von Finden und Verlieren, von Liebe und Trennung; davon, sich selbst nicht zu spüren und viel zu sehr zu spüren. Davon, sich selbst dauernd durchzureflektieren und dennoch nicht mehr zu wissen als jemand, der auf alles dauernd mit einem Schulterzucken reagiert und weitermacht. Und davon, dass alle Menschen im Prinzip Probleme haben, wenn man so will: chronische und akute.
Alles vergeht irgendwann und irgendwie und dieses Album war eben während einer Zeit prominent auf meinem Lebens-Soundtrack vertreten, als ich so einige Höhen und Tiefen durchtaucht hab'. Dieses Album. Und Alan Parsons Project. Und mein glorious return to Black Metal.

"There are emeralds in the moonglow
And storms raging through my mind
Just a whisper in the shadows
And I fell into the night"

Lang lebe die Musik, Alter!
Sitz grad mit meinem Sohn auf dem Schoß im Auto auf dem Rewe-Parkplatz, warte auf meine Holde die grad drinnen ist, les deinen Text, hör dazu in das Album rein und hab am Ende des Postings anscheinend was ins Auge bekommen oder so...
 
Und wieder mal einer dieser großartigen Texte, für die sich ein Blick ins Forum - bzw. in neue Threads - so oft lohnt. Und eigentlich kein Wunder, dass dieser Text natürlich von @OctoberCrust geschrieben, dessen Texte hier im Forum ja oft den Effekt haben, dass ich wie'n Kakadu mit dem Kopf nickend vorm Rechner sitze und "Jajaja, genau so isses!" in meinen Bart murmel.
Schon in den ersten Sätzen finde ich mich voll und ganz wieder, weil auch eher Eigenbrötler und "Vollzeit-Nostalgiker".
Naja, irgendwann werde ich mir mal Zeit nehmen und auch was für diesen Thread zusammenschmieren. :)

In der Zwischenzeit höre ich in die "Red Earth and Pouring Rain" rein (von der ich bis eben nie was gehört/gelesen habe), lese den besagten Post noch mal durch (und muss, wie @El Guerrero , ab und an mal was aus dem Auge ... fliegen wohl Pollen hier ... ).
Und wo ich so im Album rumhöre schreibe ich's auch schon auf den Einkaufszettel. An sich gar nicht mal sooo meine Musikrichtung, aber die Platte hat was ....:top:
 
Ach komm, ich habe gerade eh nix besseres zu tun, und im Hintergrund läuft ja noch die Bear's Den (und vermutlich tut sie das heute noch öfter), da kann man auch mal in die Tasten griffeln.
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Wie oben erwähnt ist Nostalgie (und die damit oft verbundene Melancholie) ja eine meiner Lieblingsstimmungen. Fühle mich mit meiner gegenwärtigen Situation schon recht wohl, habe auch keine große Panik vor der näheren Zukunft, aber die Vergangenheit hat so einen warmen, goldenen Schimmer in dem ich mich gerne aale. Und es gibt ja kaum einen besseren Auslöser für Stimmungen als Musik, daher bin ich eigentlich die meiste Zeit gedanklich ziemlich im "Damals" - egal, ob ich mich nun bei Iron Maiden, Guns 'n' Roses, AC/DC oder Motörhead wie'n Teenie fühle, oder bei Rancid, Levellers, Oysterband oder Foo Fighters alten Liebschaften nachfühle.

Ganz besonders sind aber die Jahre von etwa 1992-1995, in denen ich so festhänge. '92 fing eine große Liebe zu Doom-Death der Marke My Dying Bride, Anathema etc. an, außerdem meine bis heute anhaltende Leidenschaft für Literatur (gelesen hatte ich schon immer gern und viel, aber damals fing das halt mit so Sachen wie Shakespeare, Byron, Milton und Co. an), und natürlich Schule, Clique, Konzerte, so viel neue und geile Musik, die man entdeckte.

Anfang ´93 aber dann der (nach der Entdeckung Iron Maidens im speziellen und dem Metal im Allgemeinen 1988) zweite große Urknall in meinem Leben: Ich habe nach der Schule noch endlos Zeit, bis der Bus kommt, und in dem Stadtteil meiner Heimatstadt Siegen kann man die eigentlich nur im Saturn totschlagen, gibt ja sonst nix. Und da stolpere ich über eine CD, bei der es mich gleich packt - mysteriöses Cover mit 'nem schwarz/weiß geschminkten Typen, unleserlicher Bandname, coole Songtitel ... es gibt zum Reinhören keine Möglichkeit, aber auf meinen Instinkt kann ich mich verlassen, also sacke ich die ein. Und zu Hause dann die erste Gänsehaut beim Intro ... Hall, langsame Drums, finstre Keyboards ... dann eine Stimme, die immer wieder "Agathos Daimon" vor sich hinsingt ... Welcome to "A Blaze in the Northern Sky"!

Im Booklet las ich, das es sich bei der Band um Norweger handele - ich wusste bis dahin gar nicht, dass Norweger überhaupt Musik machten, geschweige denn so geile. Und sonst hatte ich erst mal keine Ahnung, wie ich die Platte einordnen sollte - gab's von der Band noch mehr? Gab's noch mehr solche Bands? Wie komme ich an das Zeug? 16 Jahre alt, kein Internet zu Hause, kein Typ für Tapetrading oder Fanzine-aus-dem-Ausland-bestellen, keinen in der Clique, der diese Musik auch nur im Ansatz so klasse findet wie ich - also vor allem den Metal Hammer gründlich durchstöbern und in Plattenläden nach Alben mit Pentagrammen, umgedrehten Kreuzen oder Pandavisagen durchsuchen war Gebot der Stunde. Und dann kam zum Glück im Juni (oder Juli?) '93 ein Artikel von Robert Müller, in dem es um Black Metal geht und gleich eine Reihe von Bands gennant werden, auf die ich dann gezielt Jagd gemacht habe.

Und damit begann ein Höllentrip von einer genialen Neuentdeckung zur Nächsten, immer mehr großartige Platten von Bands wie Samael, Ulver, Satyricon, Marduk, Necromantia usw. usw. Und als Kirsche auf dem Sahnehäubchen auf dem Riesen-Eisbecher Emperor's "Into the Nightside Eclipse", die für mich für lange, lange Zeit das absolute Nonplusultra im Black Metal darstellen sollte. Noch heute habe ich beim Anhören - auch, wenn das seltener geworden ist; zu gut kennt man die Platte, die ja förmlich in die eigene DNA übergegangen ist - meterdicke Gänsehaut vom ersten bis zum letzten Ton.

Nun waren wir kurz davor in eines dieser kleinen Dörfer im Siegerland gezogen, drumrum nur Hügel, Wald, Felder, herrlich das alles, und da wir uns auch einen Hund zugelegt hatten und ich Nachmittags die Runde mit ihm gegangen bin also erste echte Naturerfahrung. Jahreszeitenwechsel, querfeldein durch das Gehölz, über Knochen und Schädel stolpernd, und im Geiste dabei immer diese geile Black Metal-Musik. Einmal, ohne Hund im Schlepptau, einen ganzen Winter-Nachmittag lang quer durch die Wälder gelatscht, Emperor, "Bergtatt" von Ulver und "Dark Medieval Times" von Satyricon im Walkman, und dann auf einem der höchsten Hügel der Gegend den Sonnenuntergang bewundert - um dann eben in der Dämmerung durch den Wald wieder nach Hause zu tapern.

Das ich zu dem Zeitpunkt schwerstens (und selbstverständlich unglücklich) in ein Mädchen aus der Nachbarschaft verliebt war sei hier nur am Rande erwähnt, spielte aber natürlich eine Rolle für diesen Gefühlsmix, der durch Literatur (auch erste okkultistische Lektüreerfahrungen), Musik und Naturgedöns heftig brodelte. Und auch heute mit der gleichen Hitze aufflammt, wenn ich die "Zweite Welle-Black Metal"-Scheiben von damals höre.

Ich merke gerade, dass da recht wenig Substanz in dem ganzen Text steckt und er ähnlich diffus ist wie ... ja, Nostalgie eben. Passt also. ;)
 
Komme aus Zeitgründen leider erst jetzt wieder dazu, einen Blick ins Forum zu werfen. Und umso mehr freut es mich, dass der Thread gut ankommt und sich hier noch mehr Voll- und Teilzeitnostalgiker und sogar schon die ersten richtig schönen Geschichten finden lassen. Schon aus den Zeilen lässt sich erahnen, wie viel Emotion und persönliche Bedeutung hier hinter so mancher Darkthrone- oder Bear's Den-Platte steckt. Ausgezeichnet geschrieben und unglaublich spannend und berührend zugleich zu lesen, man hat direkt das Gefühl, da bei entsprechenden Ausschnitten unmittelbar dabei zu sein, insbesondere, wenn man sich parallel den jeweiligen "Soundtrack" dazu beim Durchlesen anhört. Werde demnächst, wenn es die Zeit zulässt, auch mal eine etwas längere Geschichte mit musikalischem Hintergrund aus meinem Leben verfassen - ich hoffe nur, den immensen qualitativen Vorlagen hier gerecht werden zu können. :D
 
Demnächst is now! Zufälligerweise randomisierte mein Player auf der heutigen Heimfahrt von der Arbeit einen Song aus der To Lay Like Old Ashes von Austere. Und genau da war es direkt wieder, dieses Gefühl von Nostalgie, von einfachen Momenten, die erst zur Erinnerung werden müssen, um ihren Wert kennen und schätzen zu lernen.

Ich möchte mich in meinem ersten etwas ausführlicherem wie persönlichen Beitrag in diesem Thread direkt einem ganzen Subgenre widmen, das mich sehr lange begleitet (hat) und mit dem ich - dem Subgenre selbst zum Trotz - einen ganzen Haufen wundervoller Erinnerungen verbinde: Depressive Black Metal.

Es war ungefähr um Mai 2011, als ich als Student in mein Jurastudium gestartet bin - eine Zeit, voll von Menschen, Musik und Erlebnissen, die mich bis heute prägen sollten. Dabei war auch ein - damals noch eher ferner Bekannter - der sich ebenfalls der Juristerei in derselben Stadt verschrieben hat. Man kannte sich eben über einen gemeinsamen Freundeskreis und war dann zu Beginn des Studiums jedenfalls nicht ganz allein. Und wie man schon vermuten kann, war der gemeinsame Nenner dieses gemeinsamen Freundeskreises natürlich die Musik. Umso besser, denn tatsächlich suchte man über das gesamte Studium hinweg - bis auf eine Ausnahme - in meinem Studienfach vergeblich nach Leuten, die dieselbe Leidenschaft zur hiesigen Musik teilten.

So hockten wir da also in unserem ersten Semester, mit Bandshirt, Cargo-Hose und langen Zotteln und hörten uns unsere erste Schuldrechts-Vorlesung an. Im Nachhinein muss das, v. a. für viele andere, wohl ein göttlicher Anblick gewesen sein. Wir fielen im Jurastudium wohl auf wie Weihnachtsbäume in der Wüste.

Jedenfalls war ich bis damals, was v. a. das härtere Metal-Gerumpel betrifft, ein halbwegs unbeschriebenes Blatt. Cannibal Corpse, Six Feet Under, Darkthrone, Watain - so ein paar der üblichen Bekannten waren mir schon ein Begriff und bereits Teil meiner Musiksammlung. Hauptsächlich war mein Revier aber noch "gemäßigt": Children Of Bodom, In Flames, Heaven Shall Burn, Kreator - der seichte Shit eben. Um den Bogen zu spannen: Mein damaliger Bekannter - mittlerweile einer meiner besten Freunde in jeder Lebenslage - war und ist immer noch leidenschaftlicher BM-Hörer, wodurch sich auch mein Interesse an dieser Musikart immer mehr intensivierte. Und irgendwann schlug der Youtube-Algorithmus zu und präsentierte mir: Mental Central Dialog von Lifelover. Vom ersten Moment an war ich wie gebannt, fasziniert - ich hätte nie für möglich gehalten, dass es eine solche Art von Musik überhaupt gibt. Es dauerte nicht lange, da wanderten - eisern zusammengespart aufgrund meines spärlichen Bafögs - die ersten drei Lifelover-Alben samt die Dekadens-EP in meinen Besitz.

Schon damals berührte mich diese Art von Musik auf einer Ebene, die ich nur schwer fassen und beschreiben konnte. Wo selbst hartgesottene Metal-Jünger abwinkten und meinten, sowas könne man sich doch nicht ernsthaft antun, verspürte ich beim Hören dieser Musik eine Art von Freiheit, wärmender Melancholie und von entspannender Beruhigung. Versteht mich nicht falsch – keineswegs war oder bin ich selbst depressiv (gewesen), ganz im Gegenteil. Ich habe seit jeher eine wunderbare Familie, einen großen und innigen Freundeskreis und hatte damals auch eine wundervolle Partnerin. Aber immer, wenn ich diese Musik hörte, war ich ganz für mich allein, tauchte ein in diese melancholisch-atmosphärische Welt. Depressive BM war mein persönlicher Rückzugsort, mein Schloss ganz für mich allein, von dessen Mauern ich in die dunkle, endlos wirkende Nacht schauen konnte, wohl wissend, dass ich hier sicher bin.

Natürlich hörte ich auch viel „herkömmlichen“ Metal. Aber mein absolutes Steckenpferd sollten lange Zeit Lifelover, Shining, Silencer, Forgotten Tomb und wie sie alle heißen, sein. Stets war ich auf der Suche nach neuem Soundtrack, zu dem ich nachts von meiner Schlossmauer blicken konnte. Ganz besonders angetan haben es mir da diese ganzen melodisch angehauchten Interpreten, die sich nicht nur auf das eiskalte xasthursche Geschrammel beschränkten (sagt das dreimal schnell hintereinander, lel), sondern mit Klavier, Geigen und Melodien noch etwas Leben in die Finsternis brachten.

Und so kam es, dass ich meine Studienzeit – die im Nachgang betrachtet wohl schönste, turbulenteste und ereignisreichste Zeit meines bisherigen Lebens – viel mit besagten Düstermarschkapellen verbrachte. Und in dieser Zeit viele wundervolle Leute kennenlernen, einzigartige Erfahrungen machen und und einfach eine Zeit voller Freiheit und Unabhängigkeit genießen durfte. Ach ja, und ein bisschen was über Recht habe ich auch noch gelernt. Ich glaube, jeder, der selbst diese Zeit selbst durchlebt hat, weiß in etwa, was ich meine.

Just als ich also heute im Auto saß und This Dreadful Emptiness von Austere ansprang, legte sich sofort ein Schalter in meinem Kopf um und die Assoziationen begannen nur so zu sprudeln. Ich sah mich wieder als Ersti nach einem anstrengenden Vorlesungstag im Bus zum Wohnheim sitzend, wo ich abends die erste WG-Party meines Lebens gefeiert habe. Oder auf den allwochenendlichen Fahrten in die Heimat zu meiner Familie und damaligen Partnerin, im tiefsten Winter der Oberpfalz samt Schneegestöber und übermäßig aufgedrehter Autoheizung. Oder mit meinem Mitbewoher und besten Studienfreund auf dem Weg in die Stadt, den Player in der einen, die Weghalbe in der anderen Hand. Oder Samstagnachmittag auf dem Weg zu einem anderen Freund in meiner Heimat, mit dem ich damals ein Zweimann-Bandprojekt hatte und später am Abend immer wieder uralte Retro-Games auf der PS1 daddelte. Es war einfach eine Zeit, wo man den Eindruck hatte, die Welt stünde einem offen. Und mein Soundtrack dazu war der DBM. Vielleicht fand ich aber gerade deswegen, weil einfach alles in meinem Leben so in Ordnung war, diesen Zugang zu einer derart düsteren, alles negierenden Musik.

Man könnte fast meinen, das alles ist gar nichts besonderes, da es alles so gewöhnlich wirkt. Aber es waren wirklich wundervolle Zeiten – auch abseits vom Studium passte da einfach alles. Ich glaube auch so rückblickend, dass diese Zeiten dem Attribut „perfekt“ wohl am nächsten kommen. Und umso sehr schmerzt es schon fast, die Musik von damals wieder zu hören und irgendwie zu wissen, dass es wohl nie wieder so sein wird wie damals. Vielleicht läuft auch deswegen entsprechende Musikrichtung heutzutage viel seltener bei mir. Ich weiß aber, dass ich mir zumindest meinen Lebtag lang diese extrem schönen Erinnerungen, verkörpert u. a. in dieser außergewöhnlichen Art von Musik, bewahren kann. Und das ist doch auch was.
 
Zuletzt bearbeitet:
Ich denke mal, ich kann an meinen Eingangspost nahtlos anknüpfen, wenn ich nun wieder - Ende Oktober, fast auf den Tag genau - am Rumnostalgieren bin.

Diesmal steckt nicht so sehr eine spezielle Geschichte zu einem bestimmten Album oder einer Band dahinter, sondern mehr eine allgemeinere, melancholische Schwelgerei - jedoch natürlich auch bedingt durch all die Musik, die man bereits gehört hat.

Da mir letztens wieder aufgefallen ist, dass ich Rahmen meiner Musiksammlung nicht mehr weit zur 3.000er-Marke habe, stellt sich mir immer mehr und mehr die Frage: Welche Bands, welche Alben, welche Songs, werde ich davon eigentlich "wirklich" nochmal hören? Meine Devise ist ja: CD holen, digitalisieren und dabei das erste Mal komplett hören. Bei Gefallen im Anschluss natürlich frequentierter. Und so kommt natürlich auch eine stattliche Zahl an Songs und Alben zusammen, die einfach mehr als erhaben sind. Genauso natürlich auch Sachen, die im Erstdurchgang mehr vor sich hindümpelten und nicht viel Eindruck hinterlassen haben. Und die Zeit (und auch Geld) ist bekanntlich begrenzt, es will natürlich gut überlegt sein, was im Player landet. Und dann tun sich auch irgendwann entsprechende, o. g. Fragen auf. Oder Fragen wie: Sollte ich meine Sammlung doch wieder auf "das für mich Wichtigste" verkleinern? Ich kann doch eh nicht mehr alles nochmal hören? Aber Sammeln macht doch auch Laune, warum verkleinern? Welchen Sinn macht das dann überhaupt noch, mir neue Sachen zu holen und ins Regal zu stellen? Welchen Sinn macht neue Musik für mich überhaupt noch, wenn ich doch schon so viel gute "alte" Musik habe?

Ich bin jetzt "erst" 33, das klingt insofern alles etwas dramatischer, alles es ist. Aber nichtsdestotrotz macht man sich da schon so ein paar Gedanken. Und natürlich auch, weil es - sicher - noch so viel gute Musik und Interpreten zu entdecken gibt und noch geben wird. Wenn ich allein meine derzeitige "To-buy-Liste" ansehe, werde ich noch Jahre brauchen, um meine Sammlung nach meinem Gusto zu "komplettieren": At The Gates, Empyrium, Enslaved, Meshuggah, Napalm Death, Obscura, Vader,... - und das sind nur einige der bekannteren Bands, die mir da aus dem Stegreif einfallen. Und dann kommen natürlich noch die ganzen Neu-Releases der bestehenden Bands hinzu, die man ja auch noch hören möchte.

Ist wohl derzeit wieder so ein "Herbst-Thema" bei mir, aber alles in allem ein recht interessantes Thema... wie denkt ihr da so drüber, geht's euch ähnlich? Oder mache ich da tatsächlich etwas mehr Wind um was, was man eigentlich einfach genießen und akzeptieren sollte?
 
... wie denkt ihr da so drüber, geht's euch ähnlich? Oder mache ich da tatsächlich etwas mehr Wind um was, was man eigentlich einfach genießen und akzeptieren sollte?
Um diesen schönen Thread mal wieder aus der Versenkung zu holen und um vielleicht später auch Geschichten beizusteuern, die ja doch sehr persönlich, aber vor allem so sehr menschlich sind, mal dieses Fragenzitat.

Das kannst du dir nur selbst beantworten. Mir ist es nicht wichtig Diskographien komplett zu besitzen. Meine "Sammlung" umfasst keine 500 Tonträger, dennoch bin ich ein Musikliebhaber. Und zwar kein rationaler, sondern ein vornehmlich emotionaler, erwähnte ich hier vor kurzem erst.

Mal sehen ob ich die Muße finde euch ein wenig teilhaben zu lassen.
 
Meine "Sammlung" umfasst keine 500 Tonträger, dennoch bin ich ein Musikliebhaber.
bei mir ähnlich , hab ca. 300 CDs, die versauern aber in 2 Umzugskisten, habe keinen CD Spieler mehr (auch nicht am PC der hat keinen CD Schacht) das meiste hör ich über Youtube oder so, ich hab da kein verlangen mehr nach was haptischem oder irgendwelchen Bandmerch (außer Shirts, das ist quasi mein letztes Zeichen nach aussen was ich für Mucke hör)

mir reicht der reine "Sound", und bei Filmen oder Serien ist es bei mir gleich, nur hab ich da mittlerweile komplett gar nichts mehr
 
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